Zimmermanns-Spruch auf dem neuen Gesellschaftshause 1816. Es darf Euch, liebe Herrn und Frauen! die so nc igierig zum neuen Haus hinauf schauen, wohl kein strenger- Beweis geführet werden: „ daß unter allen Dingen auf Erden „ nach dem Essen und Trinken, weil ihrs schon wißt, „ eine Wohnung das erste Bedürfniß ist» Adam und Eva, noch im Garten Ehen hatten nun freilich kein Haus von Nöthen; denn von Hagel und Kälte, Sturm und Regen, die uns oft zu belästigen pflegen, Von reißenden Thieren, Schelmen und Dieben steht kein Wort im Anfang der Bibel geschrieben: die schliefen kühl bei Tage im Schatten und bei Nacht sicher auf schwellenden Matten. Aber, als sie bald wider besseres Wissen und Gottvergessen in den Apfel gebissen und sie der Herr aus dem Paradies Lurch den Cherub mit flammendem Schwerdt verstieße da ging es zu ihrer Sünde Lohn mit ihnen aus einem andern Ton; sie bargen vor Scham und Frost sich in Hecken, thaten mit Feigenblättern sich decken, mußten vor Thieren, Hage! und Stürmen -tzurch eine Hütte von Laubwerk sich schwuren und, da die nicht sattsam sie mochte schützen, krochen sie in Holen und Berges-Ritzen. Ein paar tausend Jahre durch freilich ginas den Kinder-Menschen wohl ziemlich links, Hoch gegen manch Nebel, das sie bedroht, machte sie endlich erfindrisch die Noth und kaum erfand Tubalkain das Eisen w jede beliebige Form zu schweißen, so gingen die Menschen auch immer weiter und wurden mit jedem Tage gescheidter . wollten nicht mehr Holen-Bewohner seyn, und bauten sich Häuser von Holz und Stein Ja, singen sogar — im frechem Wahn Len Thurm zu Babe! zu bauen an, um in Asiens unermeßlichen Trifften sich einen Vereinigungs-Punkt zu stiften. Doch die Menschen sollten nach Gottes -Willen nicht Asien (los, auch die Erde füllen / drum ließ er auch ihr thöricht Begumen einen gar schlechten Ausgang gewinnend Bekannt ist euch, daß durch Disharmonie der Bau zu Babel mcht gedieh, denn Jeder hielt in stolzem Wahn feinen eignen Niß für den besten Plan; was dieser vorschlug, tadelte der, statt vorwärts, giengs drum kreuz und guer, denn, wenn die einen Mörtel woüten, die andern Steine und Holz herrollten; wenn dieser das Senk-Blei wollte haben jene ihm Zirkel oder Winkelmaß gaben — so wardö begreiflich immer bunter und endlich ging Alles drüber und drunter. Wenn nun jener Thurm durch Hader und Zwist (iS dato noch nicht geendigt ist, so kam dieser Bau durch Einigkeit in kaum fünf Monaten schon so weit, daß zu der Bau-Herrn und Zimmerleute und, wir hoffend, auch zu eurer Freude ich heute schon am St. Meckels Tag den Strauß aufs Gebalke zu pflanzen vermag. Nach meinen aufhabenden Zimmermanns Pflichten muß ich, nach Brauch, euch nun berichten, zu welchem Zwecke, Nutzen und Frommen dieses Gebäude ward unternommen. Für dm Ernst pflegst düs menschliche Lebm Mderl nur zu viel Stoff zu geben, And der Arbeit, Sorgen und Beschwerden giebts bekanntlich genug auf dieser Erden» Der Mensch soll aber nicht allein ein bloßes Lastthier hienieden seyn, die Natur schon hat ihn angewiesen sein Daseyn in Freude zu genießen, und billig darf nach der Arbeit Lasten er, sich zu neuer Zu stärken, rasten» Der Erholung und feineren Geselligkeit ist drum dieser stattliche Bau geweiht. Im Bund mit den Schwestern, den holden Eamönen, die das Leben Zur Poesie verschönen, wird künftig in diesen weiten Hallen nur sittlicher Freude Ruf erschallen» Die Meister-Stücke seltener Geister SinrP und Gefühle beherrschender Meister von Mozart, Beethoven, Gluck und Haydn re» werden durch Zauberklang der Saiten hier manchen Frohgenuß Euch bereiten. Hier erhebt einst manche Meisterrede und manches Gedicht von Schiller und Göthe und andrer Künstler in Ernst und Scherz der Hörer empfänglichen Geist und Herz. Hier eint sich der Mädchen und Jünglinge Kranz zu vernünftgem Genüsse von Spiel und Tanz mdeß sich ob ihrer fröhlichem Reihen die Alten verjüngend mit erfreuen und bei manchem / in diesem großen Saale der Erholung und Frohsinn geweihten Mahle reichen sich die gebildeten Stande sittlich vereint traulich die Ha^de, kurz — ein Bestreben wird hier nur seyn, sich weist/ mit Anstand/ des Lebens zu fteun. Bekanntlich machts aber dem Menschen-Geschlecht sogar Gott Vater nicht immer recht; natürlich setzt sich auch dieses Haus schon jetzt gar mancherlei Kritik aus. Dem daucht der Saal für Darmstadt zu klein / und jenem gar zu finster zu seyn, der tadet der Zimmer engen Raum und jener sagt: sie heizen sich kaum; einem fünften sind die untern Gänge nicht hell genug, dem sechsten zu enge; der Schnee, hört man den siebenten singen? in den Höfgen wird die Gemächer durchdringen; rmch jedem Regen, ruft der achte aus steht unter Wasser das ganze Haus; viele andre aber tadeln eö laut, daß rnan's nicht mitten auf den Markt gebaut» Nur ein bischen Geduld noch, liebe Herrn! der Zeitpunkt ist ja nicht mehr so fern, frs das Haus fertig ist von Außen und Innen dann solts doch wohl noch euren Beifall gewinnen; denn erst/ wenn sich alle Lhcile enthüllt, bekommt Ihr vom Gan.Zen ein treues Bild. Es daure dieses Gesellschaftsbaus auf viele Folge-Geschlechter hinaus und gewähre den Einwohnern dieser Stadt was nur der Umgang Erfreuliches hat. Mit diesem Wunsch, aus dem Herzen gespendet, ist aber mein Spruch noch nicht geendet; Hört drum, ihr Frauen und Herren! zum Schluß, womit ich den Spruch noch krönen muß: Der erste Dank beim Zimmermanns-Kranz gebürt dem Vater des Vaterlands, der auch hier sich als gütiger Fürst bewies und dieser Anstalt seinen Schutz verhieß. • wahrhaft vom 'Volke geliebt und verehrt, sey dieß mein erstes Glas geleert. Der erhabenen Landes Mutter, LuiskN, von uns geliebt, vom Ausland gepriesen, Ihr, die die Wonne des Landes macht, sey dieses Glas im Jubel gebracht. Den Erben der eltett'ichen Güte so reich Geist und an Gemüthe der Hoffnung Hessens, dem geliebten Paar, Ihm bring den dritten Becher ich dar. Den Prinzen des höchsten Stammes allen -die thärige Theilnahm' und Wohlgefallen an der schönen Unternehmung gehegt und den Grundstein des Hauses selbst gelegt- Ihrem Wohl fey mit Herzlichkeit in Aller Namen di eß Glas geweiht. Und die sich geschwinder, als maDs vermeint durch Vorschüsse zu dem Zwecke vereint, der Uebung der fernem geselligen Pflichten dieses Gebäude zu errichten, der Stadt zur Zierde, Nuyen und Ehre —- hoch leben die Herren Aktionäre! Euch allen, die künftig sich hier noch versammeln will ich meinen letzten Wunsch noch stammeln: holt hier Euch nach mühsamem Tageswerke erquickenden Frohsinn und neue Stärke. Damit, und daß bis zur spätesten Zeit eine Schule der fernem Geselligkeit eine Zierde für Darmstadt fey dieses Haus' lee? froh den letzten Becher ich aus.