wöchentliche ML1 ABDU Knzcigcn Ulli) Kchrichttll Zwcy und Dreisigstes Stück. Dienstags den 7ten August 1770. ___________________1______________________________________________________________________________________________________ Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischergnädigsten Erlaubnis. Von der Erziehung- 0 ist eine Malme, von, welcher wohl mehr geschrieben ist alö diese? Dennoch übttvede ich mich daß noch manches Neue davon gesagt werden kürrm, wenn auch gleich keine neue Regeln davon angegeben werden. Die Schriften, welche davon in sehr grofer Menge vorhanden sind, sind grüßeentheilS fo weitläuftig, Daß sie nur einem geringen Theil brauchbar sind, und nicht selten haben sie den Fehler, daß sie Regeln auf Regeln häufen, und nur ü)ce Ausführung schwer machen; auch oft den Projekten ähnlich sind, tu deren Ausführung man vollkommene tugendhafte Menschen ersodett, daS heißt, welche in eme andere Welt gehören. ., . .. »'ircharW ArÄrs t *>'*> tuo - Man unterscheideti ou» das nickt genug,, was Eltern, und_was»n. dem oblieget. ®o ball» man alles voniDegtytern erfobert, fo schicken fit sich eben fo w«t* Gasten, welche sie dedienren, erzogen wurden. Der Hausknecht muß dem Buben Fritz «den den Respekt erweisen, weichen einst s-m nunmchnger -Herr de« gnädigen Junker oder Graf Fritzen in feinem ^guaienstand er« wiese; und da« Mädchen Charlotte mit eben der Ehrerbietung von der Hausmagdbevienet werden, womit ferne Mama als ehemalige Kammer lung- fcrDer gnädigen Fräulein aufwartete. Mancher gelehrte und verdrenftvollr Mann, der sich zu «'nem hohen Rang emporgefchwungener,zichtt feme Kinder eben so als wenn ihnen ein Vorzug der Geburt ankiebte. Er strrdt, und Die Km- dersindmchtSanoerS,als das, wozu sie sich durch Aufführung bilden; und andere,worüber sie so sehndurch Erziehung hinfluözuseyn geübten,sind ebe n daS was sie sind rundihre Erziehung paßt nicht flut ihr en Srand. ES »ff höchst • tnöthig den bcfondern Zweck welcher sich nach Stand und Geburt richtet b y dem Plan der Erziehung vor Äugen zu haben. Wie dieser nun an und für fich gebildet seyn muß, wollen wir zeigenund wer Lüsten har wird sich alles schr leicht m eine Tabelle bringen könnens u Beyde wesentliche Theile des Menschen bedürfen Ausbildung, und das wären dann die zween Hauptpunkten, welche man allezeit vor Augen haben muß, immlrch die VoMommenhritm Des Lerbes und ier Seierr zu erhalten und zu vermehren. Diese Absichten müssen siars gepaartt seyn. Man darf nicht DieAuöbildung dttS^len so langeauf d,e Seite sitzen, viS ‘ man die Ausbildung des Körpers erlanget habe, und lo auch umgekehrett dann beyde entwickeln sich zu gleicher Zeit, und die Vollkommenheit des einen bittet der Vollkommenheit Des andern die Hand. Titius befürchtet der Gesundheit fernes Söhnchens zu schaden, wann er frühe auf die Entwickelung seines Geistes Mn würde. Hane kann beynabe schon die Mousquete tragen, ehe er noch das germgue gelernct hat. Nun da man sichet, daß et schon ziemlich breit von Schulternist, macht man auf einmal Anstalten, ibn etwas leinen zu taffen. 4JU Selr Hanßens wäre aber bis dahin nicht müßig. Seine T en ungekraft de. schäftigte sich mit tausend Dmgen. Eie ist nun an die clb.ge cmchneL Man legt ihr sitzo nichts al- neue Gegeüstandtz vor. Zotten komn-t auf . Zj L eiiiww Lsr Giestlsihe wöchetttliche gemeü.uötzige Anzergen tinmalfein fürchterlicher. Informator mit der Ruthe m der Hand zum Vorschein / hinter ihm em Schreibmeister r und wann diese ihre Lectl-n m traurigen Stunden geliefert haben, so macht der Sprachmeifter oder die Fran- züsin, auf den jungen Herrn und alle semoMinen Anspruch. Nun wird er doch wohl dürfen ftey seyn? Noch nicht. Es kommt der Tanzmeister, rbückt, grimaffet und trillert Hanßen eins vor.- Nun ist er ab« doch wohl frey, und darf, wie vor vier Wochen^ im Hof oder Garten herum springen? Ich sollte eS wohl denken. Doch die Leute'kosten Geld. Wer wird einen Informator mit jammt seiner Hallischen Peruque/vergeblich un- terhalten. Gehe Hays/ - du brsi ein ungeschickter Lunmel-, - man bdlt dir deinen Informator nicht umsonst-pack dich zu ihm hinauf auf die Stube - und lerne deine Action! So heißt es , und HanS stehet auf ein# mal nichts als ungewohnte Auftritte um sich. Er soll alle seine alten und gewohnten Ideen mit neuen mit aller Gewalt vertauschen. Das schreckt ihn ab, und er dehnet sich wohl zwanzig mahl, ehe er eine einzige Lection gnfangt. Das ist kein Wunder So wie es ungereimt seyn würde, dem Leib so lange Vie Nahrung zu entziehen, bis die Seele «ne gewisse Bildung empfangen haben würde, eben so ungereimt ist es, nicht ehe für die Richtung ihrer Vorstellungen und Gebrauch der Selenkräfte, zu sorgen, als bis der Körper eine gewisse Starke,kekewwen hat. Beyde Absichten müssen in gehöriger Verhältnis zugleich vor Augen gesetzt werden. Man zeichne also immer in stine Tabelle diese beyde Hauptrubriquen gegeneinander, daß man nämlich sorgen müsse für Die Bildung des Körpers und des Geistes. Doch das ist.ein so grober Zug in Dem Erziehungsplan, daß man sich wundern muß, wie er so sehr vernachläßlgekwird. Er muß aber darum angezerchntt seyn, damit man die Regeln, welche hieher ge, hören, an ihre rechte Stelle setzen könne. Auf eine Zeitlang lassen wir die eine Seite unter der Rubrique des Geistes leer, und z ichnen zuerst, weil doch eins ehe muß gesagt werden, als das andere, obgleich beydes zu-gleicher Zeit in gehöriger Verhältnis in Ausübung zu bringen ist, die Regeln welche die Sorgfalt für den Körper erfodern. Hier kommen wiederum zwo Hauptemtheilungen vor, welche gegeneinander zu fetzen sind. Man muß sorgen für de Erhaltung der wesentlichen Vollkommenheiten desselben, worunter Gesundheit am Glieder, und die Sinnen gehören, und für die Erhöhung tiefer wesentliche» Vollkommenheiten. Mn hat man wieher Hauptregeln, worunter und Nachrichten. ruhe« man Ä man ^l«s »or Augm haben , so k wünschen daß solche jeder. Diäc handeln mir Nutzen ll rojrD „jemand ge« mann liefe, ^^mnmrs u d Lri^ers » abgeschmack (dann da« ÄS*LS»-«- w .«>—• °» lest Neuere. alman sagen, das ist was alle Bauern wissen, daS Vsie abe , meinem Theil glaube es auch; ich glaube auch von ist nichts ^ues Ich $ MemchenMenschen zur Erziehung anvertrauet, Herzen, daß die Nätur .we^- b babe, ÜQg man solche nur mit W die Röaeln dazu nicht s . s » schon zu verstehen gegeben, vr. SÄÄ» L" ä »** recht ordnet. Dies. R-g-ln werden wenig befM, Jo ^^dwNaeur f-wst solche )» b-ßlgenE"b^s0^ oh 6je Uebul)g geschieh«. D«r als in ihrer ®ntwi«ewn9 , weiw ;unß ßj< Natur laßt auch dies« Mensch ist von einer Weiten «« ' . b Den $bj«en. Die Kraft- M Mn*"»1ftr m-ist-nkh-il« folgen , «b« Bauern sind ffriiebunfl, fobenS6tpct betrist, am glücklichsten auch die, b«v welchen MeEivungio bi^^eb«ttift,di-s-nIiuhm »er« *on falten 9«bt - f° 9 “tujßk und ttinkt, wenn e« Hunger dienen mag. WaS khut e Lyr ... 'jn^gyaS vernünftige Geschöpf, unoDurstha , ud^^^^^Tri-b-n folgt, nicht mehr ißt und t-r M-» »' ' J „jchks ander« ißt und trinkt al« wo,N Ä. ^ern Ebenda« würde der Mensch thun, wann ermchk diese Triebe s* ,n mte v-rnünftige Erstehung, daran gehindert wurde, durch eine, 0^?X ’7nünf lat e iebunn sehen, so sehe man die, womit Wtz man eine solche^rnunftige CrME i ^/Klugheit gibt. 5)e« mmt BSm%" na* der ersten Taff- Th-e ein Stückchen Morg-nSb-kommn«,ung ~ mtbr nicht,verjedret,e»n wann FÄ?« A« «»packt, welche alsbald abg-goffm w.rd, wann Pu« v’ i «54 GKNckeW§ch0 pania bey Der Mahlzeit in seiner Stadthalterlck ft, Damit man rhm -a immer mehrmcht natürliche Triebe erwecke. In Fleisch unD Gemüs bair nch verenge Herr io lange schadlos, bis ihm Die Aug^u brechen. D"auk° Leonhard hat immer einen bösen Magen. Der Herr keibme. b,at hat aacjrie rtmao ju (unten, und jeöer Mittag, ausgenommen $at/ Ccn ^wnD zu einem neuen Recept. cm Lu E>ie Glocke drey, und Der junge Herr eilet um fein Stückchen Weisdrodt zu empfangen. Dieses ist ganz ordentlich zugeschnitten, Dana ^*2n ünDers als ordentlich seyn, und beschämt alle ihres w ®’e2 und Nachrichten- MS genommen im Winter? frische Luft- Drey Stunden vorher aber entstehet eine kleine Völstrwauvemng nach einer andern Stube,- welche zu dem Ende eine ganze Woche lang vor aller frischen Luft verwahret wurde > und vrey- Stunden hernach rückt dir kleine Familie wieder ein. Man sollte freylich glauben die Gelbsucht habe in dieser Wohnung ihre Residenz, Sophromens Kinder aber können Vie Luft nicht' wie gemeine Leute ver- ttaaen r wenn sie aber auch in ihrer künftigen Lebenszeit keine gemeine Luft umgäbe! Wie geht es aber in künftigen Zeiten? Würde man den Trieb der Natur frische" Luft zu geniefen r befolgen? so würde die gegenwärtige und zukünftige Gesundheit besser besyrgt werden-. Dergleichen verzärtelte Körper erfahren nachdem eben die Veränderung wie solche, die m Afrika tYwatn worden sind? wann sie nach Ißland versetzt werden, Leander nabe seinem Buben Hans eine gesetzte Erziehung, Dann Hans sollte von seinem vierdten Jahre an pur Vernunft seyn. -Oft sähe er andereKna- ben auf das Eis geben. Manchmal hatte er gerne der Versuchung gefolgt, eben diesiS Vergnügens zu geniest», wann nicht der Stock seines Informators ihm nicht zu rechter Zeit das Gewissen gerühret hätte. Unter dieser frommen Erziehung erwüchse sein Körper zu einer ziemlichen Lass. xan6 wäre von seiner Kindheit an lauter Vernunft gewesen, wer wird aber dieses beständig seyn? Es kommt ihm der Lüsten an aufs Eis zu gehen» und auf der Stelle muß er fein Laster büßen, er fallt und bricht ei* nen Arm. Kurz, so wie die Natur die Thiere zu allerlei) Uebungen und Bewegungen des Körpers treibt? da wo fit noch leicht und zart sind, und ihnen zu der Zeit FerGkeiten einsiüßt, die beymehrerer Schweres wo ein Fehler gefährlicher wird) und in dem Alter nutzen,- so macht sie eg auch bey dem Menschen. Man hat bey Ausbildung des Körpers nur die Jügend ihren Trieb befolgen zu lassen, aber darauf zu sehen ? daß sie eingeschränkt und solche erwehlet werden, wo kein beträchtlicher Schaden zu befürchten ist. Es sind hier überhaupt nicht viele Regeln- nothig ? sondern nur gemeiner Menschenverstand. £at aber jemand seine Kinder zu einem besondem Stand bestimmt? so sind die sogenannte Exercitia daS was die Glieder stark macht und den- Leib» abhärtet, daß er in der Welt leben kann? wozu er gemacht iss. Des Raums wegm tredKtt wit biet ab, unb liefern dir übrig«!' Zug« btf Plans in Zukunst. . > ' s 56 Giesirsche wöchentliche gemeinnAtzkge Anzeigen Nachricht. Die $te Classe der Churcüllnischen neunten Lotterie ist den -0. und qr. Iulii gezogen worden. Die Ziehungslisten davon sind auch eingelangt, und können die Herrn Interessenten dieselbe zur Einsicht haben , und ihre Gewinne bey ihren Herrn Colsicteurs emzlehen. Den roten September wird Vie 6U und letzte Classe ausgezogen werden, dahero die Herrn Interessenten ersucht werben, dn Renovation baldigst einzuseuben. Auch sind noch einige Kaufioose bey Ausgeber dieses zu haben. Aus der 7ten Ziehung der Hochfürstlich Nassau Usingischen Zahlen- lotterte find zu Wßbaden folgende Nummern herausgekommen. 18. 4h 66. 5-. ,2. Die achte Ziehung vleibt auf den 22. August vestgestellt. Ein - und auspaßirende vom 28 Julü. bis den 3. Angust 1770. Herr Fähndrich Marquard, von den Hessen Casselifchen Dragoner, paf- siret durch. . . Zhro Durchl. Fürst von Braunfels, paff, durch. Herr von Leipziger, Assessor von Wetzlar, paff, durch. Herr von KönigSthal, Nürnbergischer Gesander von Wetzlar, paßiret durch. Herr Lieutenant Dufey, von der Hessen Caffelischen Garde, paß. durch. Her Landrenkhmeister Kopp, auS dem Eichsfeldischen, paff, durch. Herr Graf Alfery kommt von Frankfurt, log. im Pofihaus. Herr Capirain Märtin, in Hessen Caffelischen Diensten, paff, durch. Herr Baron von Heinitz vou Frankfurt, paff, durch. Herr Baron von Höfler, Braunschweigischer Gesander, pass, durch. Herr Lieutenant Hoffmann, in Hessen Caffelischen Diensten, logirt im Löwen. Herr Jagermeister von Moser, und Herr Major Bodeck, von Darmstadt, log. im PosthauS. Herr Bechstavt und Herr Moder, beide Forstmeister von Darmstadt, log. im Elnhorn.