Messische wöchentlich- WWW KlUigcn W Nachrichten Neun und Dreissigstes Stück. Dr'mstags benoten Sept- 1768. Mik Hochfürstl. Hessen- Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Fortsetzung von dem ,Gesicht im Traume. * * S?in ganz besonderer Anblick zog auf einmal meine ganze Alifmerksamkeit *4 auf sich. Ich sähe in einem alten elenden Hause einen hager» v Mann vor einem Lamine knien, worauf ein Kohlfeuer, wie eS mir schiene , stand, in das er öfters bliese, und wobey er allerhand andre Bewegungen vornahm. Rach dem iingstlichen, feyerlichen und eifrige« Ansehen, das er hatte, zu urtheilen, war es einer aus dem Merkhum, der einer Gottheit opferte. Nachdem ich ihn einige Seit mit groser Verwunderung betrachtet hatte, so sprang er auf einmal, auf, zerschmiß fein (Samin , oder seineil Altar, und machte ein groses. Lärmen und schrie mit. einer verzweifelnden Stimme einiual über das andrema! aus: Ich habe mich wirklich betrogen? Ansdieses Geschrei) kam ein Frauenzimm-r aus dem daranstoffenden Zimmer mit vielem Ungestüme herausgesprungen, und zwey unschuldig- Kinder folgten ihr nach. Btt) dem Worte : betrogen - schlug sie oie Hände überm Kops- zuiammen , 'schrie überlaut: Ach meine . Lieben (und sah- nach bin Kindern) wir sind alle verlohren ; und indem i?■ Q q ’ ■ fiel r Sieb- bas vorhergehende Stück. $ Sr'esstsche wochemlrch-AememnsitzlZe Anzeigen fiel sie in eine Ohnmacht zu des Manneö- Füssen, der in ziemlicher Gleichgültigkeit und Nachsinnen-dastand , und der Frau kaum Hülfe leistete. Die Kinder fiengen an zu schreyen und beweinten diese Unglückliche. Ich konnte nicht länger ein so rührendes und Mir 'dennoch fast unbegreifliches Schauspiel anfehen, ohne den hinkenden Begleiter zu bitten, mir von diesem älleM ein Helles Licht zu geben. Ihr seht hier, antwortete der Teufel Asmodi/ eine höchst unglückliche Familie beysammen. Dieses sind Mann, Frarr und ihre beyden Kinder. Die Mutter und die Kinder sind durch die Schuld des Vaters zu ihrem Unglücke gekommen. Die Art, wie er dieselbe um alles Vermögen gebracht hat, ist ganz jouderbar, aber doch uichtso gar selten. Ich habe schon viele unter eurem Geschlechte gekannt, die eben solche Narren, als dieser ist, warn. Lim-tt/ so heißt der, den ihr vor dem Ofen liegen saht- hatte ein groses Vermögen,.als er seine Frau hey-- rathete, und durch das, was sie ihm zubrachte, wurde es beträchtlich vermehrt, so daß Limyn mit seinem Einkommen eine ganze Familie voll- kommen hätte ernähren können. Allein er hat sich einmal in Kopf gesetzt, das Goldpulver zu erfinden ; und in dieser Einbildung hat er sein vieles Geld gröstentheils verlohren. Die -Obrigkeit hat chm in dieser Narrheit öfters Einhalt thun müßen , so we-it ließ ers kommen. Endlich, da er es doch nie ganz unterlassen könnteso lange er nocheiniges Geld unter Händen hatte, endlich, sage ich, hat er steh durch sein Laboriren in die äusserste. Armuth gebracht. Es blieb ihm nichts mehr als noch ein sehr kleines Capital übrig, und zwar deswegen, weil er dasselbe Geld niemals in Händen Hatte. Dieses kleine Capital wäre demunerachtet noch hinreichend gewesen, sie, obgleich sehr kümmerlich, davon zu ernähren. Lrmons Frau, die eine vortrefliche Wirthinn ist, setzte noch darauf ihre ganze Hosnung, und glaubte davon noch mit ihrem Manne und Kindern leben zu können. Sie nahm sich deswegen wohl in Acht, ihrem Manne dieses Geld nicht anzuvcrtrauen. Indessen kam er eben heute, und wandte alles an, um seine Frau zu überreden , ihm noch den Ueberrest von ihrem Vermögen in die Hände zu geben. Er stellte ihr vor, daß er wohl einsähe, daß auf dieses Geld ihr ganzes Glück und Unglück ankäme: allein eben deswegen könne sie auch versichert seyn, daß er sie nicht auch um dieses bringen würde. Er wolle nur noch einen einzigen Versuch damit anstellen, der gewiß glücken würde; er Ware völlig überzeugt, daß sie mit diesem wenigen nun auf einmal wieder rmen grosen Schatz erwerben würden. Da sich die Frau aber noch nicht' wollte vrrö Nachrichten. • jtf wollte dazu bewegen lassen, so fiel er ihr vor die Knie, und bat sie darum Endlich ließ sie sich dazu bringen, daß sie ihm Vas letzte Geld auch noch anvereraute, allein sie gab es ihm aus seine Verantwortung, wenn er etwa durch den Verlust sie und die Kinder unglücklich machen sollte > Nein, schrie er, wie er das Geld hatte, nein glücklich, glücklich will ich sie machen. Dießmal bin ich von meinem Versuche so gut als versichert In einer Stunde sind wir wieder in den besten Umständen. Er gieng sogleich hin, und machte seinen Versuch, von dem er sich so viel versprach, und eben itzt saht ihr ihn in dieser Beschäftigung, wie er vor Wem Oa* Mine saß. Allem auch dieser letzte so sehr gepriesene Versuch vekungtücktt; und das Geld, das ihm seine Frau so heilig anvertraut hakte, wär auch Vahin. In dieser Verzweiflung habt ihr ihn seinen -Ofen zerschmeissm, und dann in einer Art von Betäubung, die üble Folgen haben kann, dastehn sehen. Seine Frau kam bey diesem Lärmen in das Zimmer gelaufen , wo ihr Chymist laborirte, und konnte sich schon halb das Unglück vorstellen, VaS vorgegangen war. Sie sah'wirkllch daß ihre, Ahndung wahr gewesen, daß sie nun ganz und gar dutch ik>re Nachsicht und ihres Mannes Narrheit in die verächtlichste Armuth gestürtzt wären - und gleich drauf fiel sie in eine Ohnmacht. Die armen verlassenen Kinder, welche nicht wissen, was vorgeht, umarmen ihre Mutter, erschrecken bey ihrem Geschrey, und weinen üb.r sie, sie werden aber noch weit mehr über den Vater weinen, wenn sie alter werden, wenn sie sehen in welchen traurigen Zustand sie der selbe gesetzt hat, wenn sie alle die Trübsalen nnd Bedürfnisse fühlen, womit ihre Armuth wird begleitet seyn. Wie werden sie dann die jetzige Stunde verfluchen, die für ihr Glück so wichtig und so traurig war. - Nun habt ihr, setzte Asnrodi hinzu, eine hinlängliche Erläuterung von dem Schauspiele, das euch so sehr befremdet hat. Wie lächerlich ist em Mensch, wenn er einer Gewohnheit und Neigung so viel Raum giebt, daß er sie nicht mehr, wenn er will, ablegen kann. Aber wie abscheulich ist ein Vater, der einer solchen Lieblingsneigung das Glück seiner ganzen Familie aufopfert! Die Pflicht eines Varers, seinen Kindern ein für ihren Stand hinreiclMdes Vermögen zu hinterlassen, ist so ausnehmend gros und wichtig, daß sie wenigstens durch solche nichtswürdige Dinge nicht sollte gehindert werden - - - ; , Hier unterbrach ich den Hinkenden, weil sich m jenem Zimmer, das so schön geputzt ist, eine neue Figur zeigte, die durch ihre wunderbare Bewegungen gleichfalls unsre Aufmerksamkeit verdient. ES war ein junger Q q r Mensch hl Gr'esirsche wöchentlich - ZMermrütztze Anzeigen Mensch im Schlafrocke, welcher sich auszuziehen schien, und sich zu Bette legen wollte. Allein kaum hatte er sich auögezogen , fo1 warf er seinen Schlafrock wieder weg, und fieng an sich wieder anzuziehen. Wir sahen ihn beständig, und konnten cs kaum ausdauern, bis er mit seinem völligen Staate fertig war; so lang brachte er damit zu, und so sorgfältig und gewissenhaft gieng er mit seinen niedlichen und allerliebsten Kleiderchen um. Da er nun endlich, zu unferm und seinem eignen groscn Vergnügen, ange- zogen war : so nahm er seinen Stock und Degen, gieng mit vielem Stolz und innerlicher Zufriedenheit auf und ab in seiner Stube spahieren, und nachdem er lange genug so herumgelaufen war, und sich tausendmal indem Spiegel von allen Seiten beguckt hatte: so zog er sich wiederum aus- rmdfeinen Schlafrock an.-. Nun machte er eben so lange, bis er sich aus- Lezogen hatte, wechselte ost mit seinen Kappen, und besah sich, ehe er sich ins Bette legte, noch lange im Spiegel, ob sein Nachtanzug seine gehörige Nettigkeit habe. Ehe er sich noch legte, gerieth er hinter ein Kästchen woraus er einige Briefe hervorzog,, die er erst küßte, dann aufmachte, und mit zärtlicher Stimme laut las. Wir' konnten alle das alberne Zeug- Las er herlas, hören, weites schon um Mitternacht, und also ganz fülle war, und er ziemlich laut las. Es waren Briefe an Frauenzimmern von Zhm, und auch auf etliche die Antworten auf dieselben von Frauenzimmern; allein die Antworten schienen ihn auch zum Verfasser zu haben , denn das tonnte man leicht merken. Nachdem er die Briefe wieder in das Kästchen gelegt hatte, so machte er das.darneben stehende auf, und zählte seine Handschuhe und seine seidnen Strümpfe nach; mehr, wie es schien, sich an diesem bezaubernden Anblicke zu vergnügen, als aus öconomischen Ursachen. Da er nun alles in seiner Richtigkeit fand, oder vielmehr, da er sich jsatt gesehen hatte, verwahrte er sie wieder sorgfältig in feinem Kästchen, änderte noch etwas an seinem Nachtputz und bließ endlich mit vieler Unentschlossenheit das Licht aus, gleichsam als wenn er mitUnwillen diese Gegenstände verließ. Ich fragte meinen hinkenden Asmodi/ wer das gewesen wa- re? ".-.Ein spanischer Stutzerl schrie Asmodr: Einspanischer ©tu# rieflch wieder, und lachte hertzlich, und war willens mir wun# . derbare Verfahren dieses spanischen Stutzers erklären zu lassen, allein ich N/E/o lehr, daß ich, wie schon emmal, darüber erwachte , und mein Lr-W hatte, em Ende. Von ' hnd < "7> Von der Vl'ehstrzcke: ■ " ' Äus den Braunschweig, gelehrten Beytrügen. das 4ite ^tucr. - Wir wissen oar wohl, daß einige von unfern galanten Lesern , und artigen Leserinnen bey Erblickung der Ueberschrift dieses Artikels ausmfm werden: „ Schon wieder von der Viehseuche! Ja, meine Herrn und Damen, schon wieder von der Viehseuche, denn sie hak noch nicht ganz aufgehört, und um ihnen gute Butter zu ihrem Frühstück, und guten Flott zu ihrem Kaffee ferner zu erhalten, wird es nicht überflüßig seyn, diese oft vorgehabte Materie von neuem wieder vorzunehmen. Können Sie die Gedult nicht erzwingen, das folgende durchzulesen , so überlassen solches denenjenigen, denen es naher angeht; wir wollen sie dafür nächstens mit einer neuen Frisur vom Herrn le Gros in Paris unterhalten. ■’ ;>'•'* • - . : » In keiner andern Absicht, als nur lediglich aus dem Wunsche, das Wohl meiner Mitbürger befördern zu helfen, halte ich es für meine Pflicht, ein Mittel bekannt zu machen,- welches mir kürzlich , auschesonderex Freundschaft, von einem Manne, der allen Glauben verdienet, mitgetheilet wor? den ist, und der dessen bewahrten Nutzen aus eigener Erfahrung bekräftig get. ES ist folgendes: ' „ Man giebt einem Stücke Vieh einen guten Löffel voll, von der gepulverten Angelikenwmzel, in einem halben Maaße guten.starken warmen Biers ein, und nach Verlauf einer Stunde, wird eben demselbigen Stücke ? ,ein ziemlicher Löffel voll Wachholderbecrensast, in eben so vieler Menge warmen Biers, wie vorher gesagt worden, eingegeben. Alsdenn wird das Thier warm zugedeckt, und das Eingehen geschiehet täglich zwey- mal, als des Morgens und des Nachmittags, bis zur Besserung. Hierauf wirft das Vieh eine Menge Materie aus den Nasenlöchern, Augen und Maule, fanget an stark zu schwitzen, und geneset bald. Da ohne Zweifel den mehresten die Zubereitung des Wacholderbeersafts nicht bekannt seyn dürste, und es auch den Entfernten zu weitlauf- tig fallen würde, von einer zu weit entlegenen Apotheke selbigen kommen zu lassen; so will ich die Art und Weise ihn zu verfertigen , hier beyseken: J ■ k* , "Man nimmt eine Menge guter reifer Wachholderbeeren, stößet selbige in einem hölzernen Geschirre mit einer hölzernen Keule klein, thut solche in einen kupfernen Kessel, und gießet so viel gtltes reines Wasser darauf, daß selbiges ohngefchr einen halben Finger breit über titVeren Mn. r Q q i stehet iH Grefsische rvöchtt tlich--gem erttttStzige Attzeigett stehet; alsdenn laßt man die Beeren unter beständigem Umrühren mit einem hölzernen Löffel, bis zu einem Safte kochen, und hernach thut mau ftlbrge zwischen zwey Tücher, oder in einen Sack von neuer dichter Leinewand , "presset den Saft, so stark als möglich, heraus, und behält ihn m einem.ehernen Topfe, der aber wohl glasirt seyn muß, auf. Die Würkung eines Arzeneymittels gründet sich unstreitig auf dessen Vestandtheile, und deren Verhalten gegen andere sowol leblose als beseelte Körper. Von den gegenwärtigen Mitteln, dieselben zu untersuchen, aus einander zu setzen, und weikläuftig zu erläutern, würde, wie ich glaube, überflußig seyn, indem selbige einem jeden Arzeneysterständigen bive länglich genug bekannt sind. Man wird daher aus ihrem Wesen und aus dessen Verhalten gegen die Viehseuche, auf den Nutzen dieses Mittels in dieser Krankheit leichtlich einen vortheilhaften Schluß machen können. Denn setze ich zum voraus, daß durch das Gift das Fermentum des Ma- Ms verdorben, die Galle vermehret, die feinsten Blutgefäße verstovfk, und darauf eine gänzliche faulende Auflösung aller innern , ja zum Tb eil äußerlichen Theile erfolget; so muß der Gebrauch dieses Mittels nutzba- re Würkung dargegen leisten, weil es Kräfte besitzet, deren Würkunaen der Würkung des Giftes ganz entgegen gesetzet sind. Ich will aber hier wohl bedächtig erinnert haben, daß ich dieses Mittel mcht als ein ganz unfehlbares und untrügliches, nicht als ein solches, welches allem und jeden Siücke zuverkäßig helfen würde, viel weniger aber für eine Universalmedicin in allen Krankheiten des Hornviehes ausgegeben haben will. Zugleich will ich hier auch dasjenige Mittel, welches dem gesunden Viehe, damit es nicht von der Seuche angesteckt werden möge, und das mir von eben dem guten Freunde dabey gegeben worden ist, mit anführen Ich verlange aber vorher, daß .solches sofort von dem Kranken abgesondert^ werden muß. Man nimmt Christwurzel, (Rad. belieb, nigr.) Entu'answurres, ( R^. Gentian. rubr.) Diptamwurzel (Rad. Ditiam. alb. S (Herb. Veronic.) Wolftrlky (Herb. Arnic.)Eisenkraut (Herb^Verbe.) Lorbeeren (Bacc, Laur. ) und Tropfjchwefel (Sulph. Stijjar.) jedes ein Sind in der Kriegerischen Buchhandlung zu haben. < Ein- -14 Gr'ejsisthe wöchentlich t Lemeünultzigel Anzeigen Ein-und auspaßirende vom 17. Sept, bis den 24. Sept. 1768. Herr Oberforstmeister Von Hangsleben, von Fulda, Herr Kriegszahlmei« ster Schmitt, und Herr Rentmeister Koop, vom EichSfeld, log. im Posthaus. Frau von Holl, Hof-Dame von Braunschweig, und Herr Geheimder« rath von Dewitz, von Mecklenburg, paß. durch. Herr von Geismar, Oherjagermeister von Hanau, Herr Baron von Scy- then aus Engeland, Herr Hoftath Hofmann, von Wetzlar, und . Herr von Riedchl, Obrifl in Braunschweigischen Diensten, paß. durch. Hm von Mansbach, Obristlieutenant von den Hessen Casselischen Truppen, und Herr von Lucius, Capitain von den Braunschweiger Truppen, paß. dürch. Herr von Cramm, von Cassel, paß. durch. Extra logirk. Herr Lieutenant von Linsdow, von den Preussen, log. bey der Frau Majorin von Linsdow. Herr -Obrist von Düring, von Kirdorf, log. bey der Frau Hauptmännin Buschin. , .-,f „ Gebohrctt und Gerauft. Am 5. Septembr. Georg David, Coiirad Rinns, Bürgers und Fuhrmanns, Söhnlein. Am 6.'Septembr. Johannetta Maria, Johann Henrich Vogels, Bürgers und Glasners, Töchterlein. ... r -• Verstorbene. Am 4. Septembr. Johann Daniel, Johann Willhelm Junckers, Tag- löhncrs allhier, Söhnlein. Am 6 Septembr. Herr Christian Oeser, Herrn Regierungs Advocati. 0 und peinlichen Gerichts, AlHÜ0N3 Oesers Sohn, Pädagogicus all- hier. Am Li. Septembr. Herr Rathschöf wir auch Kirchenaltester Mller, Gastwirch zum goldnen Löwen allhier.