MW wöchentlich- gWWK WW mb Mchrichkm Neuntes Stück. Dienstags den taten Februar. i?O; Mit Hochfürstl. Hessen Darmstadtischer gnädigsten Erlaubnis. AMas plözlicke Absterben des Oberhauptes der römischen Kirche, die vgc/ neueste Nachn'cht die uns die Zeitungsschreiber mittheiien, giebt jezt in Geseüschaften zu verschiedenen Unterredungen Anlaß. Wie sind dadurch auf den Einfall gekommen, unsre Leser mit einer kurzen historischen Nachricht von den sonderbahren Gebräuchen zu unterhalten, die man bey dem Äbsterben des jedesmaligen Pabstes und derErwehlung einesneuen an seine Stelle beobachtet. Es dient zur Abwechselung, und vielleicht auch denen, welchen sie noch nicht so bekant sind, zum Vergnügen. Wenn der Pabst in testen Zügen liegt, so säumen seine Anverwandten nicht alle seine Kostbarkeiten, und beweglichen Sachen, die sie finden, aus seinem Pallaste zubringen. So daß sich so gar bey dem Absterben Clemens des XI. nur noch zwey hölzerne Leuchter vorfanden. Eine Mühe, die bey dem sezt so plözlich erfolgten Hintritt des Pabstes seine Neusten vielleicht ungerne sind überhobev .gewesen. So bald aber der Pabst würklich Lodt ist, komt der Cardinal Camerlengo ♦ violet gekleidt, mit einigen Protonotarien in schwarzer Kleidung vor seinem Sterbebette. I Er fr Ist der Köstliche Kammer - Präsident. Gresilsche wocheMkch/tzem^rm:rtzige Anzergett Er berührt etlichemahl mit einens goldenen Hammer die Schläfe des Tod- ten: er ruft ihn dreymahl bey feinem Taufnamen; fragt ob, wann, und wie er gestorben sey: und last von den bey sich führenden Protonotarien em genaues Verzeichniß seines Todes aufsezzen. Der päbstliche Secretarius Singt ihm sodann den Siegelring des Pabstes, oder den sM'nanterr Fi- erring Petrr, * den läsi er zerbrechen^ und der Ceremonienmerster darf die Stükke davon für sich aufsammlen. Nun nimmt er in Nahmen der apostolischen Lämmer förmlichen Besiz von dem päbstlichen Pallast. So bald dieses geschehen, müssen sich alle entfernen, die dem verstorbenen angehören. Die noch vorhandene Äerkassenfthast wird genau ausgeschrieben, die Thore werden besezt, und die Wachen der Stadt an allen -Orten verstärkt. Ist der päbstliche Pällast genugsam gesichert, so werden auf Befehl des Ca- merlengo die nöthigen Anstalten zum Leichenbegängnis vorgekehrt. Der Leichnam wird balsamirr, päbstlich gekleidet, und dann wird auf dem Ca- vitolio die groftGlokke gelautet, welches,weil sie sonst nicht gerührt wird, ein gewisses Zeichen ist, daß der heilige Vater todt sey. Dieses Läuten, und der Zug vrSCamettmgo. aus dem Paöafie gehen zu glerch an. Er-fart in dem prächtigsten Wagen. Die Leibgarde und Schweizer begleiten ihn durch die Stadt: wo er Oie Kote;/ ** und alle öffentliche Gerichtshöfe schliess, MhO eine Münze -ragen last mit dem Bildnisse des Pabstcs , mit den Schlüsseln Petri,, in Form eines burgundischen Creuzes, und der dazwischen gesezten Kirchen » Standarte: mir der Ueberschrift: Sede vacante. Die andre Seite hat insgemein einen Sinn oder Denkspruch: z. B. Non vos relinquam orphanos. Die Bürger, die nun den Tod des PabsteS als bekannt annehmen , erbrechen alle Gefängnisse, und sezzen die Ge. ftngnen in Freyheit. Es ist dießeine alte Gewonheit, die noch den Schein derjenigen Macht anzeigt, die sich ehedem die Erhalter des römischen Volks anmasten: man sucht deswegen auch insgemein - wenn sich bey Päbsten die Zeichen eines nahen Toves einfinden, die Haupt-Verbrecher auf das Caste! von St. Angelo, welches nach dem erfolgten Tode mit starker Wache versehen wird, in gute Verwarung zu bringen. Ob aber diesmal die so nörhige Vorsicht ist beobachtet .worden, oder hat können beobachtet werf den; ist fast, weil der Pabst fo unvermuthtt gestorbm.'ist, "Nicht wav- fcheinlrch. • Weil dieser Apostel auf demselbigen in einen Fischer Kahn abgebildt wird. * * Dieses ist ein Gerichksort, und wird desswegen so genent, weil dessen Boden mit Marmor belegt ist, welcher die Figur eines Rades vorstelt. und Nachrichten. lOi sittlich- Diejenigen die Schulden, oder sonst leichter Verbrechen Halden ^A^eEere WMchMenK Leichen-Condukts nehmen nun ih- v,n 9fnfflnrt. ' qq der Pabst im Monte cauallo oder in einem andern Pal- laste gestorben: so wird die Leiche auf einem Parade-Bette.in den Vatr- can geführt. D^r Zug geschicht in folgender Ordnung. Ganz vorne retten die leichten padstlichen Truppen mir ihren Trompetern, die eme Trau- ermusik machen. Die Stallknechte gehen bey her, tragen tue Fakkeln, uy- führen die langsam einhergehenden Pferde, die mit langen schwarzen Tüchern bedekt sind, welche fast biß auf die Erde herunter hängen. Zwölf Poenicentiarii des verstorbenen Pabstes umgeben zunechst den Mbllchene» Leichnam, sie tragen WachsfMIn, unt)fingen die traurigsten Lieder. Da-, rauf kommen noch 20. andre Stallknechte mit dem Ueberrest der leichte« Truppen, die Curaßier Compagnie, die Schweizergarde, und endlich beschliessen 20. Canonm, die hinten nach geführt werden, den Zug. Cur recht militärischer Aufzug! Den Tag darauf aber tragen Die Canomci von der St. Peterskir- che den Leichnam in Oie hejüge Drcyfaltigkeits>Capeüe, welche m der Pe- terskirche als den eigentlich zum päpstlichen Begrabniß bestimmten Ort rst. Sie sezzen chn daselbst auf einem kostbaren, und mit vielen WachskerM et# leuchteten Parade-Bette 3 Tage nach einander zur Verehrung des Volks aus, welches hauffenweise herbey dringt, ihm,durch das Gitter der Capelle, die Füsse zu küssen. So wie er da liegt, hat er auf der Brust ein silbernes Creuz, und zu Füssen auf beyden Seiten;tinen Cardinalshuht hegen S'in Ansehen, wie einige wollen, m geistlichen, und weltlichen dadurch ammeiqen. Nach diesen verstossenen 3 Tagen wird der Todte nebst emi- aen Münzen, Dte feine nimtid)ffgefübrten stbaten t>oraeUen, in einen cypres- fenen Sarg gelegt. Dieser wird wieder in einen bleiernen gesezt, und an Dem Orte, Den sich der Pabst noch bey seinem Leben erwehlt hat, begraben. Hier wird mm ein prächtiges Todten Gerüste aufgenchtet. den ?ten Tag dauren noch die Exequien, und endlich werden sie nut einer Lobrede auf den Verstorbenen beschlossen. Die Cardinale halten warend dieser Zeck viele Versammlungen'. Sie bestellen das Skadtregiment, ordnen das Conciave an, erwehlen denAuf# sther, und Bedienten desselbigen: unD geben noch allen fremden MiMsra und Gesandten Audienz. Diese muffen bey ihrem Eintritt in den Saal, ihre z gewöhnliche Verbeugungen machen, wie vorher uuch« Denn, fa# 3 * gea io4 Giesiische «§ch«mllch--gemeüe$ I 3 acce£ * Vermöge der Bulle Pauli II. vom Jahr 1464. kan kein andrer aks ein Cardinal zum Pabst gewählt werden. Daher der Cardinal Bellarmin, als ihn ein Prälot fragte: warum so wenig Cardinale in dem Verzeichniß der Heiligen kamen, gar wohl zur Antwort geben tonte; Quüyolun: cflc tzaGLmi, i o5 Giesiische wöchentlich - gemeinttStzige Anzeigen acceffum: und werden dabey die schriftlich abgefaßten Stimmen der Cardinale so gegeben, und gesamlet; daß man nicht weiß, wer; sondern bloß, wem man sie gegeben hat. . . a . Wenn früh um 6 Uhr die Ceremomenmeister mit Lautung emeS Glökleins durchs Conclave gegangen sind, und dreymal geruffen haben: ad Capellam domini! Ihr Herrn in die Capeüel so gehen all« Cardinale in die Capelle Sixti IV. und nad) gehaltener Messe tritt der Decanus zum Altar, kniet nieder, betet, und dann schwört er stehend: „ Ich bezeugebey Christo, der mich richten wild keinen andern zu erwehlen, als welchen ich nach Gottes Willen erachte, daß er soll erwehlt werden, und will cs auch bey dem Acces thun. „ Er küst alsdann seinen ganz zusammen gelegten Zettel, (Bolletino) legt ihn in den goldnen Kelch, welchen ihm dcrCar- binal Erzpriester vorhält; nimmt ihn Darauf in seine Hand, und last die andern Cardinäle auf eben die Weise Die ihrigen auch einlegen. Der kranken Cardinale ihre werden in einem verschlossenen Käsigen geholt. Alle dich . Bollerini werden nun alle Morgen durd) die durd)s Looß besonders Dazu erwehlten Scrutatori untersucht. Die Nahmen der erwehlten werden mrt lauter Stimme verlesen. Wofern nun nicht wenigstens 2 vrittheil grimmen für ein Subject da sind; so werden alle uneröfnet verdrandt. Ist aber dieses; es mag niin per fcrurinium oücr acceflum gesd)chen seyn: so ist der Pabst canonisd) erwählt. Die drev obersten Cardinale der z verschiedenen Orden gehen jezt zu ihm, und der Decanus fragt ihn ; ob er die ihm rechtmäßig zukommende Würde annehmen wolte? Sagt er nach kniend verrichtetem Gebete Ja! so pflegt er seinen Nahmen zu verändern. * Er wird darauf hinter den Altar geführt; läst sich von den z ältesten Cardinal Diaconis dle päbstlicheu Kleider anlegen; wozu die Schuhe mit dem güldenen Creuze, der weisse seidene Mantel, das Oberröklein , die Kappe, und Ohrenmüzlein von rohten Sammet Büsch gehören. Nun sezt er sich auf den vor dem Altar gestellten päpstlichen Stuhl, und der Cardinal Ca- merlango ♦ Daß die Pabsie ihren Nahmen verändern, davon giebt man folgende Ursache» an. 1. Weil sie ihren Stand verändern, ganz andre Leute werden. 2. öfters ihre Nahmen gar schwer auszusprechen sind. r manchmal verlleiuerud für sie seyn könten- z.B. Bocca portius. Saurüssel änderte im9. Seculo feinen Nahmen zuerst, nnd ließ sichSergius nennen. 4, weil Christus den Simon Bononl'a- wie er erstlich hieß Petrum genant. Dec Cardinal Marcellus und Hadrianus II. behielten ihre Nahmen, und sagten: wer sie vorher gewesen, wollen sie auch ins künftige feyn, Sie dächten weder frömmer, aber auch nicht gottloser zu werden. r ' " . *• rrnd Nachrichten- .«'ih.D io? merlengo stekt ihm den Fifcherring an, und er empfangt von allen Cardi- Me» die erste Adoration durch Hand und Füßküffen: welche er dagegen deym Ausstehen mit dem Kusse des Friedens beehret. Alsdann verkündigt der Cardinal Archidiaconus deM. auf dem Peters Plaz täglich vor, und Nachmittage um die Zeit des Scrutmii: und Acceß versamlekm Volk die geschehene Pabstwähi. Annuncio vobis gaudium magnum , ponrifit cem habemus liminentiilimum & reuerendiflimum Dominum N. qüi fibi nomen impofuit N. Darauf antwortet das Volk mit glükwünsch-n- dem Zumf, die Soldaten seuren aus dem kleinen Gewehr, die Stükkeanf -em Castell St. Atrgelo werden loßgebrannk,und alle Glokken geläutet. Die Mauren, und verbauten Thüren des Conckave werden in der Geschwindigkeit abgerissen, und eröfnet. Der neu erwehlke Pabst wird von den Cardinale» in der Capell Swti iV. zum zweitenmahl adorirt. Darauf wird er auf einem Stuhl in die St. Peters- Kirche getragen, auf den hohen Altar gesezt, und empfängt von den Cardinalen, und andern anwe- ftnden vornehmen Herrn die -Le und öffentliche Adoration. Nach abgesun- genen Te Deum laudamus, und vom Cardinal - Decano verrichtetem Gebete, ertheilt der Pabst dem Volk den Seegen, und tast sich zur Win- ttrszeit insgemein in den Vatikan, im Sommer aber in den Pallasi de- Monte Canallo begleiten. ; • Sechs oder acht Tage darauf geschicht die Krönung mit der dreifachen Krone. Die fürnehmsten Handlungen dabey find. I. Die Anzündung eines Buschels von Werk, mit den Worten: Sanfte Pater, fic tranfrt gloria mundi. II. Die Confecration, wofern der Pabst noch nicht Bischof gewesen. III. Die Aufsezzung der pabstlichen Crone vor der St. Peters-Kirche aufdenStuffen, mit der Anrede: accipe Tiarumtn- bns coronis ornatam , ut fcias te eße parrem , principem & regem, reftorem orbis, in tetra vicarium falvatoris noftri lefu Chrifti, cui efl honos & gloria in fecuta feculorum. Amen. IV. Die UeberreichUNg eines goldenen undfilbernen Schlüssels, welche der Bind-und Löse-Schlüs- sel andeuten, deren der Pabst jeden besonders anrühren muß. V. Die Anlegung des köstlichen pabstlichen Mantels. VI. Die Verrichtung deS Gottesdienst, da eine Messe Lateinisch und Grigisch gesungen wird. VI. Die Caaatade ms Lateranum, um davon Befiz zu nehmen; welches zwar nicht gleich bey der Crönung; sondern auf einem dazu vom Pabst beliebten Tag geschicht. Der Pabst wird insgemein dabey in einer Sanfte getragen. ioe Giessrschs wSchLnUlch-LMHstttStzG AcheM Vor ihm her reitet der Adel, die Geistlichkeit, der Hof, die Cardinale,* und Botschafter. An dem Capitolio wird dem Pabst durch einen Rahtö- Herrn der Regimentstat mit einem Glükwunsch zu Füssen gelegt. Es werden Ehrenpforten aufgerichtet, und der Weeg biß an die St- Johannis- Kirche wird mit Tapeten und Gemahlden geziert. An der Kirche bringt der Cardinal Erzpriester, oder dessen Vicarius den Schlüssel der Kirche. Das Capitul wird zum Fußkuß gelassen, und der Seegen ertheilt. VI1L Die Auswerfung der ersten kupfernen Münzen, zum Zeichen derDemuht, worauf die Worte geprägt werden: Haec do vobis, quia aurum & ar- gemum non habeo. ♦ Besorgt man aber Tumult, so wird auch am folgenden Morgen nach der Cavaleade Geld unter die Armen vertheilt. * Pabst Bonifacius HL zeigte einstens dem Thomas de Aquino seinen groscu Echaz, und sagte: „Thomas, siehst dn wohl, ich habe nicht nöthig mit Petrus zu sagen: Silber, und Gold habe ich nicht.,, Thomas antwortete: „ Es ist wahr, hier i|t Gold, und Silber genug; aber eben darum! .könnt ihr auch nicht mit Petrus sprechen:. ,, stehe ans und wandle. Zu verkaufen. Nachdem von dem Groß-und kleinen Zehenden zu -Ostheim Amts Buzbach, der in dreschen Zeilen überall bestehet, zwey Drittel an eines Zeilen, öffentlich auf hiesigem Rathhauß zu verkauffen steht und hierzu Terminus auf Donnerstag den zcten Merz nach dem Osterfest nachmittags um 2. Uhr angefezt worden ; als wird ein solches zu jedermanns Wissenschaft hiermit bekant gemacht und diejenigen, so hirauf zu streichen Lüsten tragen, auf bestirnten Tag und Stunde eingcladen. Signatum Giessen am zoten Fedruarii 17O. Anftage. Es werden folgende einzelne Theile von Londorpii aflis publicis alS der 6te-4.und i$te Theil zu kaufen gesucht, wer etwa einen oder andern davon gerne verkaufen will, wolle sich bey ausgebern dieses melden. ■■ — ——————— -- Em--und auspastrreudevom r 8. Februar.bis den r 5. Februar 176-. Herr Baron von Breklach von Echzell, und Herr Regierungsrath von Reineck in Walldeckischen Diensten, log. im Einhorn. Hm Capitain Fuchs, in Hessen -Casselischen Diensten, pass, durch-