wöchentlich- W( Dienstags den men März 1766. Mtt Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis» Von dem Nutzen der Räthsel. W Vt'U d(tgfi»n ficb d»4 größten Geister, Könige UNd Philosophen sehr oft mit Erfindung und Auflösung schönerund nütz- W ljcher Räthsel. Sie hielten dieses für eine sehr geschickte Materie ru Unterredungen in Gesellschafften und für einen angenehmen Zeitvertreib in müssigen Stunden. Heut szu Tage will man klüger seyn, man sieht die Räthsel für Kleinigkeiten an: und hält sie für einen unwürdigen Stoffzur Belustigung einer Gesellschaft. Man redet lieber vom Wetter, und gähnt dabey! man schwatzt lieber von dem neuen Putze, den mau den Tag vorher an einem Frauenzimmer gesehen hat; man erzählt uns lieber Familien Historien, die keinen Menschen in der Gesellschaft interessren als den, der sie erzählt; man belustigt sich mit unanständigen Zweydeutigkeiten, mit abgeschmackten Possen, mit elenden Wortspielen, und wenn dieses alles geschehen ist; so verfällt man endlich auf Lästerungen und Verläumdungen dieser oder jener Familien. Ich wünschte, daß man statt dieses unnützen und oft unerlaubten und pöbelhaften Geschwätzes die Räthsel beybehalten hätte. Sie sind in der That von keinem so geringen Nutzen, als man ge- meimglich glaubt, und wer sie verachtet, der muß entweder ihren Nutzen L nicht rr Gresische wöchentlich- Mmer'nnützlge Anzeigen nicht kennen oder er muß Lauben, twf man keine grose Wahrheiten, keine lehrreichen Einsülle, sondern lauter unnütze Dinge, pöbelhafte Ausdrücke und ungeziemende und ärgerliche Zweydeutigkeiten in Rüthsel einkleiden könne. Dies mögen wohl die vornehmsten Ursachen seyn,narum man sie aus den freundschaftlichen Versanr-nlungen verbannt hat, und sie nicht mehr als einen unschuldigeu Stoff zu einer angenehmen Unterhaltung demselben ansieht. ■ ; ’ Es ist wahr, wenn man in einer gesitteten und Tugendliebenden Gesellschafft solche Rüthsel vorbringen wollte, wie man sie in den Spinn- Stuben höret, worin weder Witz und Scharfsinnigkeit, noch grose und lehrreiche Wahrheiten verborgen sind, die die Tugend- die Ehrbarkeit und die guten Sitten beleidigen, und meistenlheils von allzu bekannten oder unnützen Dingen handeln; so würde man sich sehr schlecht empfelen, und die Auflösung solcher Rüthsel würde für einen vernünftigen Menschen die elendeste und niederträchtigste Beschäfftigung seyn. Allein der Jnnhalt der Rüthsel kann auch wichtigseyn. Er kann aus den Werken der Schöpfung, aus der Geschichte, aus den Künsten und Wiffenschafften und dergleichen hergenommen werden. Und wenn man hieraus die Materie zu den Räth- seln wühlt; so können sie zu einem mannigfaltigen Nutzen und zu einem reinen und unverwerflichen Vergnügen in Gesellschaften dienen. Ich will meine Leser heute mit dem Nutzen und oen Eigenschaften eines guten , Räehjels unterhalten, wie ich sie jüngsthin in einem neuern Schriftsteller gelesen habe. -) Ern gutes Rüthsel kann dienen, unfern Verstand, undbesonders unfern Witz ünd unsre Scharfsinnigkeit zu üben. Da in einem Rüthsel eine bekannte Sache beschrieben ( denn die Sache, die man uns in einem Rüthsel vor tragt, darf uns nicht unbekannt seyn) und mit fle.iß dunkel beschrieben wird, damit ein andrer die ErkkÜMS derselben sagen fon; muß der Witz die darin liegende Aehnlichkeiten entdecken, und die Merkmale Nicht allein unter sich selbst, sondern auch mit aridem Dingen verglej. chen. Die Scharfsinnigkeit aber ist nöthig, um das Verborgene zu entdecken, das Verwirrte zu entwickeln, dasjenige zu unterscheiden, was insgemein nicht unterschieden wird, und die Zweydeutigkeiten zu bemerken und zu 'bestimmen. Eine öftere Hebung in diesen Untersuchungen kann unfern Witz und unsre Scharfsinnigkeit ungemein verbessern. Mein Schriftsteller, dem ich hierin folge, merkt noch an, daß die Rüthsel in dieser Absicht auch bey dem Unterrichte der Jugend mit Nutzen zu gebrauchen seyen, und daß sie tr M * timb Nachn'chtett. r- sie bfmm könnten, die Stücke oder Schwache ihrer Fähigkeit ttttd ihren Trieb, etwas zu erforschen, zu prüfen. r ) Kann selbst die Materie der Rathsel nützlich und unfrei* Kenntnis würdig seyn. Man kann dadurch etwas bemerken kernen, das man sonst an einer Sache nicht wahrgenommen, oder doch gar nicht in Betrachtung gezogen hat. Sie können also ein Mittel werden, unsre Kenntnis zu erweitern, weil sie unsre Aufmerksamkeit auf das richten, was wir sonst derselben nicht wehrt geachtet, oder woran wir wohl nicht einmal würden gedacht haben. z) Können sie dienen, eine Hochachtung gegen Dinge zu erwecken die uns geringe scheinen; wenn sie uns nemlich auf Eigenschaften und Wirkungen derselben führen, die ihnen einen gewissen Werth geben und Bewunderung verdienen. 4) Können sie auch ein Mittel werden, gewissen Dingen ihre unverdiente Hochachtung zu nehmen; wenn man dadurch auf ihre unbemerkten Unvollkommenheiten geführt wird; oder wenn ihre eingebildete und scheinbare Vollkommenheiten unter einem Bilde vorgestellt werden, das sie klein und gmngschätzig macht. f) Lassen sie sich dazu anwenden daß die Gemüther Neigung und Liebe gegen die Tugend, und Verabscheuung gegen das Laster fassen und unterhalten können. 9)>on denen, die mich hassen.,, Diesen Gedanken kann man entweder so erklären; die Tugend ist jo schön und liebenswürdig, daß so gar diejenige, die sie hassen, den äuferen Schein derselben ännehmerr, und sich gellen/ als wären sie wörtlich rügende haft. Hieraus könnte man wieder viele schöne Gedanken ziehen z. E. diesen: man schämt sich, und halt es für eine Schande, nicht tugendhaft zu seyn, und dennoch giebt man sich so wenig Mühe tugendhaft zu wer- den, u. s. w. oder man kann ihn so erklären: die Tugend ig so reizend und liebenswürdig, daß sd gar die Verächter und Verfolger der* selben von ihrer Schönheit gerührt und durch ihre Macht be# zwungen werden können» Dies sieht man aus dem Beyspiele des tugendhaften Mädchens, das wir im neunten Stücke unsrer Blätter von diesem Jahre angeführt haben. Derjenige Mensch, der bei) dem Anblick einer wahren Tugend ungerührt und unempfindlich bleibt, muß den höchsten Grad der Unmenschlichkeit erreicht haben. „ Ich verbleibe reich und gros, wenn ich alles muß verlas fett,, der Tugendhafte hphnrf kein? Reichthümpr, um reich zu seyn, er bedarf keiner Bewunderer, keiner Vertheidiger und Beschützer, um gros zu seyn. Er ist so glücklich, daß er in einem guten Gewissen und in der Überzeugung , daß er recht handelt, grösere Reichthümcr und weit höhere Vorzüge findet, als ihm alle Schätze und alle Lobeserhebungen der eigensinnigen Welt nicht geben können. Bey diesem guten Gewissen, bey dieser beruhigenden Ueberzeugung von seiner Rechtschaffenheit wird er auch alsdann noch reich und gros bleiben, wenn er alles, was die Welt hochschätzt, verlassen muß. Der Tugendhafte bleibt selbst in den Ketten tugendhaft, es mag Mode oder nicht Mode seyn; so bleibt er tugendhaft. Rrchard- lon, dieser gesegnete Apostel der Tugend, wie ihn mit Recht ein berühmter Schriftsteller nennt, läßt die heroische Pamela zu dem armseligen Bündel, der ihren eignen geringen Anzug enthielt, folgende hierher gehörige Worte sagen: „ Komm in meine Arme, mein liebster Schmuck, du Gefährtin meiner Armuth und Zeuge meiner Tugend; ich will niemals den geringsten Lumpen haben, den du enthältst, wenn ich den Ausspruch auf diejenige Unschuld verlieren soll, die, wie ich hoffe, allzeit der Stolz meines Lebens und Nachrichten. MMtzchMW »7 xebens seyn fcrft; unb dann bin ich gewis versichert, wird es auchber höchste Trost in meinem Tode feyn, wann mir aller Pracht und Reichthum in der Welt veracht/ sicher seyn roirbA als die geringsten Lumpen, die ein Bettler trägt. „ „ Und je tiefer ich mich beuge, desto hpher ist mesn Ruhm. Dies zeigt an, daß der Tugendhafte demüthig seyn müsse, und das; die Tugend erst als/ dann wahrhaftig gros fei), wenn die Demuth damit verbunden ist. Die Demuth macht die Tugend erst-recht liLbeuswürdig. .Sie ist eben,das bey einem Tugendhaften , was die Güte und Wohlchaftgkeit bey einem Reichen ist. La Brupere sagt, die Demuth istbey dem Verdienste dasjenige, was die Schattirung in einem Gemälde ist; sie macht es schön und erhaben. „ Nichts erkenne ich, als mein eigen, alles ist mein Aigentyum.,, - Dec Tugendhafte erkennt nichts als sein eigen, weil er alles willig zum Glücke seines Nächsten hergiebk, und weil er weis, daß alles, was er besitzt, nur gelw- hen ist. Demohncrachtft ist doch alles sein Eigenthum, nicht allein, weil er,alles, was er har, aufs beste benutzet und anwendet, und cs sich eben dadurch zueignet; sondern auch, weil er selbst in der Tugend alles hat, was er sich nur wmrschey sann. Das höchste Gut ist ein Eigenthum des Tugendhaften. Es würde nicht schwer seyn , einige Vogen voll über die fruchtbare Materie dieser Rathftl zu schreiben. Main ich will es bey diesen kurzen und flüchtigen Erklärungen bewenden lassen. Meine Leser werden mir, wie ich hoffe, nunmehro Recht geben, daß Rathsel von einem solchen interessanten Jnuhalt, -wenn sie recht erklärt werden, eine ühersiieftnde Quelle zu nützlichen und lehrreichen Unterredungen in einer Gesellschaft werdet, können. Insbesondere aber könnten sie auf diese Art bey dem Unterrichte der Kinder ungemein grofe Dienste thun. Man kann ih- nen dadurch) die wichtigsten tarnen ykid/fv*m fy.dtnb L.y^ingen . ihrem Gedacht- E Ui Hülfe fommeifunb ihren Verstand und Witz auservrdentiich üben. Nachricht. Nachdeme die 2te Classe dec gten Höchster Flachs- Silber und Hollandi- ,cker Leinewands-Lotterie den 8ten März gezogen worden, und die Listen wurcklich anaelangt, als können die Herrn Interessenten dieselben etnscheii, und ihre Ge- wsimste ablangen. Die Renovation zur zten Classe muß Mit i si. 10 kr. bis zum 14 April geschehen seyn, dann solche hernach der Directum zufallen. Den 26 dieses Monats wird die zte Classe der 2ten NeuwiedepGeld-Lotkerie aeroaeu, dahero dieHerrn Jnteressenteii ersucht werden, vor dem 18 Marz ihre Bi - lets mrqten Classe zu renoviren, oder nach Verfliesung dessen der Direc ron verfaß len seyn werben. Vey Ausgebern dieses sind noch Plans und Looft zu haben, und kau den Herrn Liebhabern so sich einkaufen wollen, gedinet werden. Auch wird die 13U Dortmolder Lotterie zn Stifftimg ernes Wayftnhqufts bekannt gemacht, sie besteht aus 30000 Loosen, worunter 16072. Gewinn undNe- benaewMne, und in 4 Classen vertheilt, man zahlt zur ersten Classe 2 fl. und soll den^i2 May 1766 gezogen werden, zur 2ten Classe wird4 ^.eingelegt und^deyi6 Iunii dieses Jahrs gezogen, zur zten Classe ist die Einlage 6 fi. und wird den 21. r 8 Giesisthe wöchentlich -- gemeinnützige Anzeigen Julii gezogen; sodann wird die 4te Classe mit 8 fl. bezahlt, und den 25 August dieses Jahrs völlig ausgezogen, daß also durch alle Classen das Loos 20 fl. kostet. Es sind sehr ansehnliche Gewinne: in der i sten Classe das höchste 3000, in der 2ten 5000 in der Zien 8000, und in dec 4ten 25000 fl. das Beste. Man kan durch alle Llaft fen mitspielen und gewinnen. Bey Ausgebern dieses sind Plans und Billets zu haben. Ein- und auspaßirende vom yten bis den i$ten Merz 1766. wallthor den 9 Merz, 2 Französische Kaufleute von Marsaille, paßiren durch« , - den 10. ein Cavalliec vom Herrn Cammerrichter von Wetzlar, Herr v. Sternbach, paßirt durch. Selzerchor den 10. Herr Obrist von Spitznaß und Herr Major von Spitznaß von Usingen, log. im Einhorn. , - den 10. Hc. Reg. Rath v. Gemming, von Usingen, log. im Einhorn. Selzerchor den 11. Hr. Assessor Sames von Wetzlar, logirt im Einhorn. Neuwegerchor den 11. ein Braunschweigischer Lieutenant vom LetbDragoner Regiment, Herr Töpffer, log. im Einhorn. Wallchorden 11. ein DomHerr von Speyer, Herr Baron von Beroldingen, logirt im Posthaus. Wallchorden 12. ein HessenCasselischer Lieutenant vom Regiment Wilcken, Herr Müller, paß. durch. Wallchor den 13. ein HessenCasselischer Capitain vom Regiment Wuttgenau, Here Stieglitz, log. im Posthaus. t < twn «2. auf C«»ss. Pofttv. z vvtt Hamburg durch. Selzerchor den 14. der Herr Graf von HohenSolms paß. durch. codcm Herr Hofrath Strauch u. Hc Cammerrath Bretsch von Maynz, paß. durch. f t den 14. auf dem Frf. Postw. 1 Candidat und ^KaufieMe paß. durch. Copiilirte. Am 26 Febr. Johann Balthasar Becker, Bürger und Eisenhandler, und Catharina Elisabetha,Joh. Melchior Lony, Bürgers und Metzgers, eheliche Tochter. Gebohren und getauft. Am 2;. Febr. Willhelm Friederich, Herrn August Johann Reinhard Clermonds, Advocats bey Hochfürstlichcr Regierung, Söhnlein. ' Am 27 Febr. Christian Moritz , Herrn Christian Moritz Diehl, Registrators bey 7 Hochfürstlicher Regierung, Söhnlein. Am 28. Febr. Georg Henrich, Philipp Andreas Rinns,Bürgers allhier, Söhnlein. codcm. Willhelm Daniel, Johann Balthasar Marx, Söhnlein. Am 1 Merz, Christina, Johann Daniel Ebels, Burgers und Beckers allhier, Töchterlein. Am z Merz, Joh. Conrad Friedrich, Joh. Conrad Felsings, Söhnlein. Verstorben. Am 5 Merz, Herr Georg Christian Friedrich Herk, Gandidtw 1