Nr. X. io. März. l798» Giesser JnlelligenMatk. Einige Vorschläge unt> wünsche, vas InteÜi- geh^biatt zweckmäsiger und nützlicher ;u machen. ( Eingesenoet von einem Ungenannten.) Wenn ein wöchentlicher.Blatt seinen Zweck erreichen, wenn eö nützen, belehren und zugleich unterhalten soll, so wird man darinn gar keine gelehrten Anhand- -jungen , Kritiken oder Resultate des Nachdenkens ; aber man wird ein nützliches Allerley auf Nachrichten, welche auf Die hiesige Stadt und Gegend Bezug Haden, welche für *efer von allen -Ständen und allen Classen interessant sind, darinn suchen Es wird, chr ein solches, nicht blos für die Woche, worii.n .s ausgegeben wird, Interesse haben ; sondern es w.rd auch noch nach Jahren gelesen w rden und wird dem Forscher und dem Vaterlw.vS- freund in spätem Zeiten no._ zuw.il. 'n eine Unterhaltung gewähren oder irgend tinen gesuchten A'fschluß geben. Um er diesem vorgesetzten Zweck ^cmäs rin^crrch^.'t zu sehen , kann man bülig fodern, daß ee nach einem gestimmten Plan ögefaßt ist, daß das Interc^ante , welches zunächst auf die hiesige Gta'oi Bezug hat, das Hauptaugenmerk bleibt und daß hiervon die vorzüglichsten Dinge so wenig übergangen, werden, als zwecklose Auszüge, Aufsätze u. s. s., welche oft kein.» - ".rnsch.n in les ressiren, darinn aufgrnorämen werden. Sobald diese fünfte nicht beobachtet werden und Lücker'.büser.die Seiten ausfüllen, wird der geschmackvolle Leser das Blatt auf die Seite legen und es in Zukunft-selten wieder zur Hand nehmen. Ich will hier Dicht eine Vorschrift geben, wie ein solches wöchentliches Blatt eingerichtet'werden soll. Ich habe zuviel Zutrauen zu den Einsichten des Herausgebers oder des Verlegers, als daß ich nicht glauben sollte, daß sie bet' dieser Anstalt sich einen Plan vorgesieckt hätten. Aber ich glaube • daß ein Leser oder ein Freund dieses Blatts das R'cht habe, sein? unmaSgeblichlGcdankemzu äu» fern , dir vorzüglichsten zu beobachtenden Punkte zu berühren und auf einige bisherige Mängel aufmerksam zu machen Nur dadurch, daß nach einem festgesetzten Plan geaibritet wurde, daß das Nützliche mit dem Unterhaltenden, unter der Leitung einsichtsvoller Männer, verbunden wurde, achten so manche auswärtige Intelligenz^ blätter, z. B. da--» Wittenberger, das Leipziger, grosev Gluck, unb auch das hiesige, welchem vor i Jahren der sil. Böhm, und später der sei. Hopfner Herausgaben und woran mehrere verdienstvolle hiesige Ge- lehrtr arbeiteten, fand viele Leser. Auch da- Darmstadter Intelligenzblatt findet, hauptsächlich wegen seiner Vollständigkeik der Nc. '-richten und Neuigkeiten des Tages jener Stadt, bei einem geringeren Preis mehrere Abnehmer, als das. hiesige. Und doch ist der Plan des hiesigen weiterum- faffend und es hat auch für eigene Aufsätze Raum, welche von dem Darmstädter ausgeschlossen fint). Dir zu beobachtende Punkte, um e'u nem Blatt, wie das gegenwärtige, mehr Zwcckmäsigkeit zu geben, sind folgende. Man erwarte aber hier keine Vorschrift eines Plans, sondern nur einige Vorschläge und Wünsche. i) Am Schluß eines jeden Jahres wird Jeder die Anzahl der Gebohrnen und Ge- — ) 38 t — Erstorbenen in hiesiger Stadt, nebst cer Angabe der Knaben und Mädchen, in einer Uebersicht wünschen. Auch die Zahl der Confirmanten und Communikantcn verdiente, nach hergebrachter Sitte, so gut wie die geschloffenen Chen, eine Erwähnung. Oft, aber nicht jedesmal, ist dieses bisher geschehen. Nur durch eine Vergleichung in einer Reihe von Jahren, oder mit der Summe in andern Städten, gewinnt eine solche Aufzählung viel Jn- leresse. ' 2) Man wünscht, daß nicht blos die Gerauften, sondern alle Gebohrnen, auch die tvdtgebohrnen, angegeben würden. Denn auch aus diesen zieht man in der politischen Rechenkunst Resultate. Tie Angabe der Vornamen bei Getauften ist ebenfalls keine unwichtige Sache, welche in allen ähnlichen Blättern beobachtet wird. Auch die unehlichen Rinder verdienen Er- Mahnung , nur könnte man, in dem ersten Fall einer auscrehlichen Geburt, den Namen der Mutter weglassen. g) Bei der Judengemeinde verdienen die Gebohrnen sowohl, als die Gestorbe- rren, eine Erwähnung. Denn die Juden sind Stadtbewohner, welche einen Theil der gemeinschaftlichen Lasten tragen, eben so, wie andere. So lange diese ausgeschlossen werden, laßt sich keine Berechnung der Seelenanzahl einer Stadt machen. 4) Die Verstorbenen verdienen eine vollständige Meldung, ohne daß, wie bisher zuweilen geschah, die Armen wegge- lassen werden. 5) Alle AmtSvcränderungen und Be-« setzungen von Vakanzen in hiesiger Stadt, hesonderS auch bei solchen Aemtern, welche jährlich wechseln, verdienen eine vollständige Angabe. Mit Vergnügen wird jeder- mann die Uebersicht von Beförderungen bei hiesiger Fürst!. Regierung, welche nun schyn zweimal gegeben wurde, lesen. 6) Alle Amtsveränderungen und Ehrenbezeigungen bei hiesiger Fürstl. Universität, Promotionen, öffentlicheActu» und Reden, so wie die erschienenen Dissertationen und Programme, erfodern, haupt- sachlich um der Auswärtigen willen, eine Anzeige. 7) Nicht nur die kleinen akademischen Schriften, sondern alle, welche von hiesigen Gelehrten hier erscheinen, verdienen eine Anzeige oder Reeension. Besonders wird man das jedesmalige Verzeichnis der Verlagsartikel der beiden hiesigen Buchhandlungen hier suchen. Andere Bücher- anzeigen gehören gar nicht hierher, es müste denn ein neues Buch von Wichtigkeit und von allgemeinem Interesse fepn. 8) Gebundene Bücher, welche zu verkaufen stehen, wenn sie anders nicht von Wichtigkeit sind, gehören nicht hierher. Aber Anfragen wegen Büchern, welche zu kaufen gesucht werden, stehen hier am rechten Ort. 9) Die Endurtheile von hiesiger Fürstl. Regierung, welche einmal 1792 geliefert wurden, werden vielen Lesern willkommen seyn. 10) Nachrichten und Biographien von vaterländischen Gelehrten, Künstlern und merkwürdigen Männern, würden, so wie neue Erfahrungen, Versuche, Nachrichten von Industrie, freundschaftliche Con- troversen und Belehrungen, gewis zweck- wäsiger zu Ausfüllung der Seiten dienen, als Auszüge auö alten unnützen Büchern, oder au» solchen, die in Jedermann» Händen sind. 11) Anfragen ökonomischen, kameralistischen , historischen, medicinischen oder irgend eine» andern Inhalts, welche auf die Stadt oder die jedesmalige Zeit Bezug haben, wird man, nebst deren Beantwortung , Mit Vergnügen lesen. Der Go. thaischr — ) 39 (N *— thaische Reichsanzeiger hat, hauptsächlich wegen dieses fünftes , so gro,es Gluck gemacht. Sollte nicht bei uns em vaterländische» Blatt dieser Art fern Publikum ^ü0C.i2) Neu erschienene Fürstliche Verordnungen , oder auch Polizeiverordnun- oen , erfodern jedesmal eine Anzeige. Ael- tere ober nur in so ferne, alö sie auf die laufende Zeit Bezug haben. iz) Aller Verkauf, Versteigerung, Bekanntmachungen, Anerbietungen, Gesuche erfodern, vollständig inserrrt zu werden , die Gegenstände mögen mfnanu«- lisch, literarisch oder irgend einer andern Art seyn. Auch die benachbarten Stc dte und Dörfer dürfen davon nicht ausgeschlossen seyn. 14) Die alte Geschichte der hiesigen Stadt, alte Gebräuche, Rechte, Urkunden , Anekdoten , welche auf den chtmali- qen Zustand Bezug haben, verdienen eine vorzügliche Stelle. Denn wer sollte nicht ttn Freund des Altcrthum» und der Geschichte und Gewohnheiten unserer Vorfah- tCU ^15) Da dieses Blatt auch für den gemeinen Mann bestimmt ist, io verdienen Belehrungen bei vorkommenden Gelegenheiten , Widerlegungen von Aberglaube und Vorurtheilen, hauptsächlich einen Platz. 16) Die Viclualien - und Markr- Dreise, hauptsächlich von auswärtigen L-tad- len, erfodern eine richtigere, aus den Quellen jedesmal gezogene Angabe. Akademische Neuigkeit. Am $ten dieses hielt der neue ordenft liebe Professor der Theologie, bisherige Lehrer am hiesigen Pädagog, Hr. Iohsn Ernst Christian Schmidt seine feyerliche Antrittsrede auf dem Colleggebäude Sie handlte de indole moruin difciplinae, quam lefus tiadidit. Den yten dieses trat der auftrordent- liche Professor der Rechte , Hr D Kat! Grolman, sein neue» Amt ebtnfuU» mit einer feyrrlichen Rede an, deren Inymt war, de legum Boi ufficarum intantici- dium proprie üc diftnm concetncntiutn praeftantia atque defectibus, Anzeige. r Diejenige Eltern, die so unglücklich sind, taub und stumm gebohrne Kmder zu haben, und solche gerne zu nüzi.ch- brauchbaren Menschen bilden wollen, zeigt ich hiermit an , daß ich noch immer ununterbrochen fortführe, jelbige im