Nr. XVIK. Mai. «79$- Giesser Jnkelligenzklatt. Martin and Mieke, oder die belohnte Ehrlichkeit. MartenS war im Niedersächsischen Kreise, unweit Braunschweig, gebohren. Seine armen Aeltern starben, noch ehe er reden konnte, und hinterliessen ihm nichts. Er wurde also von Almosen erzogen: und alles, was man ihn lernen konnte, bestand im Lesen und Schreiben. Von seinem funfzehenten Jahre an diente er auf einem Muyerhofe, wo man ihm die Führung einer kleinen Heerde anvertrauere. Zu eben der Z-'it hütete die junge Mieke in eben der Gegend die Schaafe ihres Vaters, der ein wohlhabender Landmann war. Beide begegneten sich zuweilen mit ihren Heerden, unterhielten sich miteinander, lernten einander genauer kennen, und ge- wannen sich von Herzen lieb. Höre, Mieke, sagte Martens eines Tage-, willst du mich zum Manne haben, so will ich um dich anhalten 3 — Gerne, antwortete das Mädchen; denn du gefällst mir, und meinst es gewiß ehrlich; und so ward beschlossen , daß Marten- am folgenden Tage, welcher ein Sonntag war, bei ihrem Vater anhalten sollte. Ich werde, sagte sie, zur Stadt gehen ; gegen Abend komm' mir entgegen, und erzähle mir, wie's abge/aufen ist. Am folgenden Tage gieng Martens izu ihrem Vater, und sagte: ich liebe eure Tochter, und komme, euch zu bitten, sie mir zur Frau zu geben. ii Und worauf, antwortete der Alte, willst du denn eine Frau nehmen? hast du einen Bauernhof? " Nein, sagte MartenS; aber ich habe ein Paar gesunde Arme, und Lust zur Ar- bett, so viel als einer. Ich habe mir schon zwanzig Thaler erspart, und hoffe, nach und nach so viel zu verdienen, daß ich einen Bauernhof kaufen kann. „ Nun, so thue das., antwortete der Vater, und wenn du so viel verdient hast, so komm' wieder, und du sollst meine Mieke haben " MartenS gieng traurig von ihm weg. Mieke wurde ihn gegen Abend kaum ansichtig , als seine mißvergnügte Mine ihr schon sagte, wie die Sache abgelaufen sey. „ Mein Vater hat mich also dir nicht verwilliget?" fragte sie ihn. Ach! Mieke, antwortete MartenS, ich bin ein unglücklicher Tropf! Warum mußte ich doch so arm gebohren werden 3 Aber laß uns guten Muths seyn ! Mein Herz sagt mir, daß du dennoch die Meinige werden wirst, und ich will von üun an über Macht arbeiten, um dich zu verdienen. Indem sie so miteinander redeten, und aufs Dorf zngiengen, wurde es allmählich Nacht. MartenS stieß mit dem Fuße an et- was an , stolperte und fiel. Da er wissen wollte, worüber er gestolpert sey, undmit den Händen darnach griff, faßte er ejn Kästchen, welches für seine Größe ziemlich schwer war. Er fühlte, daß der Schlüssel drin» stecke, und da er auf dem Felde, wo man gegen Abend einige Haufen Queken ver- brannt hatte, noch ein tteinee Feuer erblickte, so gieng er mit Mieten hin, um beim Scheine desselben zu sehen, was doch wohl ■M ) 70 ( wohl darinnen Ware- Mark sehe ich? rief er aus, da er das Kästchen eröffnete, und entdeckte, daß es mit Geldrollen cmgefüllt fty. — Der Verfolg künftig. Verzeichnis Der Redtorum Magnif. bei hiesiger Universität , von ihrer Stiftung an. 1758. D, Franz Justus Rortholt, zum zweitenmal. 1759. D. Johann Carl Voigt, Prof. -er Medicin. 1760. Philipp Nikolaus Wolff, Prof. -er oriental. Sprachen. 1761. v. Johann Hermann Benner, zum drittenmal. 1762. D, Franz Justus Rortholt, zum drittenmal. 1763. Ludwig Gottfried Mögen, D. der Rechte und Prof, der Geschichte. 1764. D. Johann Hermann Benner, zum viertenmal. 1765. Herr D. Johann Christoph Roch , Prof, der Rechte, Regierungrrath und Syndikus der Universität. 1766. D. Georg Ludwig Alefeld, Prof, der Medirin. 1767. Ernst Thom, zum zweitenmal. 1768. D. Johann Stephan Müller, Prof, der Theologie und Superintendent. Starb den iz.Dec. dieses Jahrs. 1769. Herr v. Johann Christoph Roch, zum zweitenmal. 1770. D. Georg Ludwig Alefeld, zum zweitenmal. 1771. Andreas Böhm, zum zweitenmal. 1772 Herr 0. Johann Georg Bechtold, Superintendent und Ephorus der Stipendiaten. 1773. Herr D. Christian Hartmann Samuel Gayert, nunmehr Rrichsfreiherr und Staatsminister. 1774. D. Johann Wilhelm Baumer, erster Prof, der Medicin. 1775. Herr Johann Christoph Friedrich Schulz, Prof, ber Orient. Sprachen. 1776. D. Ludwig Benjamin C>u» vrier, Superintendent. 1777. D. Ludwig Julius Friedrich Hopfner, Prof, der Rechte. 1778. D. Christoph Ludwig Nebel, Prof, der Medicin. 1779- Herr Christian Henrich Schmid D. der Rechte, Prof, der Dichtkunst und Beredsamkeit. 1780. Herr D. Johann Georg Bechtold, zum zweitenmal. 1781. Herr D. Helwig Bernhard Jaup, Prof, der Rechte. 1782. Herr D. Johann Ludwig Friedrich Dietz, Pcof. der Medicin. 1783. bis den 29. Sept. 1784. Herr D. Christian Henrich Schmid, zum zweitenmal. 1784. vom 2ysten Sept, an, Herr D, Johann Gottfried Siegmund Albrecht Büchner, Prof, der Rechte. 1785. vom aysten Sept. an, Herr v. Carl Wilhelm Christian Müller, Prof, der Medicin. 17S6.1). Ludwig Benjamin Ouvrier zum zweitenmal. 1787. Herr D. Helwig Bernhard Jaup, zum zweitenmal. 1788. Herr D. Christian Henrich Schmid, zum drittenmal. 1789- Herr Superintendent Johann Christoph Friedrich Schulz, zum zweitenmal. 1790. Herr V. Joh. Gottfried Siegmund Albrecht Buchner, zum zweitenmal. 1791- Herr D. Rarl Wilhelm Chri» stian Müller, zum zweitenmal. 1792. Herr Wilhelm Friedrich Hezek, Prof, der oriental. Literatur und Geheimer Regierungsrath, *793. ) 7i C 1793. Herr Superintendent Johann Georg Bechrold, zum drittenmal. 1794. Herr Professor Helwig Bernhard Jaup t zum drittenmal. 1795, Herr Professor Carl Wilhelm Christian Müller, zum drittenmal. 1796. Herr August Friedrich Wilhelm Crome, Professor der Statistik und Eameralwiffmschaften, Regierungerath. 1797. Herr Superintendent Johann Christoph Friedrich Schulz, zum drittenmal. Lilterärische Anzeige. 4) Ein Wort von drei Silben. Die erste ist ein bekannter Vornamen, die zwe» lejten bedeuten etwas, wonach sich en^lc9 auch der unruhigste Vagabund sehnt, das Ganze ist eine Stadt in Deutschland. Gottesdienst am 6. Mai. In der St. Pancratiuökirche. Morgens Herr Professor Palmer. Nachnnt- taa» Herr Superintendent Bechtold. In der Burgkirche. Morgens Herr Superintendent Schulz. Nachmittags Herr Pfarrer Buff. In der KciegerischenBuchhandlung in Marburg, findet sich für 1 ft. 4° tr. zum Verkauf: le petit Didlionaire des voyageurs fran^ois- allemand et allemand-fran- 9ois. 1795. Da man izt wegen der nahen Nachbarschaft ein solches Taschenbuch nöthig hat, das idie geläufigsten und täglich vorkom-» wenden Redensarten enthält, so wird dies Handbuch besonders empfohlen. Charaden zur Unterhaltung müstger Stunden und zur Uebung des Verstandes. 1) Ein Wort mit zwei Silben. Die erste bedeutet etwas, das man sich zu den Speisen bedirnt, die andre ist ein Buchstabe , das Ganze ein Fluß in Baiern. 2) Ein Wort mit drei Silben- , Die zwei ersten einen Theil der Wohnhäuser, die dritte ist der Name eines allgemeinen Titels, das Ganze eine Hofcharge. 3) Ein Wort von drei Silben. Die zwei ersten bezeichnen ein Instrument, das man zur Eröfnung der Thüren gebraucht, die lezte ist ein Name, den die Edetteute sonst ihren Schlössern gaben, das Ganze ttnt Festung in Rußland. Morgen den 6. Mai hat das Frischbacken der Beckcrmeister Ebel, .an der Kühgasse. Ein- and Auspasstrrs. vom 24ten April bis den 2ten Mae. Hr. KammergerichtSassessor, Freiherr von Gromer, von Wezlar, durchpass. Hr. Lieuten. v. Winzenroth, m Hess. Cassel. Diensten. Frau v. Dalwig, von Wezlar. Hr. Lieuten. v. Hanstein, in Hessen- Eassel. Diensten. Hr. KammergerichtSassessor v. Dett- furth, von Wezlar. Hr. Graf von Leining. Hr. Obrift v. Breidenbach, en Hess. Cassel. Diensten. , Hr. Regierungsrath Raiß von Darmstadt. B.opnlrrte bei der Seadtkirche. Am 26. April. Henning Fiedler, Burger u. ChirurguS allhier, u. Maria Christina Myhlichin, des Burger und Schreinermee- ster Ioh. Henrich Myhlich ehel. Tochter. Am 30. April. Herr Carl Friedrich Mettenheimer, Materialistin Frankfurt, weiland Hrn. Albert Philipp Mettenheimer , Materialisten in Frankfurt, nachgelassener ehel. Sohn, und Igfr. Johan- netta Christina Maria, weiland Hrn. Bernhard — ) 7,- ( — bakd Müller«, Fürst!. Zollüereiter« und Gasthalkers zum Einhorn allhier, nachgelassene ehel. Tochter. Gebohrne und Geranfre bei der Stadt- kirche. Am 26. April. Dem Burger und Kiefer , Philipp Moriz Magnus, eine Tochter, Maria Karolina Elisabeths Eod. Dem Burger und Kiefer, Ioh. Philipp Relber, eine Tochter, Anna Eli- fadetha. Am 27. April., Herrn Amtsverweser Gravelius, ein Sohn, Ludwig Friedrich Wilhelm. Am 28. April. Dem Maurer Daniel Hartmann Petry, ein Sohn, Johann Philipp. beerdigte bei der Stüvrkirche. Am 27 April. Der Kuhhirt Henrich Schneider, alt 95 Jahr. Eod. Der Beisaß Ioh. Ludwig Klein, alt 61 Jahr. Am 29 April. Des verstorbenen Cantors, Hrn Christoph Bielers, hinterlassene Frau Wittib, alt 68 Jahr. Am 1. Mai. Dem hiesigen Kartenfabrikanten, Gottfried David Ernst Richter, eine Tochter, Elisabeth« Katharina, alt 2 Jahr, 2Mon. Giesser Victualien- und Markt-Preis. kr Pf. fr. Pf. 1 ft Ochsenfleisch — 12 £ ft Schweinefett — — 22 1 — Kühfleisch — — lo — £ — Seifen — — 28 2 1 — Rindfleisch — — 9 — 1 — Lichter — — 24 l — Kalbfleisch — — 7 1 — frische Butter — —17 — 1 — Schweinefleisch — — 11 — £ — geschälte Hirse — — 8 —— 1 — Hammelfleisch — — 12 —- 1 — grob geschälte Gerste — 8 1 — Hammelsfett — — 1 — klein geschälte Gerste — 10 1 — Rinds-Nierenfett — 20 — Eyer 4 Stück — — — 4 kr. Loth' Quint Schwarz Brod £ 11 3 Weck — — £ 5 2 Milchbrod I 4 r Butter Bretzeln I 2 3 gemischt Brod oder Taigscher £ 8 2 l/2 Getraidepreise vom 28. Ifprit bis den 6. Mai, in Frankfurt. Wahrung den fl. ä 60 kr. und das ft. zu 34 koth Cölnisches Silbergewicht. Städte. G e m ä S. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wiegt Hafer wiegt fl. kr. ft. fl. kr. ft. fl. kr. ft. fl. kr. ft. Darmstadt das Malter. 8 20 £75 6 24 157 5 — 140 3 14 98 Friedberg das Malten 10 — 200 7 •4— 190 5 30 170 5 3° 125 Fulda das Malter. — —— — — — t — — ! — Giessen das Achtel'. 10 30 200 7 30 Igo 7 — 160 4 30 140 Marburg das Mött. 8 10 150 5 30 135 3 45 120 2 40 84 Diez das Achtel. 16 30 340 12*10 300 9 40 •....... Wezlar das Achtel. £1 206 7150 190 6 io 168 4 —