Nn XXVIL 6. Julii. 179-. Giesser JntelligenMatt. Die Runkelrübe. Verfolg. „DaS muß ich melden, daß die Hirsche dem Kraute dieses Gewächses ausserordentlich nachstreben, und man daher übel thut, wenn man eö an solche Orte pflanzet, in welche diese Thiere kommen können. „Ohnerachtet ich nun nicht sagen kann, daß ich Wurzeln zu io oder wohl gar mehrern Pfunden bekommen hätte; so ist doch der Ertrag dieses Gewächses ganz ausnehmend gut. Man kann rechnen, daß, wenn es ziemlicherwachsen, man es alle 14 Tage einmal gänzlich abbkatten kann, bis gegen das Ende des OctoberS. Man laßt allemal nur die mittelsten Blatter stehen. Die Blätter geben ein recht gutes Futter für das Rindvieh; in die Küche aber ist unser große schwerer Mangold besser. „Diese Rübe in dem Lande verfrie- ren zu lassen, um dasselbe zu düngen, ist eine schlechte Wirthschaft. Man lasse sie das Rindvieh fressen, und dieses frißt sie ganz gern, und wenn sie hierauf die natürliche Veränderung überstanden haben, alsdenn erst sind sie recht gut, um tat Land damit zu düngen. „ Wenn man sie im Winter aufheben will, müssen zuvor alle, auch die kleinsten Blätter abgerissen, und nicht abge« schnitten werden. Man schichtet sie in den Kellern auf einander , muß sie aber vor dem Froste aus dem Felde in den Keller thun, denn sie können keine Kalte aueste- hen, und in dem Keller wollen sie lieber zu trocken, als mit zu vieler Feuchtigkeit aufgehoben werden." Wenn Herr Reinhart von der Vermehrung der Viehzucht durch die Verbesserung der Wiesrn, und da, wo mit aller Muhe keine Wiesen anzubringen stehen, durch die Anbauung guter Futterkräuter redet, so will er nebst dem sogenannten Saint-Fontain und Esparcette, auch dieses Gewächs in der Absicht kultivier haben. Vielleicht ließe sich aus der sogenann» ten Frankfurter großen weissen Rübe ein eben so wohlschmeckender und gesunder Kaffee, wie aus der Runkelrübe verfertigen, und es käme dabei nur aufeinen Versuch an. — Der Saame dieser weissen Rübe wird 14Tage nach Johannis sehr dünne gesäet. Weil die Rübe sehr viel Kraut treibt, so wird solches beständig abgeblattet, unddem Vieh zu fressen gegeben, wornach die Kühe besonders gute und fette Milch geben. . Im Herbste wird die Rübe ausgenommen, und sie dient sowohl Menschen al» Vieh zur Nahrung. Allgemeine Bauern- und wireerungsregeln. Dom Wetter. Die abergläubische Wahrsagerei auS dem Gestirn, stammt von den Heiden her, und hat sich von diesen auf die Christen fortgepffanzt. Der erste christliche Kaiser, Konstantin der Große, sähe schon den Mis- brauch und die Thorheit davon ein, und wollte dem Uebel durch kaiserliche Befehle, steuern. Wie gut wäre es gewesen, wenn man diesen heidnischen Sauerteig frühzei- tiger ausgefegt hätte. Wir kennen die * Eigen- 'M ) 10« ( Eigenschaften der Himmelskörper und ihren Einfluß auf unsere Erde viel zuwenig, als daß wir daher Regeln für die Witterung hecnehmen könnten» So viel weiß ein jeder, daß »sonne, Mond und Sterne ihren gewissen Lauf, Jahr aus Jahr ein, behalten. Nichte destoweniger aber ist die Witterung, in dem einen Jahr ganz anders , wie in dem andern. Das Gestirn kann also nicht schuld daran styn: sonst hatten wir alle Jahre einerlei Wetter! Besser wäre es, wenn man mit mehr Genauigkeit auf das merken wollte, was auf unserer Erve geschieht; zu welcher Zeit ein Baum, oder Staude seine Knospen treibt, und Blätter bekommt, und dergleichen. Auf solche Art wird man an den Stauden, Bäumen, Gewachsen, Blattern, Blüthen, an den Thieren, Streichvögeln, und hundert andern Dingen, gar bald einen natürlichen Wetterkalender finden, welcher zuverlässiger ist, als alle astrologischen Muth- waffungen seyn können. Und eben hierauf wendet man in unfern Zeiten den größten Fleiß. Wir wollen nur einige Egempel anführen, wie sich der gemeine Mann, schon hie und da, nicht nach den astrologischen Kalenderpropheten, oder nach dem Mondenlichte, sondern nach Anzeigen richtet. Der kluge Winzer hört auf, den Weinstock zu graben, sobald die Schnecken aus ihren Löchern herausstreichen, und an den Gewachsen hinaufkriechen. Der erfahrne Bauer fängt im Frühjahr an zu pflügen , wenn er den Kranich in der Luft schreyen hört. Der vorsichtige Gärtner wagt eS nicht eher, seine fremden Gewachst an die freie Luft zu bringen, bis er an der Größe ber Maulbeerdlatter, oder anderer Gewächse findet, daß es genugsam warm sey. Anmerkung deS Herausgebers. So lautet der faßliche und schöne Anfang, dm der Hessendarwstädtifche Landkalender, als Vorbericht zu den darin gegebenen allgemeinen WitterungSregeln, liefert. Es sey mir erlaubt noch einige Zusätze dazu zu machen. Völlig stimme ich dec Behauptung, von unserer geringen Kenntnis der, in so großen Abständen von uns entfernten Weltkörper bei. Wir sitzen, was die Kenntnisse der Himmelskörper betrifft, noch auf den untersten Schul, und ABC Bänken, und werden, wenn wir dereinst weiter gerückt sind, auch an diesen Kenntnissen wachsen und zunehmen! Die Sonne, als den Mittelpunkt unserö Plar netensystems und den Mond, alsdenTra- bauten unserer Erde ausgenommen, kann ich von den übrigen Planeten und Fixsternen gar keinen Einfluß auf unsere Erde und ihren Dunstkreis annehmen. Wir sehen sie durch so unermeßliche Weiten, und durch was, sollen sie auf unsere Erde und ihren Dunstkreis würken? und war. um ist der Einfluß der bonne, des Monds und der übrigen Sterne so unbedeutend auf die höchsten Berge unserer Erde? Ich glaube, willaber Niemanden meinen Glau. den aufdrinqen, daß die örtlich, Beschaffenheit der Länder, die Mischung der Erd- arten, die Verhältnisse der Gegenden ge. gen Walder, Gebirge, Seen, Thäier, Flüsse, Sümpfe, ihre mehrere oder geringere Andauung, einen großen Bezug auf ihre abwechselnde Witterung haben."' Zu. dem glaube ich, daß die innern Eingeweide unstrs uralten Erdbodens, den wir nicht einmal seiner äussern Schaale, oder Kruste nach, gehörig kennen, vieles, ja työ meiste, zur Veränderung unserer Wit« terung und den ungewöhnlichen Erscheinungen derselben beitragen. Erdbeben, Erdbrände, Vulkane, u. s. w.; die sich in der Nähe oder Ferne, zugetragen haben, Orkane,ausserordentliche Gewitter, Stürme, haben einen großen Einfluß auf große Strecken der Erde.' Das ungewöhnlich schnelle Steigen und Fallen des Barometers, — ) io? f — terS, ungewöhnliche lokale Hitz-, oderKälte, sind Folgen davon. Endlich verursacht der schnelle Umschwung unserer Erde um die Sonne, wenn er mit einem gewissen Stand des Monds und seiner anziehenden, oder zurückstossenden Kraftzusammentrifft/ auch öfters wichtige und anhaltende Witterungsveränderungen. Freilich hat man schon längstens von einem zu sammlenden, und zu errichtenden Naturkalender gesprochen, und geschrieben , allein bisher ist eö nur ein schöner und frommer Wunsch geblieben. Was helfen uns alle unsere WitierungS- beobachtungen, die nach Barometern, Ther. momctern , Hygrometern , Wind - und Regenmessern, ja auch nach der Magnet- nadel angestellt worden sind/ und täglich angestellt werden, wenn nicht alle diese Beobachter zusammen treten, und auS ih; ren Beobachtungen ein Ganzes zu machen suchen, das für die Zukunft rin wichtiger Beitrag der Geschichte der Meteorologie werden kann? Ich habe ein solches Institut schon laut gewünscht, aber ohne von dem sonst so les- und wißbegierigen deutschen Publikum erhört zu werden! Wollte man tn der WitterungSkunde, oder we- ttigstens in der Geschichte derselben, auf einige Grundsätze, die auf diese oder jene Gegend anwendbar wären, kommen: so wüsten, meinem Dafürhalten nach, alle die respektiven Beobachter, nach gewissen allgemein angenommenen Grundsätzen beobachten , sammlen und einberichten. Der Verfolg künftig. Anfrage. Da bekanntlich die Einquartierung der Franzosen in denen verflossenen Jahren micht jederzeit nach der genauesten Proportion deS Vermögens eingerichtet werden konnte, und viele hiesige Einwohner mehr als andere damit belästiget waren; so fragt es sich: warum sucht man hier nicht eine Vergleichung darüber einjuleiten, da dych einige Aemter im Oberfürstenihum sich bereits verglichen haben, und andere sich dermalen vergleichen? Bekanntmachung. Einen hofnungevollen wohlgesitteten jungen Menschen, von 16 bis 17Jahren, der im Rechnen und Schreiben, auch der französischen Sprache nicht unerfahren, sucht man in eine Kaufmannshandlung als Lehrling, hier, in Hanau, Frankfurt, Wezlar u. unter Bedingungen ohne Lehr» gelt?, oder doch nicht großen bonorario, unterzubringen. Ausgeber giebt Nachricht. Gokresdieni? am 7. Irrln. In der St. Pancratiuskirche. Morgens Herr Superintendent Müller. Nachmittags Herr Pfarrer Buff. In der Burgkirche. Morgens Herr Pfarrer Buff. Nachmittags Herr Superintendent Schulz. Morgen den 7. Julii haben das Frischbacken die Beckermeistcr Johann Balthasar Kempf auf dem Selzeröweg, und Georg Loder, in der Neustadt. Ein- und Auspassiree. Am 28 Jun. Hr. RegierungSrath v. Metting, von Berlenburg,log. im Einhorn. Eod. Frau v. Schenck, von Koestrich, log. im Adler. Eod. Hr. RegierungSrath RayS, von Darmstadt, durchpaff. Am i. Jul. Prinz von Anhalt-Bernburg und Frau Gräfin von Wittgenstein, Hr Geheimerrath Freyherr v. Croncberg, durchpass. Ropuiirte bei der Gtadtkirckre. Am 4. Jul. Jacob Michael Feiebel, Burger und Schneider allhier, weiland Georg Philipp Friedels , Burgers allhier, nachgelassener ehelicher Sohn, und Jo- hannetta Maria, Ernst Luhwig Matthias, —• ) to8 ( ** Burgers und Drechslers allhier, eheliche Tochter. Getanfre bei der Stadtkirche. Am 27. Jun. Dem Hrn. Stadtphysi- tuS, Doclor Wortmann, eine Tochter, Namens Iohannelta Elifabetha. Am 1. Jul. Dem Burger und Roth- gerber, Joh. Andreas Sack, ein Sohn, Namens Heinrich Konrad. Eod. Dem Burger und Schneidermeister Joh. Heinrich Pimber, eine Tochter, Namens Christiana Wilhelmina. Am 2. Jul. Dem Beisassen Joh. Daniel Juncker, ein Sohn, Namens Joh. Lorenz. Beerdigte bei der Stadrkirche. Am i. Jul. Maria Elisabeth«, des Burger und Schreiner Konrad DeduS Ehefrau, alt 44 Jahr. Am 4. Jul. Joh. Philipp Myhlich, Burger und Schreiner, alt 76Jahr. Eod. Maria Christina, des Burgers und Essenhändlers , Joh. Melchior Müllers, ehel.Tochter, alt 5Jahr, ivMon. 6 Tage. x 1 1 1 1 1 1 1 Giesser Victualien-und Markt-Preis, fr pf.e tb Ochsenfleisch — — Kühfleisch — — Rindfleisch — — Kalbfleisch — — Schweinefleisch — — Hammelfleisch — — Hammelsfett — — Rinds-Nierenfett r tb Schweinefett — £ — Seifen — r — Lichter — 1 — frische Butter — 1 — geschälte Hirse — 1 — grob geschälte Gerste 1 — klein geschälte Gerste Eyer 5 Stück — — fr. 16 20 24 15 8 8 10 4 Pf. kr. 1 Loth Quint Schwarz Brod 1 8 2 / Weck — — 1 5 11/4 Milchbrod 1 4 1V4 Butter Bretzeln 1 2 25/8 gemischt Brod oder Taigscher 1 1 7 Getraidepreise vom 29.Juni bis den 6.Julii, in Frankfurt. Wahrung den fi. ä 60 kr. und das tb. zu 34 toth Cölmsches Silbergewicht. Dieses Jntelligenzblatt ist für 45 Kreuzer in der Kriegerschen Buchhandlung gegen Vorauszahlung zu haben. Städte. GemaS. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wiegt! ! Hafer wiegt fl. kr. tb. st. fr. tb. st- tr. 1 st- [fr. tb. Darmstadt das Malter. 6 45 175 5 8 157 4 140 2 38 98 Giessen das Achtel. — 200 1 11 — 180 7 30 160 6 140 Marburg Idas Mott. 8 — 1501 1 6 - H5I 4 — I2O 3 — > 84 Diez , das Achtel. 20 30 34o t6 3o ZOO I 11 to —- — Wezlar das Achtel. 13 2061 1II'— I90I 1 7 40 168 6 2Ot