Mestsche wöchentlich- WMWÜW Knzeigen mb Vachrichten. Vier und Dreißigstes Stück. Dienstags den sotett August 1765» Mit Hochfürsil. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Folgende Gedanken vorn Fluchen sind ans einer bekannten Wochenschrift genommen, und werden aufVer.langen eines vornehmen Lesers unsrer Blatter eingeruckt. SU ch hörte gestern von meinem Fenster einem jungen Menschen zu, wel- /tt cher seinen Unwillen über eine sehr geringe Sache durch ein auffer- ordentliches Fluchen zu erkennen gab. Dieser junge Mensch redete diese Sprache mit einer besonbern Fertigkeit: es waren auch seine Flüche ziemlich nach der neuesten Mode eingerichtet. Bald sah ich einen Blitz aus seinem Munde steigen, auf den der Donner folgte. Bald lies er einen Hagel regnen, und beschwur die Pestilenz, daß sie sogleich eindre- chen sollte. Zu eben der Zeit sah ich so viele tausendmal tausend Teufel aus seinem Halse stiegen, als, meiner Meinung nach, kaum eine einige Hölle, geschweige denn ein einiger Mensch, in sich fasst'» kan. Und was mir das wunderbarste geschienen, so sah ich ganz deutlich, wie diese unzeh- liche Teufelcben, nach einer lächerlichen Bewegung, die sie in der Luft machten, insgesamt wieder in den Mund zurücke gestogen, aus welchem sie durch das Fluchen gestossen worden. Es war gut, daß diese Blitze, Donner und Hagel nur in leeren Worten bestanden, und daß diese ganze Brut der ausgespienen Teufel nicht in der obern Lust geblieben, sondern sogleich an ihren vorigen Ort zurücke gefallen: denn sonst würde ich mein 266 Gresische wöchentlich -gemeittnötzige Auzeigett Fenster nicht lange offen behalten haben/ und ich würde in der Furcht gestanden seyn, wieder mein Verschulden, der Nahe wegen ein Theil dieser Uebel nur auf den Hals zu laden, die der Flucher eigentlich seinem Gegner zugedacht hatte. ö Diese Begebenheit veranlaßte mich zu einer Betrachtung, die ich so gleich über das Fluchen anstellte. Ich nahm dadurch, daß ich ein Augenzeuge von dieser Begebenheit gewesen, sehr deutlich das ungereimte wahr, welches in dieser Art der unnützen Worte enthalten ist. Wenn man flu* clKf, so wünschet man entweder sich selbst, oder einem andern viele und grosse Uebel an den Hals Beydes ist nicht nur höchst unvernünftig, und wider die geoffenbarten und natürlichen Gesetze, sondern zugleich im höchsten Grade lächerlich. Wenn man seinem Feinde wünschet, daß ihn der Donner, ich weis nicht, wie viel Klafter tief in den Erdboden schlagenmöge, oder wenn man sich selbst wünschet, von dem Teufel geholet zu werden: so wünscht man sich eine Sache, deren Erfüllung dem Flucher gewls nicht lieb seyn würde. Ich möchte die Bestürzung sehen, in die em Flucher nothwendig gerathen müste, wenn er merken sollte, daß es das Ansehen habe, als ob sein Wunsch erfüllet würde. Wie bald würde er nicht das alles wiederrufen, was er vorhin mit so grossem Ernste gewünscht zu haben geschienen. Ich halte es für ein sicheres Kennzeichen eines Poltron, wenn man gewohnt ist, zu fluchen. Dergleichen Leute wissen, daß ihr Verlangen nicht erfüllet wird, und eben daher thun sie groß, sie fordern, gleichsam durch ein kriegerisches Cartell, den Teufel heraus, weil sie wissen, daß ihm die Hand gebunden ist, und daß er sich nicht mit ihnen schlagen darf. Wie lächerlich ist nun nicht ein solches pra- lergches Bezeigen? Es kommt mir eben so ungereimt vor, als wenn man seinen Feind, welcher der Entfernung, oder andrer Umstände wegen, unmöglich erscheinen kann, gleichwol herausfordern würde,, sich mit ihm auf em paar Pistolen zu schlagen. Wenn man zuverläßige Exempel hätte, daß die Wunsche der Flucher zuweilen eingetroffen, wie behutsam würde mcht der meiste Theil dieser Praler verfahren, um sich nicht wider seine Abficht, einer gleichen Gefahr auszusetzen. Allein das wissen die Flucher, daß Teufel sich nicht die Mühe giebt, auf ihren Wink zu erscheinen, oder daß er nicht kann, wenn er gleich wollte: und darum sind sie so herz- Haft, ihn aufzufordern. Diese Leute sind auch insgemein sehr behutsam, nicht zu der Zeit dem Blitze und Donner mit ihrem fluchen zu trotzen, wenn eben em heftiges Donnerwetter an dem Himmel ist: weil sie wissen, rmd V7achn'chrett. daß alsdenn ihr Wunsch noch etwas eher, als zu emer andern Zeit wahr werden kann. Es sind mir auch viele Exempe! bekannt, daß diejenigen, welche den Donner so oft rufen, bey entsiandnem Ungewitter vor andern am allerfurchtsamsten gewesen, und sich entweder mit Verstecken, oder Mik hervorgesuchten Wettergebethen, wider die Gefahr zu schützen gesucht man die Ursachen untersuchet, warum die meisten zu fluchen gewohnt sind: so wird man finden, daß insgemein eine sastche Ehre da- bev zum Grunde liegt. Man bildet sich ein, durch das Fluchen seinen Worten einen Nachdruck, und sich ein Ansehen zugeben. Ern Menich, welcher sichs in den Kopf gesetzet, recht zu zeigen, daß er zu leben wisse, wrrd zehnerlei) Formeln im Vorrathe haben, mit welchen er fernen Worten ein Gewicht geben kann, das sie an sich nicht haben wurden: p er wird so witzig seyn, daß er sich einbilden wird, ein Fluch , den man entweder gleich zu Anfänge, oder im Schlüffe emer Rede recht geschickt anbringe, mache die ganze Rede erst recht manierlich. Mancher Harwva- ter macht sich durch das Fluchen bey den seinen furchtbar, und ern Offi- cier glaubet, seine Soldaten desto eher zum Gehorsam zu bringen, mehr er mit dergleichen Centnerschwehren Worten um sich wirft. Mit M-m ung-grünv-ken Vomrth-,1- trägt man sich- und daher kommt es, daß junge Leute, die Kunst zu Fluchen nachzuahmen suchen , und sie so gar für eine Art der Wohlredenheit ansehen. Es wird aber em jeder vernünftiger Mmsch leicht begreifen, wie wenig Ansehen man sich durch diese armselige Kunst bey Personen, die Verstand besitzen, zuwegen bringe. Die Glucke bestehen doch nur in einem Haufen unnützer Worte, die man Gedankenlos hervorbringt, und die noch dazu eine schwere Verantwortung nach fd) Laster, welche besonders einem von den beyden Geschlechten der Menschen vorzüglich anhängen, und dahm ist unstreitig das fluchen zu rechnen. Die Mannspersonen sind insgemem diesem Laster ergeben. Ich erinnere mich zwar auch verschiedener Exempel von Weibspersonen , die wenn sie in Zorngerathen sind, so gut, als ern Fuhrmann, geflucht haben Doch ist dieses etwas seltners, und es bleibet d-e es Laster hauptsächlich dem männlichen Geschlechte eigen. Ich habe auch bemerket, daß die Mannspersonen selbst, in der Art zu fluchen sehr von einander unterschieden sind. Ein Fuhrmann wird, wenn er flucht, ganz andre Worte brauchen, als ein Stutzer in Gegenwart seiner Schönen. Der erste wird, Li h itl Meflstho wöchentliche gemekttnSylge Anzeige» wie überhaupt keute von gemeinem Stande zu thun pflegen, be» den Mt« vakerischen Flüchen bleiben, die er von seinem Vater gelemet hat - allein em Mger Herr wird sich auch m diesem Stücke nach der Mode rich n Dieser letztere wird sich insgemein in Gegenwart seiner Schonen aaia> t» französischen Fluche bedienen. Es isi aber eines so lächerlich, als das an, dre, und ein üiabl- m emporte ist dennoch eben so ungereimt, als wenn der gemeine Mann in seiner Muttersprache sagte, daß ihn der Teufel hö" Ivil jvllv* * h,linfdxt1o'nbflg mfln ein Mittel ausfündig machen könte, d^i^em sehr emgeriffenen Laster/ zumal bei) jungen Leuten vormbeuaen So nachdrücklich öfters die Canzeln die abscheuliche Gewohnheit zu fluchen verdammen, so wenig Eindruck hat esgleichwol meistentheils in iun- gen Oemuthern, weil diese oftmals aus einem sehr unvernünftigen Vorur- theile, das/emge für schön halten, was doch die Moralisten mit den bün# v^werfen. Ich glaube daher, man sollte, wie in an- dern fallen, allo auch bey diesem, vielmehr auf physikalische Hülfsmittel btt acht seyn, weil die moralischen nicht zureichend sind. Und vielleicht konte man hier eben das Mittel Vorschlägen, welches der sinnreiche Schwif ausgeionnen Hat, um den Plauderern Einhalt zu thun. Man^ könte eine gewisse Mafchme verfert gen, welche die Gestalt eines Halseisens hätte und welche man den Fluchern so gleich um den Hals werfen müste, wen» sie anfangen wollten, ihren gewöhnlichen Sittenspruch he zusaa es geht mit dem Fluchen so -maschinenmäsig zu, baß wnnS Mund «Mut, er alsdenn für sich fortsiuchek,undfL mi h° ium Scdweigen bringen last. Allein ich zweifle doch selbst, ob der zen di-ies Mittels so allgemein ist, und in allen ähnlichen Fällen st de« kau Personen vom vornehmern Range würden deustnigen Ehr™ Dank sagen , welche sich unterstünden, durch dieses -Hälschen Mr E™ zu unterbrechen Ich bin daher auf ein anders Müt g äthen?dess n M-uch Staudes-Personen, die sich zum Fluchen gewöhnt haben, 2 schämen dürfen. Man könte nur semand der im Begriffe ist zu flucht Mu en, daß er denken sollte. Ich bin überzeugt, daß das Denken und Flrichen mcht zu einer Zch beysammen flehen kan. Das Fluch n st ms- gemem eine anhaltende Bewegung der Worte, die der Mund, as £ M-Mne, nach den Gesetzen der Bewegung, hervorziibrinae»" Wurde man nun also unter dem Fluchen denken, so würde dadureb^das Flüchen selbst gehniderk.werden, wenn man zumal bei- dem Denken das lächer- mid Nachrichten. i6# lächerliche in dieser Handlung bemerken würde. Man könke unmaSgeb- lich, das erstre gröbre Hülfsmikkel bey den Fuhrleuten, und den Fluchern vonr geringem Stande, das leztere aber bey Personen vom hohem Range anwenden. Wir wollen unser heutiges Blatt mit einem Briefe beschliefen, der uns vor einigen Tagen ist zugefchickt worden. £. .. den 16 Aug. 176?. - Meine Herrn! Was sagen Sie dazu, daß ich meinen Mann bey Ihnen verklage? «rch kann Sie aufrichtig versichern, daß er der beste Mann von der Welt ist und daß ich in allen Stücken recht sehr wohl mit ihn, jutne&cn bin. Nur eine böse Gewohnheit hat er an sich, die ich ihm schon lange zu vertreiben gesucht habe. Es haben aber weder Satyr en, noch ernstliche Er- innerurigen etwas bey ihm fruchten wollen, Vielleicht erkennt er feinen Kehler, wenn er sieht, daß er deswegen öffentlich verlacht wird. Er steßt om ioten August bis den r6ren August 176 f. Walkbor den uten August, ein Französischer Capitam von der Cavalle- rie, Herr de Piemond, und ein Officier du Boy, paßlren von Mar- Selzerthsr den"^-'. ein ChurPfäizischer Capitam, Herr von Graubre, »aßirt von Friedberg hierdurch. YY>or, Herr von Graß, und ent Preußischer ObristLieutenant, Herr von Düring, log. im Einhorn. CTeuftÄ6tcrtbe>r den 13. ein Englischer Lieutenant, Herr Schneider, und Herr Amtmann Schultz von Königsberg, paß herein. . Mallkhor den es. Eine Dame von Lohoff, paßirt von Marburg herein, logirt im PosthauS. wall- Gelehrte Anzeige. .. °tm Verlag Johann Philipp Rriegers ist folgende Piece gedrucktworden: Eines Lutherischen Freundes auf bittliches veran- I ,«fXfftcte Beerachtuirgen über weiland D. Heumanns Ver- mächtnisund dessen Auslieferung, 8. wird bey obbetnelDenAusge- bern dieses um 1 r kr. verkauft. Bekanntmachung. Anna Maria Geißlerin zu Skauffenberg hiesigen Ober-Amts, last ihren gewesenen Ehemann, Johann Ludwig Geißler, gewesenen Muller auf der Mühle bey Allendvrf, Amts Battenberg, welcher sie voi: zwölff 'kr(t) boshafter weise verlassen, ediekaliter citiren, und stehet Erscheinungs-Termin aufDienstag den i?ten künftigen Sept. MonatS, affigirt Giesse» Den is August i7«f. Gl'esische wochetttlich- Utmeittttutztze Attzergett wallthor den l6. ouf dem Cassel. Postw. ein Preußischer Capitain, von Bohlen, und ein Dänischer RegimentsQuattiermeister, ^err Mquis, paß. durch. r Selzerehor den 16. ein ChurPfaizischer Lieutenant, Herr Breter, kehrt tinin der Cron, und ein Baron, Herr von Paravicini, paßirt sogleich durch. r p 1 VerehlrAt' Am rr. August, Daniel Christoph Schaubach, Bürger und Kramer allhier, und Anna Sophia Planckin, weil. Johann Daniel Planck, Bürgers und Weisgerberö allhier, nachgelassene eheliche Tochter. Gebühren Vacat. Verstorben. Am 7. August, Johann Henrich Christian, Philipp Schafners, Sohn. Am 8. August, Frau Johannetta Catharina Niesm, Herrn Johann Christoph Nreß, dritten Praceptoris an hiesiger StadtSchul, Ehegattin, gebohrne Völckern. Frucht- und andere Preiße am Marktag den i7Aug. 17 fl. nlb. pf. W I alb. pf. I Achtel Korn - 4 20 - r Ochsenfleisch - 3 1 Achtel Gerste # 3 - 1 !Küh fleisch - 2 4 1 Achtel Wachen 6 - - 1 Rindfleisch - 2 2 1 Achtel Hafer - 2 - - 1 Kalbfleisch - 2 4 1 Moste Erbsen - 14 - 1 Schweinefleisch 3 1 Meste Linsen $ < 14 t 1 Hammelfleisch 2 4 1 Pfund Hirsche -2-1 Schaffleisch 2 1 Pfund gescheite i Bockfleisch - 2 Gerste ----14 1^ Wurst - - 4 1 Pfund klein ge-, i Kalbsgelüng 2 2 schelte Gerste - ! - 2 - 1 KalbsLeber - 2 2 65. .. I I I I I Gieser Mac Karpfen Hecht - Persing - Barmen Cchleyen Butter 4 ls. alb. 6 6 6 3 3 5 pf. 4 paar | 1 junge Hahne »jungeTauben 1 alt Huhn 7 Eher albZ 6 5 6 2 Pf. Becker Preist. - Loch 19 4 Qu. - 2 Brod. - ButterVretzel alb. pf. fe. Loth. Qu. alb. pf. 4 - 9 > 2 Weck - - , L 4 4 14 4 Teitscher - # 4 Diese wöchentliche Anzeigen werden von dein Verleger Johann Philipp Krie- ger, UmversitatsBuchhandlern hieselbst, an die Herrn Liebhaber g^en ^ Rch r hntbiahngc Pränumeration geliefert. Ein;el»e Bogen werden für 4 fr. ausgege) ucn Stück» dirneu^ d^«U'Ukranieu imt dtllk» schon be-