Nr. XXX Vf. 7- Sepkembr. 1799- Giesser Jittclligcyzhlatt. Bemerkungen über die Gedanken eine» Laien in der ^y,OrAultdi , gelegenrkicty der Wehr- ans?a!ren in. der lladot, Oes 2zrcn Sehr. O. I. dazu angefacht. Ja Nro. XV- u f. dieses J'ck^lli- genzbialteö ist ein Aufsatz von einem Ungenannten eingerückt, in welchem die dieses Frühjahr vey dem Ausgange des Lahneises getroffenen Vorkehrungen, um Gie. sen gegen Ueberschwemmungen zu sichern, übel mitgenommen, und wohl gar lächerlich gemacht werden sollen. 'Da diese Vorkehrungen, wie es bekannt ist, vorzüglich auf meinen Rathe gemacht worden , so geht auch dieser Aufsatz, in so fern jene Anstalten auf eine hämische Art darin getadelt werden , vorzüglich mich an. Nicht aber bloß hämische Ausfälle auf mich enthalt der erwähnte Aufsatz, sondern auch Vorschläge, wie man sich in ähnlichen Fällen benehmen soll; Vorschläge, die , nach meiner vollen lieber; zeugunq, die Bürger Giesens in eine für sie äusserst gefährliche Sicherheit einschläfern können. Wenn jene Ausfälle mir nur Veranlassung geben würden, so macht diese Betrachtung es mir zur Pflicht, die von dem Ungenannten gemachten Fehlund Trugschlüsse, in so fern sie mir als solche erscheinen, aufzudecken, und gelegentlich andere Vorschläge wieder mitzu- rheilen. Dieß sind die Gründe, warum ich den Rath meiner Freunde, diesen Wind unbemerkt über mich hinwehen zu lassen nicht befolgen kan. Nutzen sie nicht, meine Bemerkungen, was können sie schaden, selbst auch danw noch , wann ich mich irren sollte Ich verlange fa nicht, daß! man mir auf mein Wort glauben, und mir U::fehlba>keit zutrauen soll, die ich mir selbsten am wenigsten zutraue. Nur a^f eine einseitige Anklage, möchte ich nicht, daß der Stab über mich gebrochen würde. Auch meine Vertheidigung lese man, und dann urthriie, wer zu ur- theilen vermag. Ich verspreche sie mit aller Kaltblütigkeit abzufassen, diese Vertheidigung, da in den 14 Tagen, seit welchen ich jenen Aufsatz kenne, meine aufwallende Hitze, die ich vielleicht Anfangs bet) dem Durchlesen desselben empfand, lange erloschen ist. Am kürzesten werde ich mich fassen können, wenn ich aus dem unendlich weitläuftigen und langweiligen Geschwätze des'Ungenannten in wenigen Worten zeige, welchen Gang er genommen hat. Der Verfasser jenes Aufsatzes beschäftiget sich mit der Abwendung der hohen Anschwellungen der Lahn und Wieseck in so fern sie für die Stadt G'esen gefährlich werden — nicht aber in so fern, alA sie dem Landmanne Schaden oder Vor>- theil bringen können. Hier nun bemüht er sich zu zeigen: 1) Daß die dieses Frühjahr getroffenen Vorkehrungen gänzlich falsch gewählt waren, und der Stadt zum Schutze gegen das Eindringen der hohen Fluth in ihre Mauern nie dienen konnten. 2) Daß Gießen durch das Einsetzen von ein paar Schützen in die großen Thor- gewölbe,in das Ein - und Aüelaßgerinne, und in die Mordkeller -Antauche für je^e Ueberschwemmung, die nicht höher als der Wall steigt, gänzlich gesichert ftp. 3) Welche ) 142 ( 3) Welche DorkehrungSmittel in Zukunft zu treffen sind, um die beabsichtigte Sicherstellung Gießens zu bewirken. Schon diese gewählte Ordnung läßt — wenig gesagt — nicht viel von des Verfassers Raisonnement erwarten. Ist die Stadt durch das Verschliessen eben erwähnter Oefnungen des Walls für eine jede Ueber- schrvunmung gesichert, was ist dann weiter für Noth l Die Anstalten hierzu sind so geringe, kosten sowenig Muhe und Geld- aufwand, und sind im Fall der Roth in so kurzer Zeit auszuführen (zumahl wenn die Schutzen und das übrige Material, wie es auch wirklich geschieht, schon gleich Anfangs bey jedem Thauwetler, bey'welchem Gefahr zu befurchten ist, an Ort und Stelle gebracht werben), daß es überflüssig, ja lächerlich siyn würde, noch aufandere, in jedem Fall kostbarere Sicherungs- Mittel denken zu wollen. Der Ungenannte hatte also nur diese Behauptung beweisen dürfen, und demnach den ganzen übrigen Theil seines Aufsatzes sparen können. Ich wenigstens würde alsdann, wäre diese Behauptung richtig, es öffentlich erkennen, daß die am 22tenFebr. d. I. vorgenommene Erhöhung der Chaussee ganz unnö- thig war. . Ist aber Gießen gegen die Gefahr deö hohen Wassers wirklich so leicht sicher zu stellend — Dies ist nun wohl die Hauptfrage , und ist eben die, welche mir, wie schon vorne gesagt, es zur Pflicht macht, die in jenem Aufsatz gemachten Fehlschlüsse öffentlich zu rügen. Die Leser dieses Wochenblattes sind leicht konsequenter in ihrem Raisonnement, als der Verfasser jenes Aufsatzes war. Glauben sie diese Behauptung, so muß ihnen wohl ein jeder leicht so viel gesunde Vernunft und richtige Beurtheilung zu- trauen, daß sie alsdann nicht thöricht genug seyn werden, noch auf irgend ein anderes Sicherungsmittel zu denken. Diese geringe Ueberlegung irgend einem Men- jchen, der nur im Stande ist, bis fünf johlen zu können, absprechen zu wollen, würde ,ch für die erschrecklichste Beleibt, gung halten, die demselben nur fe zugefügt werden könnte. Wäre also jene Be. hauptung des Ungenannten falsch, so würde dadurch, daß sie Glauben fände, Gießen offenbar in die größte Gefahr gesetzt. Es ist also wohl der Muhe werlh, sie etwas naher zu prüfen. Oberflächlich die Sache erwogen, scheint die Behauptung wirklich Grund zu haben, denn so viel ist gewiß, daß das Wasser alsdann nicht mehr unmittelbar in die Stadt Hineinstromen kann. Wer aber mehrere Gegenden gescheit, und sie besonders in hydrotechnischer Rücksicht beobachtet hat, und nur das sumpfige unö moorige Terrain, auf welches Gießen liegt, und um Gießen herum betrachtet, wird bald auf den Gedanken kommen, ob nicht Ouellwasser, wenn der Wallgraben hoch angefullt ist, der Stabt gefährlich werden könne. Dies war daher meine .erste Frage, als mein Gutachten von Seiten Hochfürstl. Hochlöbl. Regierung in Gießen wegen der zu treffenden Vorkehrungen verlangt wurde.*) Die Antwort war: freylichdies brachte die Stadt eben in die Gefahr, da )a äusser dieser aar keine vorhanden wäre, indem man sonsten nur die paar Oeffnungen in dem Walle abschließen dürfe, welches ohne- ___ dem *) Beylausig sey eS gesagt, daß dies die erste Veranlassung war, mich der Sache thätig anzunehmen. Dies zu meiner Rechtfertigung für die-emgen, welche etwa gauben möchten, ich hätte mich ganz eigenmächtig hinzugedrängt. Länger als 14 Tage vor dem Aufgange des Eises, als vielleicht noch niemand an die zu befürchtende Gefahr dachte, war dieses Hochverehrt, Colleg schon bemüht/ sie abzuwenden. y' - ) ] dem jedeSmahl geschehe, wenn hohes Was' ser zu befürchten steht; auch sey Gießen schon zu mehreren Mahlen , und bestimmt in den sechsziger Jahren ( wenn ich mich ander- recht erinnere) durch solches Quell- wasser inondirr worden , wobei) das Wasser aus den Kellern und Brunnen wieauS Fonlainen gesprungen sey. Der Verfolg künftig. Bekanntmachung r>on verschiedenen Sachen. 1) Die dem Corporal Jacobi im Leib» grenadier-,- Bataillon des hvchiöblichen Hess sen-Casse ischen Regiments Garde zugehörigen vor G üningen gelegenen Gülher sollen Montag den Uten November dieses Jahres bei hiesigem Amte an den Meistbietenden versteigert werden. Da nun zugleich nöthig befunden worden, alle diejenigen, welche an jenen Gü- thern rechtliche Ansprüche haben, vorzula- den, so werden solche hiedurch aufgefodert, in besagtem Termine ihre Ansprüche ent. weder in Person, oder durch ordnungö- wasig Bevollmächtigte anzuzeigen, und gehörig zu begründen, mit der Warnung, daß im Unterlassungsfälle den Rechten nach auf Präclusion wird erkannt werden. Grüningen am 17 August 1799. Hessen - Casselischeö Amt. > Happel. 2) Für eine einzelne Person sind auf derWallpförter Straße 2Stuben, 1 Kammer zu vermiethen. Ausgeber sagt wo? Anzeige an Bucherkiebhaber. Der Buchdrucker Grözinger in Reutlingen hat Plaki und Verzeichnis einer Bü- eberlotterie drucken lassen, die auS 20,000 Nummern besteht, und lauter Treffer har. Derselbe ist in allen guten Buchhandlungen zu haben, und wird im November d. Jahr-gezogen. Die Einlage ist ist. und 43 C — der geringste Treffer 12fr. Wer vor der Auction aus diesem Verzeichnis für 2J3 bei Preises zu kaufen Lust hat, der kann sich an die Kriegersche Buchhandlung in Giessen wenden, die vor der Verloosung den Auftrag hat, Bestellung für diesen Preis anzunehmen. Gottesdienst am 8- Septembr. In der St. Pancratiuskirche. Morgens Herr Professor Palmer. Nachmittag- Herr Superintendent Müller. In der Burgkirche. Morgens Herr Superintendent Schulz. Nachmittag- Herr Pfarrer Buff. Morgen den 8. Sept, hat das Frisch- backen der Bcckermeister Kammerer, auf dem Markt. Ein- und Aaspasstrte. Am 24. Aug. Hr. Reg. Rath v. Eck, von Dillenburg, log. in der Post. Am 25. Äug. Hr. Hauptmann von Gilten, von Dillenburg, log in der Poft. Eod. Hr. Graf von Wittgenstein und dessen Hofmeister. Hr. Lieuten. Duncker, in Hess. Cassel. Diensten. Hr. Pfarrer Ruppersberg und Hr. Procurator Rup- persberg, von Marburg, log. im Einhorn. Am 27. Aug. Hr. Lieuten. Hanser, in Hess. Cassel. Diensten, log. im Euihorn. Am 28. Aug. Hr. Graf Gallotin, von Braunschweig. Hr. Hauptm. v. Schenck, in Hess. Darmstadt. Diensten, log. in der ' Post. Eod. Hr. Baron v. rangen und Baron V. Sperling, aus Sachsen, durchpass Am Ly. Aug. Hr. Doctor Schneider, von Hamburg, log. in der Post. Eod. Hr. Hofrath Vollmer von Wittgenstein, log. im Rappen. Getaufte bei der Stadtkirche. Am Zl. Aug. Dem Buchhändler Hr». Lud- ~ ) M4 C — Huhwig Peter Kempf, eine Tochter, Na- yien- Augusta Amalia Elisabetha. Am 4. Sept. Dem Corcerlnccht Joseph Stadeler, ein Sohn, Namens Johann Balthasar. Beerdigte bei der Gtadtkr'rche. Am 30. Aug. Karl Christian, Herrn Hofrath dc Labroifle ehel. Sohn, alt 3 Jahr, l Mon. 26 Tage. Am i.Sept. Dem Burger u. Schreiner, Johann Konrad Christian Müller, eine Tochter, Namens Alma Katharina, alt 1 Jahr, 4 Mon. Eod. Dem Burger und Schuhmacher Ziegler, eine Tochter, Namens Susanne, olt 1 Jahr, 3 Mon. Am 5. Sept Frau Elisabetha Katharina , Hrn Joh PhilippMagnui, Rathr- schöffen allhier, Ehegattin, alt 76Jahre. Eod Jacob Koch, Scribent allhier, alt 50Jahre. Gelauste bei der Burgl'ücbe. Am 4 Sept. D«m peinl. Gerichts- affessor und Fürst!. Regicrungvadl'okoten, Hrn. O. Gundheim, em Schn, Namens Karl Theodor. I ft Ochsenfleisch I — Kuh stet sch £ — Rindfleisch 1 — Kalbfleisch £ — Schweinefleisch — X — Hammelfleisch — I — Hammelsfett — I — Rinds -Nierenfett £ ft Schweinefett — £ — Seifen — r — Lichter — £ — frische Butter — £ — geschälte Hirse — £ — grob geschälte Gerste l — klein geschälte Gerste Eyer 9 Stück — — Pf. fr. 16 20 24 211 8 8 10 Gresser Viclualten-urrd Markt-Preis, kr pf. 9i 8 7' 7 9 Schwarz Brod fr. Loth ---,— Quint 1 10 3 1/4 Weck — — 1 5 2 1J2 Milchbrod 1 4 2 1/2 Butter Bretzeln 1 2 3 1/4 gemischt Brod ober Taigscher 1 8 I Getraidepreise vom Zi.?sug. t 's den 7. Sept., in Frankfurt. Währung den fi. ä 60 kr. und das ft. zu 34 Loth CölNtsches Silbergewicht. Städte. G e m ä -. Waizen wiegt Korn «wiegt GerstelwiegtUHafer wiegt fl. fr. ft. fl.lfr.I ft. fl. fr 1 ft." 11^777 “77^" Darmstadt das Malter. 6 45 175 5'8 157 4 — T4O 2 ,8 QR Gieflen das Achtel. 9 30 200 7. IC Igo 5 30 160 6 — T/in Marburg • das Mott. \ g — 150 6j— T3SI1 4 — 120 3_ Oa Diez | das Malter. | 16 — 340 loj4o 300II 8 — — Wezlar l das Achtel. I 13 — 206 in— 190II 7 40 168 6 20 — Diese-Jntelligenzblatt ist für 45 teurer m der Krirgerschm Buchhandlung atam Vorauszahlung zu haben. Legen