und Wachrtchlcn. Zweites Stück. Dienstags den Sten Januar. 1*765» Mlt Hoch fürst!. Hessen - Darmstadklscher gnädigsten Erlaubnis. Die Geschichte des Carazan aus dem Englischen übersetzt. ti$ und Reichthum hatten den Carazan, einen Kaufmann von Bagdad/ im ganzen Orient bekannt gemacht. Seine Herkunft war fast gänzlich unbekannt. Sein Reichthum war blos eine Folge seiner gedultigen Arbeitsamkeit und seines anhaltendes Fleißes. So lang seine Armuth dauerte, war er der groSmüthigste und gerechteste Mann. Allein, weil er vielleicht bey der Handelschaft eine Untreue an den Menschen entdeckte, die ihn reizte, seinen Trost bey dem Gelde zu suchen, oder weil er m der Vermehrung seiner schätze destomehr seinen eignen Vortheil fand, je stärker estste zünebmen sah: so fieng er an dem Reichthum einen immer grösern Werth beizulegen , ob er ihn gleich selbst sehr wenig gebrauchte. Er erwarb sich Güter, und verlohr darüber die Neigung gute Thaten zu verrichten. Die Hand der Zeit bestrcuete sein Haupt mit Schnee, und dieser frostige Einfluß erstreckte sich bis auf sein Herz. Niemals öfnete zwar die Gastsreyheit das Thor, oder das Mitleid die Hand des Carazan. Aber die Furcht leitete ihn doch immer um die bestimmte Stunde des Gebäts in die Moscheen. Er verrichtete alle Ge- B brauche rs Gie fische wöchetttli ch - gemeittttützige Anzeige rr brauche der Andacht mit der sorgfältigsten Pünctlichkzi't, und hatte schon dreimal seine Gelübde jm Tempel des Propheten bezahlt» Eine Frömmigkeit, welche aus der Liebe GGttes entspringt, und die Menschenliebe nothweudige-rweise in sich schließt, gewährt dem rechtschaffenen Mann, in io fern sie Dankbarkeid und Gutthätigk-.'it verbindet, und das Moralische zum Göttlichen erhebt, eine neue Würde, und wird nicht nur der Gegenstand der Zuneigung, soudern auch der Ehrfurcht. Hingegen erweckt Die Frömmigkeit des Eigennützigen immer Unwillen und Abscheu, weil er dadurch entweder die Strafe von sich abzuwenden sucht, die ihm jedermann wünscht, oder seine Sicherheit in der Verknüpfung der Heuchelei) mit seiner Strafbarkeit sucht. Daher kam es, daß dem Carazarr, wann er sein Thor verschlossen, wann er mit argwöhnischen Blicken lang um sich hergesehen hatte, und nun zum Tempel eilte, jedes Auge mit einer geheimen Mißgunst nachfolgte; daß der Arme sein Gebät unterbrach, vor dem er vorbey gieng, und daß er jedermann bekannt, dennoch von keinem Menschen gegrüßt wurde. Das war lang die Lebensart des Carazarr / und der Character, unter welchem er bekannt war. Auf einmal lies er öffentlich ausrufen, er habe sich in ein prächtiges Gebäude in dem Mittelpunct der Stadt begeben; er lade jedermann zu seiner Taft! ein, und er sey bereit jeden Fremdling zu bewirthen. Der Pöbel stürzte sich gleich einem schnellen Strome zu seinem Thor. Und was erblickte er; Carazarr speißte die Hungrigen, und kleidete die Nackenden. Mitleidige Thranen strömten aus seinen Augen, und Vergnügen glühte auf seinen Wangen. Jeder starrte dieses Wunder mit Erstaunen an, und das Murmeln unzählbarer Stimmen ward gleich einem herannahenden Donnerwetter immer lauter. Carazarr winkte mit der Hand. Eine allgemeine Aufmerksamkeit unterbrach plötzlich den lärmenden Tumult. Jedermann brannte vor Neugierde, und Carazarr befriedigte sie mit diesen Worten : „ Ewige Ehre sey dem, der die Berge anrührt, daß sie rauchen, dem i, Allmächtigen und Barmherzigsten ! Er hat den Schlaf verordnet uns ,, zu unterrichten, und seine Gesichte haben mich in dieser Nacht bestraft. „ Ich saß ganz allem in meinem Gemach. Vor mir brannte meine Lam- „ pe. Ich überrechnete die Producte meiner Handlung. Ich siel in der „ entzückenden Freude über den Anwachs meines Reichthums in einen tie- ii fen Schlaf, und die Hand desjenigen; der in dem dritten Himmel woh- „ net, war über mir. ' ’ ‘ Eure ttttd VUvbridattn» n Eins merkwürbtze Begebenheit fo sich vor und bey der Geburt unfers Heylandes zugetragen. Es hatte nunmehr die Welt ganzer 3947. Jahr in der Hoffnung auf den versprochenen Weibes - Saamen verharret, so öffnete sich endlich der Himmel, und GOtt schickte den Heyland der Welt auf die Erden, welcher sich durch Krafft des heiligen Geistes in dem Leibe der Jungfrau Marien 9 Monat lang verbarg, und sich endlich in besagtem Jahre den rs. December durch eine natürliche Geburt zu Bethlehem im Stalle auf dis .Welt bringen ließ. Damals beherrschete O&avius 'Xuguftus das Römi- che Reich, und als er Die Krafft desselben wissen wolte, was er vor eine Macht, nicht allein aus Italien, und andern Römischen Provintzcn, sondern auch denen Ländern, so von Rom zn Lehn rührten, im Fall der Noch zusammen bringen könte, schätzte er alle Welt, so aber mehr eine Musterung als Schatzung zu nennen gewesen, welche die Römische Scribmtenr Breviarium Orbis Romani nennen. Daß aber diese Schatzung nicht so eigentlich die allererste zu nennen gewesen, davon besiehe lob. Ludov. Go- tbofv. Cbron. fol. 2.94. b. Diese Heil- und WunderGeburt wurde durch viel WunderZeichenz nicht allein Augufto, sondern auch der ganzen Welt voran gedeutet. Denn als die abgöttischen Römer Auguftum gar zum GOtt machen wölken, recusirte er göttliche Ehre, und befahl: die weise Sibylla von Tiburtma deswegen zu befragen, welche Denn dem Kayser durch göttliche Schickung am hellen Mittage, an dem Himmel einen güldenen Circkel wieß, welcher das Bild einer Jungfrau mit einem Kind auf dem Schoss umschloß. Plinius will, es fei> ein Comet gewesen, welcher eine menschliche Bildung vorgestellet, dabey die Sibylla gesagt: Hic puer maior te erit, hunc adora: dieser Anabe wird gröser als du fewt, dea bäte du an! welches den löblichen Prinzen bewogen, durch ein öffentliches Mandat zu verbieten: man solle ihm weder göttliche Ebre erweisen, noch ihn hinfort Dominum, einen Herrn heissen, weil derHEn Himmels und der Erden bald würde Mensch gebohren werden. Ferner ließ der curiöse Kayser das Oraculum zu Delphis befragen: wer nach ihm zur Regierung kommen würde? Darauf er Drei; Griechische Verse zur Antwort bekam , welche zu Latein also lauten: Me Puer Flebracus, Divus Deus ip(e gubernans, Cedere fede iubet, triftemque redire fub orcmn: Aris ergo dehinc cacite difcedito noftris. V - Solcher- iL Giesische wöchemlrch-- gemeittnötzige Mzergen Solchergestalt muste dieser LügenGeist noch zur letzt die Wahrheit sagen, uni) sind nach diesem nicht allein dieser Götze, sondern auch alle andere Ora- cuh in der Welt, verstummet, dessen Ursache Phitavcbus im Buch de defe&u orwulorum unb andere, zu erforschen sich bemühet, solche aber m der Heydnischen Finsterniß nicht finden können. Es traff aber damit ein, was nachmals der liebe Heyland von sich selber sagte: Er fey in die wele gekommen/ daß er die werke des Teufls zerstöre. Aus diesem allen hat Kayser Augüflus fernem Anlaß genommen, diesem Ebräischen Knaben aufbem Capitolio einen Altar aufzurichten, und diese Uiberschrifft daran zu setzen: ara primogeniti dei ’ Dem erstgebdhrnen Sohne Gorees! So ist auch anzumerkcn: daß Kayser Anguftus dazumahl eine Münze prägen, und auf deren einen Seiten die Worte: Salus humani gaueris, das Heil des menschlichen Geschlechts; und auf der andern: Pax orbis terra rum; Friede auf Erden / setzen lassen. Es hat auch vielleicht Fivgffius aus poetischem Geiste, und ihm unwissende, mit seiner vierten Ecloga auf diese Gebmt ^zielet. Denn auf den Sohn Afinii Pollionis, der am neundten Tage wieder gestorben, kan selbiges HirtenGedichte nicht gedeutet werden, sondern er hat vielmehr alles aus der Weissagung der SibyHae Cumeae genommen und abgesehen. So ist es auch merckwürdig, daß um die Zeit dieser Gebmt der Donner von Augusti EhrenSäule den ersten Buchstaben des Wortes Caerar weggeschlagen, da denn das überbliebene Wort asfar auf Etrmisch GOtt bedeutet. So ist nuch Auguftus von vielem Jahre an nickt mehr Conful worden. In der Nacht / darinnen unser liebwetthkstes JEsulein gebohren wurde, soll zu Rom an dem TyberStrome ein Brunnen entsprungen seyn, welcher Tag und Nacht das reinste und feinste Oel gequollen, und zwar fo häuffig, daß man in alle Provinzien em reichliches Zeugniß davon schicken können. Welches Eujibius, Eutropius, Otofius und Paulus Di/iconus einhellig bezeugen. Academistde Nachricht. Am verwichenen Sonntag , den 6ten dieses Monats wurde unser verdienstvoller Herr Hofratd und ordentlicher Professor der Rechtsgelehrsamkeit , Herr Doctor Koch zum Rector Magmficus mit den gewöhnlichen Söllennitäkcn gewählt. Der vorjährige Rector Herr Superintendent Benner redete bey dieser Gelegenheit von da Stelle und Nachrichten. rZ im Eoangelio Johannis Cap. r. Vers Er führte die falsche Gedanken des berühmten ClericuS an, welcher glaubt, Johannes hab^e diese Wotte vom Philo entlehnt; wie auch derjenigen, welche glauoen,Johannes spnls auf das Mosaische Urim und Thummin, auf den Leuchter über dem Eingang des Tempels, oder im Heiligthum, anspiele, und wideMtesle sammtlich. 'Hieraufgab er seine eigne Auslegung, daß der Herl. Schrift- steiler sein B-ld von der Sonne hergenommen, und vielleicht auf emeStelle aus dem Prophet Maleachi im 4. Cap. im 2. Vers gezielt ba^e. yn einem sehr rührenden und erhabenen Gebat dankte er der ewigcn Bannytr- jigkeit für die Gnade, die sie ihm wahrend semes beschwehrlichen Amts verlieben, und flehte sie zugleich kur die ^öohlfarth der Academie sehr feuug on. /Der n«ue Herr Rector trug in einem sehr vortrefflichen und ledem Kenner angenehme Rede einige Anmerkungen über die -4ste e Tridentinischen KirchenVechmmlung de reform. matrun. Bor. 6 b«‘ wieg mit der Gründlichkeit die das denkende Pubicum schon an allen sunn Ausarbeitungen gewohnt ist, daß nach den Verordnungen i eö Conctli bie vriesterliche Trauung nicht zum Wesen der Ehe gcyört, und daß ast» Böhmer, Engau und Leyser die das Gegentheil behaupten, einenp osten- baren Jrrthum begehen. Durchaus bestattigte er seine Satze nut den be- sien und unwidersprechlichstcn Gründen. Zuletzt versprach er seyerlich, d^ Obliegenheiten, die sein Amt von ihm fordert, nut der größten ^cu^u erfüllen ; bat sich den Beystand des Senats aus und ermahnte die ^>tud- rende zu einer fleißigen Betrachtung ob der Pflichten, welche die QWi die Vernunft und ihr eignes Wohl ihnen auflegen. Nachrichten aus derhresigeu Stadt. In dem verflossenen 17^4. Jahr sind in unser Stadt und Vestu-M gebohren, gestorben, copulirt und zu Heil. Abendmahl gegangen. (£0 Fuhrt. Bcy der StadtKirche * ♦ 2-. Paar. Bcy der VurgKnche - * Z2- Summa 51. Paar. V 3 Gs- i4 Ekrfischt «§cht»»i!ch < S«w‘ Summ iTäT Sind also mehr gebohren als verstorben 6r. Lommnnicanren. Bey der StadtKirche ♦ - 2gco Bey der BurgKirche - - IOIO Summa z8i». Bey der BurgKirche - , z. Summa 2. Hiervon sind auHegeben worden: a 7f7' l>- *4- Alb. An die hiesige StadtArmen - , An Zrembde und Reisende . , , ausgZbmwBn.^ "Uf ?on guter Auffüh. rung und Nachricht. 15 rurig sey und so wohl Französisch als Lateinisch sprechen kann. Die Conditioncs werden sehr annehmlich seyn. Veym Verleger dieses, kann man weitere Nachricht erhalten. Nachricht. Von der zweyten extra vortheilhaften Flachs und SilberLotterie scynd Plan-^u gesandt worden. Sie bestehet in vier Sassen; zu der ersten kostet das Ballet 20. kr. und wird den 4-Merz 1765. gezogen. In die zweite Claffe legt man w. kr. ein, und ist der ZiehungsTermin den 6. May. Für die dritte Claffe wird 40. kr. bezahlt und den 6. Julii gezogen . endlich in die vierte Claffe wird 50. kr. entrichtet, also durch alle vier Classen r.ff zo.fr. Der HemptGewinn der ersten Claffe sind wo. Pfund Flachs und ansehnliche Prämia von Silber. In der zweiten Claffe ist das Haupt Loos i$o. Mrrw Flachs, nebst ansehnliche Prämien von Silber. Die dritte Claffe 209' Pfund Flachs und Silber Prämien. Die vierte Claffe 50s. Pfund Flachs und ansehnliche schöne Prämia von Silber. Die ganze Lotterie bestehet in 9090. Loosen, worunter Li-r. Treffer, daß also die helfte mehr Treffer als Fehler vorhanden. Ms Loose so in den drey ersten Classen herausko'mmen, spielen allemahl wieder mit, und kan im glücklichen Fall eine Numero die vier HauptPreise und grose silberne Prämia gewinnen. Vey Ausgebern dieses seynd Plans zu haben, und Billtts zu kaufen. Diejenige Refp. Herrn, welche künfftighin etwas in unsere Anzeige mit einzurücken haben, belieben es Freytags vorhero einzusenden. Beym Verleger dieses kann man auch Teutsch und Französische Bücher zum Lesen bekommen. Gebundene Bücher. Gundling (Hier.) Discurse über die sämmrliche Ränderten, r Theile in 4(0 Frankfurt 17;9- 5« ff zo.kr. . . Suetonius Caius Tranquilhis cum Iiaäci Caiaubom animadvcrliGnibus Argentorati i<8?. 1. fl. ij*. fr. 16 Gresischc wöchentlich - gemeümßtzr'ge Anzeigen de Goebel (Guilh.) de iure Vcnandi Diarriba, Helmfl:. 1740. 24. Fr. M. Acci Plauti Comoediae XX. Studio Taubmanni, 4to i<512. rfl.40 fr. Magazin oder Vörrathkammer zur Einrichtung der Wissenschaften/ besonders für Frauenzimmer 8vo 40. kr. Schilteri ( Jo.) Elemente iurisprudentiae, Argenr. Zwinger (Johann ) der gewissenhafte Apsthecker/ Nürnb, 1721, 24. kr. Weisens (Christian) politischer Redner/ Leipzig zo. kr. Em und avspafstrettde vHm 2.9. Decembr. bis den 4ten Januar. 17 64. wallthdr den 29. Dee. Ein Lieutenant Herr von Drechsel von der zweiten Guarde von Hannover/ benebst der Frau OberJagerMeistcm von Drechsel/ sind herein pgssirt/ log. bey Hm. Gen?ralMajor. ZVallthor den z i. Auf dem Caßler Postwagen ein Rittmeister von der Hannövrs'schen Garde/ Herr von Kenitz und ein Major Herr von Stebach, paßiren durch. waUthor den 1. Jan. Ein Cavalier Herr von Gemmingen/ kommt von Cassel/ paßirt durch. Ern IachtJunker von Hannover Herr von Marcnholtz, kehrt ein im Posthaus. Neuwegerthor den 1. Ein Obri ft von den Dänischen Husaren Hr. von Drimbach/ paßirtherein/ log. im Einhorn. rAeuweaerehor den r. Ein Deutscher Ordens Herr/ Herr von Dimar paß. durch. WaUrhor den 3. Ein Lieutenant von den Hesse«/ Hr. Müller, paß her. Ein Capitain vom Löwenfeldischen Bstallion Herr Geilfus,paß. durch. Auf dem Caßler Postwagen ein Capitam aus Frankreich, Hr. Nevul- lier vom Königl. Regiment und ein Fechtmeister Hr. Bense, paß. durch. Selzerthor den z. Ein Mylord aus Enge land Hr. von Vending/ kommt von Buzbach paßirt durch. Gelzerthdr den 4. Ein ZahnenJunker von den Hessen Herr Döpper, ein Canonicus aus Maynz, und zwey Kauffleute paßiren auf dem Postwagen durch. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger, UniversitätsBuchhandlern hieselbsi, an die Herrn Liebhaber gegen 1 Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert Einzelne Bogen werden für 4 fr. ausgegeben. Man wird auch den Herrn Pränumeranten mit denen schon herausgekomme- nm Stücken dienen.