Nr.X. 9. März. 1799. Giesser Jiitelltgenzvlatk. Einige Bemerkungen über vie Hindernisse bei Anregung öffentlicher Alleen und Plantagen vo»r E>bstbäumen oder andern Lanbho!?. Man darf nicht etwa glauben, daß e« großer Aufmunterungen bedarf, daß die öffentlichen Wege und Platze mit Baumen besetzt werden; jeder, nur nicht ganz ver- dorbener Landwirth hat gewiß -Neigung dazu. Allein die gewalName Zerstöhrung solcher öffentlichen Anpflanzungen ist ein Hindernis, da« sehr viele abhält, Kosten und Muhe darauf zu verwenden. Istnur erst die- gehoben, so sind einige ausgesetzte Preise hinlänglich, alles in Bewegung zu setzen. Freilich würde noch immer die Klaffe von Menschen, die für das Schöne und entfernte Nützliche kein Gefühl hat, Zurückbleiben ; aber man mache es zum Gesetz , daß auf der Feldmark eines Dorfe- alle Ackerstücke, welche an die Heerstraße, oder an breite Wege stoßen, mit Bäumen besetz) werden sollen, und daß, wenn der Eigenthümer des Ackerstück- sich binnen einer gewissen Frist nicht dazu verstehet, ein jeder aus dem Dorfe diese Stelle mit so viel Baumen besetzen kann, als zur Anlegung einer Allee gehören , und schütze alsdann einen jeden bei diesem neuen Eigen- thum- Guthsbesitzer werden von selbst zu dieser Verschönerung ihrer Grundstücke, mit welcher ein so wahrer Nutzen verknüpftest, beitragen , und sie könnten auch solches ihren Pachtern zu einer Packtbedingung Mathen , wenn man nur die Anzahl der zu setzenden Bäume mit den Einkünften des Guths in ein gehöriges Verhältnis bringt, und nicht in einem zu kurzen Zeitraum die Anzahl überhäuft. Allein, wie gesagt, daß so viele Bäume durch Nachlässigkeit und Muthwillen umkommen, dies ist das eigentliche und vorzüglichste Hindernis; denn wie viel Fleiß, Geduld und Kosten gehören nicht dazu, eine Allee von Obst - oder andern Bäumen zu unterhalten ! Bei dem allen trift man deren dennoch viele an, und eine Menge einzelner Bäume an den Wegen. Letzteres beweiset offenbar, daß nicht die fehlende Neigung zum Baumpflan- zen der Grund ist, daß man nicht alle Wege und Landstraßen mit Bäumen besetzt stehet, sondern daß nur die gewaltsa- men Beschädigungen der Alleen den Pflanzer muthlo- gemacht haben, sein Werk zu vollenden. ES ist nur allzubekannt, wie sehr die Anpflanzung der öffentlichen Alleen unö Plantagen durch Unvorsichtigkeit, Muth- willen, und öfters durch vorfttzliche Bosheit leiden. Alle bekannt gemachte harte Strafen haben für den Frevler so wenig Wirkung, daß man öfters bei den Warnungstafeln die Hände des Schadenfrohen gewahr wird. Es ist wohl höchst selten der Fall, daß ein Eigenthümer, ein Ackerbürger, Bauer, oder irgend einer, der selbst auf dem Lande eigene Bäume besitzt, aus Muthwillen einem Baum Schaden zufügen sollte, der ihn nicht hindert, oder dessen Beschädigung ihm keinen Nutzen gewährt; nur der entgegengesetzte Fall, oder wenn er sich ausdrücklich nn dem Eigenthümer rächen will, flndrt gewöhnlich Statt. So verletzt tr den Baum seines Nachbarn, der ihn beim Pflügen hindert, alles nach Bequemlichkeit zu — ) 38 ( MM (a machen; so haut er einen Baum ab/ den er in seiner Wirthschaft zu nützen glaubt; so rächt er sich gern an seiner Herrschaft/ oder an dem Mann , der die Aufsicht über die Bäume hat. Aber, wie gesagt, die Fälle sind bei dem eigentlichen Wirthe selten. Die Hauptfeinde der öffentlichen Al- leen sind: i) die Hirten, «) die Schäfer, 3) die Büttner, 4) die Knechte auf dem Lande, „ 5) die Hütekinder, 6) die Fuhrleute, in der autfgcbreitet» sten Bedeutung des Worts, 7) die wandernden Handwerköpursche, 8) der angehende Soldat. Man will damit nicht sagen, daß jedes Mitglied dieser Klaffen ausdrücklich darunter gehöre; allein es ist gewiß, daß, im Ganzen genommen, nur diese, theils auS Vorsatz, theils aus Unvorsichtigkeit, den öffentlichen Baumpsianzungen den meisten Schaden zufügen. Wenn man daraufAcht gegeben hat, wodurch hie und da ein Baum beschädiget worden, so wird man gewiß immer finden, daß solche, wosieamWege stehen, entweder das Merkmal der Verletzung vom Vieh, das sich daran gerieben hat, von Rädern und Wagenachsen, die mit Gewalt daran angefahren sind, oder von irgend einem Ackerinstrument tragen, was bei Bestellung des Feldes gebraucht worden, oder man wird die Hand des MuthwillenS und der Bosheit gewahr. Nur selten wird eö der Hirte der Mühe werth halten, seinen Hund nach einem Stück Vieh zu hetzen, das sich an einem Baum reibt, und vielleicht in diesem Augenblick denselben abbricht. Ist der Baum einmal vertrocknet, oder wurzellos, daß er mit leichter Mühe herausgezogen werden kann, so ist er da , wo Holzmangel ist, gewiß bei erster Gelegenheit, sein Eigenthum, denn, wie schon erinnert, der Hirte wird es selten zu verhindern suchen; es wäre denn dieser ein sehr gutmüthiger und aufmerksamer Mann. So auch der Schäfer, derganz gleichgültig zusehen kann, wenn ein andrer die nicht weit von ihm entfernte Allee beschä» digt, öderer selbst, wenn es seine Jahre noch erlauben, zum Zeitvertreib Figuren in die Rinde schneidet, oder sich gar den jungen Baum zum Treibeknüppel nimmt, vielleicht gerade nur darum, weit er nichts Bcfferes thun will. Der Verfolg künftig. Nachricht von einigen Ueberscbmemnmnge» der Stadt Giessen auu den alteren Seiten» ,, 1643. den 5. 6. und 7ten Januar ist ein überaus groß Wasser gewesen, fo daß die jungen Fürsten von'Darmstadt, als sie nach Giessen gezogen, nicht in die Statt wegen des großen Gewässers haben kommen können. Tas Wasser ist so groß gewesen, daß e« über die Wallgraben-Brücken an allen Pforten ist gegangen, und man bey und von dem Si-chhaus auf Nachen über die Schoor bis an den Wallberg fahren können. Damals haben die jun» gen Fürsten 2 Nacht auf dem Schiffenberg gelt. en. In Giessen haben die Leute allenthalben über die Strossen mit Nachen und Bacltrögen gefahren. Auf dem Markt ist eö nur allein trocken gewesen.^ Steinberger Haußbuch, im Giesser Intell. Blatt 1795. Nro. 32. A. 1682. den 29Ianuarii da war ein so groß Wasser allhier, von wegen deö Re- genwellers, daß es gar gefehrlich war, daß man zu wehren hatte, daß nichts in die Stadt kam. Da mußten die Fuhrleute Bauhölzer hinausfahren und Mist, daß nichts herein kam. Alte geschriebene Nachricht- Ke- ) 39 ( **" Bek-tttttm-chttng von verschiedenen Sachen. i) Nachdem? anderweiterTermin zum Verstrich des von Philipp Heinrich Kröcker hinterlassenen Wohnhäuser, auf dem Neuenweg , neben Brandweinbrenner Ohler, auf Mittwochen den 27ten März, Morgens io Uhr anberaumet worden, als können diejenige, welche mitzustreichen gesonnen sind, sich alsdann auf dem RathhauS einfinden. Giessen den 6ten März 1799, Fürst!. Hess. Oberamt das. Rayß. _ 2) Mittwochs den roten Marz Vormittags um io Uhr, soll bei hiesiger Fürst!. Renterei , das alleinige Scheeren - und Messerschleifen In dem aus 4z Ortschaften bestehenden Amt Blankenstein samt dazu gehörigen Grund Breidenbach, von jezo an in einen mehrjährigen Bestand öffentlich versteigt werden; welches hierdurch öffentlich bekannt gemacht wird, und hatten sich die hierzu Lusthabende zur bestimmten Z-it, beshiesiger Rentere» einzufinden, und nach vorheriger amtlicher Animation wegen ihres Aufenthalts, dem Bestrich beizuwoh- nen. Gwdenbach den 2len März 1799. Fürst!. Hess. Renterei daselbst. Hermanni. 3) Auf Ansuchen des Fayischen Cura- torS Adam Hobeler allhier, ist der Ver- kauff sammklicher dem hiesigen Burger David Marsteller gehörigen Güther erkannt, und Termin zur Versteigerung auf Montag den 22ten April dieses Jahrs Vormittags um n Uh-bestimmt worden. Alle diejenigen , welche an diesen Güther'n, die zum Theile von Jacob Marsteller geerbt worden sind, und von demselben verpfändet seyn können, gegründete Ansprüche haben, werden hiedurch aufgefodert, am genannten Tage, -der auch vorher, ihre Forderungen bei hiesigem Amte anMel- gen, und die darüber in Händen habens den Verbriefungen origirraliter, oder in beglaubten Abschriften, vorzulegen. Wer solches unterlasset, hat sich zu gewärtigen, daß den Rechten nach auf Präklusion erkannt, und, so weit die eingehenden Kaufgelder hinreichen, der Curator Hobeler da- vonj befriediget werde. Grüningen am Uten Februar 1799. Hessen - CasselischeS Amt. Happel. 4) Bei Frau Major Werner sind Italienische Pappeln zu haben, von 14 diS i6Schuh das Stück 6fr., von 12 bis 14 Schuh das Stück 4 fr., auch dresiahrige Spargelpflanzen, das Hundert ist. 20fr. 5) Ein vor dem Wallthor an dem Wif- fecker Weg gelegener Garten, worinn ein Haus befindlich ist, stehet zu verkaufen, oder auch auf ein oder mehrere Jahre zu »er- nüethen. Ausgeber dieses giebt nähere Nachricht davon. Litterärifche Anzeige. Bei dem Universitätebuchbinder Balser allhier ist in Commission zu haben: Tascbtnbücblem für Landschullehrer, welche ibr Amt gewissenhaft verwalten und Nutzen ffiftkn wollen, herausgegeben von Heinrich Christian Bergen, Prediger in Breidenbach. Kostet geheftet 10. Kreuzer Gießen 1799. Ein sehr nützli- ches Büchelchen für jeden Schullehrer, der den ganzen Umfang seiner täglichen Pflichten beständig vor Äugen behalten und sich um das Wohl der seinem Unterricht anvertrauten Kinder verdient wachen will. Gottesdienst am 10. LNär?. In der St Pancratiuskirche. Morgens Herr Professor Palmer. Nachmittag- Herr Superintendent Müller. 3 In — ) 40 ( — In der Burgkirche. Morgens Here Superintendent Schulz. Nachmittags Herr Pfarrer Buff. Morgen den io. März hat das Frischtacken der Beckermeister Wahlenfels, in der Wallthorstrase. Geraufte bei der Seadtkirckre. Am 6. Marz. Dem dritten Stadtschullehrer, Herrn Johann Christian Heinrich Rink, ein Sohn, Namens Joh. Georg, Beerdigte bei der Stadtkirche. Am i. März. Konrad Melchior Heinrich , des Burgers und Schuhmachers, Konrad Franzen, ehel. Sohn, all 8^age. Am z März Johann Melchior Tensfelder, Burger und Schuhmacher allhier, alt 54 Jahre. Eod. Des Burgers und Tuchmachers Joh. Melchior Stohrs, ehel. Sohn, Namens Eberhard, alt Z Jahr. Beerdigte bei Oer Burgkirche. Am 4. März. Karl Ludwig August, des herrschaftlichen Reitknechts , Konrad Borks, ehel Sohn, alt i Jahr, 4M0N. Am 7. Marz Louisa, des verstorbenen Musketier Peter Ganßen, hinterlassene ehel. Tochter, alt ichJahr, l Mon. Gresser Mctualien-und Markt-Preis. kr. pf.i | 1 ft Ochsenfleisch ' — — 8 — r ft Schweinefett — — l — Äühflrisch — — 7 — 1 — Seifen — — 1 — Rindfleisch — — 6 — 1 — Lichter — — i __ Kalbfleisch — — 4— i — frische Butter — — 1 — Schweinefleisch — — 8 — t — geschälte Hirse — — 7 — Hammelfleisch — — 8 — 1 — grob geschälte Gerste — 7 — Hammelsfett — — — l — klein geschälte Gerste — i — Rinds-Nierenfett — [4 — Eyer n Stück — — — kr. 16 20 24 14 8 8 10 8 « 1 Illi 1 kr. I Loth 1 Quint Schwarz Brod 1 12 L Weck — — 1 7 — Milchbrod 1 6 — Butter Bretzeln 1 3 gemischt Brod oder Taigscher 1 1 9 l 1/2 Getraidepreife vom 2.März bis den 9.März, in Frankfurt. Währung den fi. ä6o ft. und das ft. zu 34 Loth Cölmsches Silbergewicht. Städte. Gema«. Waizen' wiegt Korn wiegt Gerste wiegt Hafer wiegt fi. kr. ft. fl. kr. ft. fl. kr., ft. fl. tr. Ib. Darmstadt daS Malter. 6 45 175 5 8 157 4 140 2 38 98 Giessen das Achtel. 8 - 200 6 55 18° 4 30 160 4 — 140 Marburg das. Mott. 8 10 1501 5 30 1351 1 3 45 120 2 40 84 Die; l das Achtel. M 3° 34°l 914° 300 1 20 —— — — — Wezlar !d«S Achtel. 11 — 2q6| 7150 1901 1 7 10 168 4-1 *■*