Musische wöchentlich- gMinnüßW KWigcn mb Vachrtchicil. Sechstes Ststck. Dienstags dm ften Februar. 1765. Mit Hochfürstl. Hessen -Dacmstadtischer gnädigsten Erlaubnis. äAch sehe mit Vergnügen, daß der im vorigen Stücke eingerückkr /TU. Brief Veyfall gefunden, und einigen Nutzen gestiftet hat. Unter andern hat mich ein junger Mensch, der in seiner zartesten Kindheit seine Eitern verlohren hat und nun durch andrer Unterricht ein brauchbares und nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden wünscht, um die Fortsetzung der versprochenen Briefe ersucht. Jch würde mich von Herzen freuen, wenn ich dadurch nur das geringste zur Erfüllung seiner Wunsche beytragen könnte. Diejenige von meinen Lesern, welche über allen Unterricht erhaben sind, werden mich also gütigst entschädigen, daß ich mit der Bekanntmachung dieser lehrreichen Briefe fortfahre. Hier ist der Zweite, welcher von einigen natürlich bekanntet» Mitteln und Vortheilen handelt, wie man tugenhast und glückseelig wer- den kann. Ich will ihn mit einigen Anmerkungen begleiten, und meinen Lesern dadurch Gelegenheit geben, weiter darüber nachzudenken. Mem rheuerster Sohn! Ich will dir heute einige Vorkheile zeigen, deren du dich bedienen kannst, wenn du täglich stärker im Guten und williger zur Erfüllung deiner Pflichten werden willst. Das Work des Unendlichen gibt uns zwar ■ • F Mittei 42 Gresische wöchentlich -gemeinnützigeAnzeigen Mittel zur Tugend an, die über alle menschliche Erfindungen erhaben und hinlänglich sind, uns für Vergehungen und Ausschweifungen zu verwahren, und uns zu wahren Christen und treuen Menschenfreunden zü machen. Dem ungeachtet sind doch diejenige Mittel zur Erlangung der Tugend, welche uns schon die sich selbst überlassene Vernunft lehrt, nicht ganz ohne Nutzen. Sie sind doch wenigstens geschickt, uns an die Erfüllung unsrer Pflichten oft zu erinnern, wenn sie uns auch gleich zur wircklichen Erfüllung derselben nicht tüchtig genug machen können. Und wenn wir sie einmal angewendet und ihre Unzulänglichkeit, uns eine wahre Glückseelig- keit zu verschaffen, erfahren haben; so werden wir immer begieriger, die höheren und hinreichendere Mittel zu gebrauchen , weiche uns GOtt auf eine übernatürliche Weise in seinem Worte offenbaret hat. Ich will mich anitzk mit dir von den natürlich bekannten Mitteln tugendhaft zu werden, unterhalten, und die Anpreisung der göttlichen und übernatürlichen Mittel auf eine andere Zeit verschieben. Erstlich. Bekümmere dich, so viel als in deinen Kreisten steht, um den wahren Werth und den Endzweck aller Dinge, und insbesondere derjenigen, durch deren Liebe oder Haß, durch deren Verehrung oder Geringschätzung sich so viele Menschen unglückseelig machen. Anmerkung. -O wenn doch diese Regel alle Hochmüthige, alle Wollüstlinge, alle Geizige, alle Trunkenbolde, alle Rachgierige und überhaupt alle Lasterhaften, die das Spiel ihrer Neigungen und ihrer Leidenschaften sind, beobachteten! Würde wohl der Hochmüthige die Ehre der Menschen für seinen Gott halten und würde er wohl in nichtsbedeutenden Vorzügen ein Recht suchen, andre zu verachten , wenn er von dem Werthe und dem Endzweck derjenigen Dinge richtiger urtheilte, weswegen er dieses Recht zu haben glaubt? Würde der Wollüstling wohl noch länger ein Vergügen in seinen thierischen Ergötzlichkeiten finden, wenn er die Gegenstände seiner Lust und die schlimmen Folgen seiner Ausschweifungen vernünftig bet! achtete ? Der Geizige wurde gewis nicht mehr seinen Goldklumpen anbetcn, wenn er den Endwzeck und den Werth seines Reichthums recht kennte. Wenn der Trunkenbold oft bedächte, daß er zuweilen kein Mensch, sondern ein unvernünftiges Vieh ist, daß er alle Glückseligkeiten des Lebens und alle vernünftige Vergnügungen versäuft, daß er sich aus eigner Schuld sein Leben verkürzt und dereinst gewis als ein SelbstMör- der VN- Nachrichten. 4Z -er wird gestraft werden: würde er wohl noch mit so begierigen Händen nach dem berauschenden Becher greifen? Würde der Rachgierige wohl noch länger seinen fehlenden NebenMenschen mit tödtlichem Grimme verfolgen, wenn er recht wüßte, daß ihm keine Rache zu käme, daß er sich durch das Unglück seines Nächsten , selbst nicht glücklicher machte und daß er so ost selbst Nachsicht für seine eignen Fehler von andern verlangt? Und würden wohl die kurzsüchtigen Ungeziefer, die Spötter unserer göttlichen Religion, würden diese wohl noch mit so schnellen Schritten und mit so blindem Unsinn auf den Abgrund ihres Verderbens los eilen, wenn sie zuerst ihre Tollkühnheit untersuchten und sich mch- rereMühe gäben, den trostvollen und seeligmachenden Wahrheiten unsres allerheiligsten Glaubens nachzudenken? Kurz: wenn wir uns nicht um richtige Urtheile von dem wahren Werthe der Dinge bekümmern; so werden wir nie für den größten Ausschweifungen und Thorheiten sicher feyn. Zweitens- Suche dich immer mehr und mehr von den grosen Vorzügen desjenigen zu überzeugen, der seine Pflichten willig ausübet, ♦) und sey nicht blos der Belohnungen oder der Strafen wegen tugendhaft, tut möchtest sonst, wenn diese zu lange Ausbleiben, nachlässig in der Erfüllung deiner Pflichten werden. Denke vielmehr immer, daß die Tugend deine heiligste Pflicht sey, und wenn sie auch gar keine Belohnungen bey sich führte. Anmerkung. * Viele Menschen würden gewis ihren geliebten Lastern entsagen, wenn sie einmal mit allem Ernste untersuchten, wie viel Vergnügen und Glückseeligkeit ihnen die Ausübung der entgegen gesetzten Tugenden gewähren kann. Wenn der Geizige nur einmal die Entzückungen der Wohlthätigkeit und der Menschenliebe empfände, ich weiß gewis, er würde hernach immer mit willigen Händen jeden Bekümmeren, jeden Trostlosen und Unglücklichen aus seinem Elend zu reissen suchen. Wie mancher Trunkenbold würde aufhören, sein Vergnügen im viehischen Saufen zu suchen, wenn er bedächte, daß er durch seinen Verstand und durch seine Wissenschaften so viel zu seiner eignen und zu seines Nächsten Glückseeligkeit beytragen könnte. Allein die Lasterhaften heften blos ihre Blicke auf die thörichten und schädlichen 3 r Ergötz- 44 Gieflfche wZchmtlr ch - gemeinnützige Anzeigen Ergötzlichkeiten, die sie bey ihren Ausschweifungen zu geniesen glauben und vergessen dabey, die mannigfaltigen Freuden und Vollkommenheiten zu betrachten, die uns nur allein die Ausübung der Tugend gewahret. Nur diese macht uns würdig, den gro- fen Namen vernünftiger und freyer Geschöpfe zu führen, und wir suchen vergebens anderswo wahre Vorzüge und eine dauerhafte Glückseligkeit, als nur allein in der genauen Erfüllung unserer Pflichten. Drittens. Mache dir die Beyspiele andrer zu Nutz, die theils durch Tugend glücklich, theils durch Lasier unglücklich geworden sind. Jene sind ein geschicktes Mittel, dich täglich mehr zur Liebe gegen die Tugend aufzumuntern, und diese werden dich bewegen, dich immer weiter von allen Lastern zu entfernen. Anmerkung. So sehr äuch die Beyspiele andrer einen jeden zur Tugend reizen sollten, so schwache Eindrücke machen sie auf die allermeisten Menschen. Ein Mörder und ein Strascmäuber wissen , daß so viele ihrer Miffethattn wegen unter den empfindlichsten Martern sind hingerichtct worden, und dennoch lassen sie sich dadurch nicht von ihrer vorigen Lebensart abhalten. Ein Tagdieb sieht hundert Faule und Unwissende im Elend liegen, und dennoch bleibt er faul und lernt nichts. Ein Trunkenbold weis, daß mancher im Sausen-seine Ehre, sein ganzes Glück, seine Gesundheit und sein Leben verlohren hat, hört er deswegen auf, ein Vieh, wie vorher, zu seyn? Wenn der Geizige auch tausend wohlkhätige Menschenfreunde die entzückendste Zufriedenheit ge- rn'esen sieht, sucht er deswegen gleich durch Wohlthätigkeit und Menschenliebe die Ruhe des Gemüths zu erlangen? Und wenn tt 10000. auf einen Tag begraben sicht, die alle ihre mit Unrecht erworbene Schatze haben zurück lassen müssen , laßt er sich deswegen zu einem thätigen Mitleiden gegen die Noch eines Elenden bewegen? Flieht deswegen der Wollüstige die Gegenstände seiner Lust, wenn er andre steht, die sich durch ihre Ausschweifungen die tödlichsten Krankheiten zugezogen haben? Warlich.' man würde sich von vernünftigen Geschöpfen kaum eine solche Blindheit vorstellen können, wenn sie nicht tägliche Erfahrungrn bewiesen» Y)wx^ 4f und Nachrichten. ^l'ertens. Suche in dir ein Vergnügen an guten moralischen Bü- «Kem m erwecken. Diese sind ein ganz bequemes Mittel, wodurch du dem bessern und, wenigstens in der Zeit, da du sie ließt, vielen Aus- schweifungen und ^horheiten entgehen kanst. 2lnmerkuncr. Dieses Mittel würde ich insbesondere vielen Frauen- limmern anrathen, welche aus einer verdrieslichen Langenwerle manchmal ganze Stunden am Fenster stehen und nch über Mn vorbeygehenden aufzuhalten wißen. Und wie kug warenicht mancher Bürger, wenn er die Stunden, die er sonst rm Wun- hause oder in andern schlechten Gesellschaften zuzubrrngen gewohnt ist, über einem schonen Buche zubrachte? Zwar darf dieses kern schmutziger Roman seyn, der bey der ersten Zeile unangenehm und Derdricsllch ist. Es muß ein Buch seyn, das angenehm und vergnügend geschrieben ist, worin man die Fehler des^menschlichen Herzens aufgedeckc sieht, damit man die Fehler aus fernem eignen mit desto leichterer Mühe ausrotten kann. Denn die Besserung rmsers Herzens muß der vornehmste Endzweck styn, warum wir Bücher lesen. Doch ich darf anitzt von die,er Materie nicht weit- lauftiger reden,vielleicht führe ich sie einandermal umständlicher aus. Die Fortsetzung folgt. Nachricht. SStoon auf und glücklicher zu machen: fo wendet -rs-chzum £MSmWefaitt Und da ihm insbesondere das Lnde desselben merckwürdig und vmjüglich ««Denen : l» T-r°und Gnade^bey Ursachen an, warum unser JEsus an Weisheit, Alter um G.a GOkt und denen Menschen zu genommen, di- m un r Gotthe, einer Salbung, seiner Beschneidung und sem-r Unter a sucht er diesen Hauptsatz ausjusuhren: lM«r JEsus har unter x ü 3 4$ Gresische wöchemlrch - gcmemnutzige Anzeigen 8d-^LLSL SLWLTW^PG D,*LNA1W^8!N>K^^-^L: S Sä»; X.lÄSa:* Sx ttz für das Leben feine« theu ersten bürsten aX* ..*Ä* ^ür