wöchentlich- gelneilMge WWW Wb Kachrichten. Ein und zwanzigstes Stück. Dienstags den r7ten May 1*766. Mit Hochfürstl. Hessen - DarmstädNscher gnädigsten Erlaubnis. Erirgesthrckte Sachen. Klage daß auf verschiednen hohen Schulen allzuviele Ferien seyen, ja eine Sache welche die meisten Leute andern ohne Überlegung kSSö nachbaten. Ich will mich nicht darauf einlassen, daß NM verschiedene Universitäten desfals würcklich zur Ungebühr beschuldiget; sondern ich will bloß zeigen, wie die Ferien, wenyzdergleichen in der That vorhanden lind, nützlich angewendet werden können. Daß es jungen Studirenden sehr nachtheilig sey, wenn sich die Lehrer wegen andrer Amtsgeschaste gcnöthiget sehen, öfters mitten in dem Lauf ihrer Vorlesungen auszusetzen, bedarf keines Beweises. Wie aber diesem Uebel abmhelfen sey, davon ist unsre dermalige Absicht nicht zu reden. Was aber die ordentliche und gesetzte Ferien betrrft, als z. E.auf Astern, Weynachten, oder die Verbstmeffe, so behaupte ich, daß sie, wenn sie nicht außerordentlich lang sind, auf einer hohen Schule ganjun. entbehrlich sind: Wobey ich nur im Vvrbeygehen erinnere, daß sich «er. schiedne Universitäten berühmen, als seyen auf ihnen keine wckheS ic6od> wenn man die Sache genau, genug betrachtet, falsch ist. Denn wenn «stich solche nicht durch öffentliches Ansehen eingefuhret s-yn mögen , st pflegen doch dst Lehrer fast durchgehends auf di« nahmhast gemachte ■ r 1 2, y vBvll i6t Giesische wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen Zeiten die Vorlesungen einige Wochen auszusetzen: und ist dieses in der Hauptsache nicht einerley? Ferien dieser Gattung sind unumgänglich nöthig wegen den Lehrern. Wer will Jahraus Jahrein in einem fortlesen? Man muß nothwendig durch die Menge der Arbeit stumpf werden. Sind denn Lehrer auf hohen Schulen Sklaven, die nicht einige Augenblicke des Jahres zur Erhohlung von ihren schweren Verufsgeschästen, zur Besorgung ihrer Gesundheit oder HausAngelegenhetten, die sich insgesammt auf dergleichen Zeiten Haufen, weil ihnen sonst nicht gehörig abgewartet werden kann, übrig haben dürfen r 3ch. könte noch mehrere Gründe dieser Gattung anführen, wovon ich aber schweige, weil sie bey vielen Leuten, welche nicht ungerne sehen, wenn sich die Lehrer um eine Kleinigkeit, als worinnen gemeiniglich ihre Belohnung besteht, zu todte arbeiteten, wenig Eindruck machen werden. Denn wenn man Verbesserungen vornimmt, so fängt man meistens damit an, daß man den Leuten mehrere Arbeit aufladet, ohne dabey zu bedencken, bap rcr 2trbß,t proportionirt seyn müste, und in andern Ständen unzehliche Personen weit über das Verdienst ihrer Arbeit bezahlt werden. .„3$ behaupte demnach hier bloß, daß Ferien dieser Gattung auch ftlbst wegen der Studlrenden Jugend auf hohen Schulen nothwendig sind. Erstlich ist es bekannt, daß die Ankömmlinge, woran es doch keiner Univer- n0$ au^ H^bst ru fehlen pflegt, nicht alle auf einen Wlrdnunlmmerin einem Stuckfortgelesen, so kommt der gröste Therl erst alsdenn m di^Vorlesungen, wenn vielleicht schon vierzehn ^age verflossen sind. Und da ungemein viel darauf ankommt daß man bey dem Anftng einer Wissenschaft zugegen ist, so ist aus dieser Ur- "l)thwendig. Einige Wochen zwischen dem Schluß alter und dem Anfar^ neuer Vorlesungen werden dazu dienen, daß sich un^ n.a$ sawmlen, und also der Lehrer weder genö- thigt ist, dasjenige, was er in dem Anfang seiner Lehrstunden voraetraaen hat, zum Aufenthalt derer, die schon ugegen geweftn,^ zu gerungen sind, den Anfang derWissmsSm^ ... Hernach haben junge Studirende eben so wie die Lehrer einiaer Seit nöthlg, sich von ihren strengen Arbeiten, die man sirenq nennen kan^ nach befinden der Umstände wiederholen, oder sich gehörig schicken will, em wenig auszuruhen. So wenig als man in einem und Nachrichten. rs/ fort ohne Schaden der Gesundheit lehren kann/ eben so wenig kann man auch beständig fort ohne die geringste Abwechselung stuviren. Endlich haben junge Leute auf hohen Schulen noch viele andre Geschäfte/ welche sich nicht gerad unmittelbar auf die Besuchung der Vorlesungen beziehen/ woran jedoch die wenigsten denken. Denn der gröste Theil besucht nur die sogenante Brodtcollegien, ohne zu überlegen f daß um diese gehörig zu benutzen / ungemein viele andre Dinge vorausgesetzt werden. Aber auch diejenige/ welche weiter sehen/ haben doch meisten- das Vorurtheil/ daß cs genug sey/ wenn sie denen Vorlesungen in der rechten Ordnung abwarten und sie wiederholen. Sie bedencken nicht / daß man zum Schluß des halben JahrS/ oder einer Wissenschaft/ dieselbige noch einmal im Gantzen wiederholen muß/ wenn man nicht vieles wieder vergessen / sondern die Sache im Zusammenhang übersehen will. Da hierauf wenig Fleiß gewendet wird/ so giebt es wohl noch Leute/ die von einzelnen Materien eine ziemliche Kenntniß haben: aber wenige / welche im Gantzen etwas rechtes verstehen. Wenn bey dem Schluß einer Vorlesung eine andre sogleich wieder angefangen wird wo will man alsdenn die Zeit hernehmen t dieser wichtigen Pflicht ein Genüge zu leisten. Hierzu könten also die Ferien mit vielem Vortheil angewendet werden. Außerdem müssen die mancherley Sprachen/ welche ein Gelehrter wissen muß/ beständig fortgesetzt werden. Es ist wegen Mangel der Z it nicht möglich/ immerfort Stunden zu halte»/ und wenn man etliche wichtige Collegien zu gleicher Zeit hört; so wird man auch wohl nicht so viel Zeit übrig haben / solches für sich zu Hause zu verrichten. Auch hierzu kann man die Ferien nützlich gebrauchen. Wenn ein Gelehrter eine gewisse Belesenheit und Kenntniß der besten Bücher/ die sich auf seine Hauptsache beziehen / nöthighat/ und wer wird hieran zweiflen? so kann er sich zu dieser Arbeit ebenfals der Ferien bedienen / weil ihm seine ordentliche Geschäfte solches nicht zu einer andern Zeit erlauben möchten. Die Unwissenheit ist bey vielen/ wenn sie nach Hause kommen/ in diesem Stück so groß daß man es kaum beschreiben kann. Bücher die die gantze Welt/ und sogar Unstudirte und Frauenzimmer gelesen haben / sind ihnen oft nicht einmal dem Nahmen nach bekannt. Man bespricht sich mit ihnen von ihrer Hauptfacultät: was wissen sie weiter zu nennen / als ihr Lehrbuch / darüber sie gehört haben? Es giebt viele Bücher die man nothwendig gelesen haben muß / wenn man nicht in allen Gesellschaften als ein ttockner und eingeschränckter Kopf angesehen X r scyn Wir haben seit einiger Zeit verschiedene Briefe erhalten, die wir anißt be- kcmnt machen und beantworten wollen. Meine Herrn! Sie wissen vielleicht schon, daß' diejenige Art von Hauben die man Dsrineutzr nennt, unter unferm Geschlecht gegenwärtig die neueste und beliebteste Mode ist. Aber denken Sie nur einmal, ich darf diese schöne Mode nicht mitmacken. Meine Mama, die sonst eine gute Frau ist, und mich recht lieb hat, will es nicht leiden. Sie sagt immer, es wäre die x 64 Giesrsche wöchentlich- gemelrittötzrge Anzeigen seyn will: und hiehcr gehören insonderheit die berühmtesten Wercke des guten Geschmacks der bekanntesten Nationen, wozu man aufniedern Schulen nicht immer Zeit, Geschick und Gelegenheit genug hat. Es giebt weiter eine ziemliche Anzahl Bücher, die zu unsrer Facultätund denen damit verbundnen Wissenschaften gehören, und die man wenigstens gesehen oder durchblättert haben muß, wenn man auch die Zeit gehabt, sie zu durchlesen. Und wo ist eine bessere Gelegenheit zur Bücherkentniß als auf hohen Schulen? Unter den Ferien kann man also die Vibliothccken und Buchladen besehen, sich den Titel und Jnnhalt der vornehmsten Wercke, die man wohl hernach sobald nicht wieder zu Gesicht bekommt, aufzeichnen, und manches gute Buch selbst lesen, auch wohl, wenn man Gelegenheit dazu hat, mit gelehrten Leuten, denen in den übrigen Zeiten ihre Geschäfte eben nicht allemal erlauben, den jungen Herrn nach Belieben aufzuwarten, Umgang Pflegen. Wer dieses alles beobachten will, wie er sollte, der wird nicht mehr über die Ferien, sondern eher darüber klagen, daß ihm zu diesen nützlichen Beschäftigungen nicht Zeit genug wegen den Vorlesungen übrig bleibt. . t Ferien sind bey Studirenden eine Art müßiger Stunden, welche vernünftige Leute zu allerley nützlichen Arbeiten, außer ihren ordentlichen BerufsGeschäften, so viel es ihre Gesundheit zuläßc anzuwenben pflegen. Eme gemäßigte Arbeit und die gehörige Abwechselung bringen uns oft weiter, als ein beständiges Studiren, das unmöglich mit einem offnen Kopf und heitrem Gemüth lange ununterbrochen fortgesetzt werden kann. Nur Leute welche keine deutliche Begriffe von den Arbeiten eines Skudi- renden haben , verwechseln Ferien oder müßige Stunden und Müsiiaaeben mit einander. ' K 7 Nttö Nachrichten. r§5 die garstigste Tracht, die sie je gesehen hatte, sie kamen ihr vor, wie die Scheu - Leder an den Kutschenpferden, und es wäre Jammer und Schade , wenn ein schönes Gesicht durch diesen Vorhang verhüllt werden sollte. Sie wunderte sich nur, daß es schöne Frauenzimmer gäbe, die sie trügen und sie glaubte gewis, daß dieß ein sehr starker Beweis von der Wenigkeit ihres Verstandes und von ihrem schlechten Geschmack wäre. Und wenn man noch überdieß auf die Ursache sähe, warum sie seyen erfunden worden- so müßte man vollends über die Begierde unsrer Frauenzimmer, alle Moden ohne Unterschied nachzuahmen, erstaunen. Sie sey zur Bedeckung der Häßlichkeit erfunden und zur Befriedigung der unwiderstehlichen Liebe zur Nachäffung nachgeahmt worden. Ja, um mir diese Mode ganz verhaßt zu ma- chen, beruft sie sich aufdas Urtheil andrer verständiger Leute. Sie glaubt, bemerkt zu haben, daß sie von niemand für schön gehalten würde, als nm: von denen, die sie trügen. Dem ohngeachtet aber wissen Sie selbst meine Herrn, wie es eine kützliche Sache um die Mode ist. Wenn man sie nicht mitmacht, so wird man ausgelacht. Ich komme in keine Gesellschaft, wo man mich nicht fragt, warum ich keine Dormeusen trüge. Denn jedermann weis, daß ich immer gerne alle Moden mitmache. Nur bey dieser soll ich die einzige seyn, die verlacht wird. Ach meine Herrn, Sie können gar nicht glauben, wie verdrüßlich mich dieses manchmal macht. Ich denke oft ganze Tage, ohne das geringste zu thun, an nichts anders, als wie ich mich aus dieser Verlegenheit reisen möge. Und zu meinem Glück, wie ich hoffe, bin ich gestern aus den Einfall gerathen, Ihnen meine Noch zu klagen und Sie zu bitten, daß Sie doch in ihren Blättern eine Lobrede auf die Dormeusen halten möchten. Ich weiß, daß Sie Geschicklichkeit genug dazu besitzen und daß Sie es gerne thun werden, um meine Mama zu bewegen, daß sie mir erlaubt, Dormeusen zu tragen. Sie würden mir gewis alles zu Gefallen thun, wenn Sie mich von Person kennen sollten. Vielleicht entdecke ich mich Ihnen einmal, wenn ich die Ehre haben werde, mit einem von Ihnen in Gesellschaft zu seyn. Seyn sie nur erst so gütig und erfüllen meine Bitte, alsdann sollen Sie auch sehen, daß erkenntlich seyn wird, Ihre ergebene Lonmin. X i An 146 Mesifche wScheuelich -- geineittnStzige Anzeigen An die Jungfer Corinna zur Antwort. Wir würden Ihnen gerne zehn Lobreden auf die Dormeusen halten, wenn wir Ihnen anitztmehrzu gefallen, als Ihr wahrer Freund zu seyn suchten. Wir wollen aber gegenwärtig lieber unsre Pflicht dem Vergnügen vorzichen und Ihnen ohne allen Umschweif, wie es unter guten Freunden üblich ist, sagen, daß Sie viel vernünftiger handelten, wenn Sie Ihrer Frau Mama folgten und keine Dormeusen trügen. Bedenken Sie es selbst, wie unedel und pöbelhaft es gedacht ist, wenn man dem Willen der Eltern wiederstrebt um der Mode und dem Eigensinn der Welt nachleben zu können. Sie sind Ihrer Frau Mama noch weit mehr schuldig, als die kleine Pflicht, die Dormeusen zu vergessen, weil sie sie nicht leiden kann. Diese freundschaftliche Erinnerung geben Ihnen Ihre -- ? aufrichtige Diener. Meine Herrn i Die Verfasser. Wußten Sie mir wohl nicht eine Gesellschaft von Leuten, die den ganzen Tag weiter nichts thun als essen, trinken und schlafen. Sie erkundigen sich doch eher nach dergleichen Leute, als ich. Ich bin manchmal so faul, daß ich gar nicht weis, was ich anfangen soll. Wenn ich nur einige Leute hatte, die immer so bey mir waren und auch weiter nichts thaten, als ich. Ach wie müd bin ich schon des Schreibens. Ich Heise Joachim pflegmus. Antwort. Lieber Herr Joachim Pflegmus. Haben Sie nur noch eine ganz kurze Zeit Geduld. Wir sind schon lange willens gewesen, ein Verzeichnis von den hiesigen Müssiggängern in unsre Blatter einzurücken. Diesen Vorsatz wollen wir Ihnen zu ge- fallen, recht bald ausführen. Die Anzahl derselben ist so qros, daß Sie ohne Schwierigkeit eine auserlesene Gesellschaft von Müßiggan- gern NN- Nachn'chten. t?6 g