Nr* XXXL 3. August. 1799. Giesser Jnkelligen^ölatt. Allgemeine Bauern- unv wrtterungsregeln. Verfolg. Einige Bauernregeln. I. Wenn die Wolfe im Winter heulen , und die Füchse bellen: so bedeutet eS eine überausgroße Kalte A. d. H Es fragt sich, ob die Thiere dieses vor der einfallenden strengen Kälte, oder während derselben zu thun pflegen, ersteres müßte aus einer gewissen Vorem- pfindung geschehen , letzteres aus der Em» pfindung der daftyenden Kälte. 2 Donnert» im Wmterquartal, dann giebts Kalte ohne Zahl. A. d. H. Gewitter zu dieser Jahrszeit können öfters eine Folge der nahen Wit- terunqsveranderung ffpn: sonst sehe ich keinen Grund ein, ee müßte denn seyn, daß Gewitter durch eine große Kälte entstünden, deren man in kalten Jahren, mitten im Frost, beobachtet hat. Matthias (eigentlich Mattheuö ) brichtö Eis, hat er keinS so macht er eins. Um Matthiue trauet der Fuchs dem E:'S nicht mehr, und lauft auch nicht mehr darüber. A. d. H. Der Grund dieser Beobachtung soll seyn, daß , nach einem strengen Winter, um diese Zeit, sich eine Aende- rung einstellt. Ist aber ff in Winter vor- hergegangen i so ift noch ein rückständiger zu vermuthen. Freilich weiß der sonst listige Fuchs, nichts vom MatthioS Tag, Allein er läßt sich durch die dünne Beschaffenheit deö Eises, oder durch das, Tags über einfallende Tbauwetter abhallen, über das ihm bedenklich scheinende Eis zu laufen. 4. So viel Nebel im Merz: so viel Wetter im Sommer. A. d. H. Diese Bauernregel will mir gar nicht in den Kopf. Sollen es die nemlichen Nebel aus dem Merz noch seyn, die erst, nach so vielen Wochen in Gewittern herunter kommen: so möchte ich wis« sen, wo sie, während der Zeit, ausbewahret werden, dieses ist also ungegrün- det. Zeigen aber Merznebel, eine solche Luftbeschaffenheit an, die im Sommer viele Gewitter erzeugen könnte: so laß ich mir diese Regel gefallen, sie müßte aber alsdenn nur unbestimmt lauten. Viele Nebel im Merz, lassen mehrere Gewitter im Sommer vermuthen. ' 5. So viel Thau im Merz: so viel Reif giebts um Pfingsten, und so viel Nebel im August. A d. H Mit dieser Regel möchte eS gleiche DewandniS, wie mit der vorhergehenden , haben. 6. Merzengrün ist nicht schön, Merzenregen , sagen die alten Bauern soll man wieder auS der Erde zapfen, Merzenstaub ist Geld. A. d. H Das Grünen im Merz, und der den WachSthum befördernde Regen in diesem Monat, ist zu frühzeitig, zeigt von einem allzugelinden Winter, und laßt ei» ncr. späten nachthelliqen Winter für die herauskommenden weichen Keime befürchten. Eine gleiche Ursache Hut eS mit der Beobachtung, daß der Merzschnee, wenn man ihn in einem Sack über den Saamen trüge, schädlich wäre. , Meistentheil« thput es i'm Merz, Tags über, und Nachts friertS wieder, und meistentheilsgehen sehr hole Winde dabey, dieses ist schädlich, nicht Geht — ) I2L (. — der Schnee an sich selbst! Ist der Merz trocken, daß es Staub giebt: so kann die Zurechtmachung der Aecker gut besorgt werden , und die allzuhäufige Winterfeuchtig- feit wird auch dadurch zerstört, die sonst leicht dem Getraide schaden könnte. 7. Pilatus wandert nicht eher aus der Kirche, er richte denn zuvor Lärmen an, mit einem Gewitter, Schnee oder Schlossen. A. d. H. Der sollst so Übel berüchtigte , und zu einer entehrenden schwarzer. Unsterblichkeit gerathene Pilatus, ist an diesen Witterungserscheinungen ganz unschuldig. Weil man um Ostern herum, die me'istentheils in Aprilmonat, der deswegen auch Qstermonat genennt wird, fallen, in den Passionsbetrachtunqen des Pilatus, nicht zu seiner Ehre öffentlich gedenket: so wird hiemit der Aprilmonat selbst verstanden, und dieser ist, wie bekannt, unbeständig und veränderlich. 9. Sonnenjahr, Wonnejahr, Koth. jahr, Nothjahr! A. d. H. Diese Regel ist allgemein richtig. Bei vorfchlagender Nasse und wenigen Sonnenschein, können die Früchte nicht gerathen , und werden auch nicht gehörig geläutert. Ist der Sommer allzu» naß, und entsteht daher eine allzuweiche Erde: so ist Mißwachs gewiß. Die Alten pflegten auch zu sagen, die Sonne hat noch keinen Bauer dem Lande hinaus ge- schienen, weil die Erndten, beim Sonnenschein, besser, weil die Früchte nahrhafter sind, als in nassen Sommern. ic>. Nasse Pfingsten, fette Weihnachten, dürre Pfingsten, magere Weihnachten. A d. H. Nicht gerade die Pfingstfeier- tage, sind hier zu verstehen: sondern die Z-nt um die Pfingsten. Ist um diese Zeit warme nasse Witterung: so gerathen die Früchte so gut, daß man um Christtage davon vergnügt leben kann. Ist aber diese Zeit allzutrvcken, so entsteht ein Mißwachs, den man schon um Weihnachten allgemein verspürt. 11. Was der Julius und August nicht kochen will, kamt der September nicht braten. A. d. H. Diese Regel geht hauptsächlich Gegenden, wo Wein gebaut wird, an. Doch alle Früchte empfinden den Mangel anj Sonnenschein, in den gemeldeten Monaten, und die anstatt des Sonnenscheins in diesen Monaten herrschende Nässe und kühle Luft, verursacht Mißwachs. Auch der beste September ist nicht im Stande, diesen Schaden zu ersetzen, zudem ist der Sonnenschein nicht so lange anhaltend, wie in den vorhergehenden Monaten, und die Natur hat im September ihr Iahrwerk gröstentheils vollendet. 12. Um Lorenzi Sonnenschein, bedeutet ein gutes Jahr mit Wein. r A. d H. August ist der Kochmonat für die Trauben, wenn also der August naß und kühl ist: so bleiben die Trauben sauer und wenig geistreich. iz. Wie der Hirsch tritt in die Brunst, so tritt er auch wiedercheraus: Geht er mit schönem Wetter, oder nassem Wetter hinein 1 so geht er auch wieder hinaus. A. d. H. Um diese Zeit ist die Tag» und Nachtgleiche, und gewöhnlich hält die Witterung, die um diese Zeit ist, einige Wochen hindurch an. 14* Wenn der Rauch nicht aus dem Haus will: so will der Regen oder Schnee hinein. A. d. H. Die Ursache ist, weil die obere, durch Regen oder Schnee dicke Luft den leichten Rauch am Aufsteigen hindert. - Neue witternngsregeln. Erste allgemeine Regel. Der Mond verursacht in unserm Dunst, kreis eine Ebbe und Fluth, wie im Welr-» meer. Bald ist diese Ebbe und Fluth stärker, bald schwächer, nachdem der Mond m dieser dieser oder jener Gegend naher bei der Erde, oder entfernter von derselben sieht. Von dem Wechsel des Monds hängen also vornemNch die Veränderungen des vielerlei Wetters ab! A. d. H. Meinen Bemerkungen zufolge, trägt die Lage unserer Erde gegen die Sonne, gar vieles mit zu diesen Veränderungen bei; denn andere Witterung erfolgt, wenn die Strahlen der Sonne anfangen auf die Erde gerade oder schief zu fallen. Zweite allgemeine Regel. Die Näherung des Monds zur Erde, ist eine Hauptursache von Regen, Schnee, Sturmwinden, kurz von unangenehmen und schlimmen Wetter. A. d. H. Meine eben vorhergegebene Bemerkung muß auch hiebei mit in An- schlag gebracht werden. Der Verfolg künftig. Bekanntmachung von verschiedenen r Sachen. i) Alle Gläubiger deü dahier verstorbenen Acruarii Kar! Heinrich Schirmer, welche ihre Forderungen noch; nicht über.' geben haben, werden hierdurch aufgefor. dert: sie binnen 14 Tagen bey Vermeidung der Ausschliessung bey dem Unter» zeichneten schriftlich einzureichen. Giessen den ZlftenJulius 1799. Oßwald, Fürsil. Universitäts SecretariuS. 2) Bey dem Burger und Gartner Grüneberg in der Neustadt Nro. 591 ist zu verlehnen 2 Stuben, 1 Kammer und Küch, ein Stück im Keller und Holzstall, vor 32 fl. jährlich. Nachdem die von Atzenheimische Erben, nahmentlich der Assestor Hofmann und Kammer - Sekretär Kröber zu Zweibrück, ihren an dem von Ludolpfischen Zehnden 23 ( — in Allendorf Fürsts. Hess. Darmstädtifchen Amts Hüttenberg habenden ^Anlheilzu verkauffen gesonnen sind und man in der Hinsicht zu wissen nöthig hat, ob, äusser obigen Verkauffern noch Jemand einiger Recht an sothanem Zehnden habe, oder solcher mit hypothecarischen Schulden beschweret seye; so wird solches hierdurch mit dem Anfügen bekannt gemacht, damit diejenige, welche auf jenes Zehnd An» theil ex quocunque capite einigen Anspruch zu haben glauben, sich in termino Jen 1 zten October d. I. bei unterzeichnetem Fursil. Amt melden, ihre allenfallsige Ansprüche naher ausführen oder sich gewärtigen sollen, daß sie damit nicht weiter gehört , sondern werden präcludirt werden. Langgöns am izten Iulii 1799, Vermöge Auftrage. Fürsil. Hess. Justizamt C. G. v. Zangen. Gottesdienst am 4. August. I" der St. Pancratiuskirche. Morgens Herr Superintendent Bechtold. Nachmittags Herr Superintendent Müller. In der Burgkirche. Morgens Herr Pfarrer Buff. Nachmittags Herr Superintendent Schulz. Morgen den 4. Aug. hat das Frischs backen der Beckermeister Wahlenfels, in der. Neustadt. Ein- and Aüspasskrte. ^.Am 19 Jul. Hr. Odrist Willich, in Hrss. Darmftädt. Diensten. Hr. Amtmann v. Bode, von Hannover. Hr. Assessor Krohm, von Hildesheim, durchpass. Am 2o. Jul. Hr. Kammerrath von Borbeck, von Hanau, durchpass. Am 2^. Jul. Hr. v. Landre, nebst Familie, von Hess. Cassel, log. im Einhorn. Eydem. Hr. Hofmarschall P. Schenck, von Kdestrich, durchpass. ,Am ) 'M ( I mann, Eberhard Leng, ein Sohn, Namen? Johann Konrad. Am 31 Jul Dem Burger u. Schuh, wacher, Christoph Rettig, ein Sohn, Namens Johann Konrad. Beerdigte bei der Stadtkircbe. Am 30. Jul, Hr. Johannes Mann- berger, Furstl Zollbereiter althier, alt 83 Jahr. Am ZI. Juk. Maria Katharina, deö Burger undSchneidermelster Friedrich Karl Beresen Ehefrau. Dieses Jntelligenzblatt ist für 45 Kreuzer in der Kriegerschen Buchhandlung gegen Vorauszahlung zu haben. AM 25. Jul. Hr. Hauptmann von Krausen, in Englischen Diensten , log. im Einhorn. Am 26. Jul. Hr. Doktor Wend, von Göttingen, log. im Einhorn. Am 27. Jul. Hr. Obrist v. Pappen» heim, nebst Familie, von Darmstadt, log. im Einhorn. Am 28. Jul. Hr Hauplm. v. Stem, in Kon. Pceuss. Diensten , log. in der Post. Get aufre bei der Stadtkircke. Am 29. Jul. Dem Burger und Fuhr- Getraidepreise vom 27.Julii bis den Z.Aug-, in Frankfurt. Wahrung hen ff. ä6o fr. und das ft. zu 34 Loth Colnisches Silbergewicht. Gresser Viel ft Ochsenfleisch — — — Kühfieisch — — — Rindfleisch — — — Kalbfleisch — — — Schweinefleisch— — — Hammelfleisch — — — Hammelsfett — — — Rinds-Nierenfett — ua fr 9 8 7 6 9 8 [4 -'s 1 1 1 l l H 1 -und Markt-Prers. Ii ft Schweinefett — — l — Seifen — — 1 — Lichter — — 1 — frische Butter — — 1 — geschälte Hirse — — 1 — grob geschalte Gerste •— i — klein geschälte Gerste — Eyer 5 Stück — — — fr. 16 20 24 8 10 4 Pf. 2 — Schwarz Brod Weck — — Milchbrod Butter Bretzeln gemischt Brod oder Taigscher^ fr. I 1 1 1 I 1 Loth 9 5 4 2 - 7 Quint 3 1 r/4 i 1/4 2 5J8 1 2 Städte. Gemäs. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wieqtj Hafer wiegt fl. fr. ft. fLIfr. ft. fl. Ikr. tb. 1 ft 1fr. ft. Darmstadt das Malter. 6 45 175 5*.8 157 4 — 140 2jz8 98 Kiesten das Achtel. 12 30 200 9!3^ i8° 7 - 160 6 — 140 Marburg das Mött. 8 — 1501 I 61- 1351 ' 4 — 120 3|- 84 Diez das Malter. 20 30 340I 16150 3°° 1 IO 20 Wezlar das Achtel. 13 — 2061 1 Lil— 190I 1 7 40 168 6I20 ■**