MWsche wöchentliche gmeinnüßge Wnzetztn M Mchrichten Vier unb Zwanzigstes Stück. Dienstags den i2ten Innii 1770. sjRit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädlgsten Erlaubnis. Güter einzuziehen, und verrathen eine ganz verschiedene Wir theilen sie so mit, wie sie laute» & Geistlichen Die Denkungsart. Neigende Briese sind zn gleicher Zeit an den Herrn Verleger diefet Blatts eingelaufen. Sie betreffen die in einem der vorhergehen- V Yen Stücke befindliche Abhandlung der Frage, ob eS gut seye den M. H. So deseufzenswürdig es mir immer vorgekommen ist,daß Prediger durch die Last ihrer Güter von ihren fo vielfältigen Amtsstudien abgezogen werden , und so sehr ich wünsche, daß es lieber dahin kommen möchte, daß man ihnen doch, nebst einem ehrlichen Auskommen, jährlich etliche hundert Thaier baar Geld, anstatt der Ausbeute eines kostspieligen Ackerbaues möchte zukommen lassen; so sehr habe ich e- btiammert, daß in unfern Tagen es leyder dahin kommen will , daß man nicht allein Den Ackerbau als eine anständige Sache anpreiset, sondern fo gar auch fovert, daß man neue Versuche und Entdeckungen mache. Die- wellen nun in dero Wochenblatt nicht allem ganz deutlich aus letzteres an. A a geregek Gresssche wdchemliche gemekttttützige AnZcrgen «rcegek wird, sondern auch gar sich jemand erfrechet hat zu behaupten daß rS vortheilbaft seye, wenn man Predigern ihre Guter liefe, und sie dadurch ihre Nebenstunden, gut und nützlich anzuwenden bewegte, ich aber doch aus eigener Erfahrung weis, wie wenig einem Manne der phüolo- «isihe/ Philosophische/ Hermeneutische/ Dogmatische/ Mo-- ralische, polemische/ Exegetische/ Homiletische/ Epische, Symbolische / Casm'stische / Ascetische/ Latechetische Studia liebet, Zeit übria bleibet, so habe ich den Entschluß gefaßt ihnen öffentlich in diesem QMef, welchen Sie können drucken lassen , wenn Sie anderswo den Verfasser gedachten Aufsatzes beschämen wollen , vor Augen zu legen# wie wenig Zeit ein Mann übrig behalte, der auch auf dem Lande ferne Gelehrsamkeit, nicht unterdrücken wolle. Vor allen Dingen gebe ich täglich einige Stunden den Grundsprachen, dab.y auch das Lhaldarsche / wovon etliche Wörter km Daniel Vorkommen, nicht will ausgeschlossen haben, auch übe ich mich fleißig daS Syrische zu lesen, ob ich es gleich nicht verstehe, und weiter nicht als lesen kann, welches auch nicht nöthig ist höher zu treiben. Es stehet doch -wem Gelehrten wohl an, wenigstens die Syrische Buchstaben zu verstehen. Und wenn ich dieses noch einige Jahre getrieben habe, so bin ich auch Sinnes das Äthiopische zu lernen, weil es doch mit zu denorien- balischen Sprachen gehöret, welche einem Theologen doch unentbehrlich sind, um mich in meinem Amt zur Erbauung meiner Zuhörer immer tüchtiger zu machen. Was mir das Hebräische insbesondere in meinem Amt für einen grofen Vortheil bringe, davon bin ich überzeugt. Dann dadurch bin ich nicht allein im Stand in allen Predigten die Uebersetzung Lutheri zu verbessern, sondern es liegt auch ein groser Nachdruck in dem Laut der Worte selbst, darum unterlasse ich niemalen, sie erst Hebräisch oder Grie- «hisch hernach wann es die Zeit leidet Lateinisch anzuführen Es haben mich einige gute Selen in meiner Gemeinde, einige andächtige Weiber versichert, daß ihnen dieses jederzeit erbaulich wäre, und wann sie ein Hebräisch Worthöreten, so stünden ihnen die Thränen in den Augen , und dächten allemal wie es so schön in dem Paradies würde gelautet haben, wie Adam und Eva Hebräisch gesprochen. Ich unterlasse demnach nicht mich täglich nebst Hülfe eines guten Lexici darinnen zu üben, wie auch ich täglich analyflre, damit ich auch darinnen fest seye, und nicht nöthig habe, bei) einem vorkommenden Wort auf den §. 16. im Danz als zu ei- l niancr/ Coccejianer, Socinianer/ und Anabaptisten merke. Es liegt von mir etwan zwölf Stunden Wegs ein catholisches Dorf, woraufich immer mein Augenmerkhabe, undHollanD wo noch Armimaner/ Coccejianer und Anabaptisten seyn sollen ist auch so gar weit nicht, undda suche ichinsbe- sondere Den Anrirhefin in allen Predigten recht geläufig zu machen, wie auch Die Meynungen Der Socinianer, zumahlen beyjetzigen Polnischen Unruhen, wo sich viele Dieser Leute aushalten sollen, in allen Predigten zu widerlegen. Nur allem Die Homiletische Wissenschaften machen mir viel zu schaffen. Wie viel Muhe kostet es nicht ein , oder, wenn es em hohes Fest ist, zwey lixordia auf einen Text zu finden ? Dabey habe ich Die Gewohnheit erst ein jedes Wort nach Der Grundsprache Durchzuqehen; dann Die verschiedene Meynungen, welche vorhanden sind anzuführen. Diese schüttelt man nicht so aus Dem Ermel. Gewis da muß man Poli liuD Stärkens Synopf recht wohl gebrauchen, dann womit will man sonst erbauen, wenn man den Leuten mcht Die viele Meynungen vortragt und ihnen hernach die Beste zeigt. Komme ich nun auf Die Vius, welche ich nach Uhsen sorgfältig beybehalte, Da kostet es gewis Mühe allemal ein oder zwey Ketzer aufzutreiben. Damit ich nun diese immer in Bereitschaft habe, und eö mir an Materialien nicht fehle, so mache ich Die ganze Woche CoIleSanea. Nun will ich nicht einmal von Exegetischen und Ascekischen Schriften gedenken. Daß man Die Tropos alle mit ihren rechten Namen zu nennen wisse, und nichts veraesse, da muß man Den G aflium mehr als einmal von Romen bis ans Ende lesen, und um in Der Afcetic sich täglich zu üben, lese ich immer Carpzovs halb deutsche und halb lateinnche Po- siill. Arndt und Spenern überlasse ich ungelehrte», weil sie ganz deutsch sind. Nun uttheile man wie viele Zeit noch übrig bleibe? Ja gehet man !)Od) auf andere wichtige in erbaulicher Amtsführung nöthige Unrersuchun- $|en, E ob die Hebräischen Buchstaben Die ältesten seyen, was Das für Buchstaben gewesen, welche die Hand an Die Wand geschrieben, und Daniel erkläret, u. a. m. welchen nachzudenken Pfeiffer in seiner Cnric. S. Gelegenheit genug qeqchen , so wird man wobt erkennen, wie viele Zeit ein Prediger zu gelehrten Untersuchungen braucht. Wie will man rmn einem Die Ni M Ackerbaues zumuthen können, da zumahi das Gesinde und Nachrichten. finde in unserer verderbten Welt, nichts mehr von Sparsamkeit im Essen weis, die hebe Genügsamkeit, da man sich, bey unfern ljeben Alten nur halb satt aße, eine ganz verborgene Tugend ist, so daß man mit seinen Augen sehen muß, wie sie das liebe Brodt, welches man aus der Erde Mit saurer Mühe ziehen muß, so sorgenlos verzehren. Es scheint gar, man wolle einem Prediger zumuthen, daß er in ökonomische Gesellschaften solle tretten, und selbst auf die Verbesserung des Ackerbaues denken. Das gehet aber ganz gegen den Strom. Mein Vater wäre zwar ein ehrlicher 'Ackermann, und man sollte denken ich wäre oabey erzogen, ich verstehe aber nichts davon, weil ich mich von Jugend auf den Studiis gewidmet, und es würde eine Befleckung für die Wissenschaften seyn, wenn sich diese mit niederen Erkanntniffen vertrügen. Ich verstehe zwar auch Die Nakurlehre, und habe Sperlings Synopfin Phyficam sehr wohl innen, das aber alles sind viel höhere Sachen Da lese ich wie es aquas fnpracoeieftes gebe; Wasser welche über oKe Sternen , und die ohne Feuer und Luft sind. Wann ich da manchmal denke, wie diese Wasser ganz dunkel ja wohl ggr.Eis seyen, so verliere ich mich freylich m meinen Betrachtungen. Meine Gedanken werden aber doch dadurch von der Erden ab in die Höhe gezogen und daö ist doch einem gelehrten noch anständig. So kann ich meine Nebenstunven in erhabenen Betrachtungen recht gut anwenden. Ich bin w. Der andere Brief ist folgender: rn. H. Als ich den Aufsatz den Ackerbau der Geistlichen betreffend dUrchkase, so vergnügte ich mich, daß ich wahrnahm, wie die Gedanken des H. Verfassers Den Meinigen begegneten. Dazu dachte ich mir die Uebereinstimmung der Veybehalttmq der Güter mit der hoben landeS- väterlichen Sorge, welche uns Befugnis ertheilet ökonomische Gesellschaften zu erdichten , und die edle Gelegenheit verschaft daß ein jeder daö Seine zum allgemeinen Wohlstand mit benfrnae. Daß es aar wohl angehe , daß ein Prediger ohnbeschadet seiner Wissenschaften einige Zeit dem Ackerbau widme, daß ökonomische Gesellschaften sehr nützlich , unb ei« Gelehrter haben mit Vorthest zu gebrauchen seye , ist unläugbar. Ich mache Ihnen also um deswillen eine Schilderung meiner Studien , und dieses um so viel steymükhiger, je gewisser ich versichert bin, daß mein A« Mm« r-s Gr'esilsthe wöchentliche gemer'nnätzige Anzeigen Name werde verborgen bleiben, und man mich also keiner Ruhmsucht be- schuldigen könne. Die Religion ist das kostbarste Kleinod das ich kenne. Ich ehre sie nicht weil mich mein Stand dazu auffodert, sondern weil ich ihre Schönheit, ihre Hof« ung, ihren Frieden wahrhaftig an meinem Herzen juble. Mein ganzer Trieb gehet allo da hm , ihre Wahrheiten vurchzudenkcn, und sie zum Heil meiner Mitbrüder anzuwenden. Die Begierde meine Nebenmensmen, die unsterblich leben sollen wie ich, mit mir in e nerWelt Hsgluckl zu sehen , belebet mein ganzes Gemüth. Diese Triebe leiten meine Bemühungen, und mein Studiren. -01/ ne Sie würde letzteres Eitelkeit oder em elendes Handwerk leyn. Durch fit aber habe ich einen sicheren Leitfaden meine Zeit anzuwenden, durch sie werde ich auf die Quellen geführt, wodurch sie selbst auss neue ernähret werden. Ich bin durch meine Lehrer, welche mir die Religion deutlich und überzeugend beygebracht haben, gewöhnet worden selbst zu denken. ' Ich studire daher die Schrift, nnd das menschliche Herz, und trachte wie ich immer mehr Einsicht und Ueberzeugung dekomme, so kostet es mich keine Mühe, und ich brauche keine künstliche Regeln andern das was ich denke vorzutragen. Ich bekümmere mich um den sittlichen Zustand meiner Zuhörer, so predige ich keinen Abwesenden, keinen Leuten aus dem zweiten oder achten Jahrhundert, sondern Menschen die mit mir leben. Das was ich immer gelesen habe, was ich schon weis wieder zu lesen, schlagt mich mehr nieder, als daß es mich aufmuntern könnte. Hätte ich viele Bücher, so würde ich mich ganz unter die verscharren; ich habe aber deren so wenig als meine Herrn Amtsbrüder, und meine Emkünste reichen nicht zu, mir deren viele anzuschoffen, und ich sorge nur wie ich durch eine und die andere lystemattsche Schrift meine Erkenntnis unterhalte. Dabey kann ich vieles entbehren, was andere Studiren nennen, und in der That nur ein Zeitverderb ist. Es bleibet mir demnach viel Zeit übrig; oder daß ich der Warheit gemäßer rede, jede andere Beschäftigung cibt mir Gelegenheit daß ich mein Studiren, welches in der Betrachtung und Erweblung dessen, was nützlich ist, fortsetze, und Stoff dazu bekommt. Meine Einkünfte habe ich durch einen mäsigen Ackerbau. Ich kann vnd r^achnchtLtt. >2» kann noch nicht sagen, daß er mich je, in meinem Amt gehindert. Zu gewissen Zeiten, und das geschiehst wohl kaum die Woche einmal, gehe ich meinem Knecht seine Arbeit auf. Er weis sie schon größtentheils vor- auS, und nur gar selten sind weicläuftige Anstalten nöthig. Ich halte ihn so, daß er an mir merken muß, daß ich nicht glaube, er seye bioS um meinetwillen in der Welt. Selten habe ich solchergestalt über große Untreue zu klagen Ursache. Meine Früchte verkauffe ich nach dem besten Preis, dann sie sind so viel nicht, daß ich Theurung oder Wohlfeilung verursachen könnte. Ist aber jemand zu seiner Nahrung oder Saatfrüchten etwas benüthiget, so gebe ich ihm, ohne einen Geldpreis , sondern nach der Erndte muß man es mir in Natur wiederqeben. Dazu halte ich sie nachher mit Strenge an. So gewöhne ich sie zur Ordnung , und weil ich dadey mehr verliere als gewinne, weil ich sie um emen höheren Preis Hütte verkauffen können, so füllt niemand ein daß ich wuchere. Es darf sich kein Armer, der nicht lüderiich ist, bev einer spaten Erndte oder in sonstigen Anliegen bekümmern, wo er Rath finde, er kann allemal auf meinen Beystand Rechnung machen. Auf diese Art ist der Vorwurf eines Wuchers abgelehnt, und ich darf mich numalen um Arbeiksleute bekümmern, dann man arbeitet mir gerne, weg ich im Fall der Noch wrederhelfe. Um von dem andern Punkt meine Gedanken kürzlich zu eröfnen, so ist es w viel gewagt, daß man ein so wichtiges Stück als der Ackerbau ist, dem blosen Gutdünken eines Landmannes,der sich von Vorurtheilen fesseln küsset, ohne ibn weiter zu führen, überlasset. Es giebt verständige Landleute, welche gerne manches abandern und besser benutzen möchten, sie müssen aber die Verlachung anderer fürchten. Würde ich mich haben unterstehen wollen, ein und das andere zu versuchen, so Hütte ich gleiches befürchten müssen. Der Landmann glaubt nicht leicht daß eine Verbessrung möglich ist. Durch jetzige huldreichste Veranstaltungen aber ist alles aufmerksam. Man glaubt nun, es müsse doch wenigstens eine Verbesserung möglich seyn. Man tbeüet feine Gedanken frey mit, ist aufmerksam auf anderer ihre; kurz eS lasset sich hoffen daß wir es in einiger Zeit eben so weit bringen werden als andere. Nur ich muß es frey gestehen, es fehlet vielen unter unS, an Kenntniß der Erdarten, und an Schriften, welche wir hier benutzen könnten. Es sind verschiedene in Gesellschaft getretten, deren jeder sich eine der hier ßjnlchlagmderr Schriften «»schaffen, und sich nachdem zu. jamme« »Ar Giessische wöchentliche gemeittnützige Anzeigen sammen communiciren wollet?. Es wird uns daran gelegen seyn, Sven» Sie deren verschiedene wollen bekannt machen. Ich bin B. Avertifiement. Der zwölfte Monach als der Junius von der Hochgrastichen Psen- burgischen Meerdolzischen Lotterie ist zu Anfang dieles Monaths völlig ausgezogen und sind die Ziehungslisten davon emgelaufen. Die Herrn Interessenten können dieselbe einsehen und ihre Gewinne bey Ausgeber dieses tinjiehen. Die vierte Claffe der 9ken Cdurcöllnischen Lotterie wird den 25. dieses ohnfehlbar gezogen, dahero die Herrn Interessenten ersucht werden, die Renovation aufS baldigste zu bewürfen. Es sind auch noch einige Loose zum Einkauf vorhanden, wer sein Glück darinnen versuchen will kan» b«y Ausgeber dieses Plans und Villetü erhalten. Des Churcöllmschen Lotto sechsten Ziehung ist den ?ken Junii gewöhnlichermaßen vor dem Rakhhause in der Cburfürstl. Residenzstadt Bonn vollbracht, und folgende Zahlen gezogen worden. 50. Z 5. 4* r. 24. Die ?te Ziehung wird am röten dito, und die fernem von zu 5. Wochen erfolgen. Eitt ♦ und auspaßr'rende vom r. Juni, bis den 9. Jum 1770. Herr Capitain Ploto, in Hannöverischen Diensten, paßiret durch. Herr Stallmeister vom Graf von Guenes aus Frankreich, log. im Hirsch» Herr Baron von Schmiesing, Geheimderrath von Cdurcölln paß. durch. Herr Regierungsrarh Schüller, und Herr Eammerath Herrmann von Darmstadt, pass, durch. Herr Lieutenant von Wieger in Würtenbergischen Diensten, logiert im Einhorn. Herr Obrtst von Donop, von der Hessen Casselischen Garde pass, durch. JhroDmchl. Frau Fürstin von Waldeck, pass, durch.