WWW wöchentlich- gmeiMW Mzelgen mb Nachrichten Fünfund Vierzigstes Stück. Dienstags den roten Nsvembr. 1767, Mit Hochfürstl. Hessen-Daemstadtischer gnädigsten Erlaubnis. Fdrrsttzung der Erinnerungen an meine Landsleute/ die Untere redungen in ihren Gesellschaften betreffend. ßMch habe nur noch einige Dinge zu erinnern, von denen man, wieder obenerwähnte Greiß mit Recht behauptet hat, mit Nutzen und Vergnügen in Gesellschaften sprechen könnte. Ihr redet zum Exempel oft von dem Putze und den neuen Moden , in den Kleidungen. GutDadurch könnt ihr. eure Gesellschaft vergnügen und unterrichten. Aber wie müßt ihr alsdenn davon reden, wenn beydeS erfolgen soll? Ihr müßt so davon reden, daß ihr andern dadurch Gelegen- * heit gebt, das Schöne oder Lächerliche, das Natürliche oder Unnatürliche, das Gezwungene oder Ungezwungene, das Schickliche oder Unschickliche in denselben einzusehen. Die jetzigen Modetrachten und die mancher- ley abentheuerlichen und meistentheils höchst lächerlichen Kopfputze unsrer Frauenzimmer geben Stoff genug zu scherzhaften und angenehmen Unter- .xedungen. Ihr könnt die Anmerkung machen, daß man aus den Kleidungen .auf die Wiffenschaft zu leben, auf das Herz, auf die Denkungsart oder auf den Geschmack eines Menschen schliessen könne. . Ihr könnt zejgen- daß eö eine Pflicht gegen ßch selbst fty, sich so zu kleiden, dakman andern £ t dadurch N? Messische wychetttlich ♦ gememnötzige Anzeigen dadurch keine Anleitung giebt, über uns zu spotten und übel von uns zu urtheilen. Ihr könnt von den Gränzen reden, wie weit man in derNach- ahmung der Moden gehen könne. Ihr könnt darthun , daß es thöricht und unvernünftig sey, für bereits abgetragene Kleider noch die Bezahlung Uschuldigju seyn, oder in der Nachahmung der Modkn weiter zu gehen , e als eS Stand und Vermögen erlauben. Ihr könnt bestimmen, wenn man eigentlich anfangen müsse, eine Mode mitzumachen. Ihr könnt Vergleichungen zwischen alten und neuen Moden anstellen; ihr könnt diejenige verteidigen oder tadeln, welche es verdienen. Ihr könnt von der Lächerlichkeit einer allzugroffen Nachahmungs-Begierde und von der Thorheit eines Menschen reden, der stolz auf seine Kleider ist und sich durch übermäsige Pracht Ansehen und Bewunderung zu erwerben sucht. Dies kan euch hernach auf den rechten und vernünftigen Gebrauch eines grosen Vermögens und auf die eigentlichen Vorzüge führen , wodurch man mehrere und gegründetere Ansprüche auf den Beyfall und die Hochachtung der Welt machen kann, als durch den erborgten Glanz reicher Kleider. Die gewöhnlichen Ergötzungen und Zeitvertreibe der Menschen könnten ebenfalls Stoff genug zu Unterredungen in euren Gesellschaften darbieten, die gewis von einem ausgebreiteten Nutzen seyn könnten und unfehlbar ein allgemeines Vergnügen erwecken würden. Ihr könntet zum Exempel von dem rechtmäsigen Genuß der Freuden dieses Lebens überhaupt sprechen. Ihr könntet bemerken, auf welche Art er nur rechtmäsig und vernünftig sey, und worinn eigentlich die wahren Freuden dieses Lebens bestünden. Ihr könntet von gewissen Vergnügungen und Zeitvertreiben überhaupt oder von den eignen Ergötzlichkeiten dieses oder jenes Orts und zugleich von ihrer Zuläßigkeit oder Unzuläßigkeit reden. Ihr könntet darüber urtheilen und den schlechten Geschmack, der manchmal darin herrscht, anzeigen. Ihr könntet die Anmerkung machen, daß sich manche Menschen so unmäsig unv so unüberlegt den ModeLustbarkeiten überlassen, und darüber die wichtigem Angelegenheiten ihrer eigentlichen Bestimmung vergessen. Ihr könntet den Vorzug einer Ergötzlichkeit vor der andern zeigen, und die Unentbehrlich- . keit und den mannigfaltigen Nutzen vernünftiger und unschuldiger Vergnügungen rühmen. Ihr könntet von der Moralität der üblichen Spiele, des Tanzens und andern, dergleichen Dingen reden, und zeigen, unter, welchen Umständen und Einschränkungen sie erlaubt oder unerlaubt sind. v Dies könnte euch hernach auf das sehr interessante Gespräch von deck rechten und vernünftigen Gebrauch der Zeit und des Lebens fuhren. Von allen Uttd Nnchrichtett. Zf7 allen diesen Dingen kann man auf eine Art reden, die jederman nützlich und angenehm seyn muß. Eine sehr allgemeinnützige und überaus reiche und vergnügende Materie zu Gesprächen könnten noch besonders die Wahrheiten aus dem Reiche der Natur abgeben. Ich wünschte von ganzem Herzen, daß die Unterredungen über diese Wahrheiten viel allgemeiner unter uns würden, alö sie es wirklich sind. Da sie in einer vorzüglich nahen Verbindung mit der Verherrlichung des Schöpfers stehen; so würden sie ungemein viel zur bessern Erkenntnis dieses allmächtigen und unermüdeten Wohlthäters deS ganzen menschlichen Geschlechts beytragen, und uns immer mehr anfeuern, dieses liebenswürdigste Wesen auf eine würdige Art zu verehren. Man hat gewis Gelegenheiten gnug, von diesen interessanten Wahrheiten zu sprechen. Bald kann uns ein Phänomenen , bald ein Gewitter, bald ein Buch, bald die Zeitung, bald ein Thier, bald eine Pflanze, bald etwas anders darauf führen. Wir können bald von den besonder» Annehmlichkeiten einer jeden Jahrszeit, bald von seltnen Erscheinungen in dem Reiche der Natur, und von ihren Ursachen, bald von dem Wunderbaren in der Schöpfung, von dem unaussprechlich künstlichen Bau des Menschen oder eines andern Geschöpfes, bald von der erstaunlichen und vielleicht für jeden endlichen Geist unermeslichen Grösse des Weltgebäudes, bald von der Einrichtung in den Gewachsen und in den Thieren, bald von den Naturtrieben der Thiere, von ihrem Fleise und ihrer Geschicklichkeit, bald von den Seltenheiten in der Natur, bald von den Spielen derselben , bald von per Naturgeschichte dieses oder jenes Landes reden. Wir können die Frage untersuchen, ob es dem Menschen erlaubt sey, ein jedes Thier nach seinem Gefallen zu martern und zu tödten, ob das Vergnügen an der Beängstigung und den Schmerzen der Thiere vernünftig sey und dergleichen mehr. Dies sind vornehmlich die Dinge, wovon ich wünschte, daß man in unfern Gesellschaften redete. Ich will es der eignen Beurtheilung eines jeden meiner Landsleute überlassen, ob sie nicht tausend Vortheile und Vergnügungen mehr aus ihren Zusammenkünften schöpfen könnten, wenn die Unterredungen in denselben nach den angegebenen Vorschlägen eingerichtet wären. Sie passen, wie mich deucht, auf alle Gesellschaften, und deswegen will ich nur bey diesen wenigen, stchen bleiben. Ich kenne noch einige sehr liebenswürdige und entzückende Gegenstände zu gesellschaftlichen Unterredungen ^ die ich aber hier mit Fleiß übergeh, weil sie sich mehr in X x i die Z58 Meflsthe wöchentlich- Mmeittttützige Anzeigen die kleine Gesellschaft wahrer und zärtlicher Freunde als in grosse vermischte scheinen. Vielleicht widme ich diesen schönsten Gegenständen künftig noch ein eignes Blatt. Uebrigens werden vernünf- und belebte Leute noch von tausend andern Dingen, die Art Zureden wissen^" €b6n ande*e und nützliche Ehe ich schliesse, muß ich noch etwas von den Scherzen sagen. °vcb uCs unt)On- ^utfernt, alle Scherze ohne Unterschied für Sünden zu Hal- ten, und bey einem unschuldig witzigen Einfälle die finstre Mne eines Stoi- ms anzunehmen. Nein, so streng ist meine Moral nicht. Ich mag die Scherze wohl leiden, ich sehe muntere Einfalle als das Salz der gefeil« Jfn n(t' roe“ *=>«- liegenden Wi?mcht'eim .»ÄKÄ3K* ^Scherze hier f-h-t wird. Um nicht allzu Mft.g’S' will-ich zeden Liebhaber der Scherze aus die schönen Gedanken° 5e«/ welche der Herr Professor Weier in Halle aeickr^-» Schersen, und diese kurze Betrachtung darüber nm noch m m.a-n b^^' hörigen Anmerkungen aus den Werken des voitieMn-„rEi?2 F* schliessen. Er sagt: „Wem die Gabe sich,t, fluFettrte^ beständige Werse zu scherzen, der muß gar nicht scherzen wie em Trunkner ans einem schlüpfrigen Otfe/XJ ausgleiten und einen schweren Fall thun. Anrüalicbe esiriwnr^s1 ?t0^e pfindlicher als offenbare Schmähung-» ?»«,,,em« beissend; anzügliche Scherze sind Pfeilen mit Ä-lcherM,» «st stets ohne grosse Schmerzen aus dem Fleische können herdtisS.J®' 61e ni*t Wen ein solcher Einfall trifft, ist desto verdrüslicher, weil m?m Ts6'?’ belustiget werden; und diese Belustigung zeigt, daß sie dasjenige Ärct> was ihn, spottend vorgeworfen wird. Spottende Scherze sind, wie TKe^ phrast sagt, verkleidete Vorwürfe eines Fehlers oder Lasters; wer darüber lacht, scheint sie zu bekräftigen. Solche spottende Scherze zu sagen, die selbst den belustigen,,auf welchen sie zielen, ist sehr schwer. Es gehöret viel Geschicklichkeit dazu, dem Spotte das Unangenehme zu benehmen. Dock» jsts nicht ganz unmöglich. Ein scherzhafter Vorwurf eines Fehlers iftaiX denn ein angenehmes Lob, wenn das Gegentheil davon offenbar ist. 2Rer einem Manne von grofem Vermögen drohet, ihm die Schuldner übeis,» Hals zu schicken, oder wer über einen Waffertrinker wegen seiner Trunkenheit scherzt, dem lächelt man Beyfall zu. Cyriis scherzte mit feinen Freunden so, wenn er sie in denen Dingen zu einem Wettkampfe aufforderte, darinnen er seine Schwäche und ihre Ueberlegenheil kannte. Man $ je ? kann z 60 Gressische wöchentlich ♦ gemeinnützige Anzeige« rann angenehm scherzen, wenn man über jemanden klagt, aber eben damit seine Dankbarkeit gegen ihn bezeuget. Dahin gehört der Scherz des Dro- aenes, welchen der Unterricht und das Beyspiel prächtiger Kkider geleM hatte. Lnristhmes/ sagte er, hat mich in einen schlechten Rock gekler- det und durch seine Vorstellungen mich genöthigt, arm zu^werden. Dahin gehört auch der Scherz jenes Reichen, der durch die Geschenke emeS Königs aus seiner Armuth gerissen wurde. Der König, sagte er, har nur Ruhe und Schlaf genommen. „ „ Wer vorsichtig scherzen will, muß die Neigungen andrer , worüber er scherzt, wohl unterscheiden. Ueber den Geiz, zum Exempel, macht ein Scherz verdrüslich, aber über die Liebe zur Musik Hörti man ibn gern, «eher Leibesfehler muß man behutsam scherzen. Kleine Unvollkommen* Men vertragen einen sinnreichen Einfall; aber über größre Gebrechen macht der Scherz Erbitterung. Amigonus/ König in Macedonlen, hatte nur ein Auge; worüber er selbst zuweilen scherzte. Einer seiner Unter* tbanen, Theokrit/ hatte eine Sache bey dem Könige zu suchen. Seme Kreunde versicherten ihn, daß seine Sache gut gehen würde, wenn er nur vor die Augen des Königs käme. O, sagte Theokrit spottend, nun rst alles verbreit. Dieser Scherz kostete ihm das Leben. Wer scherten will, muß den Stand und di- ©Innungen andrer kennen , er muß K Junter §reunoen ^»en und bey fremden Verdruß erregt. Zu* wJikn'fann em