wöchentlich- MtiNlWge WWA W Kchrichtcn. Drey und Dreißigstes Stück. Dienstags den rzeen August 1765. Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. ir haben verschiedene Briefe erhalten, Blatt unfern Lesern mittheilen wollen, ner weitern Erklärung. Hier sind sie! die wir in dem heutigen Jhr Jnnhalt bedarf kei- Meine Herrn! Vergeben Sie mir gütigst, wenn ich mich unterstehe, Ihren Plan von Errichtung einer Gesellschaft von Neugierigen noch ein wenig voll- kommner zu machen. Ich habe mit Verwunderung gesehen, daß Sie unter den vielen Personen, die Sie für tüchtige Mitglieder zu dieser Gesellschaft erklären, dennoch derjenigen mit keiner Sylbe Erwähnung gethan haben, die fieisig in die Stuben der Kindbetterinnen kommen. Nein, meine Herrn, diese hätten Sie nicht vergessen sollen. Der Himmel behüte mich dafür, daß ich jemand verachten, oder irgend einem Menschen zuwider reden sollte*; allein das habe ich doch die Ehre, Sie zu versichern, Kk daß • Dies wird sich mit der Zeit schon geben, wenn unsre Correspondentin erst in der Gesellschaft ist. So viel glauben wir, daß es mit ihrer Aufnahme schwer halten wird, wenn Sie sich nicht verbindlich macht, diesen Fehler abzulegen, weil er schnür stracks wider die Gesetze der Gesellschaft lauft. Gresisthe wöchentlich ♦ Anzeigen raß niemand in der Welt geschickter ist/ ein Mitglied dieser Gesellschaft zu werden/ als eine Person/ die die Erlaubnis hat/ sehr oft an dem Bette der Wöchnerinnen zu sitzen. Denn sagen Sie mir selbst/ wo kann man mehrere Neuigkeiten erfahren/ als eben da? Wenn Sie jsmals diese Oerter besucht haben; so werden Sie mir gerne gestehen/ daß man sich alle Mühe in der Welt giebt , die Frau Kindbetterin mit Neuigkeiten und nicht !elten/ wie es dann den Gesetzen der Gesellschaft ganz gemäs ist/ mit Kleinigkeiten, mit Verleumdungen und dergleichen zu unterhalten. Ich muß es zwar gestehen , daß es einer Jungfer so gar anständig nicht ist, Kindbettennnen zu besuchen. Allein das thut zur Sache nichts. Ich bitt in meinem Jungfernstond so alt geworden / daß mir nur noch eine schwache Hofnung zur Veränderung desselben übrig ist. Ich kann also ganz wahr- * scheinlich vmnuthen, daß man mich in diesem Stück als eine verheyrathe- te Person anlehen/ und daß man mir .es gar nicht übel nehmen wird, wenn ich mich doch wenigstens zu erfahren bemühe/ wie man sich in den Wochen zu verhalten hat. Wer weis, ob ich nicht noch- Ich will meine Hof- rmng nicht ganz fahren lassen. Doch ich muß schliefen, so gern ich auch noch eine ganze Stunde mit Ihnen plaudern möchte. Aber noch eins. Wenn ick allenfalls das Glück haben sollte, in diese preiswürdige Gesellschaft ausgenommen zu werden; so soll man recht seine Lust sehen/ wie ich mich um Neuigkeiten bekümmern werde. Kurz/ ich kann ihnen schwören, (man mag mich nun dazu wählen oder nicht) daß ich die oberste Stelle in der Gesellschaft verdiene. Ich will mich zwar nicht rühmen; aber lch glaube doch, daß kein Mensch in der Welt ist, dessen Neugierde unersättlicher ist , als die meinige. Wenn es der Gesellschaft recht vorgestellt w-rd; so hoffe ich, daß man mich ohne grose Schwierigkeit zu einem der vornehmsten Mitglieder machen wird. Ich verlasse mich auf Sie, 'meine Herrn. Ich weis, daß Sie alles dazu beytragen können. Empfehlen Sie mich der Gesellschaft aufs beste. Sie werden sich dadurch ungemein verbinden Ihre tren, ihn zu einem Liedhaber der Ordnung und Reiniakeit L" m^cheii. Wir wollen ihn entweder auf ihre oder auf unsre eigene Un. k°si°n die Woche zwep bis drepmal mit Gewalt von der Straße weaneh» Men, ihn waschen und kämmen, und ihm andre Kleider anleaen lassen scheu' z^heffen"b«rttt"sinv"' M Mmsch-"freunde, und jedem Unglück. Wir machen uns beynahe ein Gewissen daraus, folgenden Mriek unfern Lesern bekannt zu machen. Er ist in Der Thar ein wenig zulschmeich- lend für uns. Doch wir wollen ihn einrücken. Unsre Leser können versichert seyn, daß cs aus kemer eitlen Absicht, sondern nur um deswillen geschieht, damit andre dem Beyspiel des Verfassers dieses Briefs Nachfolgen, und sich durch unsre Nachrichten bessern lassen möchten. 9 ' unD - r < ^Eine Hochgeschätzteste Herrn! ^Ä^dDank bin ich Ihnen für Ihre nützliche Nachrichten schuldig. lese Ihr W>ochenhlatt Mit dem größten Vergnügen, und ich muß ihm das --'diente Lob bey,egen, daß es vorttcflichTÄfc ^LbÄn'$u gemacht und mich von der Stund au, als icb sie havf, gebessert. Meint ganze Glückseeligkeit habe ich Ihnen zu danken Ich wurde gewis der ruchloseste Mensch geworden senn, wenn ick memevorige Lebensartbeybehalten hätte. Allen der schöne Bri fdes«»- dewicz v R./ den Sie in das achtzehnte Stück Mb.,, lassen , hat mir ganz andre, viel edlere und menschenfreimd. sichert Gesinnungen emgeflößt. Ich erfchrack, als ich meinen eignen ebn. ewig gepriese/, daßdie- jonsf eine |o wohlthätige Wirkung bey mir gehabt hat. Ich suche mich rmd L7kachn'chte»f. x^r mich am'tzt ganz nach dem Muster des Herrn fron R. zu bilden. Ich setze nunmehro den wahren Adel nicht mehr in eine lange Reihe fron Ahnen, sondern in ein edeldenkendes Herz, das frey von allen Lastern ist, sich treu dem Dienste Gottes und seines Nächsten weihet, und kurz, feine einzige Glückseeligkeit in der Ausübung der Religion sucht. Wie reizend, wie voll ft'rffer Freuden scheint mir nunmehro die Zukunft zu seyn! O verzeihen Sie gütigst, meine Herrn, daß ich Ihnen nicht schon längstens meine schuldige Danksagung für Ihre Lehren abgestattet habe. Ich wünsche nichts mehr, als daß sie bey jedem Thoren, den Sie dadurch zu bessern suchen, einen gleichen Eindruck machen möchten. Darüber würden Sie sich gewis recht sehr erfreuen mit Ihrem gehorsamsten Diener Carl von W. Vorschlag zu Verfertigung einer pünktlichen und völlig zuver- lässigen Beschreibung der sämtlichen Fürst!- Hessen- Darmstädtischen Landen. Die Fürstlich-Hessen-Darmstädtische Lande findet man zwar in unter< schiedenen geographischen Werken bereits beschrieben. Aber nirgends trifft man von ihnen eine pünktliche und hinreichende Beschreibung an. Selbst diejenige, welche der neueste und zuverlässigste Erdbeschreiber, Herr Anthon Ludwig Büsching, in seiner sonst unschätzbaren Erdbeschreibung/ noch kürzlich mitgetheilet hat, ist leider so fehlerhaft und so unhinlänglich, daß sie weder zum Selbstgebrauch, noch zum Unterricht, den erforderlichen Nutzen leistet. Herr Büsching aber ist deswegen nicht zu tadeln. Eine allgemeine Geographie/ auch nur blos von Deutschland, ohne Fehler zu liefern, ist so lang unmöglich, bis vorher die Choro- graphien, oder die Beschreibungen der einzelnen Provinzen, ohne Fehler geliefert sind. Diese aber mangeln noch fast durchgehends. Und Herr Büsching hat alles gethan, was er hat thun können. Zur vollständigen geographischen Kentniß eines Landes, gehöret eine zwofache Arbeit; erstens die Zeichnung/ und zweitens die Beschreibung desselben Landes. Jene hat, in Absicht auf die sämtlichen Lande unseres Durchlauchtigsten Herrn Landgrafen von HessemDarmstadt, der, vor etlichen Jahren verstorbene, hiesige Universitäts-Kunst-Mahler, Christoph K k 5 Bron- »62 Giesische wöchentlich- MmeittUvtzlge Anzetzett Bromier, der in der Zeichnungs- und Mahlerkunst eben so, wie in der Geographie, gleich berühmt ist, vor geraumen Jahren, aus eigener Be- wegüng, übernommen, und eine grofe Charte, welche die Homänmfche Erben zu Nürnberg/ auf 6 Blatt haben stechen lassen, obgleich nicht ohne Fehler, jedoch mit vieler Pünktlichkeit entworfen, welche seit 1751. - - in jedermanns Härchen ist. Diese vortrefliche Charte leistete, in dem letzten Kriege, einen vielfachen, bald teutschen, bald französischen Nutzen. Weitgröser aber ist derjenige Nutzen, den sie, zum Behuf der Wissenschaft, in Friedenszeiten leistet. Aber, mit der Zeichnung allein, ist noch nicht ganz geholfen. Wo eine richtige Beschreibung fehlet, da entstehen oft solche Jrrthü- mer, die, besonders in Kriegszeiten mit vielem Verdruß und m^t gleich- grosem Schaden verknüpft sind. Hiervon können wir, Hessen-Darmstädter, viele leidige Exempel erzählen, die sich, so wohl im Öestreichischcn- Erbfolge-Krieg, als auch sürnemlich indem letzteren Englisch. Französischen Kriege nicht nur mit unversehenen Einquartierungen, sondern auch mit Fuhren- und Lieferungs-Forderungen, zugetragen haben; da öfters ein Dors, von den fremden Kriegsbedienten, zwei) bis dreymal gröser, als es wirklich ist, angenommen worden ; oder, da man die kleine Stadt Hatzfeld für eine ganze Grafschaft gehalten, und sie zugleich, von dem Amt Baeeeuberg, abgesondert hat; dergleichen Exempel auch mit dem, blos alsogenannten, dem Ober-Amt Nidda einverleibten, Amt Lisiberg, sich zugetragen haben. Würde, von unserem Vatterland, eine richtige Chorographie schon damals vorhanden gewesen seyn, so hätte obbemeldter vielfacher Verdruß und Schaden, durch selbige vermieden werden können. Auch in Friedens- Zeiten ist ihr Nutzen, in Absicht auf die Wissenschaft, gleich gros. Dieses denenjenigen zu erweisen., die mit den Wissenschaften nicht fremd sind, wäre überflüssig. Die übrigen mögen es glauben, oder nicht. Da nun eine richtige und ausführliche Beschreibung aller Hochfürstlich-Hessen-Darmstädtischen Landen, bis auf den heutigen Tag, annoch fehlet; auch niemand sich leicht finden wird, der eine so beschwerliche, und mit Kosten verknüpfte Arbeit, vor sich allein, übernehmen würde: so wollen wir einen Versuch machen, ob sich nicht, in jedem Hessen-Darmstädtischen Amt oder Gericht, wenigstens em Patriot finden solle, der eine richtige Beschreibung von '.elbigerrr Amt verfertigen und an uns einschicken wolte. rmd Nachrichten. r5z woltt. Die Beschreibung eines einzigen Amts erfordert so gar viele Mühe eben nicht, und kann von dem, der darinnen wohnet, ohne alle Kosten verfertiget werden. Wir wollen, weil es unsere Pflicht erfordert, den Anfang machen, und das ganze Ober-Amt Giessen/ mit aller möglichen Pünktlichkeit, beschreiben. Diese unsere ausführliche, und völlig zuverlässige Lhorogra- phie des Fürstlichen Hessen-Darmstädtischen OberAmts Giesen werden wir, so bald sie fertig ist, diesen wöchentlichen Anzeigen einrücken , um dadurch theils das unserige, zum gemeinsamen Besten, bey- zutragen, theils um den obbemelten Patrioten ein Muster in die «Hände zu liefern, nach welchem wir wünschen, die Beschreibungen aller übrigen Aem- rer zu erhalten, und sie sodenn in eben diesen Blättern, gemein machen zu können. Em- und auspaßierende vom itm August bis den 7tcrr August 1765. wallthdr den ;ten August, der Herr von Schenck, von Fronhaußen, paßirt herein, logirt im Einhorn. Selzerthor den 3. ein Cavalier, Herr von Sternberg, und Herr Hop rath Schwartz von Wetzlar, log. im Posthaus. - - eod. ein Heßischer Capitain, Herr Spener, vom Regiment Mals- bürg, paßirt von Frankfurt durch. ♦ - eod. Herr Hofrath Zwickeln von Wetzlar, paßirt herein und sogleich durch. wallkhor den 4ten, Herr Baron von Stein, v. Dresden, paßirt von Marburg durch, und ein Heßischer Lieutenant, «Herr Hallenfelt, vom Regiment Wuttgenau, paßirt par Courier durch. ♦ - eod. Auf dem Caffelischen Postwagen, ein Professor aus Cassel, Herr Cußi, paßirt hierdurch nach Hanau, und ein Obrister Herr v, Falckenstein, von Battenberg. wallthor den n ein Doctor Medicina und ein Geistlicher von Mainz, paß. von Marburg durch. Selzerthor den f. Herr Assessor von -Ortmann und Herr von Papius von Wetzlar, paß. und repaßiren. wall- 8,64 Giesisthe wöchmtlich^ gemeittttützige Attzergett Wallchor den 6. ein Kayserl. geheimder Rach, Herr Graf von Kaystr- ling, paßirt von Cassel durch. Selzerchdr den 6. ein Capitain, Herr von Dritschler von Darmstadt, logirt im Einhorn, und Herr Hofrach Sippmann von Wetzlar, lo- girt bey Herrn R Rach Klipstein. k7mrvegerehor den 6. Herr Capitain Buff, von Wetzlar, paßirt herein, logirt bey dessen Herrn Bruder. waUehor den 7. Jhro Durchl. Herr Georg Wilhelm, Printz v. Darmstadt, paß. herein. - - eod. ein General aus Moscau, Herr von Leffort, paß. von Marburg hierdurch. Geizerchor den 7. Herr -Obrist von Rothenberg, Commendant zu Giessen, paßirt herein, logirt im Einhorn. Verstorbene. Am 4. August, David Benedict Oeser, SchneiderGesell, weiland Hieronymus Oesers, Bürgers und SchneiderMeisters hinterlassener Sohn. » ♦ eodem Jpcrr Candidatus Theologiae Eberwein, weiland Herrn M. Johann Conrad lEberweins, ersten Stadt- und BurgPfarrerS allhier, hinterlassener Sohn. Am v August, Herr Friedrich Carl Hertzberger, SSae Theologiae Stu- diofus aufj hiesiger löblicher Universität. Am 6 August, Johann Balthasar, Johann Andreas Noll, Bürgers und Beckers allhier, Söhnlein. Becker- Preiß vom Vor. 1 Kr. Brodt - - - Vor 1 Kr. Weck - - - Vor 1 Kr. Butterbretzeln - - Vor 1 Kr. Taigscher < - Fleisch-Taxe. 1 Pfund HammelFleisch - - 1 Pfund KalbFleisch - - - 10 August. 19 Loth. 9 Loch. 4 Loch 2 und ein halb Quint. 14 Loch. » 5 Kr. - 5 Kr. Das übrige bleibt im vorigen Preiß. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger, UniversttatöBuchhäudlern hieselbst, an die Herrn Liebhaber gogcn i Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Vogen werden für 4 Fr. ausgege- den. Man wird auch den Herrn Pranumeranten mit denen schon herausgekornme, vcn stucken dienen.