Ntesffsche wöchentlich, geWwOW KlUlgcn Mh Mchrtchttn Funfzehendes Stück. Dienstags den 14den April. 1767; Mit Hochfürfil. Hessens Darmsiädtischer gnädigsten Erlaubnis. Folgendes Gedicht ist uns von einem unbekannten auswärtigen Gönner unsrer Blatter zugeschickt worden. ES ist werth, daß wir- uchm Lesern mittheilen. Passt-tts Gedanc?ett° (föj^rfhunt, erstaunt ihr Menschenkinder! Erbebt, erbebt ihr freche Sünder! Für dein/ der dort am Creutze stirbt! Seht dort sein Blut erbarmend fliesten: Ach! tretet nicht dies Blut mit Füssen, Das euch ein ewigs Heil erwirbt. Für Frevler/ für der Sünden Knechte, Für Uns Verworfene von GOtt/ Stirbt Er/ der Gottmensch/ der Gerechte, Den jammervollen CreutzeS Tod. Wer kann der Liebe Wunder fassen! Für Uns am Creutze zu erblasten, Verlaßt Er seiner Gottheit Thron. P 3«, ii 4 Gie fische wöchmtlrch- gemeinnützige Anzeigen Ja, aller Himmel Herrlichkeiten Verwechselt Er mit Schmach und Leiden, Uno duldet Schläge, Spott und Hohn. Nimmt Christen euch bey seinem Leiden Nicht Schaam, nickt Reu, nicht Webmuth em; Ö! dann, dann müßt ihr mehr als Heiden Und härter als ein Felsen seyn. Um Trost bei seinem Creutz zu finden, So weinet kaut bey euren Sünden; Dann diese schlugen Ihn so sehr. Was eine gantze Welt verschuldet, Die abgefallen war, das duldet Und buffet, und bezahlet Er. Er der von keiner Sünde wußte, Der stirbt der Missethäter Tod- Dem Wind und Meer gehorchen mußte, Der wird des Wurms, des Menschen, Spott. Er der einst aus der leeren Tiefe Allmächtig alle Wesen riese, Der einst des Menschen Schöpfer war, Der stellet sich für seine Kinder — Wie? nein, für abgefallne Sünder, Als Mittler fernem Vater dar. Der schwere Fluch, der auf uns ruhte, Und unsre Strafe liegt auf Ihm. Er stillt mit seinem beiden Blute Erbarmend seines Vaters Grimm. Wie gros ist der, der seine Feinde Durch seinen Tod mit GOkt vereinte? Unendlich, göttlich gros ist der. Er muß allein um unsre Sünden Die Sckreckniffe des Herrn empfinden; Die Quaal der Höll.n fühlet Er. Em mrd VUdycxcbtstt. nj Em endlicher Verstand mliß weichen; Dies einzusebn ist er zu klein Der Liede Wunder zu erreichen Muß man, was GOtt ist, sechsten styn» Nie könnt es Sterblichen gelingen, . GOtt solch ein Opfer darzubringen, Noch ein so groses Lösegeld. Nur Ihm, nur Ihm ist §6 gelungen; Er l)dt des Satans Reich bezwungen Der Friedesürst, der starke Held. Er hak dem Tod die Macht genommen, Von ewgen Qualen uns befreyt; Danckt, danckt Ihm, ihr erlößten Frommen, < Dem Schöpfer eurer Seligkeit. Eilt, Völcker, eilet, baut Altäre, Auf! bringet Danck, auf.' bringet Ehre Dem, der für euch am Creutze stirbt. Seht dort sein Vlut erbarmend stiessen; Ach! tretket nicht dich Blut mit Füssen, Das euch ein ewigs Heil erwirbt. Dann wann der Bau der Welt verschmachtet Im Feuer, dann wird über den, Der dieses theüre Blut verachtet. Ein schreckliches Gericht ergehn. Von Höflichkeiten, welche am unrechten Errt angebracht werden. Die Höflichkeit ist eine Tugend, welche bey Leuten, deren Stand über das gemeine Volck nur ein wenig erhaben ist, als eine notwendige Eigenschaft betrachtet werden kan. Es gehöret aber auch Verstand und Geist dazu, wenn wir uns durch dieselbe empfehlen, oder sie als ein Mittel gebrauchen wollen, unsre Absichten zu erreichen , oder sie wenigstes nicht am unrechten Ort anbringen wollen. Marull hat eine sehr schlechte Erziehung gehabt. Die Manieren gesitteter Leute sind ihm cheils unbekant, theils eine Aergerniß. G^gcn den P r Marull 31 & Giesstfcht wöchentlich > gemeinttStzige Anzeigen MaruS Höflichkeit zu gebrauchen heißt die Perlen vor die Schweine werfen. Man muß mit ihm auf gut bäuerisch umgehn, wenn er uns verstehen, Oder nicht zuwider werden soll. Leute die zu leben wissen, sind ihm eine Art von Brechpulver; Sein liebster Umgang ist mit Leuten von pöbelhaften und ungeschliffenen Sitten. Ich bitte euch, spart die Compkimenten wenn ihr etwas mit dem Marull zu thun habt. Auf ein grobes Holtz gehört ein grober Keil. -Oront hat hohe Gedancken von seinen Verdiensten, und seiner Hertzhaftigkeit, ob er gleich in der That wenig Muth hat. Ihr fangt kaum an zu reden, so schnurrt und poltert er. Er will alle Leute in die Enge treiben. Antwortet ihm nur in dem nämlichen hohen Ton. Wenn er schreyt, so schreyt nur immer ärger. Zuletzt wird er nachgeben und sich um einen Finger wickeln lassen. Bleibt ihr aber gegen ihn in den Schrancken der Höflichkeit, so glaubt er, ihr fürchtet euch vor ihm: und er wird von einem Augenblick zu dem andern immer hochtrabender, gröber und unertrüg- Sicher. Fatiö ist auf eine andre Art grob. Er meynk es gut, aber er verstehe die Sprache der Höflichkeit nicht. Er ist weit weniger als ihr: aber versucht es nur und sagt ihm zwcy höfliche Worte, so wird er den Rang vor euch nehmen, und glauben daß ihr ihm diesen Vorzug selbst eingcsteht. Wll er feinen Bestich endigen, so sagt ihm nur ganz kalrsmnig, daß es Noch früh sey. Den Augenblick wird er sich wieder niedersetzen, und euch noch ein paar Stunden weiter mit seinem einfältigen Geschwätz verderben. Ich rathe euch nicht, daß ihr bey seinem Abschied es bedauret, daß eure Küche schlecht bestellt sey, sonst ihr euch die Ehre ausgebeten haben würdet, ihn -um Abendessen zu behalten. Der gute Mann nimmt vorlreb: Er bleibt da, er glaubt noch darzu, daß er euch eine grosse Gefälligkeit erwiesen habe. Lucinde ist nach dem gemeinen Schlendrian unsrer Frauenzimmer erzogen worden. Ein Stutzer kommt und sagt ihr Höflichkeiten: das gute Kind Versteht entMder gar nichts davon, oder nimmt seine Worte für lauter Ernst und Aufrichtigkeit an. Er aber geht fort in Gesellschaft seiner Freunde, und erzählt die Einfalt der Lucinde mit vielen Spöttereyen. Serine ist ihrer Mcynung nach von einem jungen Herrn beleidigt worden. Derselbe gesteht seinen Fehler und thuk ihr Abbitte. Im Grunde hat er nicht gefehlt, aber aus Höflichkeit glaubt er daß seine Schuldigkeit yrMm, einem SwwWw Recht zu lassen, wenn sie auch gleich Un- r cht vttd »17 recht hatte. Was thut Nerme ? Anstatt mit feinem Gestandniß, das nicht aus dem Bewußtseyn eines Fehlers, sondern aus blosser Höflichkeit herrührt, zufrieden zu seyn, antwortet sie ihm in hohen und bitter» Ausdrücken, und verliehrt über das weitere Morakisiren, so gelosten und höflich er ihr auch darinnen nachgiebt, seine Hochachtung und Freundschaft. In der That sind die meisten unsrer Gesellschaften so beschaffen, daß es einem höflichen Menschen sehr oft verdrieslich fallen muß, etwas artiges zu jagen. Der eine Theil bemerkt das feine gar nicht, der andre weis keinen Unterschied unter Spötterepen und wahren Höflichkeiten zu machen, und der dritte M(f ibn wohl gar für einen leeren Stutzer und Petit-Maitre, welches Pradicat ich mir besonders in meinen alten Tagenjganz gehorsamst verbitten wollte. Gegen Leute von sehr vornehmen Stand sind Höflichkeiten, oder wenn man will , Complimenten mehrentheils eine Art von Unhöflichkeit. Diese haben nrcht lange Zeit unsre Umschweife anzuhören: man sage nach den gewöhnlichen Verbeugungen, seine Sache, um dmntwillen man gekommen ist, kurtz und gut und rüste sich zum Ausbruch, sobald die vor- nehme Person zu reden aufhört. Wird ein Stuhl für euch gestellt, und ihr zum Sitzen genöthigt, so thut es, sobald man euchs zum zweytenmahl sagt: es ist für euch ein Befehl, und es ist eine Grobheit nicht zu gehorchen. Wird einem Bedienten befohlen, etwas zu trincken herbeyzuhoken, so macht keine Entschuldigung, sondern feyd so bescheiden, und glaubt, daß es nicht um eurentwillen geholet werde. Müßt ihr mit speisen, sä nehmt den Platz, den man euch anweifft, ohne weitere Complimenten, ein, und bedenckt, daß an einem jeden Ort, an dem ihr sitzt, der unterste Platz sey. L. \ Ein Rärhfel- Ich mahle alle Gegenstände der Natur, ohne daß ich Augen, Hände und gartan dazu nöthrg habe. Und dieses tkue ich viel getreuer-, als der künstlichste Mahler. Ich habe meine Nahrung von dem Licht, otm- geachtet ich selbst nichts sehe. Ich werde von allen Menschen gebraucht, gber ich gefalle nur denen, die schön sind, oder sichs zu seyn embiiden. Dieses kleine Achsel aufzulösen/ darf man nur Augen haben. P 3 Aka-i **8 Grcsslsche wöchentlich--gemeinnützige Anzeigen Akadenrische VTem'^cit. Dm 9- Mil. 1767. verteidigte Herr Georg Joseph Ditz aus dem Vaadenfchen,Secretariusbey Jhro Hochgräsi. Gnaden des H R.z Reichs Cammer-Richter, Grafen von Spaur, seine Thefes ex univerfo iure ohne Vorsitz, und erlangte dadurch die Würde eines Licentiari iuris. Desgleichen den folgenden Tag als den io. April bestieg Herr Gerhard Matth. Wallacher aus FranckfurL den Juristischen, Catheder, und vertheidlgte seine Streitschrift de iure circa Cacra ciuitatujn Im peri i iam ante pacem religiofam, ebenfalls ohne Vorsitz , um die Würde eines Li- centiaten zu erhalten. $ Bogen. Avertiflement. Auf hochfürstlichen Regierungs-Befehl, sollen in der uns gnädigst anvertrauten Herrschaft Itter neue richtige Wehr-Pfand und Hypothe- cken Bücher errichtet werden/ damit keine Güther - Stücke doppelt verpfändet, somit die Creditotes völlig sicher gestellet, und der allgemcine Credit aufrecht erhalten werde. Nachdeme nun zu diesen! Entjweck nö- thig seyn will, alle sowohl alte als ueue Obligaiiones, Pfand-Briefe und andere dergleichen Infrrumenta, Wommen Herrschaft-Jtterische Gü- ther verschrieben sind, vorher einzusehen, und die darin Enthaltene Unterpfänder in die zu verfertigende Hypotheken-Bücher einzutragen; Als werden alle und jede ausländische Creditores, wer und wo die auch scpn mögen, welche in die Herrschaft Itter Geld auf Güther geliehen, oder sonst ein Pfand-Recht auf gewisse Stücke iudicialirer acquiriret baben, hiermit von Amtswegen vorgeladen und bedeutet, ihre in Händen habende sowohl alte als neue Obligationes, Pfand-Briefe oder andere Line special Hypo- theck in sich haltende vocumenra auf Freytags den r-ten Junii a. r. bey guter Tages-Zeit vor Fürstlichem Amt allhier entweder persönlich oder per mandatarium in original! ohnfchlbar zu produciren, oder sich gewis zu gewärtigen, daß, wann sie solches in eben anberaumten Termin nicht befolgen, und die ihnen gerichtlich verschriebene Unterpfänder entweder all- schon an andere Creditores verpfändet wären oder in Zukunft annoch verpfändet werden, sie sich alsdann auf das ihnen gegen diese nachherige Creditores ex hypotheca anteriore sonsten rechtlich zukommende jusprae- lationis in concurfu niemalen cum effeäu berufen können, sondern dessew fluf und Nachrichten. auf immer verlustig gehen müssen , wornach stch also zu achten. Voehl in der Herrschaft Itter am z6ten Mami 1767. Fürstlich Hessisches Amt daselbstett- P. H. Krebs. M* A. Eigenbrodt. , Amttnann Aurtschuithels. Nachdeme die Hypothequen-Bücher dadurch, daß Die Creditorcs so wohl als Debirores Die gerichtliche Verschreibungen zu alt werden, und wohl bis auf Kindes Kinder erben lassen, in einige Confufion gerathen und deswegen verordnet ist, daß jeder Crediror, er sey wer er wolle, wenn er aus dem hiesigen Amt eine gerichtlich confirmirte Verschreibung hak, solche binnen 6. Wochen a dato dey Verlust des hierauf habenden iuris praela- rionis hierher ans Amt einsenden solle; als wird solches hierdurch zu eines jeden Nachricht und Nachachtung bekannt gemacht. Bingenheim den 6. April. 1767. Fürstlich HessenDarmstädtrsches Amt daselbsteir. tlacbncbt.. Nachdeme den April dieses, die sehr vortheithafte Chur-Cöllns- fchefünfte Geld-Lotterie erste Classe soll gezogen werden, und der Termin herannahet, als hat man solches hierdurch bekannt machen wollen, wann etwa Liebhaber so ihr Glück versuchen wollen noch einzutegen gesonnen waren. Es bestehet diese Lotterie aus focoo. Loosen, und zfooo. Gewinnen, nebst f4- Preisen, sie ist in f. Elasten eingctheilt, zur ersten Elaste wird r. ß. zur Lten 5 st. zur zterr 4. si. zur 4ten 5. stund zurrtenClasse 6. fl. eingelegt also zusammen zo. st durch alle Claffen, aus dem wohlem- gerichteten Plan wird man das mehrere ersehen können. Bey Ausgebern dieses sind Plms und Loose zu haben. D>e dritte Elaste der dritten Hochgräst'chen Neuwieder Geld < Lotterie ist nunmchro auch gezogen, und werden die Listen davon nächstens ein» treffen, welche einem jeden Herrn Interessenten zur Einsicht gegeben werden können, um zusehen ob ihre Loose herausgekommen , und da Den 4. Junit die 4ke Elaste soll gezogen werden, bittet man die Renovation mit s. st. 46. kr. zertig aus, auch sind bey Ausgeber dieses noch Loose zum Eiw kauf denen Herrn Liebhabern zu Diensten. Ein- _ Nachricht. Bey Conrad Aohlermann vor dem Wollchor sind irische Vickina.- kaberdan so wohl gewässert als ungewässert, daö iti. # fr. wie auch M Eittonen angefommen, und ju haben. v 1 Gebohre« und geraufte. AM *4. Martz Georg Andreas, Johan« Moritz Höpfners, Bürgers u ZuckerbeckerS, Söhnlein. Am 2 s. Martz Johann Balthasar, Peter AtsbachS, Bürgers Eier. Söhnlein. * Eodem Sophia Margaretha, Johann Caspar Vetzbergers, Bürger» u Rothgerbers, Töchterlein. Am »7. Märtz Johann Melchior, Damel Christoph SchaubachS, Bür, gers und KrahmerS, Söhnlein. <,ur# Verstorbne. Am M- Martz Johann Georg Dörr, Bürger und Fnhrman allhier. Am Johann Philipp, Johann Balthasar Stohrs, Bürgers tto Giestsche rvüchorrtlich- gemeinnützige Anzeige» Ein-»»- auopaßirende vom 4. April 1-767. bis he» toten Aprri 1767. Herr Cantzley-Director Grün, von Hachenburg, pafflrt durch Hm RegiMMs -QuLrtirmGer Schaaffs, vondmHanuövmMuTruv- pen paff, durch. F Herr Advocac Scriba, und sein Herr Bruder, von Hannover pastirea Herr von Weefeld, Cammer-Herr von Chnr-Pfaltz, pass, durch Herr Lawmerrath Gedeck, von St. Goar, logirt im Ster«. Extra logirt. Frau Generalin von Lehrbuch, logirt 1>cy Herrn Brigadier und Commen. danken von Rokberg. Herr Obrifl von Vogelsang von Oranien Nassau logirt bei) Herrn Obrifl von Glöckner. 1 Frau g-heimde Rächin Grolmännin, aus Westphalen, log. in der Grol« mänvischen Behausung.