NtejWe wöchentlich- gemclVüßlge Meigtn und Kchrtchken. Neuntes Stllck. Diettffags dm asten Februar. 1765. Mit Hochfürstl. Hessen-Darmftädtischer gnädigsten Erlaubnis. Mirza eilte morgcnländnche Geschichte aus dem Adventurer übersetzt. ßtj» nserm mächtigen Beherrscher 2lbl.as Tarascan, welcher den Köni- wt) gen des Erdkreises Ehre und Herrschaft giebt, gefiel es, seinem Knecht Mirza die Verwaltung der Provinz Tauris zu übergeben. Die Waage der vergeltenden Gerechtigkeit hieng unpartheyisch in der Hand des Mirza. Unter seiner Regierung fand der Hülflose Schutz, der Gelehrte Ehre, der Fleisige Reichthum. Aus dieser Ursache schaute ihn jedes Auge mit Zufriedenheit an, und jede Zunge rief Seegen über sein Haupt. Nach einiger Zeit bemerkte man, daß er die Ausflüsse seiner Mildthätigkeit nicht mehr zu Quellen seiner Freude machte. Er fiel in eine tiefsinnige Melancholey. Er verschwendete seine Ruhe in der Einsamkeit. In seinem Pallast saß er ohne Bewegung auf einem Sofa. Wenn er aus- Zieng, so gieng er schläfrig und mit niedergeschlagenen Augen einher. Er besorgte mit widerstrebender Seele die Geschäfte des Staates, und entschloß sich die Mühseeligkeiten des Regiments aufzugeben, weil er dieBt- lohnungen desselben nicht länger geniessen konnte. 3 & 66 Gresische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen Er bekam hieraufErlaubniß sich dem Throne unsers Beherrschers zu nähern. Man befragte ihn um sein Anliegen, und er antwortete also : * „ Der Herr der Welt vergebe dem Selaven, den er erhöht hat, wenn „ Mirza sich erkühnt, die Wohlkhaten des Abbas zu seinen Füssen wie- „ der nieder zu legen. Du hast mir das Regimen: über ein Land anver- „ traut, das fruchtbarer ist, als Damafcons Garten; und über eins „ Stadt, die berühmter ist, als alle andre, nur die einzige ausgenommen, ff welche von dem Glanze deiner Gegenwart bestrahlt wird. Das längste ff Leben des Menschen i|t ein Zeitpunct, der kaum für die Zubereitung zum ff Tode hinlänglich ist. Jedes andre Geschäft ist eitel, und eben so ver- ft geblich, als die Arbeit der Ameisen auf dem Weege des Wandrers, un- „ ter dessen Füssen sie auf immer dahin sterben. Jedes Vergnügen ist „ unvollkommen, und verschwindet eben so schnell, als die Farben des Re- „ genbogens, der in den unruhigem Minuten des Ungewitters am Himmel 9f erscheint. Erlaube mir also, daß ich mich auf die annähernde Ewigkeit „ vorbereitet Laß mich meine Seele den Betrachtungen übergeben! Laß „ Einsamkeit und Stille mich mit den Geheimnissen der Religion bekann- ff ter machen ’ Laß mich die Welt vergessen, und von der Welt vergessen „ werden, bis der Augenblick hereinbricht, in welchem der Vorhang der „ Ewigkeit niederfallen, und meine Seele vor dem Richterstuhl des All- „ mächtigen erscheinen wird. Mirza bückte sich hierauf zur Erde, und schwieg Bey diesen Worten zitterte Abbas auf seinem Throne, auf dieser Fußbanck, auf der die Welt huldigt. Er sah die Höflinge, die um ihn her stunden, nach einander an. Aber jedes Antlitz war blaß, und jedes Auge auf die Erde geheftet. Niemand öfnete seine Lippen. Der König selbst brach zuerst das Stundenlange Stillschweigen. „ Mirza/ sprach er, Schrecken und Zweifel haben mich überfallen. „ 'Wie ein Mensch, der sich plötzlich an dem Rand eines Abgrunds erblickt, „ und von einer unwiderstehlichen Macht vorwärts getrieben wird: so „ bin ich erschrocken. Und doch weiß ich noch nicht, ob meine Gefahr et- ff was wörtliches, oder ob sie ein Traum ist. Ich bin ein Wurm, wie „ du; mein Leben ist ein Augenblick, und ich habe eine Ewigkeit vor mir, „ in welcher weder Tage, noch Jahre, noch Zeiten seyn werden ; eine „ Ewigkeit, auf die ich mich auch vorbereitet haben sollte. Aber, sage „ mir , von wem sollen sich die Gläubigen leiten lassen? Nur etwa von de- nen die kein Gericht fürchten; -Oder nur von denen deren Le- ,,berr itttb Nachrichtm. 67 ,,'ben ein thierifches Leben ist , weil sie gleich denThieren nicht erwa „ gen, daß sie sterben müssen ? Doch wo , wo findet man die Glaubi- „ gen? Findet man sie unter dem geschäftigen Pöbel, der sich in den tf Städten, in einem verderbten Zustande, zusammendrangt? -Oder ist ff etwa die Celle des Dervis allein das Thor des Paradieses? Nicht alle ff können wie ein Dervis leben; daher können auch nicht alle zu einem sol- „ chen Leben verbunden seyn. Kehre itzt zu deinem Hause zurück. Ich ff will die Gründe deiner Bitte erwägen. Der, der den Geist des Demü- ff thigen erleuchtet, mache mich nur tüchtig, mit Weisheit zu entscheiden. Mirza gieng weg. Drey Tage waren verflossen, ohne daß ihm der König einen Befehl zugesandt hatte. Er bat selbst wieder um einen Zutritt, und er wurde ihm gewahret. Er tratt mit viel freudigem Blicken vor den Thron des Königs. Er zog einen Brief aus seinem Busen, küßte ihn, und überreichte ihn mit diesen Worteri unferm Beherrscher: Herr, diesen Brief, den ich von Cofatii/ dem Iman, der itzt vor tf dir steht, erhalten habe, hat mich die beste Weise zu leben gelehrt. tf Durch ihn bin ich in den Stand gesetzt worden, hinter mich mit Ver- „ gnügen, und vor mich hin mit Hofnung zu schauen. Nun will ich mich „ freuen, wenn ich noch der Schatten deiner Macht über Tauris seyn, ff und die Würden behalten kann, die ich vor kurzem niederzulegen ff wünschte. Der König, welcher mit einer verwunderungsvollen Neubegierde dem Mirza zugehört hatte, befahl dem Lostau den Brief zu lesen. Der ganze Hof richtete seine Blicke auf diesen ehrwürdigen und bejahrten Weisen, dessen Antlitz mit einer schamhaften Röche überzogen war. Er las, aber nicht ohne Zittern, diese Worte: Der Beschluß folgt nächstens. (Veconomisthe k7achrrche. Vorschrift eines Mittels, das Getreid vor dem Brandt zu verwahren. Diese ist in der Königlichen Buchdruckerey zu Paris herausgekommen, und auf Befehl des Ministers an alle Intendanten in Frankreich zur weitern Bekanntmachung ausgetheilt worden. Alle Landwirthe wissen, daß der Brand ein Getreid andeutet, dessen Kern inwendig in ein schwarzes Pulver, wie Kohlen, verwandelt ist. Abe« 3 a sehr 6z. Giefische wZchetttlrch -- Zemeittttützige Anzeigen sehr viele wissen nicht, daß dieses schwarze Pulver, wenn eS von ungefchx oder sonst auf das gesundeste Getreid fällt, welches zur Saat gewidmet ist, dasselbe dermassen verdirbt, daß man in der folgenden Ernte nichts anders, als brandichtes Getreid erhält. Diese Entdeckung hat man dem Herrn Tillet, Mitglieds der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu danken. Er hat seine Erfahrungen zu Trianon auf Befehl des Königs wie- Verhohlt, so wohl sich der weitern Ausbreitung und ansteckenden Eigen- schast, als des Hülfsmittels zu versichern, welches dieser Krankheit vorbie- get. Dieses Verwahrungsmittel nun, dessen gute Wirkung offenbar und gewiß ist, wird hier den Lanbwirthen mitgetheilet. > Wenn das Saamkorn, welches man aussäen will, von aller schwarzen Befleckung rein ist, so darf man dasselbe nur in nachbeschriebener Lauge waschen. Ist hingegen dieses Korn mit Brand angesteckt, so muß man es zu wiederhohltenmalen im Regen-ober Flußwasser waschen, und es nicht eher - durch die Lauge gehen lassen, bis nichts schwarzes mehr an demselben zu sehen ist. Zu dieser Lauge nimmt man Asche von Holz, das nicht geflößt worden ist. Davon füllt man eine Bütte bis auf drey viertheile an ; schüttet Wasser darüber so viel als genug seyn wird. Das Wasser zur Lauge, welche für das Getreid bestimmt ist, soll zwo Pinten Pariser Maaß oder vier Pfund Wasser, (eine Giesser Maaße) auf ein Pfund Asche halten. Dieses Verhältmß giebt eine ziemlich starke Lauge. Nachdem sie durchae- seiget worben, muß man sie wärmen, und so viel ungelöschten Kalks darin zergehen lassen, bis baß sie davon milchfarbig wird. Von ioo. Pfunden Arche und 200. Pinten Wasser (hier hundert Maaße) bekommt man 120. Pinken Lauge, wozu if. Pfund Kalk kommen müssen. Dieses Maaß also zubereiketer Lauge ist genug für so. Scheffel (hier ungesehr 6. Achtel) Getreides. 1 Wenn man nun diese gekochte Lauge brauchen will; so muß man warten , bis ihre Wärme so abgenommen hak, daß man die Händ darin halten kann. Darauf wird bas Getreid, welches vorher gewachen seyn muß, in einen Korb geschüttet, der nicht enge zusammen geflochten und mit rwoen Handhaben versehen ist. Man tauchet denselben einigemal in diese weiße Lauge ein (besser, als wenn man m t dergleichen Lauge bas Getreid besprenget, wie hier herum einige zu thun pflegen), und rühret den Weizen mrt brr Hand oder Mit einem hölzernen Schäufelchen untereinander, damit alles und Nachncht^n. O alles durchaus angefeuchtst werde. Den Korb muß mau so bann über die Bütte wieder in die Höhe heben, damit das Wasser-darein ablaufen könne. Hernach streuet man das Getreid auf Tücher oder auf Tafeln aus, damit es desto eher trocken werde. Den Korb füllet man wieder mit Weizen, taucht ihn, wie vorher, in die Bütte, deren Bodensatz man beständig mit einem Stabe aufrühren muß; und so führet mau fort, bis die 6c>. Scheffel alle eingeweicht worden. Ein Landwirth soll sich das schöne Wetter zu Nutze machen, und bey guter Weile allen Weizen, welchen er für die «üchstbevorstehende Saatge- tMuchenwill, und der des Brandes verdächtig ist, zubereiten. Beförderungen. Durch den Tod des seel. Herrn Major von Weeden, welcher den -Zten Januar, h. a. gestorben, hat sich folgendes Avancement bey dem löblichen Prinz Georgischen Regiment allhier zugetragen. Herr Capitain Langsdorf, ist zum Major avancirt. Herr Capitain Brinckmann, hat die erledigte Compagnie erhalten. Herr Lieutenant Arnold ist zum Capitain avancirt. Herr Fühndrich Hornig ist zum Lieutenant avancirt. Anzeige. Kaum war unser neuer Lehrer, der Herr D. Baumer , hier ange- langet; so erhielte er ein gnädigstes Decket als FürstlichHessenDarmstüdti- scher BcrgRath und Landphysicus. Die Stelle eines Bergraths hat er schon seit geraumen Jahren, von Ihro Lhurfürstkchen Gnaden zu Maynz, bey seinem medicinischen LehrAmt zu Erfurt, begleitet. Sachen, fo gesucht werden. Es sucht jemand einen Garten, entweder vor dem Wallt^or, oder vor dem Ncuwegerthor gelegen, zur Micthe. Wer dergleichen Garten, und wenn er noch so klein ist, zu verlehnen hat; kann sich beym Verleger dieses melden. Es 3 3 7© Gw fische wochenrllch - gemeinnützige Anzeigen Es wird eine Wiese vor dem Wallthor entweder $u lehnen oder zu kaufen gesucht, wer dergleichen auf beyderlcy Art abzugeben gesonnen- kann bey ?iusgebern dieses mehrern Bescheid erhalten. Zn verstreichen. Nachdeme nackbemeldetes SilberGeschirr und pretiosa Donnerstags den r8ten Februar, öffentlich verstrichen, und an den meistbietenden gegen baare Bezahlung überlassen werden soll; So wird solches dem Publico hiermit zu dem Ende bekannt gemacht / damit diejenigen so zu einem oder dem andern Lüsten haben, auf den bestimmten Tag. Morgends um 9. Uhr sich einfinden, und der Steigerung auf dem Rathhaus allhier beywohnen mögen. , 1) Ein silbern vergoldet mrt Diamanten besetztes Creutz. 2) Ein goldener Ring mit 9. Steinen besetzt, z) Ein dito mit 7. Steinen. 4) Ein dito mit 1. Stein. 5) Ein dito emalliert. 6) Ein dito pur Gold. 7) Zwey goldene OhrRinge mit Steinen, r) Zwey silberne vergoldete Saltzkannen, 14- Loth, Marburger Probe. 9) Zwölff ordinaire silberne Löffel, 47. und ein halb Loth Wetzlarer Probe. Edictal Cit4tton. Anna Dorothea Katzebachin eine gebohrne Trierin von Rauschenberg, last ihren Ehemann, Conrad Henrich Katzebach von besagtem Rauschenberg, welcher sie in Anno 1762. böklicher Weise verlassen, edictali- rer citiren, und stehet Erscheinungs Termin auf Lreytag den )ten May. Gegeben Marburg den rtten Januar. 17O. Zu verkaufen gebundene Bucher. Langen (Joachim) Mosaisches Licht und Recht, Halle xyp. in säubern Franzband. Fol. z. fi. .Walaei (Balduini) Novi Teftamcnti Libri Hiftorici Graece & Lt- tine, Lugd. Batavor. 165z. 4C0. 4. fl, Hederich (Benjamin) Reales ($$«1 Lexicon, gr. z. Leipzig 17^1. 3. A* Wolfli »Nb Nachrichten. 7l Wolfii (Chriftian.) Logica 4to Lipfiae 17 ;o. itt Ptt'AMMt Mit Ti- ftif 1 fl. 40 ft. , TT de Pitaval Gayot, Caufes celebres r. Tom. 8. a la Haye -747- Beck« (Joachim) kluger HausVatter, in i», £eWS i7<4- in P-« Des. EraCmi Roterodami Colloquia, Amftelod. Edit. Blaviana 8vo. T Za 1 I . fl. 1 Oe tf< _ . Arndtii ( Joannis) de vero Chriftianifino > r. Tom. Londim -7°!- in braun Leder J- fl. z°- kr. Finckii (Henrici) Profodia, Francof. iS?i. 4°. kr. Ein und arispassirende «sm 16- Februar- bis deir zitcn Februar. -7Ls. w.1kb6r den ifi.fiebruar. Lin obristLieutenant von den Bayreichische« Herr Baron von Munich, log. im Posthaus. weither den 18. Auf dem Caßler Postwagen, ein Trompeter von de» Preussen und ein Geistlicher- paß. durch. «el-errksr den 19. Der Herr HofRath von Posell von Wetzlar, paß. demn, logirt im Einhorn. 9iuf dem Frankfurter Postwagen ein Lieutenant von den Hessen, vom Regiment Wutkgenau, Herr von Münchrothund jwey Kaufleut, paßiren durch. r?r.un>caertksr den i?. Der Herr Lieutenant Schönewaldt von dm Hu. saren paß. herein, logirt im Löwen. wallehsr den n. Auf dem Caßler Postwagen, drey Kaufleute, paß- firen durch- ' . Der Herr Geheimbde Rath von Rabenau, paß. herein, logirt rm Einhorn. Selrerchsr den «. Ein Geheimbder Rath von ChurDachsen, Her» von Blaunitz paß. durch. Sehern 7* Sicfische wöchentlich - AemeittttötzigeAttzeigm Gelzerxhor den 12.. Auf dem Frankfurter Postwagen ein Student und zwey WeibsPersonen, paßiren durch. Verstorben. Am 18. Februar. Catharina Ehsabetha Hünerin, Conrad Hüners, Burgers und Sattlers eheliche Hausfrau, geboyrne Haudtin. Am 19. Februar. Moritz Ludwig, Georg Marx Hamels, Burgers und Rothgerbers, Söhnlein. Am 22. Catharina Engelhardin , eine Hospitalitin. Frucht- und andere Preiffe am Markttag den 22 Febr. 1765. * Gieser Maas. 1 Achtel Korn - F>. 4 Alb. 10 Pf. xft. Küh Fleisch Alb. 2 Pf. 4 1 Achtel Gerste - 2 1 Achtel Waitzen 6 x Achtel Hafer - 2 1 ft. gescheite Hirsche * 1 ft. gescheite Gerste ♦ 1 H. klein geschelte Gerste 1 Meste Erbsen - 1 Meste Linsen - 1 ft. Ochsen Fleisch auch w - z yi Loch Brod - - 4 5 ij 2 I 2 14 14 3 2 Beck Pt; 4 6 er P r?L 1 ft. Rind Fleisch t ft. KalbFleisch 1 .SchweineFleisch 1 ft. HammelFleisch 1 ft. SchaafFleisch X ft Wurst - . 1 KalbsKopff 1 ft. frische Butter 6 Eher - reis. oth Weck - ♦ 2 r Z 2 2 4 f 1 2 4 2 4 4 P5 45 Loch ButterBretzel 4 Pf. 14 Loch Tertscher ♦ - 4 Pf. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Kr»e- ger, UniverfitätsVuchhandlern hieselbft, an die Herrn Liebhaber gegen 1 Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 Fr. ausgegeben. Man wird auch den Herrn Pranumeranttn mit denen schon herausgckommw mn Stucken dienen'.