s Dtesffsche wöchentliche 41 gmelMüßW Knzcigcn «Nb Mchrtchm Sechstes Stuck. Dienstags den 6un Februar- 1770; Mit Hochfürstl. Hessen Darmstadtischer gnädigsten Erlaubnis. Fortsetzung wn dem neuesten Religionszustande in Holland. z) Von der Are zu predigen bey .den Holländischen Refor- mirten. jetzige herrschende Art zu predigen unter den Holländischen Re- VgC/ formirten ist nicht völlig analytisch und auch nicht synthetisch. Zh- re Predigten bestehn in einer kurzen Einleitung zu dem Texte, in einem Gebete, das allemal über eine viertel Stunde dauert und Klagen und Wünsche in sich begreifft; in einer eritischen Untersuchung der Textesworte, die mehrenrheils über eine Stunde dauert, und darauf in Nutzanwendungen , die nach dem Lehrgebäude dessen, der predigt, eingerichtet und erstlich auf die Gegner, hernach auf die Sünder und endlich auf die Auserwählten gerichtet sind. In Ansehung der Stimme und Geberden, wissen sie ihre Anwendungen gemeiniglich sehr andringend zu machen. Bey der wörtlichen Erklärung des Textes , die den größten Theil der Predigt ausmacht, zeigen die Holländischen Redner ihre Stärke- Bücher wie GlaffenS Philologie, liegen deswegen beständig aufdem 3 Studier- 4* GieMche iv5cbtntlrd)c Femeimrützige Anzeige» Stubiertische eines Domine; evalier moralische Wahrheiten in der Kirche freu und natürlich ab, und es ist ihm zeither sehr gelungen. Ich wünsche, daß dieser gute Wcktweise nicht in einem allzu erhabnen poetischen Style pre« digen möchte > da es zumal die Holländische Sprache nicht vertragen will. Die vorzüglichste Ursache, welche Die alte Predigermechode vemnithlich vertreiben wird, ist wohl diese, daß einige hiesige Gelehrte die Mosheimi« sche Sittenlehre nebst einigen der vortrefflichsten Hochdeutschen Predigte« in bas Holländische übersetzt haben. Ich weiß auch, daß man die Hollander so glücklich machen will, daß siedle Spaldingssche Schriften lese« können. Jerusalems Predigten werden jetzo in Amsterdam in einer wohl- geratenen Ueberschung auch gedruckt. ES ist ein großes Glück für die hiesige Republik, daß Lenke von Geschmack in derselben leben, welche sich mit dem Uebersetzen solcher auswärtigen Schriften abgeben, welche wahre Gelehrsamkeit in einer schönen Ordnung in sich enthalten. Nur Schade, daß die besten Schriften ost ganz verstümmelt werden. Wegen der khö- , richten Vormiheile, die noch herrschen, muß das, war in auswärtige« arbeiten 6a8 vortrefflichste und schönste ist, in den Ueberfefcungen ausge. lassen werden, wenn sie hier Käufer finden sollen. Die hiesigen Buchsüh. rer sind die durchtriebensten Handelsleute von der Welt, und wissen sich der verschiednen Arten der hiesigen Gottesgelehrten zu ihrem Vortheil sehr wohl zu bedienen. ' Fr r) 3st Von einer unbekannten Hand sind uns einige Kragen zu beantwort -n , nebst einem Bries zugesendet worden. Letzteren lassm wir aus Ä vöW B-«mw»V^'" ^m wir hierher. Wir versprechen aber kein« 44 Wöchentliche gemeinnützige Anzeigen i) Ist eine Verbesserung im Unterricht sowohl als in denen Sitten der Stadtschüler, um daraus dem gemeinen Wesen nützliche Bürger ruziehen, überhaupt möglich? 2) In wie ferne sind ihre Lehrer verbunden, dre Sitten derselben außer der Schule zu verbessern? 3) Sind die Lehrer oder die Eltern an der Ungezogenheit der Kinder schuld, die sie auf der Straße verüben, und ist denen Eltern eine Geldstrafe aufzulegen, wann sie ihre Kinder auf der Straße und nicht zu Hause gewöhnen? 4) Wie ist der Kirchengesang zu verbessern, daß von den Kindern daraus kein Gespött gemacht, sondern langsam und andächtig gesungen werde? 5) Wie ist der Nahrungsstand zu verbessern; ist eine hohe Obrigkeit vermögend, mit gutem Erfolg die Untertanen dahin anzuhalttn, ihre Nothwendigkeiten die man im Land haben kann, in und nicht auser-» halb Landes zu kaufen? 6) Last sich eine Kleiderordnung einführen 7) Kann man denen Profeßionsverwandterr, die durch die Betreibung des Ackerbaues ihre Profeßion hindern , verbieten, ersteres nieder zu Legen und letzteres zu betreiben ? 8) Wann vorhergehendes mitfa beantwortet werden könnte, wo find Mittel und Wege, ihre verfertigende Arbeiten mit Nutzen zu distri- buiren. 9 Wie käst sich dem starke Anwachs der Armen m unserer Stadt durch eine Versorgung füglich steuern ? 10 ) Ist es mbfam arme Kinder, die zwar Genie aber kein Geld haben, denen Srudiis zu widmen, und woher die Mittel solchen den gehörigen Vorschub zu ihrem Vorhaben ;u tun? ES werden ihnen vielleicht diese Fragen fremd vorkommen , indessen «erde ich doch auf deren Beantwortung begierig seyn- Dera ergebenster L. V, ifle Fraget Ist ecke Verbesserung tc. Diese Frage werden wir nicht völlig beantworten. Entweder soll sie auf einen bestimmten Ortge» -en, oder sie wird überhaupt genommen. Im letzteren Fall müßten wir tme völlige Nachricht von allen Einrichtungen haben, wovon die Rede ftbn rmd Nachn'chterr. 4f Warnung an inländische Landwirche/ wegen Verfätterrmg des verschlämmten und verdorbenen Heues und Grummets- Da durch die diesjährige nachtheitige Witterung das Heu und Grummet vieler niedrig liegenden Wiesen verschlämmet, auch wohl gar verdorben worden ist, und mit Recht zu befürchten stehet, daß durch eine F 3 mchk fe«n soll. Im erstem gehöret die Beantwortung in lkein öffentliches Blakt. Nur überhaupt wollen wir einige Gedanken äußern. Man schreibt nur das den Schullehrern gar zu leicht zu, wasdoch nicht von ihnen abhangt. Wenn Eltern ihre Kinder, bis in das zwölfte Jahr und noch länger, au* (er den Schulen halten; wenn Lehrer bey der geringsten Züchtigung deren Ungestüm ausgesetzt sind; so sollen dennoch bey den rauhen Sitten und Unwissenheit die Lehrer die Schuld tragen. Meistens fällt sie auf die /C | Ä . U L« W-r erklären noch einmal daß wir diese Frage hier nicht öffentlich beantworten wollen. Anderswo würden wir lieber und freymüthiger unsere Gedanken äußern. Unö dünkt, daß wir die Klagen über die Schulen, so viel auch deren vorgebracht werden möchten, am besten den künftigen Zelten überlassen. Wir kennen Schullehrer, welche ?o. Jahre unter dreier Arbeit, welche zu Märtyrern macht, gestanden haben. Wer wird kein Exempel daran nehmen! welcher Mann wird es wagen sich einer solchen Arbeit zu unterziehen, wenn er nur noch einige andere Hofnung hat! 4n einer der vornehmsten Stadtschulen hak einer von denLehremmit allen Accidentien, 100. Gulden Gehalt. Ein Glück für sie, daß sie zuse- üen können. Die Zeiten werden immer kostbarer. JnS künftige w,rd es dennoch heißen , die Vorfahren hätten davon gelebt, fonmßten es andere auch können; man müsse sich nach seiner Decke strecken. Ja, das wird auch angehen, wenn sie um deswillen Holz, Kleidung, und Lebensmittel nur wohlfeiler bekommen, als andere; oder nebst der Geschicklichkeit mrt Anstand zu hungern und zu frieren (Denn mit Anstand muß es gesth^ hJ, sonst würde die Jugend den Respect verlieren) Mltdem Vor- tbeil der Kinder Israel in der Wüsten , daß ihre Kleider nicht veralten, belchnet werden. Was für Leute werden sich finden? Gewis dann Wird man noch die Schulen zu unfern Zeiten als vorzüglich erheben. Die übrigen Fragen beantworten wir nächstens. 46 Giessische wöchentliche gemernnntzige Anzeigen nicht genugsam vorsichtige Versutterung Desselben, so wie bey einer ähnlichen Witterung vor io. oder 12. Jahren bemerket worden, der Grund zu einer gefährlichen Rindviehseuche gelegtt werden könne; so hält es dis L)ekonomische Gesellschaft! aus»wahrer Liebe für ihre Mitbürger für ihrs Schuldigkeit, alle Wirthe vor aller Vernachläßigung in diesem Stücks hiermit wohlmcynend zu warnen, und ihnen zu Vermeidung alles Nachtheils , nach Gelegenheit ihrer Umstände, Die Befolgung nachstehender auf eine genaue Ueberlegung und auf Erfahrung gegründeter Regeln, welcl)S ihnen selbst zum Theile nicht unbekannt seyn werden, bestens zu empfehlen. i. Verdorbenes, von langem Regen angegangenes oder verfaultes Heu und Grummet darf irgend einer Art des Vieheö gar nicht gegeben werden; z. Verschlämmtes Rauchfutter Wallen Arten des Viehesbesonders dem Schaafviehe, schädlich, kann aber dennoch in Ermangelung besseren FutterS, Den Mastschaafen und dem Mastrindviehe zwar ohne Schaden mit vorgeleget werden, wenn «s vorhero tüchtig ausgedroschen und aufgeschüttelt worden, und Dabey dem Viehs öfters, und wenigstens alle 14. Tage einmal Salz gegeben wird; jedoch darf man sich einigen Nutzen davon nicht versprechen, indem es allenfalls wohl Den Hunger einiger Maaßen stillen, zur Mästung aber nichts betragen kann, vielmehr die Verdammung abschweren muß. 3. Für das Zuchtrindvieh darf verschlammtes Heu und Grummet gar nicht, wenn es auch gedroschen, gewaschen und sodann aufgebrühet wäre, gegeben werden. Dahingegen kann in Ermangelung einer zur gewöhnlichen AuSfütte- rung hinlänglichen Menge von unbeschädigt gebliebenem Heue und Grummet, folgender Maßen mit Nutzen verfahren werden: a) Für Schafvieh wird ganz kurzer Heckerling geschnitten, nach eines jeden Vermögensumständen mit Hafer (wo möglich in gleichem Maa- ße) vermischet, und Morgens sowohl als Abend vorgeleget, im übrigen aber reines Stroh gelüttert. Anstatt des Hahrs kann auch grob geschrote- nes geringes Korn und Gerste, besonders für die tragenden und melkenden Schaft, unter den Hecker gemischet, oder unter ausgedroschene Hafer- Erbsen-und Eicken-Bunde, sammt den Körnern zu Hecker geschnitten, und angefeuchtet vorgeleget werden; b)Dm rrnd V7achrichtm- 47 b) Dm Pferden kann, zu Ersparung des Heues, Gcrstenstroh, wie auch so genannte Uebcrkehre, geschrotener Rocken, oder noch besser, ge schrotens Gerste mit Heckerlmg, eine Mandek Strohgebunde gegen einen Scheffel Rocken oder Gerste gerechnet, auch uuausgedroscheneS Ger# stenstroh zu Hecker geschnitten, gegeben werden; c) Allein Mastviehs muß mit reiner und unangesaufener Ueberkeh- re und geschrokenem Getreyde geholfen werden. Endlich d) das Zucht-und Zugrindvieh kann auf folgende Art, welche von verschiedenen Landwirthen bereits mit Nutzen befolget wird , sehr gut durch den Winter gebracht werden: Man nimnlt auf vier Kühe oder -Ochsen drey Dresdner Viertel Heckerling, schüttet dazu eine Metze Schrot von aller# band geringem oder unreinem Getreyde, besprenget es mit reinem Wasser, (noch besser mitBranntewein-Spüsiche, Salzwasser, oder Lein# auch Rübsen Kuchenwasser) und mischet es wohl unter einander. Dieses Mngsel wird dem Viehe früh in 3 Theile getheilet, nach und nach vor# geleget, und sodann nach Verlauf von 2 Stunden krumme oder Wirrbunde, welche am besten wechselsweise aus Rocken-Gersten »und Haferstrohe bestehen sollten, aufgesteckk. Nachmittags wird nurgedachte Fütterung auf gleiche Art wiederholet, und Abends wieder krummes oder Wirr# stroh vorgestecket. Hierüber wird täglich wenigstens zwey auch dreymal Siede, nach Beschaffenheit des Vorraths mit getrocknetem Rübenkräu- rige, trockenen oder eingesaszenen Krautblättern, Trebern, geschrotenem Getreyde, Oelkuchen, Grlmrmet, gestoßnen oder halb gekochten Erdäpfeln und klar geschnittenem Hecker, auch zuweiten mit einem Paar Löffel voll schwarzen Kummetsoder mit einer Hand Volk gestoßner Wacholderbeeren vermischt, und allemal öfters zu saufen gegeben. Wer ffeißgSalz, besonders Steinsalz, zu füttern vermögend ist, kann die Erhaikung der Gesundheit und das Gedeon seines sowohl Schaaf> als Rindviehes dadurch zu alten Zeiten gar merklich befördern. Darum Leipzig den 6 Dec 17 £9. Diretio- und D 'purati der guLdigst bestätlZteU Leipziger Oekonomrscherr SocieeLc. Avertifiemenr. Der HochgräffichNuwieder 6te Lotterie zweyke Gasse iffwiedenrm gezogen und üie Ziehungslisten emgelangt, es können solche die Herrn Interessenten zur Einsicht haben, ob ihrs Billets gettoffen und ihre Gewinne 48 Giesslsche wöchentliche gemeinttütziZe Anzeigen winne einziehen. Die zte Claffe wird den 20. Merz gezogen werden und müssen Z. Tage vorher mit z fl. zs kr. renovirt seyn. Es sind auch bey Ausgeber dieses noch einige Kaufloose vorhanden/ wer Belieben hat sein Glück zu versuchen / kann sich daselbst einkaufen. Weil die erste Ziehung der Hochfürstl. Hessen Hamburgisch. Leibrenten Vaneo herannahet, als werden diejenigen so Belieben tragen sich in diese Renten Banco eizukaufen, ersucht, vor Ende dieses MonathsFebrua- rii 5 fl. zu entrichten, dargegen haben sie einen Originalschein von darzu verordneten Hochfürstl. Administration zu gewarten. Bey dem Universitats- buchhandler Krieger allhier, welcher Commission darzu hat, kann man die gedruckte Nachricht davon haben, auch sich einkaufen, und sich aufrichtig ger Bedienung gewärtigen. Ein-und auspaßirende vom 27. Januar, bis den 3. Februar: 1770- Herr Capitain von Spitznas, m Preussische n Diensten, und Herr Fahn- drich Braumann, in Hessen Caffelischen Diensten, log. im Einhorn. Herr Regierungsrath Mattheus, von Amoeneburg, log. im Posthaus. Monsieur kolieur, Inspektor von derChurtrierischen Lotterie, log. im Einhorn. Copuliree. Am 18. Januar. Ludwig Friedrich Geißmar, Bürger und Peruquenma- cher, und Catharina Elisabetha, weiland Johann Wllhelm Frech, Bürgers und Metzgers, hinterlassene Tochter. Gebohrne und Getaufte. Am 9. Johann Wiflhelm Christoph, Johann Georg Ludwig, Baum- wollspmners und Beysassn allhier, Söhnlein. Am r z. Januar. Maria Elisabetha, Anton Müllers, Bürgers allhier, Töchterlein. Am 18. Januar. Anna Christina, Johann Caspar Löbers, Bürgers und Beckermeisters, Töchterlein. N