Zuruf ein es deutschen Bürgers an den Führer der Franzosen. FW-«» eines freuen Volks fort Wahrheit hören, die er als Menfch nnd Bür-' 8cr achten verpflichtet ist, dem Man», der nach Grundsätzen handelt, muß es erlaubt stp». Gründe entgegen zu stellen, ohne Furch, und Scheu für der Gewalt einer edlen Nation- Gefetzt, ich schätzte nnd ehrte Sie als Soldat, f° möchte ich gerne auch de» Wunsch hinzufügen, Sie als Menfch zu lieben, diese reinen Geflumiugen sind die Triebfeder» meines Schreibens. Horen Sie alfo ein Elaubensdekenntniß, das ich zuerst vor Ihnen, und darauf vor Ihrer ganzen Nation ablege. Ich liebe mein Vaterland, wie Sie das ihre, ich hasse jede Unterdrückung, welche die individuelle Freyheit mehr eiuschräukt, als es die gesellschaftlichen Verhältnisse de« Mensche» forder». Ich liebe diese Freyheit, wo st» der Kopf des Reiche» und der Kops des Bettlers, unter die gleiche Herrfchaft guter Gesetz« beugt: aber ich hasse auch jene zügel, lofen Austritt«, die ein zerrüttetes Reich, das in eouvulstvischen Schmerze» feiner Wieder- geturt liest, unfern Augen jetzt darbietet - ich hass« Staats-Umwälzungen, wenn fie ni»t das Gesetz der eisernen Nothwendigkeit gebietet. Wir sind srey! wir tragen keine entehrende Fesseln raubstchtiger Tyrannen! Wiu liebe» die uns vorgesetzte Regierung, nicht aus sklavischer Furcht, sondern, weil sie mit eines Vaters zärtlichen Güte für das Wohl ihrer guten Mitbürger sorgt, «nd weil roie über- überzeugt sind, daß nur Gehorsam, Gesetz und Ordnung, die Elückseeligkert der verbundenen Gesellschaft des Staats zusammen ketten, und dauerhaft erhalten kann. Warum wollen Sie uns also von Fesseln befreyen, die wir nicht tragen? Warum wollen Sie uns Wohlthaten aufdringen, deren wir nicht bedürfen? Warum wollen Sie eine Verfassung erschüttern, die nicht, um mich ihres Ausdrucks zu bedienen, ihr Alter, sondern vielmehr ihre Güte ehrwürdig machte? Warum endlich die süße Ruhe eines friedlichen vom Bürgerblute nicht triefenden Volkes siöhrcn, das ohne Cie, im Schooße der Freyheit glücklich lebte? nicht zufrieden, ihre eigne Freunde zu brandschatzen, wollen Sie eine Stadt entzweyen, deren Einigkeit unerschütterlich ist, und selbige jedem verwüstenden Greuel einer bürgerlichen Zwietracht Preiß geben. -- Sie fordern zum Beyspiel 2 Millionen Gulden! einer Nation, die nach moralischen Grundsätzen handelt, deren Panier Gerechtigkeit, und bereu Schild die Menschenliebe ist, — einer Nation, die sich den Wahlspruch, Krieg den Schlössern, und Friede den Hütten, wählte — einer solchen Nation geziemt es nicht zu brandschatzen, weil eben dieser Raub eine entehrende Erfindung deslgierigen Despotismus ist, eine regelmäßige Plünderung, die mit dem Rechte des Starkern den Nacken des unschuldigen Bürgers drückt. Aber, von wem fordern Sie diese ungeheure Summen? von einer Stadt, der ihre eigne vorige Nationalversammlung das Lob einer untadelhaften Aufführung beylegte, die dem Conde ihre Canonen versagte, und die denen theils schuldigen, theils von gedungenen Mordbrennern gewaltsam vertriebenen sogenannte» Emigrirten, nicht mehr und nicht weniger Schutz verlieh, als das Gefühl der Menschheit erlaubt, und warum fordern Sie diese Millionen? weil einzelne diese unglückliche Flüchtlinge gehegt, weil einzelne Kaufleute, dcnenjenigen Vergnügen machten , welche sie dagegen bereicherten, weil einzelne, nach ihrem Befug, dem Handel Frankreichs das baare Geld entzogen, um wie Sie sagen, es in die Kasten der Prinzen zu werfen, — weil sie einzelne falsche Afsrgnate in Umlauf gebracht haben sollen — weil endlich eine unbedeutende Zeitung aristocransche Grundsätze auskramte, die Niemand laß, weil in Gesellschaften von einem Theil der Nation übel gesprochen worden -st — und welche Nation auf dieser fublunarsschen Welt ist wohl von Fehlern und Gebrechen frey? O Cu- £> Custine! der Franken 'zeitherigcr Führer! 'sehen Sie hier die Scheidewand K„hms — und daß dieser Schritt, ihren Namen mit einem ewigen Unwillen bedeckt — wenn einzelne an der Güte der Sache einer zum Thcil edlen, zum Theil chimärischen Frey- heit zweifelten — wenn einzelne denen von ihrem Vaterlande Verstoßenen, aus Mitleid, Schutz und Wohnung darboten, wenn einzelne sogar der Prinzen Aßignate in Umlauf gebracht, und aus Frankreich baares Geld gezogen hatten! so mißkcnntn Sre den Schuldigen mit dem Unschuldigen nicht! fo überlegen Sie wohl, daß Ihre bis hrchcr aus Mangel an Widerstand glückliche Waffen, die ärgste Marter ihrer sich selbst erwählten Feinde sind, und jene genug gestraft, wenn Sie als gleiche Bürger von ihrem gemeinschaftlichen Vaterland verbannt, ihrer Güter beraubt, von den Ihrigen getrennt, und von dem Vernünftigen bedauert, im Elende herumirren; — daß die Schuldigen genug gebrandmarkt sind, wenn man ihre Namen und Verbrechen ihrem Schicksal und dem Pu- blico Preiß gibt, — daß nachrhcilige Gespräche einer Zeitung und Gesellschaft nur durch große edle Thaten ihrer Nation vernichtet werden können; daß endlich Plünderungen keine Mittel sind, wodurch ein edles Volk sich rachen solle. Hier ist keine Contribution denkbar, die nicht nach Vcrhaltniß auf jeden Bürger fallt; die Reichen hinfolglich die ergiebigsten Kaufleute, denen Sie den Untergang drohen, drücken niemand, und können niemand drücken! Sie ernähren Hunderte ihrer armem Mitbrüder, die ohne Sie brodloß waren. Von ihrem Uebcrflusse lebt der Handwerker, der in einer Stadt ohne Ackerbau nicht bestehen kann, fo ernährt ein Stand den andern durch sein unterschiedenes Bedürfniß, und durch seinen wechselseitigen Kreißlauf, denn wahre Gleichheit wohnt nirgends, als im phantasiereichen Stande der Natur. Das gröste Lob eines Staats ist, wenn er wenig unzufriedene Bürger zahlt. Sie fanden hier keinen— und alle Ihre Anschläge bewürktcn auch keinen! Ihre sogenannte Verthcilung der Contribution erregte allgemeines Mißvergnügen, so daß an jedem Heller den Sie aus Frankfurt führen, der Schweiß des Tagelöhners, der ihn willig reicht, damit feine Ernährer nicht zu Bettler werden, hängt, und fo lange hangen wird und muß muß, als Sie uns nicht aus allem Verhaltniß mit dem Reich zu reißen vermögen—. und Sie sollten das können? ihre erhabene Nation sollte dergleichen Unsinn wollen? Nein? gewiß nicht, oder sie müßte denen Grundsätzen entgegen handeln, die Sie so laut mani- ftstirte, — müßte zeigen, daß Sie in Deutschland, Geld aber keine Freunde suche, — mußte zeigen, daß ihr das Eigenthnm des Bürgers ebenso wenig heilig fey, als das Wohleiner ruhigen Stadt — daß Sie um Meynungen Bürger und Familien, ihres Vermögens und ihres Glücks berauben können — daß Sie Kinder um ihres VatcrS willen elend machte, mit einem Wort, daß Sic eine ganze Nation an einzelnen Bürgern rachen wollen. Ihnen Custille, muß die Liebe der Deutschen angenehmer seyn als selbst eine gewonnene Schlacht, aber auf dem Wege erlangen Sie solch- nicht. — Wir lieben mehr schöne Handlungen als schöne Reden, — ja ich kenne sogar viele, die gerne Summen Hingaben, wenn Sie der Französischen Nation, die Schande ihre eigne Freunde gebrandschatzt zu haben, ersparen könnten, — daher die Kalte der Bürger gegen die Soldaten der sogenannten Freyheit, wovon Sie vielleicht manche ihres guten Betragens wegen, einzeln lieben. Daher das Mißvergnügen, und der Ton der Verachtung, der jeden Bürger beseelt. — Bürger Frankfurts tragen die Freyheit im Herzen, und nicht auf dem Hrrthe. von einem wahren Freunde der Freyheit.