Nr. VI. io. Februar. 1798. Giesser Jnkelligenzvlatk. Von der praktischen Run ft das Leben zu verlängern. (Auszug aus Hufeland.) * * *. * * * * * Verfolg. XVI. Verhütung und vernünftige Behänd! un g der Kran f» heilen — gehöriger Gebrauch der Medizin und des Arztes. Nur gar zu gewöhnlich wird hier gefehlt. Bald glaubt man, diese wohltha- tige Kunst nicht genug benutzen zu können, und medizinirt zu viel; bald scheut man sie zu sehr, als etwas unnatürliches, und medizinirt zuwenig; bald hat man irrige Begriffe von Arzt und Arznei, und benutzt beide auf die unrechte Weife. Dazu sind nun in neuern Zeiten eine Menge Popu- lairschriften gekommen, welche einen Hau- fen unverdauter medizinischer Begriffe und Notizen im Publicum verbreiten und dadurch noch mehr Misbrauch der Medizin für die allgemeine Gesundheit verursacht haben. BloS der Thcil der Arzneiwiffen- schaft, der die Kenntniß des menschlichen Körpers, in so fern sie jedem Menschen zu wissen nützlich ist, und die Art und Weise, Krankheiten zu verhüten , und Gesundheit, sowohl im Einzelnen, als im Ganzen, zu erhalten, kann und soll ein Theil deö allgemeinen Unterrichts und der allgemeinen Aufklärung werden. Aber nie der Theil, welcher sich mit Heilung wirklichausgebrochner Krankheiten und Anwendung der Mittel beschäftigt. Es erhellet dies schon aus dem einfachsten Begriffe von Krankheit und Hülfe. Was kann man thun, um Krankhel- ten zu verhüten, und wie soll man die schon auögedrochnen behandeln, wie insbesondere Arzt und Arznelkunst benutzen, um möglichst für Erhaltung und Verlängerung des Gebens dabei zu sorgen? Man suche zwar die Krankhcitsui fachen, die sich vermeiden la jen , zu vermeiden, aber an die andern suche man sich vielmehr zu gewöhnen und seinen Körper dagegen unempfindlich zu machen. Die crstern sind vorzüglich: Unmäsigkert im Essen und Trinken , übermäsiger Genuß der physischen Liebe, große Erhitzung und Erkältung oder schneller Uebergang von einem ins andere, Leidenschaften, heftige Anstrengung des Geistes, zuviel oder zu wenig Schlaf, gehemmte Ausleerungen, Gifte. Man macht den Körper gegen diese Ursachen weniger empfindlich: durch den täglichen Genuß der freien Luft, bei guten und bösen Tagen, Wind oder Schnee; durch das tägliche Waschen über den ganzen Körper mit kaltem Wasser; durch ein nicht zu warmes Verhalten; durch einen thätigen Zustand des Körpers ; durch eine gewisse Freiheit und Zwanglosigkeit in der Lebensart, wenn auch dieselbe etwas ge- mißbraucht würde. * Ein Hauptpunkt der KrankheitSverhü- tung besteht darin, daß ein Jeder die Krankheitsanlage, die ihm besonders eigen ist, wohl zu erkennen suche, um sie entweder auszulöschen, oder ihr wenigstens die Gelegenheit zu entziehen, wodurch sie in Krankheit übergehen könnte. Diese Untersuchung und die Bestimmung der individuellen Diätetik, sollte man aber dennoch ) rr ( noch einem Arzte überlassen. Die Untersuchung muß auf folgende Punkte vorzüglich gerichtet werden: i) Auf die erblichen Anlagen; 2) auf die erste Erziehung; 3) auf den Bau des Körpers; 4) auf das Temperament; 5) auf das Klima, die Wohnung; 6)aufdie Eigenheiten und Gewohnheiten. Die gewöhnlichen Kranlheitsanlagen find folgende: 1) Die Anlage zur Schwindsucht. Sie wird erkannt: aus dem fehlerhaften Wau der Brust; wenn die Eltern schwindsüchtig waren, wenn man oft plötzliche Heiserkeit, ohne katarrhalische Ursache, bekömmt; wenn man, beim Sprechen, Laufen , Berge- und Treppensteigen, sehr leicht äusser Äthern kömmt; wenn man nicht recht rief einathwen und die Luft an ftch halten kann, ohne einen Schmerz in der Brust oder einen Reiz zum Husten zu verspüren; wenn man sehr rothe, gleichsam mit Farbe bemahlte Wangen hat, oder oft plötzlich eine solche hohe Rothe, zuweilen nur an einer Wange bekommt; wenn man nach dem Essen rothe und meiste Backen und heiße Hände bekommt; wenn man oft plözlich fliegende Stiche in der Brust empfindet; wenn man frühmorgens kleine Klümpchen aushustet, welche wie Käse oder Talg aussehen, und beim Zerdrücken einen üölen Geruch von sich geben; wenn man , bei jedem Schrecken, Zorn oder andern Affekt, Schmerzen in der Brust oder Husten bekommt; wenn jede Erhitzung oder Erkaltung, jeder D>at- fehler dergleichen erregt; wenn man häufig Brustkatarrhe bekommt, oder dieselben, wenn sie einmal entstanden sind, gar nicht wieder aufhörenwollen; bemerkt man nun gar noch blutigen Auswurf aus der Lunge, dann ist die Gefahr der Lungensucht schon sehr nahe. — Wer diese Anzeigen verspürt, der hüte Branntewcin, vor Gewürzen, starken Ne- wegungcnAusschweifungen in der Liede, vor dem Sitzen mit zusammengedrückter Brust und sonstigen Anstrengungen der Brust. 2) Die Anlage zu Hämorrhoiden. Man erkennt sie daran: wenn sie die Eltern hatten: wenn man zuweilen Rücken- schmerzen tief unten im Kreuze spürt, oder fliegende Stiche queer durch das Becken oder zuweilen ein schmerzhaftes Zwängen beim Stuhlgang; wenn man immer an Hartleibigkeit leidet; wenn man ein öfteres Jucken am After oder starken Schweis in der Gegend, auch wohl öfteres Kopfweh und Vollblütigkeit des Kopfs empfin-« Solche Personen haben nöthig, nicht allem alles hitzige Getränk, sondern auch warme Getränke zu meiden, besonders Kaffee, Thee und Ehokolade, mehr von saftigen, frischen Gemüsen und Obst, in Verbindung mäsiger Fleischnahrung zu leben , Mehlspeisen, Kuchen, Backwerk, blähende Speisen zu meiden, nie anhaltend zu lfltzen und sich täglich Beweguna zu machen. 3 3) Anlage zur Hypochondrie oder Hy- ■ stene und andern Nervenkrankheiten, merkt man an folgenden: wenn man von Nervenschwachen Eltern gezeugt worden; wenn man frühzeitig zum Lernen und Eisten angehalten wurde/ wenn man in der äugend Onanie getrieben hat; wenn man viel sitzend, in der Stube, einsam gelebt und viel warme Getränke genossen, auch wohl viel schmelzende und empfindsame Bucher gelesen hat; wenn man eine sehr veränderliche Gemüthsstimmung hat; wenn man öfters mit Magen - und Verdau- ungebelchwerden , auch Blähungen geplagt wird; öfters Beängstigungen, Klopfen im . . . - - ' ----- ^lnlrrleibe, Drucken, Spannen unt) b,r- slch )« vvr h'tz'gen Getränken , Wein, gleichen ungewohnte Gefühle daselbst em- pflndel; - )23( - pfindet; wenn man früh und nüchtern sehr müde, verdrossen und unbrauchbar ist, welches sich sogleich nach dem Genuß ft* Niger stärkenden Nahrung, odereiner Tasse Kaffee, oder etwas geistigen verliert; wenn man große Neigung zur Einsamkeit und zum Nichtreden, oder eine Schüchtern- beit, ein gewisses Mistrauen gegen Menschen verspürt; wenn Zwiebeln, Hülsen- srüchte, Hefengebacknes, immer große Beschwerden und Beängstigungen erregen; wenn die Ausleerungen durch den Stuhl träge, selten oder ungleich und trocken sind. Ein solcher meide ganz vorzüglich da- sitzende Leben; und wenn dies nicht mög* lich ist, so muß er wenigstens stehend an einem Pulte, oder noch besser auf einem hölzernen Bock reitend arbeiten und dabei das Gesetz unverbrüchlich beobachten, sich alle Tage i — 2 Stunden in freier Luft Bewegung zu machen; man muß immer menschliche Gesellschaft suchen, besonder- einen Freund; Reisen, Veränderung der Gegenstände, und vor allen Dingen der Genuß der Landluft, sind hauptsächliche Präservative der Hypochondrie; man vermeide vorzüglich Kuchen, Käse, Mehlspeisen , Hülsenfrüchte, Fett, schwere- Bier. Der Verfolg künftig. Bekanntmachung von verschiedenen Sacken. 1) Freitags den i6len dieses, Morgens 10 Uhr, soll auf dahiesigem Rath- haus das, dem Burger und Eiftnhändler Simon Flett, zustehende Wohnhaus, in der Wallpförter Strafe, neben dem Sergeant Münch und Sternwirth Magnus, öffentlich an den Meistbietenden verstrichen werden. Giessen den Sten Februar 1798. Fürstl. Hess Oderamt das. R a p ss. 2) Dienstag den sofen dieses, Nachmittags um 2 Uhr, sollen in des Fürstl. Regierung« - Secrerair Oßwaids Behausung dahier, 2 Wagenpferde, i Wagen nebst allem Zugehör, 1 Pflug und Egge, sodann Wagen- und Ackergeschirr, öffentlich an den Meistbietenden gegen baare Zahlung verstrichen werden, welches hiermit bekannt gemacht wird. Giessen dm Llen Februar 179g. . 3) Wer aufö Frühjahr recht schöne zweijährige Spargelpflanzen von der besten Art verlangt , Vas Hundert zu Einem Gulden ; der beliebe sich in Zeiten zu melden bei Balthasa r Döpfer in Nro. 19. Hintee der Stadtkirche wohnhaft. . 4) Bei dem Polizei - Aufseher Sauerwein in Dillenburg, ist Kiefern- auch Weistanuen-Saamen, von eigener Sammlung, in billigem Preise , käuflich zu erhalten. In der Rrieger'schen Buchhandlung iß neu erschienen und für beigesezreu preis zu haben. Neue Ausgabe von dem vortreflichen Buch: Hufeland Kunst sein Leben zu verlän- gern, 8. ifL 12fr. Drei Abhandlungen für Baumeister, Po- lizeibeamten und Aerzre, 8. Marburg 1798. 24 fr. Magazin für Wochen- und Leichenpredig- trn, 4N Bandes 2s Stück, gr. 8. 1798. 24 kr. Gottesdirnl? am ir. Februar. In der ©t. Pancratiuskirche. Morgens Herr Professor Palmer. Nachmittag- Herr Superintendent Müller. In — > 44 ( — In der Durgfirche. Morgens Herr Superintendent Schulz. Nachmittags Herr Pfarrer Buff. Morgen den n. Febr. har da« Frisch- 6 tiefen der Beckermeister Ferber, auf dem Neuenweg. Ein- tt»D Anspasstrte. Am i. Febr. Hr. Geheimerrath von Wntz, von Hess Cassel, durchpass. Am 2.Fedr. Prinz von Hohensolms, durchpass. Am 3. Febr. Hr. Commercienrath Deines, von Hanau, durchpass. Am 4. Febr. Hr. Graf Ranzau, von Hollstein, durchpass Am 5. F,br. Hr Negierunasrath v. Wildungen, von Arolsen, durchpass. Geraufte bei der Gradtkircke. Am i.Febr Dem Durber und Gasthalter zum gvidnen Hirsch, Balthasar Müller, eine Tochter. Beerdigte. Am 5 Febr Herrn AmtSschultheiS Kraf' zu Schweinsberg hinterlassene Frau Witlive, alt 74 Jahre. Am 8. Febr Dee Burgers und Huf- schmids, Andreas Mudersbachs, hinterlassene Wilkwe, alt 72 Jahr. Giesser 1 ft Ochsenfleisch — 1 — Kühfleisch — 1 — Rindfleisch — 1 — Kalbfleisch , — 1 — Schweinefleisch — 1 — Hammelfleisch — l — Hammelsfett — 1 — Rinds-Nierenfett Victi ja kr Va il S 1 1C 2C lien- pf. — — — — — und Markt-Preis. i ft Schweinefett — 1 — Seifen — 1 — Lichter — 1 —- frische Butter — 1 — geschälte Hirse — l — grob geschalte Gerste f — klein geschälte Gerste C'yer 2 Stück — — fr. 22 2b 22 22 8 8 10 4 Pf. 2 4 Schwarz Brod Weck — — Butter Bretzeln gemischt Brod oder Taigscher kr. 1 1 1 1 Loth 11 6 3 8 Quint 3 1/2 1/4 3 3/4 Getraide den fl Städte. Darmstadt Friedberg Fulda Giessen Marburg Diez Wezlar preise vom 4.< . ä6o kr. unt Gemäs. daö Malter, das Malter, da« Malter, das Achtel, das Mött. das Achtel. das Achtel. Febr. das Wa st. 7 15 16 11 8 14 19 bis ft. ijen kr. 50 20 40 den.l zu 3- viegt ft. 175 200 200 ISO 340 206 II.' 4 1t K. fl. 6 11 12 7 5 11 8 Zeb >th >rn Vtr". 142 20 IO 120 r., tr Cölnt wiegt ft. <57 190 180 IZ5 300 190 rFr fchei Ge fl. 4 9 (_____ 6 3 7 6 ank ; S rste kr. 38 20 45 10 30 :furt. tlberg wiegt ft. 140 I/O — 1 lÖO 120 168 Mc cwi Hc fl. 3 10 5 3 5 thrr cht. rfer 17. 38 —1 20 mg wiegt ft. 98 125 140 _841