wöchentlich- gemiMW Knzctgcn mb Vachrichten. Neun und Zwanzigstes Ststck. , Dienstags dm i6ten Iulü 1765» Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Betrachtungen über die Mode zu Trauren^ allzugrose Liebe.für die herrschende Mode ist eine von den vornehm- CAj sten Quellen, woraus die Menschen so viele Ungereimtheiten vSSk schöpfen. Die Mode muß mitgemacht werden, sie mag vernünftig oder narrisch seyn, sie mag zu unferm Vesten oder zu unferm Schaden Reichen, sie mag andern einen schlechten Begriff von unferm Verstand oöer einen deutlichen Begriff von unsrer Dummheit und Eitelkeit bringen. Genua es ist Mode, und diese rechtfertigt alle Ungereimtheiten. Sie hat- eine so starke Wirkung auf die Gemüther der Menschen, daß sie wie ein Sttohm dieselben mit sich fortreißt und ihnen gleichsam nicht einmal so viel «eit erlaubt, vernünftige Betrachtungen darüber anzustellen, geschweige denn so viel Macht, sich von ihrer Gewalt loszureisen. Man kan sich fast nichts wunderbarers von vernünftigen Geschöpfen denken. Man betrachte L E. nur einmal die Gewohnheit, daß man um eines Verstorbenen willen eine Zeitlang schwarze Kleider anlegt. Diese Gewohnheit ist so allgemein bey uns geworden, daß sie beynahe nicht mehr willkührlich kann aenennt werden. Es sey ferne von mir, daß ich sie ganz für ungereimt und unvernünftig halten sollte. Sie kann in der That sehr nützlich wer- Am rrs Grcsisiye ivocbcntltcfe # gemdrtitSgige Anzeigen den und jur Verbesserung unfers Herzens sehr viel bevkragen. Und ver- muthsich war dieses auch der Endzweck der Erfinder dieser Gewohnheit, daß sie ganz von dem Schmerz über den Verlust des verstorbenen aebcuar. mir um deswillen TrauerKleider anlegten, damit sie dadurch die wahre Vekrubnis ihres Herzens ausdrücken >md von nun an ihren Mißfallen an allen lärmenden Eryötzüchkeiten Per Welt zu erkennen geben könnten, weil sie ihr liebstes Glück und ihre einzige Freude auf der Welt mit dem verstorbenen verlobren hätten. Diese Trauerkleider sollten ihnen also nicht auem cm ErinnernngsZeichcn an den geliebten verstorbenen, sondern auch «in bewahrendes Mittel für allen Ausschweifungen und unerlaubten Lust« darkeiken seyn. Sw dachten dabep ost über ihr verschwundenes Glücknacb. sie suchten dem tugendhaften Bilde des verstorbenen immer ähnlicher ru werden, und wünschten nichts heftiger, als daß sie bald wieder unzertrennlich mit ihm möchten vereinigt werden. Freilich wenn die Traucrkleider aus dieser Ursache angelegt werden; o dann sind sie etwas ganz vorr-ef- liches. Allem wre viel sind dann deren, die durch ihr Trauern diesen End- zweck zu erhalten suchen? die wenigsten wissen ihn nicht einmal, und die mersten legen nur um deswillen schwarze Kleider an, weil es so Mode ist Ich muß immer lachen, so oft ich Leute trauern sehe, die schon lanae auf t>cn Tod des verstorbenen gelauert haben. Was giebt der Erbe eines rci. chen Vetters durch seine Trauerkleidung anders zu erkennen, als dali er ein Heuchler sey? Man würde ihm das größte Unrecht thun, wenn man rhn innerlich betrübt nennen wollte. Er kan di- Coiidolenz über den Ver" lust seines Herrn Vetters kaum ohne Lachen anböreu. Rni'i-ffim träak er do» ichwarze Kleider nicht aus L ebe gegen seinen Herrn Vetter; denn daran denkt er gar nicht: sondern weil es so 9)!ohc ist. Sollte wob! El- mire wahrhaftig um ihren Mann trauern? Sie weint Tag unö Nacht imd fcbcint ganz «n tröstbar. -0 laßt sie nur noch etliche Tage herum haben, •** lcbon verstopfen. Ich kan es unmöalich glauben, daß sie um ihren Mann weint, denn sie hat ihn ja nie in seinem Le- den recht zärtlich geliebt f warum sollte sie ihn dann erst im Tode zu lieben anfangen. Sie weint nur, weit es Mode ist. Und wie unglaublich ist Knickt, daß Cleon über dm Tod seiner Rantippe sehr betrübt s-yn soll S>e warihm eine zwanzigjährige Hölle, und so gut als eine Legion von W ® merS/ 2zv Grcsrsche wöchentlich -gemeinnützigeAnzeigen vorzutragen. Auch soll ein jedes Mtglied auf eigene Kosten ein altes Weib unterhalten, das in die Hauser geht und Neuigkeiten sammlet, oder sonst jemand, der des Abends vor den Hausern horcht, was darinnen vergebt Siebentens. Wenn die Gesellschaft zusammen kommt; so soll ein jedes Mitdlied über die Neuigkeiten, die es erfahren hat, sein Urtheil fällen, nicht aus der Absicht, damit die übrigen Mitglieder dadurch sollen gebessert werden, sondern nur um der Begierde, über andre zu mtheilen und sich über ihre Handlungen aufzuhalten, ein Genüge zu leisten Je ungerechter diese Urthei'le sind, desto eher werden sie von der Gesellschaft gebilligt werden. 1 Achtens. Bey der Wahl des Aufsehers der Gesellschaft ist besonders zu merken, daß er gute Einfälle haben, verleumderisch und bosbaft seyn und einen freyen Zugang in viele andre Gesillschaften haben muß. ' Neuntens. Der Secretair der Gesellschaft soll von der Unterhaltung eines alten Ä-eibes oder besser zu sagen, einer lebendigen Zeitung srey seyn. Dagegen aber soll er die Correspondenz der Gesellschaft auf eigne Kosten besorgen. NB. Er muß unverdrossen und nicht je, 19 Z e Unkosten muß er auf die Ehre schlagen, die ihm sein Amt bringt. Dtes sollen die Grundgesetze der Gesellschait seyn. Die andere minder wichtigen Gesetze sollen emem jeden Mitgliede bei; seinem Eintritte in die Gesellschaft bekannt gemacht werden. Mr zweifeln nicht, daß diese Gesell« schäft mit nächstem sehr zahlreich werden wird, weil ihre Einrichtung so vor« kreflich mit d« Denkungsart vieler Leute übereinkommt. Wer ein Mitglied davon werden will, darf sich nur an uns wenden. Wir werden ihn der Gesellschaft bestens empfehlen, und so viel in unfern Kräften sicht, tu seiner Aufnahme in dieselbe betragen. Geschehen Giessen den r r Julius Mt nnö V7achn'chtett. mers/in eben der Absicht den Catheder, um die Doctor Würde in der Arz- neygelahrthcit zu erlangen. Die Disputation handelte: deSeri profluviis Haemorhdgiarum vices (uftinentibus, und besteht aus sthalb Bogen. was zu verkaufen. i) In dem Verzeichnis der nachgelassenen Bücher des weil. Herrn Metropolitan, M. Dräut, in Biedenkopf, welcher den lyten nächst- künftrqen Monats August allhier sollen verstrichen werden, sind folgende b'eyde sehr seltene Bücher anzuzeigen vergessen worden, die der vorgedachte Herr Metropolitan auf das sorgfältigste von den gedruckten überaus raren Exemplarien abgeschrieben hat. Nämlich: r) De Trinitatis erroribus Libri feptem per Michaelem Serueto cet. Anno cb bXXXL 119. Blätter in 8v. r) Dialogorum de Trinitäte Libri duo. De iufticia (so ist es M dem Onginal geschrieben) Regni Chrifti Capitula quaruor. Per Mi- chaelem Serueto cet Anno ebb XXXII. 95. Seiten in 8. Diese Bücher sollen entweder in die Auction gegeben, oder auch einem Liebhaber solcher Schriften besonders überlasten werden, weswegen man bey dem Verleger dieses weitere Nachricht erhalten kann. Biedenkopf den sten Julius 176 f. A v e r t i (Te m e n L Die Erste Neuwieder Lotterie ist mit aller AccmMsse gezogen worden, und sind davon die Listen bey Ausgebern dieses bereits eingelaufen. ES haben dahero Jhro Hochgräfl Gnaden eine 2te Lotterie veranstalten lassen, davon Plans und Billets bey Ausgebern dieses zu haben.- Sie bestehet wieder in 4 Elasten. Zur ersten Claffe so den 8. Nov. 176 s. gezogen wird, bezahlt man ifi.irkr. rten - so den 16. Jan. 1766. - - - afl. 24 fr. zten - so den r6. Martz 176^. # ♦ ♦ 5 st z6kr. - 4ten - so den f. Jun. 1-66 ♦ ♦ ♦ 4st. 48 kr. Es sind darinne sehr ansehnliche Preiße von 16000, gooo. 4000. 2000. 1000. 600.400. 2OO. und vielen geringern zu gewinnen, und wirb durch alle Elasten, ob sie schon gewonnen, mitgespielt. Em- »ZL Giesische wöchMtlich -- Aeweinftgtzige Anzeigen Em- unb auspaßiercnde vom fiten Ium bis den rrten □ulit 17^ f» Seherchor den 6ten Julü, auf dem Frankfurter Postwagen r Kaufleute und em Preußischer Capitam Herr von Cruße, vom Regiment GrafLoching, pass, durch. Malichorden 7. auf dem Cassel. Postw. em Preußischer Lieutenant, Herr von Berncreutz, vom Regim. Kleist, ein Kaufmann und r. Frauenspersonen, paß. durch/' waUchor den 8. Herr Jägermeister von Drechsel, pass, herein. Geherchorden 8. OramenNassauischer Fähndrich, Herr von Stamberg, vom 4tm Bataillon, logirt im Posthaus. Mallchor den 9. ein Heßischer Major von der Garde, Herr von Westerhagen , und ein Capitain vom LeibRegiment, Herr Fuchs, pass, von Marburg durch. Nerrwegerchor den n. ein HessenCasselischer CammerJunker, Hmv. Baumbach, paff, durch. Mallchor den 12. auf dem Caff. Postw. x Kaufmann und 1. Anspachs- scher Feldwabel, paff durch. Geherthor den n. der Herr Graf von Wittgenstein, paff, herein, log» sm Einhorn» Gebohren und gerauft. Am 6 Jul. Maria Magdalena Catharina, Johann Henrich Herings, Bürgers und Fuhrmanns allhier, Töchterlein. Am H. Jul. Johannetta Sophia, Moritz Balthasar Krtms, Bürgers und Beckers allhier, Töchterlein. Verstorben. Am 5. Jul. Joh. Friederich, Ioh. Phil Rohrbachs, Bürgers und Ausrufers, Söhnk. Am 9 Jul. Anna Maria Müllerin , weil. Zoh. Peter Müllers, Bürgers und Fuhr, .manns allhier, hinterlassene Wittib. Am 12. Jul. Hartmann Pfeiffer, Bürger und Schneider allhier. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krie, grr, UniversitatsBuchhandlern hieselbst, an Vie Herrn Liebhaber gegen 1 Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 kr. ausgege- den. Mau wird auch den Herrn Pranumerauten mit Heuen schon herausgekommeB mn Stücken dienen.