WWll Mit Hochfürsil. Hesscn-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Fünftes Stück. Dienstags den 2-tttt Januar. 1765. Vteffsche wöchentlich- r z» * Beschluß der Beiträge zur Hessischen Historie und Geographie. Sus allen diesen Umständen, und aus allem dem, was sonsten von dieserMaterie bisher geschrieben und gelehret worden ist / schöpfe ich folgende Muthmasungen. 1) Daß die Latten / auch nachdem der Name der Franken bekannt geworden, ihre alten Wohnungen behalten haben, und daß selbst ein groser Theil der Franken aus den Latten bestanden habe, wie denn auch gewiß ist, daß der Name der Latten sich nach und nach ganz verlohren hat; 2.) Daß die 4Ü1 oder Haffi, eine Colonie der Wandalen (wandalier, Wanderer) entweder am Ende des vierten oder zu Anfang des fünften Jahrhunderts, (zu welcher Zeit die Wandalen überhaupt sich neue Sitze suchten, und gröstentheils durch Gallien nach Spanien,und zum Theil gar nach Africa Übergiengen,) über die Elbe herüber gerückt, und sich eine Zeitlang zwischen der Weser und Elbe auf- gehalten, woselbst, besonders in Thüringen, noch heut zu Tage viele Namen, die von den Hasse" oder Hessen entsprungen zu seyn scheinen, übrig find; 3) Daß diese Hassen oder Hessen, nicht lang hernach, bei Hameln über die Weser gegangen, und erst nach der Lippe, Moen und Ruhr strack fortgmiset, dorten aber eine Wendung gemacht, und - ' ' : E ■ si» 'Ir* -v . - 34 Glejrsche wöcherrrlichr-Temeitttttttzige Anzeigen sich an der Eder, mitten m dem Land, wo vor Zeiten die Cattm wohne- ten, niedergelassen haben; 4' Daß dieses Land, weder dazumahl noch vorher, leer gestanden, sondern daß es den Franken zugehöret, und von de- nenjenigen Franken^ die vorher Latten geheisen hatten, bewohnet gewesen stye; 5) Daß>diese Franken, (diese Nachkömmlinge der' alten Latten,) jene Hassen oder Hessen in ihr Land ausgenommen haben; 6) Daß gleichwohlen die Hessen einen besonderen Gau ausgemacht; 7) daß dieser HassmFUu, der Anfangs blos um die Eder gelegen, sich nachmahls, nach der Schwalme, Fulda/ Diemel und Werra zu, weiter ausgebreitet, mithin viele von den Abkömmlingen der alten Latten mit-einbegriffen habe; 8) daß hemach der Hessen Name noch weiter um sich gegriffen, und sich auch über die Logenaher, (über die Einwohner des Lohngaus) erstrecket habe; und daß folglich 9) zuletzt fast das ganze Land, das vormahls die Latten bewohnet hatten, nunmehro das Hestenland genennet worden seye, und daß al>o der gröfeste Theil der Einwohner des Heffcnlands von den alten Latten/ die in der Zwisch n-Zeit Franken genennet worden, ad- stamme, daß aber der Name der Hessen/ nicht von dem Namen der Latten, durch eine BuchstabenVerwechselung, sondern vielmehr von jenem Wandalischen Volk, den Haitis, herzuleiten seye. D. Mögen Ich bin Willens, meinen Lesern nach und nach eine kleine Sammlmig noch nie gedruckter Briefe mitzutheilen, die im vorigen Jahrhunderte ein Vatter an seinen hier studierenden Sohn geschrieben hat. Ihr Jnnhakt fst von groser Wichtigkeit und hat einen nahen und unmittelbaren Einfluß in das zeitliche und ewige Glück eines jeden vernünftigen Menschen. Solche treue und zärtliche Vatter sollte es heut zu Tage noch geben, die ihren Söhnen, mit Fleiß und Nachdenken ausgearbeitete Anleitungen zu einer vernünftigen und tugendhaften Aufführung auf Universitäten zuschickten ! Allein diese Gewohnheit war nur bey den tummen Alten üblich. In unfern klügern Zeiten sind dieses unnöthige Kleinigkeiten. Man denkt anizt viel solider. Man schickt lieber dem Herrn Sohn desto mehr Geld, und hernach bekümmert man sich wenig darum, ob er tugendhaft oder lasterhaft wird-,, ob er der Menschheit zur Ehre oder zur Schande, ob er der Welt 4utn Glück oder, zur Quaal lebt. Bey diesen Gesinnungen derjenigen Welt muß ich also freylich befürchten, daß mir meine gute Absicht, die ich bey der öffent- I »Md klachrrcheett. ), sffentlichm Bekanntmachung dieser lehrreichen Briefe habe, mit fast allgemeinem Undank belohnt wird, allein dieser Undank soll mich deswegen doch nicht von meinem Vorhaben abhalten. Wenn ich nur einen einzigen Vatter gewinne, der diese veraltete Mode wieder einführt und sich mit eben so grosem Eifer um das wahre Glück seiner Kinder bekümmert, als es dieser Vatter thate: so ist meine Absicht reichlich belohnt. Ich wage c$ demnach, meinen Lesern, den ersten Brief mitzmheilen. Er handelt von - den Mitteln, sich bey andern beliebt zu machen, mithin von Dingen, die manchen Sohne zur bessern Einrichtung seiner Aufführung nützlich seyn könnten. Hier ist er: . IHem gelrebtester Sohn! Du weißt es, wie viel ich dir immer von dem Nutzen und derNoth- wendigkeit der Wissenschaft:, sich bey den Menschen beliebtzn nw chen , gesagt habe. Du weißt es, wie oft ich dich durch Beyspiele überzeugt habe, daß man ohne ihre Erlernung in der Welt nicht fortkommen könne und daß diejenige , die sich so wenig um die Gunst der Menschen bekümmern, meistentheils nichtswürdige, unglückliche, verhaßte und verfolgte Leute seyen. Ich habe dich aber auch ost an das beglückte Leben derer- jenigen erinnert, die sich durch ihre Aufführung die Liebe anderer erworben haben. Erinnerst du dich noch an jenen Dämon, dessen Umgang und Freundschaft jedermann so gerne suchte, der in allen Gesellschaften so wohl gelitten war, von dem alle Menschen mit so vieler Liebe und Hochachtung sprachen, dem es nie an Gönnern, wenn er sich um ein Amt bewarb und nie an Beschützern und Vertheidigern fehlte, wenn ihn Niederträchtige verleumden wollten; kurz, der sich durch die wisseirschafe / mit den Menschen Vernünftig mnzugehen / das Leben zu einem beständigen Vergnügen machte? Erinnerst du dich noch an diesen Dämon ? Siehe! so glücklich wirst du werden, wenn du die Mittel anwendest, die ich dir an# iit zur Erlernung dieser Wissenschaft angebeu will. Das erste Mittel , das ich dir anrathe, ist die Ehrlichkeit. Suche alle deine Handlungen nach den Urtheilen deines Gewissens einzurichten> und wenn auch kein Mensch mehr in der Welt wäre, der dieses thate, s- thue du es. Es ist nicht allein ein unvergleichliches Mittel, allen Men- sthen zu gefallen, sondern auch sein eignes Herz zu bessern: Denn die Ehrlichkeit macht unser Herz demüthig, gehorsam, liebenswürdig, sie erlaubt uns keme vorsetzliche Kränkung, kein Unrecht gegen andre; sie bewege E r ur* 3$ Gieflsche wöchemlrch -gemekttttStzige Attzeigen uns, so viel/' als es nur unsre Pflichten verstatken. nach den Neigungen und der Denckungsart unserer Nebenmenschen zu richten. Sie wirkt mithin auch die Höflichkeit. Und diese ist eine von den Eigenschaften, die einen Menschen am meisten zieren. Sie macht uns bey denen liebenswürdig die höher als wir sind, sie verbindet uns mit denen, die uns gleich sind, genauer, und erwirbt uns die Verehrung und Hochachtung der Niedri- gern. Kurz sie macht uns beliebter, als alle Einsichten und Wissenschaften. Allein du mußt dich zugleich in acht nehmen, daß du deine Höflichkeit nicht zu weit treibest, daß du nicht in das Schmeichelnde, in das Niederträchtige und Tumme verfällst. Die Höflichkeit hat ihre Schranken und man'muß wissen, wie weit sie gehen kann und gehen muß, wenn sie beliebt machen soll. Wenn sie übertrieben und'kriechend ist, so wird sie rumm und unangenehm und zieht uns eher Verdruß, als Liebe zu. Man muß das Mittel wählen zwischen dem Unangenehmen der Schmeichele»-und dem Verhaßten der Unhöflichkeit. Du mußt aber auch verschwiegen/ aufrichtig und ohne Falschheit seyn. Dadurch wirst du dir immer die Liebe und das Vertrauen de- rerjenigen erwerben, mit denen du umgehst, besonders wenn du dabey zugleich klug und bescheiden, d. i. wenn du in deinen Reden eben so behutsam, als in deinen Handlungen bist, Vermeide demnach den gewöhnlichen Fehler der Menschen und besonders des weiblichen Geschlechts, daß du nie in einer grvsen Gesellschaft, es sey denn bey deinen allervertraukesten Freunden, von einem Menschen, wer er auch sey, übel urtheilest. Ein Plauderer, ein Verleumder, ein Lügner, wird von jederman verachtet und gehaßt; Und überdies findet ja ein jeder Mensch so viele Fehler an sich selbst, die er noch zu verbessern hat, daß es ihm lieb seyn muß, wenn man nicht eben das an ihm tadelt, wodurch er andre verächtlich macht. O untersuche dich ja erst selbst, ehe du einen andern richten wiAst. Durch Gütigkeit/ wohlrhätigkeie und Dienstfertigkeit wirst du dir unfehlbar einen freien Zugang zu den Herzen der Menschen cr- ifnen. Wenn du diese vortrefliche Eigenschaften an dir hast; denn wird man dich so gar in der Abwesenheit und ohne dich.persönlich zu kennen, lieben , und deine Gegenwart oder persönliche Bekanntschaft wird nur die Liebe erhöhen und befestigen, die schon der Ruf von dir in den Herzen erweckt hat. Dabey aber vergiß nicht dankbar gegen alle Ehre und Liebe zu seyn, deren man dich würdigt. Die Undankbarkeit ist dasjenige unter allen Lastern, das die größte Verachtung und die empfindlichste Dtrafe verdient. und Nachrichten. 37 bient, (o wie un» die Dankbarkeit zu allen Zeiten und in allen Umstanden Verehrer, ßreunbe und Gönner zuwege bringt. Dem klmwang und deine Gesellschaft laß immer vernünftige, tugendhafte und wenn es möglich ist, lolche Leute |eyi>/ ®1« dm.n du etwas lernen kannst. Fliehe dagegen allen Umgang mit liederlichen, niederträchtigen und unedeldenkenden Menschen. Wenn du dieses thust- so wirst du nicht allein für allen Verführungen zu Thor« beiten und Lastern sicher seyn, sondern alle Rechtichafene werden sich mich rin Vergnügen und eine Ehre daraus machen, mit dir umzugehen. Das Sprüchwort ist nicht ganz ungegründet: daß man den Menschen au. seinem Umgang und ans seiner Gesellschaft beurteilen könne. Wenn du wünschest, von andern geliebt zu werden : so sauge du »«erst au, sie;u lieben, und sie von deiner Hochachtung und ergeben« beit bei) jedem Vorfall zu überzeugen. Kurz : suche ein wahrer Menschenfreund ;u werden'- dann wird es dir nie an ^retinöcn, nie an Gönnern und Beschützern fehlen. Und wenn du alle diese