*?7 wöchentlich- WWW DWG Mö NaOrtchken. Acht und Dreißigstes Stück. Dienstags dm r7em Septz. »765. Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Nachricht von der Deutenschen Familie in GLessm, Non omnibus datum efty habere nafum. ^■CSSie leicht kann man sich doch irren! Wer hatte denken sollen, daß es noch Deuter in der Welt gäbe ? und daß in diesem Jahre das Deu- tensche Geschlecht, dieses gezüchtigte und langst ausgepeitschte Geschlecht, bey uns von neuem aufieben würde? Dem ohnerachtet können wir versichern, daß seit einem halben Jahre nicht allein unsre Stadt, sondern auch unsre ganze Gegend von Deutern wimmelt, und gleichsam über- schwemmt ist. Wir kommen fast in keine Gesellschaft, worin wir nicht einige Deuter antreffen, nemlich solche niederträchtige Leute, die unser Wochenblatt auf die allerunverschamteste Weise beschimpfen. Von allen Charakteren, die wir bisher in dasselbe haben einrücken lassen, wollen sie das Urbild kennen. Sie deuten mit Fingern darauf und sagen einem jeden, den sie nur ein wenig kennen: sieh ’ da ist der und der gemeint. Heute, rief jüngsthin einer aus vollem Halse in meiner Gegenwart, heute war wieder ein recht comischer Zug von einem gewissen Herrn im Wochenblatt. Von wem dann? fragte em andrer diesen Deuter. Ey, kennen Sie den nicht/ Pp es »9 t GLesische wöchentlich- gemeittttStzige Anzeigen es war, so wahr ich lebe, der Herr - Kein Ey sieht dem andern so ähnlich, als dieser Charakter dem Herrn. - Ich bitte um Vergebung, mein Herr, fiel ich diesem Deuter ins Wort, wenn ich andrer Meinung bin: denn soviel ich den Herrn - kenne: so erinnere ich mich doch nie, daß er dergleichen Thorheiten sollte begangen haben. Ich sagte ihm einen Zug «ach dem andern und der Deuter mußte mir ganz beschämt gestehen, daß nicht ein einziger persönlich war. Diese ärgerliche Deutung führte mich auf die-Untersuchung: wie ein Mensch gesinnt seyn müsse, der sich zur Deuterischen Familie schlüge. Ich fand, daß er nicht allein ungerecht/ verläumderisch und ein Schadenfroh, sondern auch.sehr stark von sich selbst eingenommen und noch gar weit von seiner eignen Besserung entfernt seyn müsse. Em Deuter istmmereche und verläumderisch, nicht so wohl gegen den, der den Charakter eines andern entwirft sondern-auch gegen den, welchem der Charakter ähnlich seyn soll. - Wir können uns nicht erinnern, daß wir in unfern Charakteren der Persönlichkeit irgend eines Menschen zu nahe getretten wären. Wenigstens ist dieses nie unsre Absicht gewesen. Wir haben nur überhaupt die Thorheiten und Laster der Menschen schildern und lächerlich machen wollen, ohne dabey auf die Persönlichkeit eines Menschen ins besondere zu sehen. Es ist also sehr ungerecht und verläumderisch, wenn uns ein Deuter andre Absichten andichten will. Unser Trost bey allen Deutungen sollen immer die Worte bleiben, die Hieronymus an den Nepotian fcl)rieb: Neminem fermo notier fpecialis pulfavia: Generalis de viriis difputatio fuir. Sed, qui mihi irafci vohierit, ipfe de fe, quod talis fit, confitetur. Ein Deuter ist auch ungerecht und verläumderisch gegen denjenigen, welchem der Charakter ähnlich seyn soll, denn er legt demselben durch seine Deutung Fehler zur Last, die er gar nicht an sich hat. Wir möchten nur einen einzigen Charakter unter den unsrigen sehen, der bey einer gewissen Person ganz statt fände, oder keine solche Züge enthielte, die man nicht zugleich bey andern anträffe. Die Herrn Deuter sind manchmal so unwissend , daß sie Satyren und Pasquillen nicht von einander unterscheiden können. Hine lacrymae ’ Daß ein Deuter ein Schadenfroh seyn müsse, ist leicht zu beweisen. Den» er begnügt sieh nicht blos mit der Entdeckung des vermeinten Originals .eines Charakters, syndem er bemüht sich auch auf das sorgfältigste He Elltdecküfig der Welt bekannt zu machen, und sie allen Gesellschaften, in in welch-«Fomint, gleichsam aufzudring-n. Er muß also eiche Freude darüber empfinden, wenn derjenige, der eine unschuldige DaWe gemacht w, als ein Pasquillant einen, jeden vemunstigeu »erachtet uK, gehaßt wird. Es muß ihm aber auch cm Vergnügen seyn, Wenn .derjenige, M er sich als das Original der Salyre -rdcht-k, durch seine Deutung W ieverman verlacht und verspottet wird. Ueberhaupt M Schad-nft-ude eine von den alleini-dertrachklgsten und boshaftesten Gesinnungen, deren ein Mensch nur fähig werden kan.' ’ . .■ . -; , cfgeun ich einen Deuter reden höre; so kommt es mir immer bot, als wenn ich einen Menschen Härte, der eine sehr starke Portion von einer blinden Eigenliebe befaße und sehr schwer zu bessern (e»n muffe. Denn die Begierde zu deuten macht ihn nut auf die Fehler andrer aufmerksam. An sich selbst denkt er niemals. Menn er nur einen Zug in der Satyr- fin» bet, der auf einen andern paßt; so bildet et sich sogleich ein , 6ie übrigen Züge wären von eben dem Original entlehnt, und vergißt über dieser Cm? hildung die nöchige Untersuchung, ob er nicht selbst eben die Thorherten an sich hibe, die er an andern zu finden glaubt.. Er sieht den Splitter in feines Bruders Auge und den Balken in seinem eigenen Auge wird er iW gewahr. Auf diese"Weise beraubt er sich aus eigner Schuld der manmg- faltigen Vortheile, die ein Vernünftiger aus der Satyr- zu ziehen weis. Bey, dieser Gelegenheit müssen wir einige.Wünsche ausern, deren Er- süllunq wir noch vor dem Schluß dieses Jahres hoffen. Erstens wünschen wir, daß das D-nt-risch- Geschlecht in unserer Stadt nicht so gar weit mehr von seinem Unt-rganW-mf-rNk s-yn^od-r durch eine baldige Vermahlung mit dem Geschlechte der liebreichen Beur- theiler ausarten möchte. Sollt- dieser Wunsch nicht mit nächstem erfüllt werben; so wollen wir schon auf Mikkel bedacht s-yn, das unheilige Ge« schlecht der Deuker zu vertilge,Sie sollen gewis die ersten s-yn, die an das morallsckc Halserssc" sollen gestellt werden, das tot Mb verfett,, gen lassen. Was wir eigentlich unter diesem moralischen Haiseisen verstehen, sollen unsre Leser zu ftinet Zeit erfahren. x Zweitens wünschen wir, daß alle Deuter, ehe sie ihre Deutungen an den Mann bringen, vorher sich selbst untersirchen, und, wenn man so sagen darf, das Buch ihres Herzens nachschlagen möchten, ob nicht etwa die Fehler darin selbst ausgezeichnet sind, die sie an,andern imt so Mlem Vergnügen entdeckt zu haben glauben. Und wenn sie sich alsdenn selbst troffen finden sollten; so wünschen wir von ganzem Herzen, daß sie, sich Pp r mehr joo Gksifcht «rchemlich << ßewtitiHSgige 2ta$clgtW ™*>nim dieVttbefferung ihm eignen Fehler, als um die Entdeckung tw fixier ihres Nebenmmschen bekümmern möchten. Wir können Sie vew sichern, meine Herrn Deuter, Sie werden weit mehr Ehre und Vortbelle davon haben, wenn Sie unfern Wünschen nachleben, als wenn Sie m deuten fortfahren. ES scheint, als wenn Sie noch nicht wüßtet L man satyrische und moralische Schriften mit Nutzen lesen soll. Geben Sieui^ nur Nachricht davon, wir wollen es Ihnen herzlich gerne sagen.' wünschen wft, daß sich der vernünftige Theil unsrer Leser für allen Deutern wie fur Ottergezuchken in Acht nehmen möchte. ♦ Sie ha« den heimliches Gift bch sich, diese gefährlichen Leute, und kein Mensch ist ^,'^^^^"Emschen Nachsielluftgm sicher. Sollten sich aber den« Mu ^^'"den.iffeereignen, daß auch dieser Wunsch nicht er. r,L«,'in‘,r« J6 nrc; 10 soeben wir uns anheischig, eine neue Art von »• Nb ^uter nach dem andern au» ?ö^n n’ir nc* erinnern, daß wir allen Deutungen zu Trotz, reu!, mÄ "*«!£"' unJre ksser zuweilen mit satyrischen Charakt^ ren zu unterhalten. Wrr werden, wre bisher, jeden Verehrer der Tuaend ti«eTfud)enD’m Kiiechtdes Lasters nutderP-itsch« der Sakyrezuzüch. t,gen suchen, wer werfe ist, sagt Salomo in seinen Sprüchen' bc^m l>cb< »nd wer verständig ist, der lässek •yiiw *£Vvk)vi>t SwfäBe und Verbesserungen zur Hessen-Darmstädtischen K . rXL Chorographre, „ V Zu denen IM Oberamt Giessen befindlichen Beraem ist der^aNi- geistern hrnzu zu setzen. Er ist ein, mit Waldung bewachsener Gellem und gehöret m Die Gemarkung der Stadt Giessen *e ' ßeininnentolnmt,Lasphe und Beeiden-, ©öenLS cS? Ruttershausen, sondern zwischen Ddenhaustn, Saltzbodcn, Sichertshausen und Lrredelhausen. s / ?) Au« ' fa94 le jii lesew «Feite ist, entweder durch einen Schreib« oder Druckfehler, das Pfund Aale» zu io. fr. angesetzet worden. Mn» kaufet es^fur^kr^^ sich Luchse im Äberamt Gies, ftn finden liefen. Wir werden «S genauer untersuchen, und die Gewiß, heit annoch nach «melden. , . , 7) Auch will man in Zweifel ziehen, ob Mergel m Oberamt zu , finden feye. Durch die Untersuchungen des Herrn BergRathS Dr. Baumers wird dieser Zweifel in Gewißheit gesetzek werden könnem 8) Bey der Religion ist noch anzumerken, daß auch die Jude» aedultet werden. Siegeben ein jährliches Schutzgeld, und stehen, in bürgerlichen Sachen, unter den Beamten; in Jüdischen Sachen aber un« t auf der anderen Seite, viele und immerwahrende Stnttigkeiten entstanden und immer fortgeführet worden sind: so ist endlich zwischen bey-- den Theilen ein Vergleich gestifftet worden, dahin, daß S^Durchlancht, der jetzige Fürst von Weilburg, an gedachte vier Ganerbschafftliche Geschlechter die Summe von 2000. fi. baar bezahlm, dorgegen aber die Ganerbschafft aufgehoben, mithin alle Ganerbschafftliche Rechte ganz zernichtet seyn sollen. Dieser Vergleich ist, vor ungefehr 14. -tagen, dulch die, zu Arzbach geschehene, Auszahlung derer 2000 ft zu seiner Vollziehung gekommen. Aufgabe. Ob ein Unterschied zwischen einem schlechten und schlimmen Haushalter sey, und worin derselbe bestehe? Zu verkaufen. Le Grand Diftionaire de Monfieur de Richelet. In 3 FranzBandett in folio. Basel, die neueste Ausgabe von L7Z f. wird den Liebhabern vor 15 fl- angeboten. _______________________________________ Was verlangt wird. Ein Prediger auf dem Lande sucht einen Candidat. Theol. von guter Aufführung und in humanioribus wohlerfahren, für seinen einzigen Sohn zur Information, gegen einen guten Gehalt und alles stey, dabey er sich auch im predigen üben kan. Bey Verlegern dieses kan man die Conditio» nes erfahren. . T Desgleichen wird von einem vornehmen Herrn ein Candidatus Iuris od r auch Theologiae, entweder lutherischer oder reformirrer Religion, zum Hofmeister für feine junge Herrschafft verlangt, der ebenfalls mit guten Zeugnissen versehen, und in der Latinitat wohl geübt seyn muß. Er ge» nicht ein ansehnliches an Geld, und alles frey. Kan er zugleich m Französischen Unterricht geben, ist es desto vortheilhaster. Bey Ausgebern dieses erhalt man weitere Nachricht. ;v4 Gl'esische wöchentlichgemeittttötzl'ge Anzeigen Ein-und auspaßierende vom 7ten Sept, bis den nun Sept. 176 f. Walkhor dm 7. Sept. 4 Kaufleute von Cassel paßiren nach Frankft hierdurch. wallthor den 8. der Herr ObristLieuten. Loos vom Regiment Wuttge- nau, paßirt durch. wallthor den 9. Ein Zweybrückischer Cammerherr, Herr von Jager, paßirt durch. Em Braunschweigischer Capitain, Herr von Keller, logirt bey dessen Hcrrn Bruder. wallthor den 10. z Kaufleuthe von Hannover, paßiren nach Franckfurt hierdurch. Selzerthor den 10. Ein ChmMainzischer geheimder Rath, Herr von Boothmann, paß. durch. wattthor den n. Der Herr Graf von Schuüing und ein DanischerCa- vallier, Herr v. Meloch, paß. von Cassel hierdurch. Selzerthor den 12. Ein ChmMainzischer Capitain, Herr Held, und ein Französischer Lieuten. Herr Flücke, paß. durch. Ein Würtembergi- scher Capitain, Herr Langsdorfs, log. bey dessen Herrn Bruder. Gebühren. Am 4. Sept. Wiuhelm Balthasar, Philipp Moritz Magnus, Bürgers und Küfers Söhnlein. Am 7. Sept. Joh. Christian, Johannes Koch, Bürgers Söhnlein. Am «. Sept- Johannes Gerhard, Johann Gerhard Lentz, Bürgers und SchueiderMeisters, Söhnlein. Verstorben. Am 7- Sept. Wilhelm Balthasar, Philipp Moritz Magnus, Bürgers und Küfers, Söhnlein. Eodem Anna Elisabeth« Löberin, weiland Johannes Löbers, Bürgers und Steindeckers, hinterlassene Tochter. Diese wöchentliche Anzeige« werden von dem Verleger Johann Philipp Krie, -er, UuivcrsitätsDuchhändlern hicselbst, gn die Herrn Liebhaber gegen t Rlhlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werben für 4 fr. ausgege- bcn. Man wirb auch den Herrn Pränmmrantm mit denen schon herausgekonnnc, nen Stücken dienert, *