wöchentlich- geminliüßW WMgen mb Mchrtchken. Ein und Zwanzigstes Stück. Dienstags dm nun May 1765. Mit Hochfürstl. Hessens Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Beyerag zu der geheimen Geschichte. äAMir haben den vorigen Posttag sehr viele Briefe von unfern Corre- spondenten erhalten. Unter allen aber hat uns keiner besser gefal- len, als derjenige, der uns von Leipzig ist zugeschickt worden. Wir wollen ihn unfern Lesern also zuerst mittheilen. Er verdient mit Aufmerksamkeit gelesen zu werden, nicht allein wegen des merkwürdigen Inhalts, sondern auch um der Seltenheit der Person willen, von welcher darinn Nachricht gegeben wird. Meine Herrn! „ „ Der Einfall, Ihre Leser durch eine geheime Geschichte von glücklichen „ und unglücklichen Personen, zu bessern, hat mich ungemein "vergnügt, „ und ich wünsche recht sehr, daß Sie Ihren edlen Endzweck erreichen ,, möchten. Ein Wunsch, der, wie ich glaube, nicht ganz vergeblich ist. „ Denn wie wenige Moralisten haben noch durch die glücklichsten Einfalle „ ihre Leser gebessert! Doch vielleicht gelingt es Ihnen. Lassen Sie sich „ durch meinen Zweifel nicht irre machen, und fahren Sie fort, Ihren Le- „ fern die Nachrichten mitzutheilen, die Sie von Ihren Correspondenten tf erhalten. Ich mache Ihnen zu dem Ende anitzt Den Tod einer Frau £ bekannt, Mesische wöch entlich - gemeinnützige Anzeigen „ bekannt, welcher von allen, Ze st gekennt haben, ist beweint worden „ Sie war rn ihrem Leben die Bewunderung und das schönste Muster der h Nachahmung aller treuen Mütser. Diese vortrefliche Frau verlohr ih- " ™ ^6nJte zärtlichste liebte, in der besten Blüthe fei« h Er Unterließ ihr bey. einem mittelmcisigen Vermögen dren „ Söhne und eme Tochter, die alle noch unerzogen waren. Man kann „ sich leicht vorstellen,^daß ihr nichts in der Welt empfindlicher müsse ge- „ wesen seyn, als der Verlust eines Gemahls, dessen Leben noch so viel nt „ ihrer eignen und ihrer Kinder Glückseeligkeit hatte betragen können. n inzwischen unterwarfJje sich doch mit der grösten Geduld der Füh- " nllH8 ?? Sie sah den Tod ihres Gemahls nur als eine de- , „ sto stärkere Arssmunterung an, ihr ganzes Leben der Tugend zu heiligen, „ und für das Gluck ihrer Kinder zu sorgen. Diese Sorge beschäftigte st „ den ganzen ^ag. Sie nahm sich vor, ihr gesammtes Vermögen zu ei- „ ner tugendhaften und weisen Erziehung ihrer Kinder anzuwenden, und „ ihre eigne Bequemlichkeit dem Wohl derselben aufzuopftrn. Sie fcctte „ mir lehr Ofce/ daß eine tugendhafte Erziehung die allerbeste ,, ^.rbfchaft wäre/ die Eltern ihren Rindern hinterlassen könn^ „ ten. Wae helfen uns die größten Reichthümer/ wenn wir sie „ nicht aus eine Vernünftige Art anzvwenden wissen/ und wenn „ wir sie nur brauchen/ um unsre lasterhafte Neigungen zu be- „ fticdigen W daß sie sie mehr ihren r^eigmrgen hätten überlassen / als sie zwin- ' und Nachßichten. W Vi zwingen wolle tt, sich mir Dingen zu beschäftigen/ biV ganz ff wider ihr Naturell wären. Allein welche tumme Entschuld digung ist das! Man muß die Neigungen der Rinder ver-< „ bessern; und man muß sie verbessern/ wenn sie noch ganz ff jung sind. Man muß diese Verbesserung nicht bis in das ach- ff ttf bis in das zehnte Jahr verschieben. Man muß schon im ft zweiten Jahre damit anfangen- Alsdann kann man die Rin^ ft der ziehen/ wie man sie haben will. Ja manchmal will man f, so gar die Fehler/ die man seinen Rindern erlaubt/ mit der „ Liebe entschuldigen' die man für sie hat. Man bezeigt zuwei- ft len seine Freude darüber / wenn die Rinder etwas unhöfliches !, sagen, wenn sie andre schelten, schlagen/ oder haßen/ und ft man befiehlt es ihnen so gar, daß sie den böftnpapa oderdieMa^ ,, ma schlagen oder schelten sollen. Man wehre es ihnen nicht, eigensinnig zu ft^n, wenn sie in Gestllschaffeen sind. Man f, bringt ihnen einen Abscheu für armen und elenden Leuten bey, ft und man verbietet ihnen zu denselben zu gehen, oder sie zu ft grüsen. Man zieht ihnen entweder eitle Rleider an/ oder man ff erlaubt es ihnen/ in den schmutzigsten herum zu laufen. Und ft dies alles entschuldigt man mit der Liebe gegen seine Rinder. ft warlich! Eine unvernünftige und fthr schädliche Liebe! Diese ff kleine Freyheite«/ diese frühzeitigen Fehler sind die Quelle von ft den allergrößten und entsetzlichsten Lastern. Man würde §o- „ wis nicht so viele ungeraehene Rinder, so viele Menschen-' t, feinde/ so viele Rachsüchtige / so viele Eigensinnige undUn- ft höfliche in der Welt finden, wenn man den Rindern nicht von ft Jugend auf Gelegenheit zu allen diesen Lastern gäbe, wenn „ man sich mehr bemühete, ihre angebohrne böse Neigungen „ zu verbessern, und dieselben in eine zärtliche Liebe gegen ihre tt Eltern, in Sanftmuth und Demuth, in Gefälligkeit, Mit- ft leiden und Menschenliebe zu verwandeln. Die gewöhnliche „ Art, die Rinder mit Schlagen zu strafen, halte ich aus vie-- „ len Ursachen für eben so unvernünftig. Jeder Schlag, den M nran ftinen Rindern gicbt/ ist ein neuer Beweis, daß man die ff Rinderzucht nicht recht versteht/ oder es ist doch wenigstens „ ein Beweis, daß man vorher in derselben muß gefehlt haben, ft sonst würde man gewis nicht nöthig gehabt haben, seine Zu-- • / X » fluch« 5«4 Gleiche gemetuftÜBige Anzeige!, w ^en Schlägen zu nehmen. Durch Scklän« ™h h »«•« " Mensth tugendhaft gemache. Die Kinder vermeiden die Handel lunge», worüber sie sind gestraft worbe»/ nur aus Furcht für " «ch§^ W?'» e- b't.begiengen sie gerne wieder, aber di« " lre zuruch. Und lagen Sie nur, mein Herr, " fugend, die man gezwungen ausübtr " y Wl11 "«He einmal daran denken, daß durch die Schlaae " *1.1' rm Zxinöcrtt rhre Unarten und llnaebtfaniteiten mit einer " groben/ hitzrgen und nngekümmen Are verwirft/ wenn man " lre rhnen m der Geseltjchaft andrer Leute verwirft/ wenn ” >le wenn man ihnen flucht/ allerhand Zxrank- ” fun? dergleichen. Gd unvernünftig/ so tnu " ^nl^hn«hrSC^ffbC'’xCrÄI"j’tr5Ucb,; !|i/ S'wöhnlich lst » “ gleichwohl Ist es dann Nicht unendlich besser, weit» man „ sic durch liebreiche und vernünftige Vorstellungen, und durch „ vattersiche Ermahnungen an ihre Pflichten erinnert, X v wenn man st« auf eine so abscheuliche Art zu bessern suchte „ Mit diesen und andern vortreflichen Anmerkungen über die Kinderzuchthat „ mich diese tugendhafte Frau sehr oft vergnügt. Und ich muß Ihnen fa< t, gen, meine Herrn, daß diese Frau noch vor ihrem Tod die grose Freude » erlebt hat, alle ihre Kinder glücklich und die tugendhaften und menschen- „ freundlichen Gesinnungen ausuben zu sehen, welche sie ihnen von ^uaend y auf eingepragt hakte. Wenn ich wieder die Ehre haben werde, an Sie „ zu schreiben, so will ich Ihne» die übrigen Eigenschaften dieses seltene» „ Frauenzimmers miktheilen. Bis dahin leben Sie wohl und wünschen «Sie „ mit nur, daß alle Eltern ihre Kinder nach diesen göttlichen Grundsatzeir „ erziehen möchten. Ich verharre mit besonderer Hochachtung $ Leipzig ben 21. Avril »76f. Ihr erq ebenster Diener- C.L. K*** 25tob* ' - und Nachrichten. xM Beobachtungen einiger ganz ausserordentlichen Zufälle/ die durch die Würmer in dem menschlichen Körper verurstrchv rvorderi» ( Ms der Gazetta Salotare di Venezia.) Ein Mann von 50. Jahren bekam einen plötzlichen Anfall von der fallenden Sucht. Innerhalb 15. Tagen bekam er deren noch sechs andere, die noch weit heftiger waren. Endlich verlohr er den Verstand und wurde völlig rasend. Man gab ihm verschiedene antiepileptische Mittel und purgierte ihn zweymal mitExtract von schwarzer Niesewurz. Endlich am isten Tage der Krankheit gieng ein groser todter Wurm von ihm. Er erhöhtes sich daraus sogleich von seiner Krankheit, und ward nach und nach wieder völlig gesund, äusser daß eine besondere Schwache des Gedächtnisses zurück blieb, die auch noch über zwey Jahre lang fortdauerte. Ein junges Madgen von ir. Jahren hatte schon seit einiger Zeit das Wurmfieber. Endlich bekam sie heftige Convulsiones und verlohr zu- lezt auf vier ganze Tage lang das Gesicht; am fünften Tage bekam sie durch neue Convulsiones das Gesicht wieder. Man gab ihr antiepileptische und anthelminthische Arzeneien; endlich ließ man ihr folgendes PurgiermitteL nehmen: Merc. dulc. 15. gr. Diagryd. 6. gr. Der Wurm ward dadurch getödttt und abgeführt, worauf sich die Patientsn vollkommen besser befand. Ein anderes Madgen von ungefehr 13. Jahren, wurde mit einem heftigen Fieber befallen. Anfänglich bekam sie einen rauhen Hals; bald aber verlohr sie gänzlich die Stimme. Man brauchte die anthelmintkischen Ar- zeneyen; da diese aber nicht helfen wollten, gab man ihr ein Decoct von den Blättern der schwarzen Niesewurz, wodurch der Wurm abgetrieben und die Patientin genesen ward. Der Arzt, der diese Beobachtungen gemacht, versichert, daß die mehresten plötzlichen Ueberfälle, davon man sonst keine Ursache anzugeben weiß, von den Würmern Herkommen. Unter andern Kennzeichen von dem wirklichen Daseyn solcher gefährlichen Würmer, giebt er folgende als die vornehmsten an: Wenn der Patient die fallende Sucht plötzlich bekommt, wobey die Spitzen der Finger merklich kalt sind; wenn der Puts schwach und undeutlich gefühlt wird; die Stimme rauh wird; ein Schlmken erfolgt; oder gar ein Wahnwitz den Kranken unvermuthet überfällt. Unter allen diesen und noch andern Kennzeichen, sind der schwache Puls und der L > Schlu- Schreiben der Madame de laF... betreffend «in sicheres Mittel, Den durct) den Ausbruch der Zähne bey den juntten 2xtn«i dcrn verursachten Lod, zu verhindern/ (aus dem ?o«r- nal oeconomique.) Daß es einem jeden Staate daran gelegen seyn müsse, alle Mittel au. zuwendeu, durch Erzeuguilg gesunder Kinder, die Anzahl der Einwohner und Bürger zu vermehren, daran hat noch niemand gezweifelt: Wie anae- nehm «s aber sey, sichere Mittel zu Erhaltung dieser jungen Welt zu fin. den, davon wissen nur allein diejenige zu urkheilen, die jemals das beschwerliche Gluck genossen haben, den süssen Mutternamen zu rühren, und die durch den frühzeitigen Verlust ihrer Kinder in die traurige Norhwendia- knt gesetzt worden, den verwegenen Wunsch zu tkun, selige niemals er. zeugt zu haben. Von hr Gcschrcy verkündigen? das San- fleisch derselben öfters und fleissig mit weissen, oder sogenannten IungsernHonig bcsireichr und reibet. Lao Sahnfleifch wird dadurch geschmeidig gemacht und versiarrek dadurch alsdann denen zungen Sahnen einen leichtern Durchbruch. Je weniger Wider, stand die Zahne finden, um so weniger werden sich auch Convulssone» lieber oder andre dergleichen gefährliche Zufälle ereignen, wodurch so manches Kind den mütterlichen Armen entrissen wird. Alle diejenige P rsomn^ denen ,ch dieses Mtkelangerakhen, haben es von einer so guten Wükunä eiZges KudlingebüL"'^-^ b6V D$m A«sbruch der Zähne, nicht ein Vlcue 166 Giesisth -w§chettt!rch AemerrmütziZe Attzeigm Schlucken die untrüglichsten Beweise, daß Würmer die wahre und eiluiar Ursache der Krankheit sind. . 8 und Nachrichten. x<7 Nene Bücher. . Hoffmann (Carl Gottlob) kurtze Antwort auf Heumanns Erweis,rc. 8» Wittenberg 176s. if kr. Herrrl D. Heumanns Erweis als em Oelblatt des Friedens, 8. Francks.. 1765. 1$ kr. Gedanken (Patriotische) über das zerrüttete Münzwesen, 8. 17^ 8 fifc Bertranv (I.) Kunst die Wiesen zu wassern, oder Abhandlung von dem Wasser, rc. 8. Nürnberg 1765. $0 kr. Mayers (Daniel) Anweisung in ConcmsFätten, 4. Nürnb.765. if fr. Köster (Martin Gottfried) Auszug der politischen Geschichte von dem Ur* sprung aller Völcker bis auf die letzte FriedenöSchlüsse, Zranckfurk 1764. i st. 15 kr. Nachricht. Da den 6ten May die zweyte Claffe von der zweyten Höchster Flachsund SilberLotterie gezogen worden, und die Listen davon emgelausen, als können die Herren Interessenten solche communicirt bekommen, und ihre Gewinne bey Ausgebern dieses, gegen gewöhnliches Porto in Empfang nehmen. Ein- und avspaßierende t?om r/venMay bis den i7ten May 1765. WaUehor den izten May-, cm Dänischer geheimder Rath, Herr von Eisse, paßirt von Marburg durch. Selzerehor den rz. Herr Baron von Stalburg, kommt von Frankfurt lognt im Posthaus. - • - Eod. Zween Husaren bringen rinen Arrestanten von Butzbach an Hochfürstl. Regierung. WaUrhor den 15. Herr -Obrist von Falkenstein, pass herein, togitt ben Herrn GeneralMajor von Drechsel. ♦ - Eod. auf dem Cassel. Postwagen ein Lieutenant von der Heßischen Artillerie, Herr Wilhelms, untrem Kaufmann, pass durch. waUehor den 16. em Dähnischer Obrist, Herr v.Zeestädt/paßirt von Cassel hierdurch. Gelzerrhor den 16. der Herr Obrist von Münchroth, von der Darll^ stadter Garde, paßirt durch. wallrhor den 17. auf dem Casselischen Postwagen, em Macrer, ein Student, und ein Jud, pass durch. 1 Giesische wöchentlich - gemenmötzige Anzeigen Gebshrm vnd getauft. Am 13. May, Johann Lorentz und Johannes, Wilhelm Wagners, Bürgers allhier, Zwillinge. * Am 14. May, Susann« Magdalena, Herrn Ludwig Oswalds, Secreta. rii wie auch Oeconomi bey Hochlöbl. Universität allhier. Loäem. Johannes Valentin, Wilhelm Hoß, Bürgers und Schreiner- Meisters allhier, Söhnlein. Versterben. Am IQ. May, Herrn Prof. Medicin. Primär, und Hochfürstl. Hessen- Darmstädtischen BergRaths D. Baumers, Töchterlein. Frucht- und andere Preiffe am Markttag den 18 May 1765. Gieser Maas. Fl. 1 Achtel Korn - f 1 Achtel Gerste - r x Achtel Waitzen 6 1 Achtel Hafer - r 1 K. gescheite Hirsche - x lb. gescheite Gerste - 1 klein gescheite Gerste 1 Meste Erbsen * x Meste Linsen - x lb. Ochsen Fleisch auch - Alb. !10 2 I 2 ’4 14 3 r Pf. x lb. Kuh Fleisch 1 lb. Rind Fleisch 1 lb. KalbFleisch 1 tt. SchweineFleisch 1 lb. HammelFleisch x lb. SchaafFleisch 1 lb Wirrst - - 1 KalbsKopff 1 lb. frische Butter -Eyer » Alb. 2 2 r 3 2 2 4 f f ! 2 ! Pf. 6 4 2 2 6 4 Becker Preis. xvi ^oth Brod » - 4 Pf. 8s Loch Weck - - 4 Bf. 4^ Loch ButterBretzel 4 Pf. 14 Loth Teitscher - - 4 Pf. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger, UniversitatsBuchhändsern hieselbst, an die Herrn krcbhaber gegen i Rlhlr. l^lbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 Fr. ansgegc- den.-,Man wird auch den Herrn Prnnumeranttn mit denen schon heransgekomme- oeir Ptücken dienen,