Meflsche wöchentlich - WMNüMe KlWigcn und Nachrichten. Drey und dreißigstes Stück. Dienstags den i-ren August 1766. Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtrscher gnädigsten Erlaubnis Einige Betrachtungen auf den Gottesacker. Viue memor mortis» memor vt fis viue falutis. j4ufon. in Chiton, /entert. habe eine ganz besondere Gewohnheit an mir, die vielleicht den gaK meisten unter meinen Lesern lächerlich und übertrieben Vorkommen YSD wird, wodurch ich aber in einer halben Stunde weit mehr lerne, als aus manchem dicken Folianten oder aus einigen dutzend Predigten. cm besuche nämlich manchmal aufmeinen Spatziergängen den Gottesacker, aus keiner andern Ursache, als mit dem Tode bekannter zu werden, mich oft an die wichtige Veränderung, die vielleicht in einigen Tagen, vielleicht in einigen Jahren mit mir vorgehen wird, zu erinnern und dir Schrecken des Grabes, das auf meinen Tod wartet, gleid) einem Helden, der keine Gefahr scheuet, besiegen zu lernen. Hier auf dieser heiligen Stätte, wo so viele Freunde Gottes einer freudenvollen Auferstehung entgegen schlummern, hier wandre ick oft im Stillen und ungesehen herum, stelle mir denTod unter tausend schrecklichen Bildern vor, wafne mich wider alle seine Schrecken durch die Erneuerung des Vorsatzes, auf den seeligen Pfaden der Tugend fortzugehen, vergesse die Erde unter mir und schwinge mich in Ge-: danken hinauf zu den Gegenden, wo kein Tod und keine Verwesung mehr K l sepn m Greststhe wöchentlich-gemeinnützige Anzeigen feyn wird. Und nie verlasse ich diese Statte wieder ohne die allerstärksten Rührungen. Vor einigen Tagen besuchte ich diesen Ort wieder um den Todes Tag desjenigen zu feiten, der unter allen Sterblichen zuerst meine Hochachtung und meine Liebe verdiente. Ich setzte mich auf fein Grab hin, wo seine Gebeine, die ehedem so fieisig für meine Wohlfahrt arbeiteten, anitztvon aller Arbeit ruhen, und wo sein Staub sich mit dem Staube seiner Väter vereinigt. Wie heilig war mir dieser Gedanke! Eine fromme kindliche Thrane fioß von meinen Wangen auf fein Grab herab, als ich daran dachte, daß ich ihn so früh verlohren hatte, daß ich ihn eher verlohren hatte, als ich im Stande war, ihm für die vielen Sorgen und Bekümmernissen, die ich ihm verursacht hatte, meine inbrünstige Liebe und meine vollkommenste Dankbarkeit zu erkennen zu geben. Wie sehr wollte ich ihm das beschwerliche Alter zu erleichtern, wie viel Gutes wollte ich ihm zu erweisen mich bestrebt haben, wenn es der Vorsicht meines Gottes ge allen hätte, ihn mir nicht so frühzeitig zu entziehen sondern ihn die Jahre eines Greisen erleben zu lassen ’ Wie viel leichter würde es mir gewesen seyn, unter seiner Anführung und durch fein lehrreiches Bey'piel aufgemuytert, der Tugend treu zu bleiben und rechtschaffen vor GOtt und Menschen zu wandeln! Bey Dichn Gedanken befiel mich anfänglich eine sehr tiefe Schwermuth, ans der ich' aber bald durch den weit mächtigem Gedanken errettet wurde: der Wille Gorees ifi allezeit auf mein Wohl gerichtet und seine uner- forschliche Regierung bleibt unter allen Umständen unradel- haft. Er har mrr bishreher geholfen und wird mir wissen meine Gewohnheit, Sie wissen, daß ich sehr gerne auf dem Staube verstorbener Menschen herum irre, um von Tag zu Tage gleichgültiger gegen meine eigne Verwesung zu werden. Er sagte darauf verlchiedenes zu meinem Lobe, das ich aus Bescheidenheit nicht nachsagen darf, und bat es sich von mir als einen Beweis von meiner Freundschaft aus, daß ich diesen Ort nie wieder besuchen möchte, ohne ihn mit zu nehmen. Er sähe es nur allzu wohl ein, daß der Gottesacker der lehrreichste Ort für einen Sterblichen sey, und daß man nie und an keinem andern Orte mit mehrerem Ernst an seine künftige Bestimmung denken könnte, als an demselben. Und es wäre nichts mehr zu verwundern, als daß so viele tausend Menschen oft mit dem größten Leichtsinn und ohne Gedanken über die Asche ihrer verstorbenen Freunde hingehen könnten. Nach dieser kurzen Unterredung führte ich meinen Freund an einen Leichenstein, worauf eine Grabschrist steht, die mir immer sehr wohl gefallen hat. Wollte Gott, antwortete er, daß alle Grabschriften so lehrreich und dem Charakter des Verstorbenen so angemessen wären, als diese ist. Der unter diesem Steine ruhet, verdient das ihm beygelegte Lob in seinem ganzen Umfange. Jeder der es ließt, müsse noch seine Asche ehren und sich würdig machen, dereinst ein gleiches Lob zu verdienen. Aber hier, (er nahm mich bey der Hand und führte mich zu einem andern Monument) - hier ist eine Grabschrift, die die unverschämteste Lüge enthält. Sie haben ibn von Person gekannt, der in diesem Grabe liegt. Nun urtheilen Sie. Wir lasen die Grabschrift und nachdem wir sie gelesen hatten, sagte er: Es ist doch wirklich für sehr viele Todten gut, daß es noch nicht Mode geworden ist, auf den Grabsteinen das Alter des Leibes von dem Alter der Seele zu unterscheiden und das Alter der Seele nach dem wahren und mo- K k r ralischen L?o Gr'esische wöchentlich- gemernnützige Anzeigen wüschen Leben eines Menschen zu berechnen, Pa der Mensch nämlich die Ausübung der Tugend und den Gehorsam gegen die Gesetze zum vornehmsten Endzwecke seines Lebens macht, und nichts unternimmt, als waS wirklich gut ist und seine Glückseligkeit befördert. Wenn diese Berechnung Mode werden sollte; so würde man wenig, oder gar keine Greise hier begraben liegen sehen. Wie gros würde manchmal der Abzug seyn, den dieser oder jener alte Mann an seinen Jahren leiden müßte. Statt sechzgoder stebenzig Jahren würde man oft nur einige Tage oder wenn es hoch käme, einige Wochen oder Monathe setzen müssen. Auf diesen Leichenstein, zum Exempel, würde ich setzen: Hier ruhet im Schoose der Erde ein dicker Körper, der 70. Jahre zum Schrecken seines Nächsten auf der Welt herum gieng. Er starb schon im achten Tage seines Lebens, wurde aber nicht eher begraben, bis er viele Menschen unglücklich gemacht und sich selbst ein schreckliches Gericht durch seine Thaten zugezogen hatte. Auf diese Weife, fuhr er fort, würde man doch dem Geist der Lügen Einhalt thun, der besonders an diesem Orte, wo alle ängstliche Verdrehungen der Wahrheit vergeblich sind, und alle irrdische Glückseligkeit im Staube liegt, nicht mehr sollte gehört werden. Man betrügt die Menschen doch, wo man kann. Vielleicht würde man auch den Richter der Welt betrügen, wenn man könnte. Noch schöner und lehrreicher aber wäre es, wenn es Mode würde, daß man zugleich die Thorheiten und Laster der Verstorbenen auf den Leichensteinen erzählte. Ich glaube gewis, daß düs ein sehr geschicktes Mittel wäre, manchen von den W^gen des Verderbens zurück zu rufen, zu dessen Rückkehr man schon alle Hosnung aufgcgeb n hat. Die Nichtigkeit aller irrdifchen Wünsche und Anschläge fällt 11116 hier am allerdeutlichsten in die Augen, und wenn solche Grabschriften keine heiligen Entschliesungen in dem Kerzen eines Lasterhaften wirken; so zweifle ich sehr, ob er jemals einer Besserung fähig ist. Ich möchte wissen, ob mein Nachbar, der unverschämteste Geizhals, diese Art von Confrontation ausstehen und sich nicht entfärben würde, wenn man ihm auf diesem Leichenjlem folgende Grabschrift unter die Augen stellte: Hier liegt der geizige Philax, der, um Schätze zu sammlen, so vielen Menschen Unrecht that, keinen Armen tröstete, keinen Nackten kleidete, keinen Hungrigen lpeisete. Wie will'g würde er anitzk alle feine Reichthümer hingeben, wen» er sich noch einmal das Leben dafür erkaufen könnte, um es vernünftiger und den Befehlen Gottes gemässer anzuwenden- Aber nun liegt er hier im Staube und i - akk Kird L^lachrrchtett. 2 7 r alle seine zmückgelaffene Schatze können ihn nicht von dem ewigen Verderben erretten. Hören Sie, sagte ich im Scherze, es ist Schade, daß man noch nicht auf den Einfall gerathen ist, geschickte GrabschriftenDichter zu besolden. Wenn es bey uns üblich wäre; so wollte ich sie in Vorschlag bringen, und ich wollte gut dafür seyn, daß ich Ehre mit ihnen einlegen würde. Wenigstens würden Sie an diesem Ort, der an und für sich selbst schon sehr viel zur Bewegung des Herzens beyträgt, weit beredter , die Tugend predigen, als unzählige Prediger, die ihre Zuhörer nicht einmal auf den Gräbern rühren können. Dieses Amt wollte ich wohl annehmen, antwortete er, wenn man mir eine gute Besoldung gäbe und wenn man sich gefallen lassen wollte, einen neuen Gottesacker, so wie ich ihn wünschte, anzulegen. Dieser müßte mehr einem entzückenden Lustgarten als einer furchtbaren Wüste gleichen, über welche niemand ohne Schauer hingeht. Ich wundre mich in der That recht sehr, daß der Lebendigen Zärtlichkeit für ihre verstorbenen Geliebten, noch nicht auf diesen Gedanken verfallen ist, und die Ruhestätte derselben bisher so wüste hat liegen lassen. Wenn ich Geld genug hatte und ohne Leibeserben stürbe; so wollte ich den Anfang dazu mit einer besondern Stiftung machen. Ich wollte verordnen, daß unsre Wüsteney in ein Freudengefilde verwandelt würde, wo man statt des beynahe undurchdringlichen Unkrauts die schönsten Pyramiden und die herrlichsten und wohlriechendsten Blumen-Beete anträfe. Und kurz, ich würde ihn zu dem anmuthsvollsten Orte und zu dem prächtigsienSpatziergang um unsre Stadt herum machen lassen. Glauben Sie nicht auch, fragte er mich, daß sich alsdann viele zärtliche und vernünftige Seelen mit Vergnügen diesem Lustgarten einfinden und ihn recht oft auf ihren Spatziergängen besuchen würden ? Gewis, es wäre sehr zu wünschen, gab ich ,hm zur Antwort , daß dieser schöne Gedanke dereinst von irgend jemand ausgefübrt würde. Wie nützlich und lchreich könnte der Spatz-ergang an einen solchen reizenden Ort werden, besonders für diejenige, die mit so vielen unnützen Projekten lchwanger gehen. Hier könnten sie sich am bequemsten an die heilige Pflicht erinnern, Projecte für die Ewigkeit auszuführen und zu lernen, daß nichts von einem wahren Werth auf dieser Welt fey, was nicht zugleich eine Beziehung auf die künftige hätte. Und ich wette, daß sich viele junge Schönen hier einfinden würden, um sich an die Hinfälligkeit ihrer Schönheit, gn die Thorheit ihrer Eitelkeiten und an den verminst,gem 2?r Gr'esische wöchentlich -- gemeittttßtzige Anzeigen Bebrauch ihrer Zeit, (lauter Dinge, woran sie sonst sehr selten denken) za erinnern und sich mehr um die Schönheit ihrer Seele zu bekümmern. Hier mußten wir bey unsrer Unterredung stehen bleiben, weil uns die Nacht unvermerkt übereilte. Vielleicht unterhalte ich meine Leser auf ein ander mal mit ähnlichen Betrachtungen, die ich an diesem Orte, besonders über die daselbst befindliche Grabschriften anstellen werde. Eine sehr merkwürdige Nachricht aus unfern Gegenden. Caspar Zörbe zu Hörnßheim ist gebohren zu Hochelheim im Jahr 1675. der Tag seiner Geburt ist nicht bemercket, sondern in dem Kirchen- Protocoll nur angezeigt, daß er den 21 (en Sonntag nach Trinit. getauft Wörden sey. Dessen Ehefrau Anna Catharina, Andreas Köchers Tochter, ist gebohren zuHörnß- heim 1676. den -ten Aprl. Ihr Vatter starb daselbst als KirchenAelte- ster den yten May 1740. im Arten Jahr seines Alters. Veyde bemeldte Eheleute wurden zu Hörnßheim ehelich eingesegnet den i8ten Jumi 1696. und tratten also bey noch guten Kräften den i8ten Jun. dieles Jahrs das 7ite Jahr ihres Ehestandes an. Sie haben als Früchte desselben erlebet: 9. Kinder, 46. Enkel und 49. Urenkel: mithin bis dato eine Nachkommenschaft von 104. Personen. Anzeige emes bey der Hornviehseuche mit Nutzen gebrauchten Mittels. Nachdem die Seuche am i^ten Dec. a. p. in der Herrschaft Klitschdorf in Schlesien ausgebrochen war, so wurden zwar die von dem Crerß- Physico verordneten Mittel, welche in gewissen Kräuterpulvern bestunden, die in einem Quart des so genannten Pest-oder Rauten-Essigs täglich dreymal eingegeben werden mußten, praefervative und curative, jedoch ohne Wirkung gebrauchet. Man hat auch einem kranken Ochsen täglich dreymal ein Loth China, und 2 Loth Salpeter, aber ebenfalls vergeblich eingegeben. Nach der Zeit ist dem gesunden Vieh ungelöschter Kalk und Asche, vom ersten ein Drittel, und vom letztem zwey Drittel untergestreu- tt, und solches im Stalle wärend der Zeit, da man dem Viehe brennenden Schwefel unter die Nase gehalten, stark umgerühret worden; von welcher Zelt an kein Stück Vieh wiederManket ist. Es sind dabey die Ställe mit und Nachrichten. *71 mit. Wachholderbeeren und Wagenschmiere fleißig ausgerauchert worden^ Dem gesunden Äieh sind kleingestossene Wachholdernadeln, mit Steinsalz vermischt unter das Futter vermengt, zu Fressen gegeben worden. Sobald ein Stück erkranket, hat man es. sogleich von dem gesunden weg,und- in einen abgelegenen Stall gebracht. Bekanntmachung. Nachdem Jhro Hochfürstlliche Hessische Regierung allhier mir befohlen haben, den ftatum paffivorum meines Cureindeu des Heern Hauptmann Earl ^vic? brid) von Mllchlmgs zu Treysa an der tumbba, binnen einer gewissen Frist einzuliefern , als haben sämtliche gedachten meines Curanden Eredilores in dem auf den i^ten August bestimmten Termin ihre biqiubation in meinen bcy dem Wein- wirth Siegler habenden Logis zu bewircken. Marburg den 21. Julu 1766. Lt. Joh. Georg Francke, Curator des Herrn Hauprm Carl Friedrich v.Milchlings zu Treysa an der Lumbda. AvertifTment. Nachdeme die ChmCöllnische LotteneAdministration uns derselben anädigst vorgesetzten Commiffarien angezeiget: was maßen selbe untern) isten Februarii laufenden Jahres fünfzig ganze Billeter durch alle Classen von Nro. 3401. bis 3450. von der zten Lotterie an Herrn Moutier nach Lauzanne in die Schweitz abgesendet, und seither durch vielfältig schriftliches Nachfragen, von fothanen Ellletern nichts mehr gehöret habe, noch etwas davon in Erfahr bringen können. Als haben wir die Sache reiflich untersuchet, mithin kein Bedenken getragen nach Maaögab des Plans, ' und der Collectoren Instruction obbesagte fo. unveraufferte Bllleter für null und nichtig zu erklären, wie wir dann hiemit selbe erklären, und an- nuUiren, damit ein jeder sich dafür zu warnen wissen möge. Signar.^onn Vvn 8- äugull 17 G. B. Kugelgen. J. G. Veefen. Maftiaux. Ein- und auspaßrrende vom 9AuZ. bis den if» Aug. 1766. Selzerrhorden ix Aug. ein Murcenibergischer Major, Herr v. Rauh, paßirt durch. eod. Gieflsihe wöchentliche gemeinnützige Anzeigen eod. em HessenCaffelischer Rittmeister von den Gensd'armeS, Herr von Rauh, pass, durch. eod. Herr Reg Assessor von Vulte, von Marburg, pass, durch. eod. ein Preussischer Fahndrich, Herr von Rabenau , vom Regiment Daunshin, logirt im Einhorn. eod. rin Holländischer Capitain, Herr Mombrecht, vom Regim. Walldeck . pass, durch. eod. Herr von Rotzmann, bedient nichts, paff, durch. Gelzerthor den 12 zween Baronen Herrn von Lefort aus Pohlen, to- giren im Einhorn- tTkeuwegerthor den iz. Herr Amtmann Klotz von Butzbach, pas- sirt durch. eod. ein HeffenDarmstadtischer HussarenLieutenant, Herr Schönewatd, paßirt durch. Gelzerthor den . z. Herr Landschreiber Spengler, von Darmstadt, lo- girt im Einhorn. - ♦ den 14. Herr Reg. Rath Rotberg und Herr Hofrath Vesser von Wetzlar, log. im Einhorn. wallthor den if. ein ChurPfalzischer Capitain, von der Garde au Sufi Herr Gauckete, pass, durch. Extra logirt. Frau geheimde Rathin Grolmannin aus Westphalen, nebst dero Familie, log. in der Grolmannischen Behausung. Frau Generalin von Lehrbach, logirt bey Herrn Brigadier und Commen- dant von Rotberg. Fürstl. Usingischer CammerDirecler, Herr Dielemann, log. bey Herrn Reg. Rath Klipstein. Gebohren und getaufte. Am 6. August, Johannetta Elisabeth« Catharina, Johann Anton Müllers, Bürgers allhier, Töchterlein. Am 8. Aug. Susanna Margaretha, Herrn Christian Gottfried Dietsd), Kayserlrchen Notarii Töchterlein. 1 verstorbene. Am August, Johan» Georg Wchlenftlß, Bürger und Wagenmei- ster allhrer.