Nr, V. 2. Februar. 1799* Giesser Jyttlligcnzölatk. Vorkenntnis Der Witterung. Februar oder kleine Hornung. Den Namen Hornung soll dieser Monat daher erhalten haben, weil die alten Deutschen denselben besonders ihren Feierlichkeiten, Gastmalen und dem Trinken gewidmet hakten. Bei diesen Festen war es ihr Brauch, auf die Gesundheit ihrer Götter auö Hörnern zu trinken. Diese Hörner wurden in Ermangelung anderer Trinkgeschirre gebraucht; die Vornehmen ließen deren Mündung oft mit Silber ein- fassen. Sie waren gewöhnlich von Auerochsen, welche die Jünglinge jagen und fangen mußten, um sich abzuhärten. Wer dann die meisten Hörner als ein Siegeszeichen aufweiftn konnte, machte sich einen großen Namen» Wir wollen nun bemerken, wie wir diesen Monat beobachten mögen. Wie be. könnt, benennt man Monat deswegen, weil eben der Mondökörper den Thierkreiß binnen vier Wochen durchlauft, er nimmt wahrend seiner Reise stete zu, und wird endlich zum Vollmond. Ist der Jenner trocken , Helle und kalt gewesen, so ersetzt der kleine Horn den Mangel der Nässe wieder an Schnee anhaltend vierzehn Tage lang, äusser wenn im vorigen Herbste häufiger Regen gefallen wäre; denn wenn dies geschehen, dann ist Jenner und Februar ohne Schnee, und folglich trocken. In so ferne sich aber in diesem Monate eine Mondverfinsterung inden Nord- gegenden ereignen sollte, ob sie schon bei uns leicht gesehen werden könnte , dann haben wir große Kalte zur Folge. N eumondli cht. Erscheint der Mond klar und rein, so daß man nicht sichtbar die Flecken merket, so ist auch die Dunstkugel rein und das gute Wetter dauert den ganzen Monat fort. Es läßt sich hingegen auf diesen Monat ungünstige, Witterung bestimmen, wenn der Mond trübe ist, auch wohl einen Ring oder Hof um sich hat , dann legt es zuerst auf Wind, und bald darauf auf Regen an. Ware auch der Wind in Mitternacht entstanden, so erhalt er sich wegen seiner Heftigkeit nicht lange in dieser Himmelsgegend, wird zum Thauwind, und bringt, wie schon erinnert, Regen. Der Mond macht, wie bekannt, die Nächte kälter, wegen seiner Natur selbst, wie auch wegen seiner Druckkraft, und so macht er auch den heissesten Tag zur angenehmsten Sommernacht. Ist heftige Kalte mit dem Neumonde eingetreten, so erhält sie sich und nimmt zu bis zum Vollmonde, von da sie wiederum sich vermindert; sollte aber ihre Verminderung nicht gleich mit der Stunde des Vollmondes merkbar werden, wenigstens am Barometer, dann erhält sich die Kälte in gleichem Grade bis zu Ende der Monats. Die alten Bemerkungen des Landmanns oder Bauerrcgeln gehen nicht allemal in Erfüllung , die man doch vor einiger Zeit als ganz wahr ausgenommen, und gleichsam ein starkes Vertrauen auf sie gesetzt hat. So zum Beispiel: was für ein Frost am Tage Petri Stuhlfeier gefallen ; dergleichen sollen noch zehen folgen. Wenn er am Tage Matthias friert, sollen noch vierzig Fröste folgen. Es ist wahr- ** ) 18 ( —• kvabrschemkich, daß wenn anfänglich der größte Theik des Februare gelinde gewesen ist, die Fröste nachkommen, denn wenn \t eine Jahreszeit ihre Rechte zu behaupten strebt, so ist eö gewiß der Winter. Hat es aber beständig bis Matlhiä hin starr gefroren: so hat man nachher gelindes Wetter zu hoffen. Wie die Witterung in den lezten Fastnachtetagen ist, so soll solche auch in den Ostertagen seyn. Wenn die Sonne am Fastnachtsdienstage schön «ufgeht, so soll die Frühsaat wohl gedeihen , und wenn sie an diesem Tage frisch hervorgeht , soll es eine künftige trockene Erndte geben. Wenn die Fastnacht gut Wetter hat, sollen die Erbsen wohl geraden. So sind ferner die Tage: Fabian Sebastian, Gertraud, Markus, Urban, Siebenschläfer, Kilian, Lgidi, nicht allezeit zugetroffen. Denn sobald eine Bemerkung nicht beständig ihre Wahrheit bt. Evkißt, so ist sich auf selbige nicht zu oer- kaffen. Folglich muß eine zuverlässige Witterungsregel aus den Wirkungen der Natur gefolgert werden. Thauwetter ereignet sich, wenn Landlüfte sich /puren lagen, und die Dünste an den Wänden zu frieren anfangen; dies finde ich weiter nicht nöthig zu bestimmen, weil diese Bemerkungen sehr gemein sind, vnd fchon erinnert worden. Doch ist diese- noch mit beizufügen: ist die Kälte am heftigsten, dann ist Thauwetter unvermeidlich. Rur;e Nachricht r>on den öffentlichen und Privatspielen der alten Deutschen, und ihrer da bei sich auszeichnenden Treue und Redlichkeit; nach Sem Tacitus. Nach der Uebersetzung: Sie haben nur ein einziges, und bei allen Zusammenkünften das nämliche Schau-- fisiel. Nackte Jünglinge, die dieses Spiel mttwachen, formen zwischen bloßen Schwerstem und gegen sie gekehrten Lanzen herum. Hebung brachte es zur Kunst, und dte Kunst zum Anstande, doch nicht um Gewinn, oder ums Lohn. Nur daS Vergnügen der Zuschauer ist der Breiß ib- res kühnen Spielwerks. 9 Das Würfelspiel treiben sie (welches zu verwundern ist,) nüchtern unter ernsthaften Geschäften, und wagen so rasend, daß sie, wenn alles verlohren ist, auf den einzigen und lezten Wurf ihre Freiheit und Person setzen. Der Verspieler geht freiwillig in die Knechtschaft, laßt sich binden und feffeln, ob er gleich junger und starker ist. So hartnäckig sind sie in einer bösen Sache. Sie nennen eö Wort halten. Sklaven dieser Art verkaufen sie äusser Landes, um sich der Schande dieses Sieges zu entledigen. Die Spiele der alten Deutschen, wie sie uns Tacitus erzählt, waren ihren Neis gungen, dem Grade ihrer Kultur und Lebensart angemessen. Die Neigung zu den Leibesübungen findet sich insgemein nur bei starken, Plomben, barbarischen oder kriegerischen Volkern. Die Wilden, zu 'Llrapatzen abgehärtet, ohne Beschäfti. gungen, wozu Verstand erfordert wird, und stets im Kriege mit ihren Nachbarn, lieben heftige Bewegungen, und machen aus der Starke und Behändigkeit desKör- pers ihr größtes Verdienst. ‘ Und trenn ku'tlmrten Völker, als die Griechen und Romer, die alten Spiele noch beibe- yielten, so fugten sie ihnen nützlichere und geschmackvollere bei , und überließen die alten demjenigen Theil der Nation, der daran gewohnt war, und Gefallen dran hatte. Tacitus beschreibt uns nicht ganr genau, worinn diese Leibesübungen, die sie mit so vieler Geschicklichkeit undAnstand Verrichteten, bestanden hätten. Wahr» schein- s ‘ ) *3 ( — schemlich wakttt es Sprünge und Wendungen mitten zwischen den auf sie zuge- kehrten Schwerdtern und Lanzen, denen sie sich mit vieler Kühnheit näheren, aber auch mit Geschicklichkeit und Anstand auö- zuweichen wußten. Diese rohen deutschen Jünglinge tanzten also unter sich; einige traten vorher, machten eine Gasse/ fällten ihre Lanzen/ und einige andre durchtanzten unter mancherlei Sprüngen diese Gasse/ und loteten einander ab. Ihre Geschicklichkeit wurde destomehr bewundert / weil sie ohne Bedeckung ihres Leibes und nackend zwischen den blitzenden Schwerdtern herumsprunqen. Sie gewöhnten sich dadurch zur Herzhaftigkeit , und ihr Auge an den Anblick dieser Gewehre, mit denen sie sich vorzüglich inZukunft beschäftigen sollten. Tacituv macht an einem andern Ort die psychologische und politische Anmerkung/ daß einige deutsche Völker mit allem Fleiß in erschrecklichen und fürchterlichen Gestalten ihren Feinden entgegen giengen , um dieselben verzagt zu machen, weil die Augen zuerst in allen Schlachten überwunden würden. Je gefährlicher eö nun für diese jungen Wagehälse war, daß sie nackend und nicht, wie die römischen Jung, linge , den pyrrichrschen Tanz in voller Rüstung tanzten, oder das trojamfcbe Spiel spielten; desto größer war das Vergnügen und die Bewunderung der Zuschauer: indem man allemal einen Luftsprinqer mehr bewundert, wenn er über bloße Schwerd- ter/ als über hölzerne Degen mit der nämlichen Geschicklichkeit hinspringt. Daß Taritu« noch hinzusetzt, daß diese jungen Deutschen diese Uebung nicht aus Gewinnsucht undsklavischer Niederträchtigkeit/ son- dern um den Zuschauern durch die Beweise ihrer angestammten Herzhaftigkeit eine wahre Freude und Vergnügen zu machen/ angeftellt hatten/ thut er deswegen, um seine Landsleute zu beschämen , unter denen sich so viele hrauchen ließen/ fürs Geld durch die üppigsten Tänze und blutigsten Zweikampfe sie zu unterhalten. Auch das Privatspiel/ dessen TaeituS hinterdrein gedenkt/ und bei welchem ihm so viel auffällt , kommt völlig mit den Sitten und Charakter der alten Deutschen überein. Es war ein Hazardspiel, welches sie mit Würfeln verrichteten/ dergleichen man hin und wieder aus der Erde auögegraben hat. Dieses Spiel erforderte keine Anstrengung des Geistes und nicht viel Verstand , und vertrieb diesen Völkern die Langeweile, welche sie sehr oft haben mußten. Die Griechen und Römer machten nicht viel aus dergleichen Spielen. Ihre Spiele waren auch bloße Ha- zardspiele; denn die sinnreichen Spiele sind später und von den einsamen Einwohnern der Morgenländer erfunden worden, und daS beliebte Kartenspiel erfand man, umdie Melancholie eines Könige in Frankreich zu vertreiben. Der Verfolg künftig. 2?» der Rriegerschen Buchhandlung sind folgende wohlfeile Ausgaben ;u haben: Kant Streit der Facultaten , 8. 3o fr. * Hufeland Kunst das menschliche Leben zu verlängern, 8. I ff. Auflösung der Charaden im vorigen Stücke. 37- Windeltreppe. Z8. Nesseltuch. Gottesdienst am Z §ebr. In der St Pancratiuskirche. Morgens Herr Superintendent Bechtold. Nachmittag- Herr Superintendent Müller. In t — ) 20 ( — In der Burgkirche. Morgens Here Pfarrer Buff. Nachmittaas Herr Superintendent Schulz. Morgen den z. Febr. hat das Frisch- Lacken der Beckermeister Iughard, am Lindenplaz. Gebohrne und Geraufte bei der Sradt- k i r c h e. Am 25. Ian. Dem Burgern.Schuhmacher , Georg Matthias Pfeil, Zwil- lingssöhne, Namens Christian Daniel, uns Georg Wilhelm. ' Am 28. Ian. Dem Burger und Fuhrmann, Ludwig KlmgelhLfer, ein Sohn, Namens Johann Philipp. Am 30. Ian Dem Burger und Krämer, Friedrich Barthold Faber, eine Tochter, Namens Lvuifa Wilhelmina Karolina. Gestorbene und Beerdigte bei der Sradtkircbe. Am 27. Ian. Maria Christina, des verstorbenen Burgers und Mezgers, Ioh. Melchior Lony's Wittwe, alt 79 Jahr, 6 Mon. 17 Tage. Am 28. Jan. Johann Andreas, des Burgers und Beckers, Johann Adolph Snpps Sohn, alt 7 Tage. Giesser Victualr'en-und Markt-Preis. kr-tpf. 14 2 2 2 I 1 1 1 £ 1 j — Hammelsfett — 1 — Rinds-Nierenfett ft Ochsenfleisch — Kühfleisch — Rindfleisch — Kalbfleisch — Schweinefleisch — Hammelfleisch 8 7 6 5 8 8 i ft Schweinefett — t — Seifen — r — Lichter — 1 —> frische Butter — 1 — geschälte Hirse — l — grob geschalte Gerste 1 — klein geschalte Gerste Cyer 3 Stück — — fr. Loth Quint * Schwarz Brod 1 12 1 Weck — — 1 7 Milchbrod 1 6 Butter Bretzeln 1 3 1/2 gemischt Brod oder Taigscher 1 9 1/2 ' Getraidepreise vom r6. Ian. bis den r. Febr., in Frankfurt. Wakrunn denfl a6o fr. und das ft. ZU 34 totf Cölnrfches Silbergewicht Städte. Gemas. Wa st.' ijen fr. wiegt ft. Kc fl. >rn fr. wiegt ft. Ge fl7 este 77 wiegt ft. !Hc Ist. lfer 77 wiegt ft. Darmstadt das Malter. 6 45 175 5 8 157 4 140 2 38 98 Giessen das Achtel. 8 — 200 7 20 18° 4 30 160 4 140 Marburg das Mött. 8 10 1 1501 5 3o 13.5; 3 45 120 2 40 Sa Diez das Achtel. 13 20 34o| 8 20 300 5 40 ■— — WeM ida< Achtel. 1 11 206I 7'5c> 190I ‘ 7 10 168 4