Ni esst sch e wöchentlich- WWW WW mb Nachrichten Sieben und Zwanzigstes Stück. Dienstags dm ftat IM. >1768. Mit Hochfürstl. Hessen- Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis» Fortsetzung der Geschichte des Sadigs. • Vater, sagte Aadtz zu ihm, was will das alles, was ich sehe- sagen? Ihr scheint mir mit andern Menschen gar nichts ähnliches jU haben. Ihr stehlt ein goldnes mit Edelgesteinen besetztes Becken einem Herrn, der uns so prächtig ausgenommen hat; und schenckt eS einem Geitzigen, der so unanständig mit uns umgieng. Mein Sohn, antwortete der Alte, jener prächtige Herr, der die Fremden nur aus Eitelkeit, und um seine Reichthümer bewundern zu lassen, aufnimmt, wird klüger, und der Geitzige fteygebiger werden; erstaunet über nichts, und folget mir. Zadrtz wußte noch nicht, ob er es mit dem grssten Narren oder dem grösten Weisen unter allen Menschen zu thun hatte; allein der Einsiedler sprach mit so vieler Hoheit, daß Zadig, der überdieses auch durch seinen Eid gebunden war, sich nicht enthalten konnte, ihm zu folgen. Gegen Abend kamen sie an einem Hause an, welches sehr anmuthig, aber ohne Pracht gebaut war; und woran nichts von Verschwendung D d noch * Siehe das Fünf und Zwanzigte Stück. L»4 Gr'esfische wöchentlich gemeinnützige Anzeigen noch von Keitz zeugte; Der Hm davon war ein Philosoph, der sich der Welt entzogen hatte, und hie/ in Ruhe sich nur mit Weisheit und Tugend beschäftigte, und gleichwohl niemals einen Ueberdruß empfand. Es hatte ihm gefallen, sich diesen einsamen Aufenthalt zu bauen , worinn er hie Fremden mit einer Grosmuth aufnahm, die nichts von Prahlerey an sich hatte. Er gieng selbst den beyden Reisenden entgegen, und ließ sie sogleich in einem bequemen Zimmer ausruhen. Einige Zeit hernach kam er selbst zu ihnen, um sie zu einer reinlichen und gut zubereiteten Mahlzeit ein- zuladen, wahrend welcher man sich von allerley Dingen unterhielte, und endlich darinn übereinkam, daß der Lauf dieserWeltnicht immer nachdem Wunsche der Weisesten eingerichtet wäre. Der Einsiedler behauptete allezeit, daß man die Wege der Vorsehung nicht kennte, und daß die Menschen höchst unbillig handelten, wenn sie von einem Gantzen urtherlen wollten, von dem sie nur den geringsten Theil einsahcn. Man sprach von den Leidenschaften; Achl wie traurig sind sie, sagte Aadig. - Sie sind die Winde, welche in-die Segel des Sch^s-blasen müssen, antwortete der Einsiedler; sie versenken es manchmal, allein.ohne sie würde es auf der See nicht fortkommen. Die Galle macht zornig und krank; allein ohne die Galle kann- der Menschnicht leben- Alles ist gefährlich hienieden, und alles ist norywendig. Man sprach von dem Vergnügen,'und der Einsiedler bewieß, daß dieses ein Geschenke der Gottheit wäre: denn der Mensch, sagte er, kann sich weder Empfindungen, noch Ideen geben, er empfangt alles ; den Kummer und das Vergnügen bekommt er, wie sein Daseyn, aus einer fremden Hand. Zadr'g konnte nicht begreifen, wie ein Mensch, der solche ausschweifende Sachen unternommen hatte, doch so gut philosophiren könnte. Nach einer eben so lehrreichen als angenehmen Unterhaltung, führte der Wirth seine zween Reisende wieder in ihr Zimmer; und dankte d m Himmel, daß er ihm zween so weise und tugendhafte Menschen zugeschickt hatte. Er both ihnen Geld an, und das auf eine so ungezwungene und edle Art, die unmöglich beleidigen konnte. Allein der Einsiedler schlug es aus; und sagte ihm, daß er Abschied von ihm nähme, weil er fest entschlossen wäre, morgen vor Tag nach Babylon abzureisen. Ihre Trennung war sehr zärtlrch; besonders empfand Zadtz viele Hochachtung und Neigung in sich gegen einen so liebenswürdigen Mann. AlS Ult6 kLiräirrchtött' rrx Als der Einsiedler und er wieder in ihrem Zimmer waren, so brachten sie einige Zeit mit den Lobeserhebungen ihres Wirths zu. Der Alte weckte fernen Cameraden bey Anbruch des Tages. Wir müssen fort, sagte er; allein indessen, da noch alleö schlaft, will ich diesem Manne ein Zeichen meiner Hochachtung und Liebe zurücklaffen. Indem er dieses sagte, nahm er eine Fackel und zündete das Haus an. Zadrg erschrack und schrie (aut; und wollte ihn verhindern, eine so scheußliche That zu begehen. Der Einsiedler zog ihn aber, mittelst einer höhern Gewalt mit sich fort; das Hau- stand in Flammen. Der Einsiedler welcher sich schon mit seinem Gesellschafter ziemlich weit entfernt hatte, sah es mit vieler Gelassenheit im Fcu, er ausgehn. G-Ott sey danck, sprach er, das Haus meines lieben WirthS ist von Grund aus zerstöret! der glückliche Mann.' - Bey Viesen Worten siel Zaditzin die Versuchung, zu gleicher Zeit, in Lachen auszubrechen, den ehrwürdigen Vater zu schmähen, ihn zu schlagen, und zu fliehen. Allein er that keines von allen; von der Hoheit des Einsiedlers allzeit geftsselt, folgte er ihm, wider seinen Willen, zum letzten Nachtlager. Dieses war bey einer gutthatigen und tugendhaften Wittwe, welche einen Neffen von vierzehn Jahren bey sich hatte, der viele Reizungen besaß, und ihre einzige Hofnung war. Sie bewirthete die Fremden auf- allerbeste. Den anden Morgen befahl sie ihrem Neffen, die Reisende biS an eine Brücke zu begleiten, die vor kurzem gebrochen war, und wodurch der Uebergang gefährlich gemacht wurde. Da sie auf der Brücke waren, so sagte der Einsiedler zu dem jungen Menschen: kommt her, ich muß eu» rer Vase meine Erkenntlichkeit bezeugen. Hierauf nahm er ihn bey den Haaren, und warf ihn in den Fluß. Das Kind gieng unter, kam einen Augenblick darauf wieder zum Vorschein, und wurde dann vom Stroms verschlungen. - O Ungeheuer! O Lasterhaftester unter allen Menschen! schrie Zadig. - Ihr habt mir mehr Gedult versprochen, unterbrach ihn der Einsiedler. Wisset, daß unter den Trümmern jenes Hauses, welches die Vorsehung angesteckt hat, der Herr einen unermeßlichen Schaft finden wird; wisset, daß dieser junge Mensch, dem die Vorsehung den Hals her» umgedreht hat, in einem Jahre seine Muhme, und in zweyen euch selbst ermordet hätte. Wer hat dir das gesagt, Barbar, schrie Zadr'g; und wenn du auch diese traurige Begebenheit in deinem Buche des Schicksals gelesen hättest: wer giebt dir die Erläübniß, rin Kind zu ersäufen, däS dir nichts zu Leide gethan hat? D d r Wah- tu SrMche wöchentlich♦ LsimeittnStzl'ss Anzeige» Während daß der Babykonker sprach, wurde er gewahr, daß der Alte keinen Batt mehr hatte, und daß sein Gesicht die Züge der Jugend annahm. i&eine Einsiedlertracht verschwand, vier schöne Flügel bedeckten einen majestätischen und von Glanz strahlenden Cörper. -0 Abgesandter des H mmels! L) göttlicher Engel! schrie Zadrg, indem er sich vor ihm niederwarf, du bist also von deiner Höhe herabgestiegen, einen schwachen Sterblichen zu lehren, sich den ewigen Gesetzen zu unterwerfen. Di- Menschen , sagte der Engel Iesrad / urtheilen von allem, und kennen nichts. Du warst unter allen Menschen derjenige, der noch am meisten verdiente erleuchtet zu werden. Zadig bat ihn um Erlaubniß zu reden. Ich setze ein Mißtrauen in mich selbst, sagte er; dürfte ich dich aber nicht bitten, mir über einen gewissen Zweifel Licht zu ertheilen : wäre es nicht besser gewesen, daß man dieses Kind gebessert, und tugendhaft gemacht hätte, als daß man es ersäuft? Iesrad antwortete: wenn er tugendhaft geworden, und leben geblieben wäre, so würde er selbst, nebst seiner Frau, die er hatte heyrathen müssen, und dem Sohne, den sie ihm gebohren hätte, ermordet worden seyn. Ist es aber notwendig , fieng Sadr'g an, daß es Verbrechen und Unglück giebt, und daß das Unglück Tugendhafte betritt? - Die Lasterhaften, erwiederte Iesrad / sind allezeit unglücklich. Sie dienen einer kleinen auf der Erde zerstreuten Anzahl von Frommen zur Prüfung; und es giebt kein Uebei, woraus nicht wieder ein Gutes entstünde. Aber, sagte Zabitz/ wie, wenn es nun lauter Gutes gäbe, und kein Uebel? Alsdann, sprach Iesrad, würde diese Erde eine andre Erde seyn, derZusammenhang der Begebenheiten würde eine andre -Ordnung der Weisheit seyn, und diese Ordnung, welche vollkommen wäre, kann nur in der ewigen Wohnung des höchsten Wesens seyn, welchem sich kein Uebel nahen darf. Dieses Wesen hat Millionen Welten erschaffen, von denen keine der andern gleich seyn kann. Diese unendliche Mannigfaltigkeit ist eine, nothwendige Eigenschaft seiner unendlichen Macht. Es gibt weder zwcy Blätter auf den Bäumen, noch zwo Welten in den unermeßlichen Gefilden des Himmels , die sich gleich wären ; und alles was du auf dem kleinen Sonnenstaub, worauf du gebohren, siehst, muste an seinem Orte, und zu seiner bestimmten Zeit seyn, nach den unveränderlichen Gesetzen desjenigen, der das Ganze umfaßt. Die Menschen glauben, daß das Kind, das eben umgekommen ist, von Ungefähr ins WaL ser gefallen sey: und daß eben dasselbe Ungefähr jenes Haus verbrannt ha- »ttd Nerchn'chtm. 1!? de Alkekn