Viesffsche wöchentliche gemmnWge KnAWtl Nb Nachrichten Neun und Vierzigstes Stück. Dienstags den 4tcn Dee. 1770. Mit Hvchfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.^ wünsche eines Patrioten. sie nur gelesen würden! Ja, da- ist ganz gut, wann sie nur beherzigt würden! Es seye oder nicht, ich schreibe, ich schreib« B?eXy aber doch ein wenig furchtsam. Wer wird diese« auch nicht thun ? E« soll nur eine kleine Probe gemacht «erden. r) Wo bleiben die 0-konomische Versuch« welche gemacht sind worden? Di«, welchen si« sind empfohlen worden sind würklich mcht unwissend noch nachläßig gewesen. ES wäre aber zu wünschen daß dn- ökonomisch« Gesellschaften welche auf gnädigsten Befehl sind errichtet worden sich enischliesen möchten solche öffentlich bekannt zu machen. E« wäre «bensalS ruwünschen daß ihre Experiment« diesen Blättern «inverleiber würden. Ich kenn- Geistliche welche recht gut >>>r« Zuhörer in der Oec»nomie ansühr Ken- Ddd 4 nm f Ao GLeMchewöchtNtliche gemrümützige Anzeigen ven wir ihren Nutzen ganz vollkommen? Des Falkens unv Sperber- Blutgierigkeit, und der Hunden Zanksucht, wissnsich die Menschen wohl zu bedienen. Warum sollte dieses nicht möglich seyn in Ansehung der Stärke des Bären und Löwen? Es gibt Kräuter deren Nutzen man erst vor einigen Jahren entdecket hat/ und dieses macht Hofnung daß man bey andern/ die man nur noch zum Unkraut rechnet eben so glücklich seyn könne. Auch giftige Kräuter taugen zur Arzeney; man muß aber ihren Nutzen kennen Eben dieses kann die zukünftige Weit bey Thicren finden. Vielleicht verwundert sich einstens Vie Nachkommenschaft, daß man sich über Eigenschaften der Thiere beschweret hat/ welche ihnen so nützlich sind. Es ist ein Vorurrheii wann man glaubt/ daß der Mensch die Kreaturen in dem Maas und mit der Einsicht beherrsche, als wie sie einst beherrschet werden sollen. Die Erfahrung soll uns vielleicht erst durch eine lange Reihe von Jahren wieder zu der Herrschaft der Th'ere führen, welche dec Mensch da "harte, als er sie alle mit Namen nannte. Ihre Natur hat sich wohl schwerlich durch Schuld des Menschen verändert, aber wohl unsere Einsicht. Ist das Lesen der Romanen der Jugend nützlich. Die Vortheile welche man sich von dem Lesen der Romanen verspricht sollen erstlich berühret werden. Es wird sich alsdenn leicht zeigen, wenn man den Schaden dagegen hält, wie diese Frage beantwortet werden müsse. i. Man lerne daraus die Welt kennen, dieses ist ein Grund der die Romanen empfehlen soll. Sie liefern unS erdichtete Begebenheiten woraus die Sitten der Menschen sichtbar werden, wann der Dichter anderswo die Natur nicht verlassen hat. Der Französische Romanwrrd uns die Sitten der Franzosen, der Englische den Engelländer, der Spanische den Spanier u. f, w. vor Augen legen. z. Sie feyett zur Beförderung der Tugend/ und lehreten, wann sie anderswo regelmäsig seyen, eine gute Moral. ;. Aus dieser Ursache seyen sie ein nützlicher Zeitvertreib/ ma" könne nicht allezeit ernsthafte Geschäfte treiben, das Gemüts) bedürfe einer Erholung; und diese seye dem Trieb der Menschlichen Seele, allezeit neue Vorstellun- und Nachrichten. A-r Vorstellungen hervorzubringen angemessen, indem der Vortrag mannich- stltiger Begebenheiten die Neugierde befriedige. 4. Man könne sich daraus einer schönen Schreibart angewöhnen, z. E. aus Lesung der Clarissa, Addisons u- d. gl. Diese Gründe scheinen schon den Ausschlag zu geben, um die Frage zu bejahen. Wir wollen sie prüfen, und sehen ob nicht ein und der andere Nachtheil dagegen abgewogen werden müsse. i) Man lernt die Sitten der Nationen kennen in den Begebenheiten und Personen welche geschildert worden, das ist wahr. Nur ist daö auch zu erwägen , daß man auser dieser rvürkkchcn in eine idealrsche Welt versetzet wird; dann ein Roman ist eine Geschichte auS einer andern Welk, welche zwar möglich aber mcht würklich ist. Der Dichter bildet die Personen, Umstande und Begebenheiten wie er will, er läßt die Begebenheiten erfolgen wie ihm beliebt. Er darf freilich, wann er anders- wo die wahrscbernlrchkeie nicht verletzen will, keine Lücken lassen, unp keine Sprünge machen, sondern er muß den Erfolg allezeit in dem vorhergehenden gründen. Dennoch bleibt- allemal ein groser Unterschied unter den Begebenheiten der würklichen Welt. Es schleichen sich da Triebfedern in den Handlungen der Personen ein,..kleine Umstände welche sich in dem unendlichen erlitten, und zufällige Begebenheiten welche nur einmal da sind, und die entweder übersehen werden, oder doch einen grosen Unterschied unter dem erdichteten und würklichen verursachen. Menschen sind gewohnt nach ähnlichen Fallen zu denken und zuchane deln. Die einmal vereinigten Begriffe verbinden sich wo nicht auf bcstän* dig doch eine lange Zeit so, daßwann die eine solcher Vorstellungen dir ist, die andere ebenfalls in den Sinn kommt. Nach dieser'Erfahrung entdecket sich eln merklicher Schaden, 'welche Romanen können verursachen. ' Eine Person wird sehr lasterhaft vorgesteüet, und ist doch am Ende glücklich, so wird hiedurch das Laster etwas groses von seiner Abscheulichkeit in dem Gemüth des Lesers verlier'? Bey dem Anblick des Lasters wird er auch an das Glück denken, welches es dennoch in der Geschichte des Romanen Helden gemacht hat. Es wirt) eine Person welche lasterhaft ist , so vor- gestellet daß sie dennoch gefällig ist, und sich in gewissem Betracht aus- nimmt, so ist dieses eine unmerkliche Reitzung zur Nachahmung, welche .; - Ddd- sich L-r Giesslsche wöchentliche gemeinnützige Anzeigen sich zwar tief in das Herz verbirgt, aber doch nicht unwürksam bleibet. Dieses wird fteylich dadurch vermieden, wann der Dichter das Laster alleren unglücklich und die Tugend glücklich werden lasset. Diese Romanen sind aber selten, dann meistentheils muß der Held erstlich alle boshafte Streiche verrichten von dem Informator an bis zu seiner Heurath. Wenn aber auch dieses nicht ist, wann die Tugend allezeit glücklich und das Lasier unglücklich vorgesiellet wird, so entstehet doch daraus der Schaden, daß dem Gemüth eine idealische Welt eingepräger wird, welches sich weit von der würklichen entfernet, als in welcher weder das Laster immer unglücklich noch die Tugend glücklich wird. Dieses findet sich allerdings auch dey der Geschichte; aber sie liefere uns doch die Wege der Vorsehung wre sie würklich sind, und zeigt die Welt in ihrer rvahren Gestalt. Ich sollte also glauben die Geschichte würde uns weit besser mit der Welt als die Romanen bekannt machen. Diese bildet Romanen Helden, und flöset dem Gemüth Klugheitsregeln ein, welche sich auf eine ganz andere Welt beziehen: diese aber bildet die Menschen nach der Welt worin« sie leben - und liefert Regeln der Klugheit, welche von wirkliches Begebenheiten erlernet sind, und also weit tauglicher sind, den Menschen m den Stand zu setzen sich in dieser Welt zu richten. ' 2) ES ist ein groser Jrrthum wann man glaubt die Tugend könne durch Romanen, Cemjdien, Fabeln u. d. gl. eingepflanzet werden. ES ist lächerlich wann man in diesen Dingen die rechte Möral suchet. Die Tugend hat keinen andern Grund als eine wahre Liebe gegen Gott, und wann diese durch Betrachtung der göttlichen Wohlthaten , Eigenschaften und Werke, in wie fern sie durch die Natur bekannt sind eingeflößet wird, so ist eS-eine natürliche Tugend, sind es aber die Vorstellungen, welche das Christenthum allein gewähret, so ist eS die Gottseeligkeit. Schriften der Art, wovon wir reden, können wohl das wohlanständige und das Gute in den Sitten zeigen, das verwerfliche mit lebhaften Farben schildern, aber niemalcn das Herz so andern, daß eü Gott liebet und ihm gehorsam wird, alö welches die Quelle der Tugend ist. Jedoch aber ist es schon Nutzen genug, wann das anständige in den Sitten gezeigt wird. Ob aber dieses in den meisten Romanen geschehe dagegen redet die Erfahrung. , Wird man aber solche welche die Tugend zum Grund haben der Ju-' gend in die Hände liefern. 3) So vttd Nachrichten. z-z 5) So bleiben sie allerdings eine nützliche Erholung. Unter dieser Einschränkung aber müssen sie auch gebrauchet werden. Den ganzen Tag Romanen lesen wollen, das heißt sich den ganzen Tag von seinen Ge* schäften wollen erholen, das ist, gar nichts ernsthaftes thun, und die Zeit verderben.. Nur alsdenn ist eine Erholung vergönnet, wann man sich Da* durch zu seinen Geschäften kann geschickter machen. In dem Mittel welches man dazu erwählet, muß allerdings noch auf dessen Nutzbarkeit gesehen werden, und eine Wahlstatt finden. Sollte aber wohl die Geschichte nicht eben so wohl zur Erholung, zu einem nützlichen Zeitvertreib können dienen? Sollte sie nicht mit mehrerem Nutzen diesen Dienst können leisten, als Erzählungen aus einer andern-WA- ... 4) Was die Schreibart bekrift, so kann diese aus einem jeden wohlgeschriebenen Buch gebildet werden. Einen guten historischen Schriftsteller, einen Roum/ einen Bossrres / einen Gramer würde ich zu dem Ende der Jugend lieber in die Hände liefern als den besten Roman. Sollen sie aber ja der Jguend in den Händen seyn, so würde ich ihnen dieftnige überliefern, welche solch« lächerlich machen , 4. E- einen Donquixotte und zwar um sie zu bewahren, daß sie sich keine eingebiloew Welt in den Kopf setzten, und Personen nachahmten welche nicht nachge- ahmet werden sollen» lieber aber würde ich Anekdoten oder sonsten ange- gehme Auszüge aus der Geschichte anstatt der Romanen ihnen empfehlen. ' N. ... Brüste! den 12. Novembr. 1770. Ein hiesiger Physicrrs hat bekannt gemacht, daß das Meersalz ein herrliches Mittel sey, daß Vieh für der faulenden und ansteckenden Krand- heit zu bewahren. Folgendes Schreiben aus der Schweitz,; wo d« Viehzucht am meisten getrieben wird, hat ein Verhältniß mit seiner-Meinung. Es ist bey uns Schweizern üblich dem Hornvieh Salz zu geben, ein für* trefiiches Mittel gegen die Viehseuche, welche in unserm Land seit der Einführung dieser Gewohnheit noch niemals eingerMn -iss Mangiebteinetz Kuh des Morgends und des Abends ehe man sie melket, eine Pfote voll davon, dem übrigen Hornvieh aber nur eimmhl des Tages und den Schaafen alle zwey oder drey Tage. 394 Gi-Mche «ZchtMich« g-meinnötzig- Ameisen Ein »und anspaßirende vom 24. iTlov- bis den r. December i77°- ^Serr Baron von Forstmeister, von Paviiborn, paßirel durch. g WSL'S.HSSS; Breivenstein, log. im Posthaus. Ze» wMblJ ZKachsm, paff-durch. Lr von Lützau G-deimd-rratb, uns H-rr von Bulow, Cammer,unk-r durch. 6 ,.4,••• -jMr** «L .wen. t ** :SSBSr; tf«5 i -. 1 Achtel Gerste # 10 4 6 Per sing Rindfleisch 4 1 1 Pf* f f alb. pf« ft. lkoth.lQu. 3 t ♦ 3 4 4 6 6 4 4 x X 20 24 24 7 10 2 2 3 2 I 8 2 T I 1 2 4 Barmen Echleyen Butter - Meste Erbsen Meste Linsen ♦ Pfund Hirse Pfund geschälte Weck - - Teit scher - Ife. Loth Qu. Brod, f Pfund. si. 7 Rindsfett 1 Hamelsf. j 1 Lichter # 1 Achtel Wartzen 1 Achtel Haft? $ *3 3 ButterBretzcl . *5 Eyer inländische Seift7 alb. 3 3 7 alb. 15 15 8 2 Gerste # * * ^Pfund kleitk ge, schälte Gerste - 1 Maaß FruchtBrandew. 20 alv. 3 2 2 Kühfieisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schaffleisch . Bockflelsch - 1'Wurst - - 1 Kalbsgelüng 1! Kalbs -Leber iPf. Bratwurst 5 alb. iPft Becker Pretß. -u,.' h,m vorraen Stück sind wegen besonderer Umstande viele Druckfeh er einge, ^Ln Vß n "rkn hier die vornehmsten an. S. 37f-auf der rten Lln.e vor fchltchen. Wir n rre - wobev aufdüs Wort wir emgeschaltet werden. 38»rucf diesLin Druck. S. 3«l. Lm r6. anstatt abweschlen ? g rn Lin 22. gehöret alles was in den z folgenden Zellen stehet sokdern ln e!ne Not?. Lin. 23. muß anstatt Einchern, e.nz.ger stehen.