wöchentlich- 9 C /» F /^SrV’JL M gemtlNMAge «UW U Mchrichten Achtes Stück. dienstags bei, r,ten Februar. 1768. l Mit Hochfürstl. Hessen- Darmstadtischer gnädigsten Erlaubnis. Folgender Brief ist uns von einem unsrer Correspondenten mitgetheiit - worden. W-r wissen nicht, ob er an ihn geschrieben worden ist, oder ob er selbst densclbigen an einen seiner Freunde geschrieben hat. -Aber er verdient seines Inhalts halber bekannter zu werden, wenn man auch gleich nicht für gut fände, seiner Mevnung deyzutreten rund vielleicht qiebt er Gelegenheit, daß Leute die besser unterrichtet sind, uns wahrscheinlichere oder gar gewisse Nachrichten mitthcilen. Dieses ist die Ursache warum wir ihn bekannt machen: und wir sind eben so wenig als der Verfasser dieses Briefs gemeynt, dadurch jemand, wer er auch seyn möge, zu nahe zu treten. Mein Herr! ie fragen mich vergebens, worinnin das Geheimnis der Freynnlu- rer bestehe. Diese Leute sind sich vielleicht selbst ein Geheimnis: wenigstens bin ich ost in die Versuchung gerathen , zu glauben, daß ihr so berühmtes Geheimnis ein wahres Nichts fey. Nachdem ich aber der Sache reiflicher nachgedacht, so bin ich doch zuletzt darauf gefallen, daß etwas verborgnes in der Gesellschaft zum Grund liegen müsse. Denn alle Nachrichten stimmen darinne>mit einander überein, daß sie ein H GelM X1 ", Ktesffsche 58 Gr'esilscye wöchentlich ^gemekttttgtzige Anzeigen Geheimnis haben, und mit einem harten Eyd verbunden werden, solches beständig zu verschweigen. Aber wie ist es möglich, daß dieses Geheimnis bisher noch nicht hat entdeckt werden können, da nichts so tief verborgen ist, das man nicht endlich an daS Licht bringen kann , zumahl wenn so eine grosse Menge von Leuten , als auS welchen die Freymäurergesellschaft besieht, davon Wissenschaft hat? Sollte vielleicht die Natur deS Geheimnisses von der Art seyn, daß die Entdeckung desselbigen nothwendig fürchterliche Folgen nach sich ziehen müsse? Man trägt sich mit allerlei) Erzehkungen, wodurch manerweisen will, daß allen denjenigen die etwas ausgeschwätzt haben, ein grosses Unglück begegnet sey. Dieses ist in der That einfältig, wofern insonderheit, ihrem eigenen Vorgeben nach, Leute genug unter ihnen sind, die vermöge ihres hohen Standes über alle Verfolgungen ihrer Gesellschaft weit erhaben smd : und niemand wird wohl so thöricht seyn zu behaupten, daß die Freymäurer die Verräther ihres Geheimnisses auch in der Ferne bestrafen, und ihnen, wie sich manchmal angebliche Zauberer gerühmt haben, die Augen ausstechen, oder einen plötzlichen Todt verur- facherr könnten, wenn die Personen die es betreffen sollte,' gleich abwesend» ftyem '-Niemand hat auch bisher das geringste, das von Erheblichkeit wäre,^ausgeplaudert: und selbst Leute die sich aus bloser Neugierde in die Gesellschaft begeben haben, sind doch hernach nicht zu vermögen gewesen, ttwas von demjenigen was den Orden betrift, zu entdecken. Man hat verschiedne Mittel die Geheimnisse zu entdecken. Hieher gehört eine genaue Bekantschaft, ein langer Umgang, und eine besonder Freundschaft. Da man einem Freunde, den man wenigstens durch die Länge der Zeit hinlänglich hat kennen lernen, zuletzt nichts mehr zu verschweigen pflegt, so sollte man glauben, daß durch diesen Weg die Sache endlich hätte entdeckt, und weil die Menschen gar zu gerne ein mit Mühe ausgeforschtes Geheimnis verrathen, der Welt offenbahrt werden müssen. Aber dieser Weg den unstreitig viele eingeschlagen haben, ist bisher vergeb, sich gewesen. Ein anders Mittel das auch fruchtlos geblieben ist, ist der Wem. Ich habe aber Leute gesehen, die vermöge des übermäßigen Wems allerlei) Schandtaten ungefragt bekannt haben, und dennoch den diesem Punkt so sehr man sich aller möglichen Umwege und List bedient habe, beständig stumm geblieben sind. Das dritte Mittel ist die Liebe jedermann weis, wre sehr ein Frauenzimmer das Hertz desjenigen, der in sie vttucht ist, m Händen hat, und tausend Gelegenheiten findet, ihren Lieb'. Haber unb Nachrichten. Haber biß auf den innersten Grund seines Hertzens auszuholen. Ich weiß zwar nicht ob dieser Versuch jemahls auf diese Art gemacht worden ist, hat man ihn aber gemacht, so mH eine andre Ursachevorhanden seyn, warum doch nicht wenigstens etwas von dieser Sache herausgekommen ist. Noch ein Mitte! ist übrig, hinter die Wahrheit einer Sache zu kommen, und dieses sind die gerichtliche Untersuchungen. Ich will mich erklären, damit Sie nicht meynen, als rieche ich diese Leute, mit Feuer und Schwerd zu verfolgen. Es ist unleugbar, daß die Obrigkeit das Recht hat, eine genaue Erkentnis von allen Gesellschaften in dem Staat zu neh. men, um mit eignen Augen zu sehen, daß sie nichts lehren und vornehmen, was dem Staat zum Nachtheil gerathen kan. In dieser Absicht hat eine jede Obrigkeit Macht sich von einer Religion die sie duldet, ihre Glaubensbücher vorlegen zu lassen, und öffentlichen Versammlungen so gtr bey- zuwohnen, wenn sie es vor gut findet. Sollte eine Gesellschaft, sie betreffe nun die Religion oder einen andern Endzweck, so hartnäckig seyn, ihre geheime Gesetze nicht zu offenbahren, so wird kein vernünftiger Mensch leugnen kdnnen, daß die Obrigkeit Fug und Macht habe, solche Leute mit Gewalt hierzu zu zwingen, oder in dem Fall sie einen gelindern Weg erwählen will, ihnen den Schutz aufzusagen, und sie anzuweisen , daß sie sich äusser Land begeben. Alle diese Sätze werden von allen Rechtsgelehrten in Absicht auf eine jede Gesellschaft die sich im Staat zusammenthut, und so gar bey den mancherlei) Religionen behauptet, und wenn keine besondre Verträge entgegen stehen, sür allgemein gültig erkannt. Warum sollte sich .die Freymaurergesellschaft gantz allein einer Ausnahme zu erfreuen haben? Es ist mir nicht bekannt, ob dergleichen gerichtliche Untersuchungen bisher irgendswo vorgenommen worden sind. Aber ich glaube daß man von Obrigkeitswegen dazu vollkommen berechtigt sey, und daß wenn die Sache mit der gehörigen Behutsamkeit getrieben würde, das Geheimnis noch, wendig herausmüste. Ich sage mit Behutsamkeit, damit nicht aus einer Untersuchung eine Verfolgung wird, und die Leute nicht aus Begierde nach der Ehre ein Märtyrer ihrer Gesellschaft zu heigen, im leugnen desto hartnäckiger würden. Biß dahin ist es allerdings schwehr etwas gewisses von dem Geheimnis der Freymäurer zu sagen. Allein es läßt sich doch eins und das andre theils aus dem wenigen was bekannt worden ist, theils aus allgemeinen Grundsätzen schliessen. Es ist ein unerheblicher Einwurf, den dieFreymäu- rer sogleich bey der Handhaben, wenn sie sagen: Ihr gestehet selbst daß H * ihr Giesfische wöchentlich * gemeinnützige Anzeige» ihr unser Geheimnis nicht wisset und dennoch wollt ihr solches entdeckt ha, den. Denn es ist unleugbar daß man von vielen Sachen nicht weis was (te eigentlich sind: aber man weis doch sehr ost was sie nicht sind: und die- es thut in verschiednen Fallen so gute Dienste, daß man manche Wahrheiten daraus herleiten kann. Ich weiß zum Excmpel nicht was die Natur eines einfachen Dinges eigentlich ist. Aber ich weis doch daß ein einfaches Ding nichts körperliches ist/ und daß folglich alle Eigenschaften die jedem Körper zukommen, und aus dem Wesen eines Körpers fliessen, einem einfachen Ding gantz und gar nicht beygelegt werden können, daß es folglich rrntheilbarsey, nicht auf die Art wie ein Körper entstehen, wachsen und wieder abnehmen könne, und was dergleichen mehr ist. Schlage ich diesen Weg ein und nehme die mancherley Ursachen zu Hülfe, welche ein Mensch haben kan, ein Geheimnis aus einer Sache zu machen, (Denn ohne Ursache handelt niemand, vielweniger eine solche Gesellschaft, die so viel ansehnliche und kluge Leute unter sich hat, als sich die Freymäurer zu rühmen pflegen) so wird sich doch wenigstens eins und das andre muthmassm lassen. Viele Leute glauben das berufne Geheimnis sey ein blosses Nichts. Ich will nicht in Abrede seyn, daß allenfals gewisse Klaffen in dem Orden And, und viele die nur so zu reden in der untersten Klaffe sind, in der That nicht eigentlich etwas von den wesentlichen Grundsätzen der Gesellschaft zu hören oder zu sehen bekommen. Die Freymäurer pflegen vielfältig m rühmen, daß angesehne Gottesgelehrten und sogar gekrönte Häupter Glieder ihres Ordens seyen. Ob ich gleich hiervon noch keine Beweise gesehen habe, so will ich es doch gerad nicht leugnen, wiewohl es eigentlich nichts zur Sache thut, indem man Kaiser und Könige gehabt hat, die sich durch grosse Laster berühmt gemacht haben, so wie man viele angesehne Vischöf- fe, und nach einiger Meynung so gar Päbste hat, die auf grobe Jrrthü- mer gerathen sind. Doch ich zweifle immer, ob dergleichen Leute mit dem innersten des Ordens genau bekannt gemacht worden sind: und wenn ich glaube daß die Absicht der Gesellschaft eben nicht die reinste und lauterste ist, so halte ich doch den grösten Theil ihrer Glieder, an deren Rechtschaffenheit man aus andern Ursachen nicht zweiflen kan, für unschuldig, Ich dencke, es giebt gewisse Grade wie bey den Jesuiten, unter denen eben -Et alle an den Jntriguen, die sie zuspielen gewohnt sind, Antheil haben Eben so mögen unter den Freymaurern sehr viele seyn, die eigentlich von rhrem Geheimnis nichts wissen, und also auch nichts sagen können. r.r . Aber und Nachrichten» . Aber ich kann mich nicht überreden, daß der Grund der ganHen Ge- jeuschaft zumal bey ihrer ersten Anlage ein bloses nichts gewesen sey und daß man der Welt, wie bey der Geschichte von den Vampyren, etwas wie man zu reden pflegt, habe aufbohren wollen. Die Gesellschaft würde längstens ausgegangen seyn und kluge Leute würden endlich mit der Sprache herausgerückt seyn und gesagt haben, daß der Orden eine Art von Narrheit sey, vermöge welcher man alle übrigen, die hieran nicht Theil genommen, vor Narren halten und ihnen etwas zu reden und zu forschen geben wollte. Einige wenige Leute hätten wohl auf diesen Einfall kommen können. Daß aber so eine grose Menge von zum theil klugen und ernsthaften Männern, auf solchen Gedancken beharren, und was noch mehr ist, sich, wo nicht Mühe geben, wenigstens doch bereit finden lassen sollten, neue Mit- Slieder anzunehmen, wenn die gantze Sache nur ein Schertz einiger lusti, ger Leute wäre, das ist unbegreiflich. Nein! es ist ein Geheimnis da, es mag auch seyn welches es will. Wenigstens ist es nach dem eignen Geständnis der Freymäurer gewiß, daß ein jedes Mitglied durch einen schr scharffen Eyd eine ewige Verschwiegenheit angeloben muß. Wofür bedienen sich vernünftige Leute solcher Umschweife, wenn nicht ein Geheimnis darhinter steckt, wenn solches auch gleich den wenigsten Mitgliedern selbst sollte kund gethan werden? Denn es ist schon genug daß sie vorläufig eine völlige Verschwiegenheit angeloben; hernach kann man sie, wenn man es vor rathsam findet, und ihre Verschwiegenheit genugsam geprüft hat, schon mit der Zeit weiter unterrichten. Den eben aus dieser Ursache sagt man wenigstens nicht einem jeden sogleich das Geheimnis, damit, wenn er allenfalls willens würde, abtrünnig zu werden, er noch nichts von dem eigentlichen Geheimniß weiß , und also nicht im Stande ist, die Gesellschaft zu verrathen, wenn er auch gleich wollte. Ist ein blosser Schertz, vermöge dessen man die Welt zum besten haben will, keine hinlängliche Ursache, warum die Gesellschaft so geheim thut, so ist die Frage, was denn der Bewegungsgrund ihrer Heimlichkeit sey. Ist es, wie es nach ihrer Aussage fast scheinen möchte, eine blosse Verbindung verfchieyner Menschen, diejenige, die sich in ihre Gesellschaft begeben auf alle Art zu unterstützen, ihnen auszuhelfen , und atterkey Wercke der Wohlthütigkeik zu beweisen? Hiervon machen die Freymäurer ein grosses Aufheben. Aber warum macht man hieraus ein Geheimnis? Sind wir dieses nicht schon ohnedem nach der Natur verpflichtet? Wer wird .H r ? etwas 61 Messtische wöchentlich i gemeinniitzige Anzeige» ekwas tadelhafteS daran finden, wenn sich reute noch genauer, als durch das allgemein« Band der Menschlichkeit, verbinden, und wenn sie ihren Mitgliedern vorzügliche Hülfe leisten? Pflegt man dieses nicht bey verschied« nm andern Gesellschaften, insonderheit b-v allen Religionsparthien alS eine Regel anzunehmen, den Glaubensgenossen vor allen anvern gutes zu thun? Wer hak hieraus jemals ein Geheimnis gemacht ? Oder fürchtet man sich etwa die Gesellschaft möchte zu groS werden? Ist sie nicht ohnedem schon nach dieser besondern Absicht zu groS? Oder kann eine solche Gesellschaft wohl zu gros werden? Je mehr Leute hienein treten, jemehr Wohltbäker werden sich finden; denn die hinzukommende werden doch nicht lauter Bett« ler und Müßiggänger seyn? Und nehmen nicht die Freymäurer einen jeden an, der sich den Gesetzen und. Gebräuchen ihrer Gesellschaft unterwerffen will? Würden Sie das wohl thun, wenn sie befürchteten ihre Gesellschaft allzusehr zu verzrössern? Zudem so ist keine gemeinschaftliche Cnsse angelegt, woraus die Wohlthaten bestritten werden: sondern ein jeder «weißt seinem dürftigen Bruder so viel gutes als «kann, oder will: und da dieses im« wer in seinem Belieben steht, so kann es ihm gleich viel gelten, wie groS die Gesellschaft ist. Er kann, wenn er das berühmte Zeichen, das sie einander durch die Finger alS eine Losung geben sollen, niachm sieht, stille schweigen, ohne sich zu erkennen zn geben, daß er auch zu der Gesellschaft gehört, wenn eres etwa nicht vor rathsam findet, freygebig zu seyn. Ha« den also diese Leute weiter keinGeheimnis, warum reden sie denn noch von einem das in der That keins ist? Fragt man sie, warum sic kein Frauenzimmer in ihre Gesellschaft nehmen, so antworten sie, weil diese nicht schweigen können - und folglich fürchten sie sich ihr Geheimnis, das also von demjenigen was sie selbst cf« stnbahr sagen, nstkwendig verschieden seyn muß, möchte bekannt werden. WaS aber die geprießne Wohllhätigkcit noch insonderheit betrifft, so scheinet es mehr Vergeben alS Wahrheit zu seyn. Es sind mir Leute bekannt, die zu dem Or« den gehören, und in der halben Welk herum geirrt sind, wo sie doch Mitqlie« der genug angetroffen haben müssen, und die demohngeachtet beständig elend und dürftig geblieben sind, und von der angeblichen Hülfe, womit sie einander sogar zu Erlangung öffentlicher Aemter beyzustehen vorgeben wenig Vortheile gezogen haben. Es ist also nicht zu glauben, daß diese Wohl« thätigkeit das wesentlichste Gesetz ihres Ordens ist, sondern es müssen äusser demselben wenigstens noch andre vorhanden seyn. Und auf was für schwache Gründe ist eine solche Gesellschaft gebaut, die zur Haupkabsicht hat, sich ihrer Mitglieder aus allen Kräften anzunehmen? Müssen nicht die ' - Leute KNd plächrichtm.