KT 2. Mäkj. 1799- Nr. ix. Giesser Jnttlltgenzvlatk. der römische» Beete oder vom ‘ Mangold. Verfolg. t Um dieses Frühlingsgericht so lange ( a!6 möglich ju haben , läßt man die auf- l schießenden Saamstengrl der Beete ab- > brechen. Wenn nun gleich dadurch mcht । verhindert wird/ daß der Saame wieder . Stengel und Zweige treibt, denn das thut er, wenn er auch zehnmal abgebrochen wird, so wird dadurch doch der Wach-thuno der Blätter merklich befördert. E- versteht sich von selbst, daß die Blätter mit dem Spinat, wenn es möglich ist, sie unter dem Schnee hervorzuholen, auch im Winter wie im Herbste ein erfrischendes Gemüse sind Die Feinde aller Neue, rungen werfen vielleicht ein, daß die ge' meine Beete eben den Nutzen habe. Daß ist in so weit wohl wahr; allein er ist zuverlässig, daß sie auch von weit herberm und viel widrigerm Geschmacke ist, als der Schweizermangold. Wer wird nun nicht lieber eine Fruchtvonlieblicherm Geschmacke und größerm Nutzen vorziehen. Reichart sagt von der Zubereitung der Rippen der Mangolds folgendes: „Die äusserlichen Schalen der Rippen werden mit einemMes- ser abgeschält oder abgezogen, sodann gekocht und abqebrühet, und hernach in einem Siebe abgetrocknet. Hierauf müssen sie in eine Schüssel gelegt, ein wenig Fleischbrühe, Salz, Muskatenblumen und Pfeffer dazu gethan, und alles über einem Feuer gekocht werden. Zulezt thut man ein gut Theil frische Butter hinzu, welche aber nicht mitkochen darf, sondern nur darin zergehen muß." Von dem Gebrauch der römischen Beete für dar Vieh. Auch für das Vieh ist der Schweizer- mangold zur Zeit des Sommers ein ge. sundes Futter. Sowohl das Kuhvreh als die Schweine sind darnach äusserst begierig, und ziehen ihn allem andern grünen Futter, selbst dem grünen und noch durchaus saftigen Erbsenstroh vor. Er zeugt Blätter, die zwei- bis dreimal so groß sind, als die von der gemeinen Beete, und er ist in so weil viel ergiebiger, als diese. Keine Art von Mehlthau, keine Raupe greift ihn an, und ich möchte beinahe sagen , daß die Schnecke nicht einmal sich an ihn wagt. Auch in diesem Betracht hat er einen großen Vorzug vor dem braunen Kohl, welcher zumal in den Garten dem Mehlthau und dem Raupenfraß besonders in trocknen Sommern ausserordentlich ausgesetzt, und dem Vieh, wenn er nicht davon gereinigt wird, sehr gefährlich ist. Der säuerliche und kühlende Saft ist wahrscheinlich die wahre Ursache, warum da« Vieh die Bee- teblatter so begierig frißt. Auch das Flu- gelwerk, die Hühner und Welfchhuhner verzehren sie als einen großen Leckerbissen. Sonderlich läßt e» sich aus physikalischen Gründen darthun, daß sie bei heissen Svm- mertagen das Horn- und Schweinevieh gegen faulende Seuchen bewahrt. Denn so'gut Sallat mit Weinessig in den warmen Sommertagen für den Menschen die gesundeste Speise ist, und der Fäulnis im Blute widersteht, so gut kenn man anneh- i men, daß die in der Beete steckende ange- . nehme nnd kühlende Säure der Entzün- r düng und Fäulnis des Bluts beim Viehe Widerstand thue, und vielleicht ein wahres Prä- ) 34 c «•* Präservativ gegen Vie surcyterttche Viehseuche ist. Wer irgend sein Vieh liebt, und es nicht überflüssig hält, der Abkühlung desselben zu Hülfe zu kommen, und die Entzündung möglichst zu verhüten, der wird sehr rvoht thun, wenn er in seinem Garten einen verhaltnismasigen Fleck oder bei großen Haushaltungen ein paar Morgen Land damit bepflanzen laßt. In den Gärten wächst sie sogar an denjenigen Orten, wo sonst^nichtS recht fortkommen will. So viel ist aber zuverlässig, daßver Mangold viel großer, schmackhafter, gesünder und würksamer wird , wo er den ganzen Tag freie Luft und Sonne hat. So leicht eine Magd eine Tracht Kohl abblattet, so leicht wird sie auch Beete abblalten können. Das Vieh bei seiner Rückkunft der Abends durchaus damit zu füttern, möchte wohl nicht dienlich, vielleicht gar schädlich sepn, da hingegen ein paar Händevoll Blätter für jedes Stück Hornvieh gerechnet, gewiß hinlänglich sind, der Entzündung und Fäulnis im Blute zu widerstehen. Die Anpflanzung der Beete nimmt zwar einen Theil des Platzes weg, der dem braunen Kohle gewidmet werden konnte. Allein ein Fleck, der im Sommer von Nutzen gewesen ist, kann ihn im Winter nicht noch einmal schaffen, wiewohl schon beigrbracht ist, daß die Mangvldblätter, wir der Kohl im Winter, wenn sie auö dem Schnee hervorgeholt werden können, in großen und kleinen Haushaltungen auch der Küche tref- lich zu statten kommen. Wenn man aber auch den Gebrauch der Beete den Winter über verläugnen wollte oder könnte, so kann doch vor oder nach dem Winter der Stamm, welchen das Schweineviehebenfalls mit großer Begierde verzehrt, aus- gtgraben, gestossen und verfüttert werden. £Tad6ttcf)t von einitfett Ueberschwemumngett der Stadt Giessen gug den älteren Ferre». i) ,, 1552 »st die Lahn so groß gewesen, daß das Waffer allenthalben in die Stadt gedrungen, also daß die Leute ihr Vffh auf die Böden der Hauser bringen müssen. Es that auch an der Frucht auf dem Felde großen Schaden und hat Brücken und Steegs zerbrochen und hinwegges führt. Den 8ten und yten Januar kamen so große Regen, daß dergleichen nie gehört worden, und das Waffer hat zu Marburg die steinerne Brücke umqeworfen und 24 Menschen ersäuft: auch hat es zu Giessen und Wetzlar die Brücken niedergelegt. Im Jahr 1582 ist der Bau der neuen stei* nernen Brücke zu Ende gebracht." Giesser Wochenblatt vom 1.1764. Dilich Hessische Chronica, 2> „ 1614 ist eine große Dörre den Sommee gewesen, weil es den Sommer hindurch bis auf Michaelietag nicht geregnet hat. Acht Tage nach Michaelietag hat es angefangen zu regnen und damit angehalten bis nach Eatharineniag, und ist das Gewässer so groß geworden , daß man nicht in die LUadt Giessen kommen können; das Waffer hat alle Steegs vor der Stadt hin. weggefiößt. In der Stadt haben die Leute vom Seltzers Thor bis aufs Kreuz mit Nachen gefahren, auch hat das Waffer den Einwohnern in den Stuben und Kellern großen Schaden gethan." Steinberger Hausbuch im Giesser Inlett. Blatt 1795. Nr.zr. „1614 den Listen Nov. ist ein solch großes Gewässer hier gewesen, daß man an etlichen Orten mit Schiffen gefahren hat und an vielen Orten bis an den Görtel hat baden müssen. Die Wisseck brach durch die Schovr in den Wallgraben und lief die ganze - ) 3f ( - ««n» N.icht tiucin. De- brach auch Die Lahn in den Wallgraben. Man steuerte dem Unglück, indem man beyde Oefnungen mit Mist und großen Holzern verstopfte. Der Schaden in Kellern, Hausern, Vieh und Früchten war unbeschreib- !ich groß." (Giesser Wochenblatt 1764.) 3) „ 1643 den Z. 4- und zten Jan. ist eine gewaltige Ergießung der Lohn gewesen , daß das Wasser den 4ten Nachts zwischen 12 und 1 eingebrochen, daß es in etlichen Orten zwey Manns tief gewesen und viel Vieh in Wassersnot!) gerathen." Eendas- Der Verfolg künftig. Bekamrfmacbuugen' i) Montags den Uten Merz Nachmittags 3 Uhr'soll das den Philipp Dern- btckischen Erven zuftehende Haus samt Zugehör', auf dem Markt neben Kaufmann Busch und Hrn. Rathöschöff Wormbftr gelegen , öffentlichem den Meistbietenden verstrichen werden. Liebhaber dazu können sich um die bestimmte Stunde in des Hrn. Rathsschöff Busch Behausung einfinden. Giessen den Lüten Februar i?99- £ v Fürst!. Hess. Oberamt das. R a y ß. den Verbriefungen originaufer, oder in beglaubwn Abschriften, vorzulegen. Wer, solches unterlasset, hat sich zu gewärtigen, daß den Rechten nach auf Praclusion erkannt, und, so weirdie eingehenden Kaufgelder hinreichen, der Curator Hobeler davon befriediget werde. Grüningen am Uten Februar 1799. Hessen > CasselischeS Amt. Happel. 3) In Nro.91. auf dem Asterweg ist eine ganz frisch-melkende gesunde Kuh zu verkaufen. Liebhaber können sich binnen 8 Tagen im besagten Nro.91. einfinden. Giessen den NenMarz 1799. 4) Vey Georg Melchior Becker jun. an der Kühgaß, sind Leinkuchen das Stück zu 12 fr., und Saamenkuchen das Stuck zu 10fr., sowohl einzeln, alö hundertweis, zu hüben. GottesDienf? am 3 Märx. In der St. Pancratiuskirche. Morgens Herr Superintendent Bechtold. Nachmittags Herr Superintendent Müller. In der Burgkirche. Morgens Herr Pfarrer Buff. Nachmittags Herr Superintendent Schulz. 2) Auf Ansuchen des Fapischen Cura- rorS Adam Hobeler allhier, ist der Vec- kauff fammtlicher dem hiesigen Burger David Marfteller gehörigen Güthrr erkannt, und Termin zur Versteigerung auf Montag den 22ten April dieses JahrS Vormittags um ri Uh''bestimmt worden. Alle diejenigen , welche an diesen Güthern, die zum Theile von Jacob Marsteller geerbt worden sind , und von demselben verpfändet seyn können, gegründete Ansprüche haben, werden hiedurch aufgefodert, am genannten Tage, oder auch vorher, ihre Forderungen bei hiesigem Amte anzuzeigen, und die darüber in Händen haben»- Morgen den 3. Marz hat das Frischbacken des Beckermeister PistorS hinterlassene Wittib, auf dem Selzeröweg. Aopulirte bei der Stadtkr'rcbe. Am 24. Sehr. Johannes Philipp Zimmermann , Burger und Schneider allhier, Ioh. Henrich Zimmermanns, Stockhaus- Verwalters allhier, ehel. Sohn, und Eli- fabetha, weiland Jacob Martin Plock, gewesenen UnterofficicrS bei dem Bataillon Landgraf allhier, nachgelasseneehel. Tochter. Getaufte bei der Stadtkirche. Am rr. Febr. Dem Burger u. Schuhmacher, — ) tnachtk, Christian Konrad Franz, ein Sohn, Namen» Konrad Melchior Heinrich. Eod. Dem Burger und Fuhrmann, Johann Heinrich Schäfer, ein Sohn, Namens Johann Heinrich. Am 25 Fehr. Dem Burger u. Schneider, Michael Schmirt, ein Sohn, Na- mens Joh. Georg. Am 26 Febr Dem Fürstl. RegierungS- Advokat und peinlichen Gerichts Defenfor Hcn. Karl Sues, ein Sohn, Namens Friedrich Heinrich Georg Karl Theodor. Beerdigte bei der Sradtkirche. Am 24. Febr. Gwrg Heinrich Vogt, 36 ( — Burger und Mezger allhier, alt 78 Jabr, 6 Mon , starb an einer Brustvefchwerung. .Eod Maria Elifabetha, des Bur, gers und Knvpfmachers, Joh. Katrins Ehefrau, alt 49 Jahr, starb an der Auszehrung. Am 26 Febr. Maria Margaretha, des Burgers und Schuhmachers, 'Michael Junge Ehefrau, alt 48Jahr, starbander Auszehrung. Eod. Maria Sophia, des verstorbenen Burgers und Mezgers, Joh. Philipp Stoßen, hinterlassene ehel. Tochter, alt 63 Jahre. Giesser Victualien-uttd Markt-Preis. I tb Ochsenfleisch — 1 — Kühfleifch — 1 — Rindfleisch — 1 — Kalbfleisch z — l — Schweinefleisch — 1 — Hammelfleisch — j — Hammelsfett — 1 — Rinds-Nierenfett fr. 14 Pf. 1 ft Schweinefett — £ — Seifen — 1 — Lichter — 1 — frische Butter — £ — geschälte Hirse — 1 — grob geschälte Gerste 1 — klein geschälte Gerste Eyer 4 Stück — — fr. pf 2 16 20 24 13 8 8 10 4 gemischt Schwarz Brod Weck — — Mllchbrod Butter Bretzeln Brod oder Taigscher I I Loth 12 7 6 5 9 Quint 1 1/2 1/2 Getraidepreise vom 23 . Febr. bis den 2 .Marz, in Frankfurt. Ma'hruna -enfi a6o kr. und das ib. zu Z4 Loth Cölntsches Silbergewichr Städte. G e m ä e. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wiegtj Hafer wiegt das Malter. fl. kr. lb. fl. |fr. 8 tb. fl. Er. “ftT fl. kr. Ib. Darmstadt 6 45 175 5 157 4 140 2 38 98 Giessen das Achtel. 8 —■ 200 6 55 180 4 30 160 4 140 Marburg das Mött. 8 10 1501 5(30 1351 ' 3 45 120 2 40 84 Diez |ba» Achtel. i? 3o 340 8|4° 3OO1 5 40 — — 1 1—• SM« Idas Achtel. 11 — 206 7!5° 1901 l 7 10 168 4 —1