Viestsche wöchentlich- WÄmW KlWigen W Nachrichten. Neun und Vierzigstes Ststck. Dienstags den zem Deeembr. 1765. Mit Hochfürstl. Hessen -Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Vermischte Gedanken be^ einigen Begebenheiten/ welche y-iv unfern Lesern zu weiterem Nachdenken mittheilen. iSKer Tod könnte die Menschen am beredtesten die Tugend lehre»/ wenn sie sich nur besser mit ihm bekannt machten. Allein niemand sucht so zu leben/ wie er in der letzten Todesstunde wünscht/ gelebt zu haben. Man sagt: die wahre Buße kommt nie zu spat. Aber kommt sie dann zu früh/ weil du sie aufschiebest? Siehe zu / dieser Augenblick kann der letzte deines Lebens seyn. Es ist noch eine gross Frage/ ob die Buße Gott angenehm ist/ die du alsdann thust/ wenn du den Tod vor Augen stehest und keine Gelegenheit mehr hast den Anbetenswürdigen zu beleidigen. Es giebt viele/ Die m der Stunde ihres Todes G-Ott zum erstenmate mit Ernst um Gnade anfleken/ und die Sünden verfluchen/ wodurch sie ihn ihr ganzes Leben hindurch erzürnt haben. Können diese nicht mit Recht erwarten/ daß sie GOtt erhöret? Frage doch erst: Ob GOtt auch verlangen kann / daß die Menschen seine Stimme hören/ diese Stimme, Ccc womit ||6 GLe fische wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen womit er ihnen täglich zürnst; bekehrt euch, denn iht wißt nicht, wenn ich komme. Es würde vielleicht nicht so viele Lasterhafte geben, wenn man fieisig bedachte, daß es unendlich mehr Mühe, Sorgen, Unruhe und Angst erfoderte, lasterhaft als tugendschast zu seyn. Hat derjenige mehr Sorgen und Angst, der einen Duell ausschlagt, als derjenige, der einen andern todt sticht? Sind die Wünsche des Trunkenbolds leichter zu befriedigen, als die Wünsche des Mäßigen? Unser Leben ist ein kurzer und geschwinder Lauf von einer Mutter zu einer andern. Wir fangen an zu sterben, indem wir zu leben anfangen wollm. Und dennoch trachten wir so wenig dieses kurze Leben recht anzuwenden. Die ganze Schöpfung braucht sich eben nicht zu rüsten, das schwache Rohr, den Menschen, zu zerknicken. Ein Jnsect,, ein Tropfen Wasser ist hinlänglich, ihn zu tödten. Aber gesetzt, Pie ganze Schöpfung zerquetschte ihn: so würde der Mensch doch noch viel edler seyn, als sie. Warum? Weil er weis, daß er stirbt, der ganzen Schöpfung aber ist die Macht uribekannt, die sie in diesem Stück über ihn hat. Unser höchster Vorzug für allen Geschaffnen besteht also im denken undbewnßtseM. Warum geben wir uns dann sowenig Mühe, gut denken zu lernen und unsere Vorzüge allein in grosen und unsrer ewigen Bestimmungwürdigen Gesinnungen zu suchen? Vergesset nie daß das geringste Geschöpfe euer Leben verkürzen kann; -aber vergeßt auch nie, eure Seele mit heiligen Ge- dancken anzufüllen, damit euch eine jede unvermuthcte Verkürzung eures Lebens nicht an eurem ewigen Glück schaden könne. Viele Menschen halten sich für unglücklich, daß ihnen die Vorsehung nickt gross Reichthümer zugewendet, sie nicht zu Königen gemacht hat u. s. w. Das ist lächerlich. Warum halten sie sich nicht auch für unglücklich, daß sie nur einen Mund und eine Nase, nur zwey Augen haben? Nicht wahr? Mehrere hatten sie nicht nöthig, um zufrieden zu scyn. Also sollten sie auch bey den Gütern denken, die ihnen die Vorsehung verliehen hat. Wie? Wenn ihnen die Vorsehung noch weniger' gegeben hatte. Hätten sie als dann nicht auch müssen zu frieden styn? Oder hätten sie mit Recht mehr fordern können ? Die Vorsicht hat alles wohl gemacht. Ihr aber werdet nicht eher glücklich werden, alsl bis ihr mit der Regierung derselben zufrieden seyd. Lin }8'7 und Nachricht«». ®rt Maisch, der sich felbft tennt, und sich täglich untersucht, ist vielleicht unter allen das rareste Geschöpfe. Warum es dergleichen so wenigs gisdt, kommt daher, weil man leinen eignen Atiblick nicht ertragen kann, und weil man erschrecken würde, wenn man sich |elbst sehen sollte. Dies ist auch vielleicht die Ursache, warum so wenige die Einsamkeit ertra- eien, und grose Herren nicht allein seyn können. Die Türken müssen einen weit bessern Begriff von der wahrei. Ehre haben, als viele, die sich Christen nennen. Sie verabscheuen wenigstens die Duelle. Doch es ist ja noch die Frage, ob Diejenige den Namen der Christen verdienen, die sie billigen. l-vch kann mir keinen Menschen in einem kläglichem und bejammernswürdigem Zustand vorstellen, als einen, der, in einem Duell tödtlichver- wundet, jeden Augenblick den Tod erwartet. Mit welchen unausskhli- chen Gewissensbissen muß er nicht fragen: Hüter, ist tue Nacht |chr«r $lrt Wie unaussprechlich viel würde die menschliche Gesellschaft gewinnen, wenn es Mod- würde, daß man sich eben so sehr auf die Wis- senschast legte, seine Leidenschaften zu überwinden, als über seinen Feind zu siegen!, e^j nj( ejn und rechtschafner Mann gewesen, der einen andern zu einem Zweykampf h-rauSfordert. Kann man einen, Menschen mehr rauben, als die Gesundheit oder das Leben? Die Ehre, dre viele noch höher als die Gesundheit schätzen, kann keinem Menschen geraubt werden, Der unschuldig ist. Ist er aber nicht unschuldig, so war er kein ehrlicher Mann. - Alle Duelle entstehen entweder aus Hochmuth, oder aus Rachsucht, oder ausMenschenhafi, oder aus Gehorsam gegen di« herrschende Mode, oder aus einer Gleichgültigkeit gegen die göttlichen und menschlichen Gesetze. Dies alles findet bet) keinem ehrlichen Manne statt. Man straft denjenigen, der sich duellirt. Das ist gerecht. Allein sollte man nicht auch denjenigen strafen, Der andre verachtet, weil sie das Duell ausschla- qen k So lange diese Verachtung nicht bestraft wird, werden die Duelle wohl schwerlich abgeschast werden können. Ein Officier, der einen andern im 2)11-11 ermordet, hat viel Verkheidigung vor sich, weil das Gesetz der Fürsten, sich tttebt 31» duelliren, einen Widerspruch in sich hält. Der Fürst will haben, man soll sich nicht Duelliren; und dennoch jagt er Den Officier vom Regiment, Der das Duell ausschlägt, oder er schützt ihn Ccc i doch 3§8 Gr'esische wöchentlich-rgemekttttützige Anzeigen doch wenigstens nicht für der Verachtung anderer Officiere. Wer hat wohl m Wem Fall mehr zu verantworten, der -Officier, der sich duettüt, oder der Fürst, der es haben will? ' 1 ' .... ^fordert es, daß ich mich mit dem andern duel- ?u &ctm, wonnn he wahre Ehre eigentlich besteht? Darinn C .^^^stens nicht, daß du wider göttliche und menschliche Gesetze ™' p* E dem Leben gering genug achtest, um es in einem Duelle zu verlieren. Und warum erfordert es dann deine Ehre? Wodurch hat dich dann der andre beleidigt? Vielleicht durch ein einziges Wort, wovon weder du, noch irgend remand die Bedeutung weis? -O schäme dich, daß du es wagen willst, um einer solchen Kleinigkeit willen entweder dich oder den an- dern ungluc ch zu machen. Du bildest dir nur ein, deine Ehre verlohren zu biibem Und ist dann e?n Duell das Mittel, deine Ehre wieder zu er- /ugcri her ^33e(t. Aber, auch in den Augen Got- ™ k ‘v??? Richter denkst Du nicht.- Es wäre nicht nöthig, daß du ^bchert wcsteft, daß er nicht an dich dächte. -:paJ^u un<$fßrS^ ^'ben wirst, wenn du die Ehre bey der WUt den weit höheren Pflichten gegen denjenigen vorziehest, der Erde gemacht hat? Wenn du dieses glaubst, so wäre es besser sur dich, daß du nie wärest gebohren worden. r wie vorüberrauschend, wie nichtsbedeutend ist die Ehre, die wir auf dieser Welt erlangen. Sie gleicht meistentheils einer Canone, deren Getöse man nur noch einige Minuten nach ihrer Abfeurung höret, oder einer Seifenblase, dre schon verschwindet, wenn man sie kaum gesehen hat. _ Die wahre Ehte besteht darin, daß man nach den Grundsätzen lebt, die in der zukünftigen Welt gelten. Nach diesen Grundsätzen müssen alle Beleidigungen bcurtheilet werden, die uns andere zufügen. Nach diesen Grundsätzen, und nicht nach den Vorurrheilen unsrer gegenwärtigen Welt, wird uns auch der Allwissende richten. Es wäre gut, wenn.man sich die- ses Gericht nicht zu menschlich und irrdisch vorstellte. Es ist das Gericht eines allwissenden und allmächtigen Richters. v die Duelle zu vermeiden ist, wenn man mit Leu- fidt Von ma.n be nicht zu befürchten hat, und wenn man sich gegen jedermann so betragt, wie man wünscht, daß sich ledermann gegen uns betragen möge. Aber was soll ich dann thun, wenn mich ein an- dm mrd Nachrichten. ir drer ohne Ursache zum Duelle herausfodert? Soll ich ihm erscheinen, oder nicht? Nein! Du darfst ihm nicht erscheinen, wenn du vernünftig, ich will nicht einmal sagen, ein Christ seyn willst. Aber dann bin ich be- schimpft? Dieser Schimpf dauret nicht lange. Lebe nur als ein ehrlicher und rechtschaffener Mann. In einigen Jahren wird man dich höher schätzen, als deinen Beleidiger, und kein Mensch, es sey denn ein Niederträchtiger, wird sich mehr an deine vorige Beschimpfung erinnern. Es ist eine Beschimpfung, die du deiner Pflicht wegen leidest, und diese mußt du immer mit Vergnügen leiden. Nacht Gedanken. Der Mitternacht wachsame Glocke ertönet! Ihr finstrer Schall herrscht melancholische Schauer In meine Brust! Die nufer sich denkende Seele ' Kehrt plötzlich in sich selbst. Schon bin ich näher, der Ewigkeit näher gekommen, Die mich vielleicht j eh meine entkräfteten Glieder Des sanften Schlafs erquickende Arme umfassen, • In ihre Wirbel schlingt. Wie oft ein Krieger, wenn itzt die Helle Posaune, Der kommenden Schlacht gefürchtetes Zeichen, erklinget, Schon, eh noch sein Muth die lohnen Lorbeern erobert, In seinem Blute schwimmt. O daß mein Herz den ernsten Gedanken stets nährte! Weckte sein Donner doch jede schlummernde Seele! Forscher der Weisheit! Täuscht euch nicht länger! Hier ist sie, Hier in der Ewigkeit! Mittel wider die Zahnschmerzen. In dem z r Blatt unserer gemeinnützigen Anzeigen ist von einem bewährten Mittels für das Zahnweh durch den polirtenMagnetStahl, Nachricht gegeben worden; nunmehro finden wir in dem Hannöm'schen Magazin des Ecc t o9sten J90 Giefische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen -vsten Stücks von 1765. folgende Bekräftigung, des Medicinischen Nu- zens der Magnetischen Stahle in Zahnschmerzen, die von Flüssen entstehen. Wenn die Wirksamkeit neuer Mittel in der erster» Zeit niemalen zu oft durch wiederholte Versuche angepriesen werden kan, so hoffe ich, die Aerzte werden auch meine Bekräftigung des großen Nutzens des Magnetischen Stahls geneigt aufnehmen. Was dieser Stahl seit einem Jahre vor eine Aufmerksamkeit und Beyfall erhalten hat, ist aus denen öffentlichen Blättern genugsam bekannt. Und wie solte derselbe nicht einen beson- dern Eindruck Machen, da er gegen ein Nebel, von welchem bisweilen die Menschen auf das höchste gefoltert werden, in einigen Minuten ohne viele Mühe und Beschwerden so vortrefliche Dienste leistet. Nur wenige geniessen das Glück, von Zahnschmerzen jederzeit befrcyet gewesen zu seyn. Je allgemeiner also ein Uebel ist, desto mehr können die Aerzte vergnügt seyn, daß sie gegen ein solches in gewisser Einschränkung ein Mittel wissen. Die Erfahrungen verschiedener Gelehrten beweisen, dass der magnetische GcahL be? jeder willkürlicher Stellung und Anlegung/ es mag letztere von den Franken selbst, oder auch von andern geschehen, wirk- jayr ist / wenn die Zahnschmerzen von Flüssen entstehen. Auch ich kann diesen Satz durch meine bisherige Versuche, die ich an ;r Personen gemacht habe, bestärken. Die Arten der Wirkungen sind schon von andern angesühret worden, desfals halte ich es vor übcrflüßig, dieselben von neuen anzuzeigen. Nur dieses ist mir jederzeit merkwürdig vorgeksm- men, daß alle versicherten, daß sie bey Anlegung des Nordpols eine grössere Empfindung hatten. Einige bekamen^war neue Anfälle wieder; diese hatten sie sich aber durch neue Verkältungen zugezogen, und wurden davon durch das angeführte Mittel wiederum befreyet. Bisweilen blieben die Schmerzen hartnäckiger, indem eine Vollblütigkeit damit verbunden war, ich mußte also Aderlässe zugleich anrathen. In Gliederschmerzen aus ähnlichen Ursachen hat mir der Stahl noch keine Wirkung zeigen wollen. Vielleicht ist diese aber ehender zu erwarten, wenn mit derselben dieEle- ckrMät verbunden wird. Solte ich etwas dadurch erhalten, so werde ich hievon an einem andern Orte Nachricht geben. Avertifle- - U-'.t ' ■' /' ' ~ ? 3 $ S / •v und Nachrichten. I-r Avertiflement. Die zweyte ChurCöllnische Lotterie hat an bestimten Tage, nöhmlich . den iL. und r8.Novembr. ihrer. Classe gezogen, wovon die Liste bey jedwedem Collector, oder von der Churfürstlichen Administration selbst unentgeltlich zu haben ist. Aus der Liste erhellet, was das Glück leichtlich durch die Chances oder VergrößerungsLoosen wirken könne, indem in dieser Ziehung auf zwey deren vier einzelen großen Loosen Chances gefallen sind : auch grbt eine leichte Rechnung daraus an Tag, daß, unerachtet diese Lotterie jederzeit der Gefahr einer Zubuß durch die Chances unterworfen ist, dannoch nicht größern Vortheil gehabt habe, als andre aus den Gewinnstern allein einbehalten; Diejenige, welche in der 8. Classe interestirk werden seyn, spielen gantz unentgeltlich in der $ten, die aus so vielen großen Gewinnstern besteht, und nur vier Fehler gegen einen Treffer enthalt; Wer also sich ein schier ge- wiM Glück erworben, und noch zur 3. Elaste ueu eintretten will-, zahlte nur den wahren Werth eines Billets, wo deren noch etliche bey der Administration und bey den ColKctoten vörräthig seyn werden, nahmlich zwey Cronsthlr. über die gewöhnliche Einlage , und also vier und einen halben Cronsthlr. Bey Ausgeber diesesj sind BiüetS zu haben. Die ZiehungsListe erster Classe der zweyten Hochgrafi. Neuwidischen GeldLotterio, sind nunmehro allhier angelangt,- und können die Herrn Interessenten dieselbe commünicirt bekommen. Zur zweyten Classe sind neue Billets angelangt, und werden die refpe&ive Herrn Interessenten ersucht, acht Tage vor Verlauf dieses Jahrs die Renovation einzusenden. In dieser Classe sind ansehliche Preiße, 4000, 2000, 1000, foo fl. und andere gute Preiße zu gewinnen. Es sind auch noch Lööße vorrcithig, wer Belieben hat sich noch einzukaufen, wird man mit Loosen dienen können. Bey Ausgebern dieses kann man sich melden. Die letzthin angezeigte zwote Herßfekder Bücher -Auction ist bis dm ic Decembr. festgesetzt. Der Auctions-Catalogus davon ist auf denen refpeft. Postämtern gratis zu haben. Ein- r-2 Giesische wöchetttlrch -gememuötzlgeAnzeigen Ein- und auspaßierende v-m rzten V^lov. bis den nttn LTl-Vembr. 17M* Mallchor den Lzten Novembr. der Herr Baron von Kurtzrock, paßirt von Cassel durch. p ^>attrhor den^;ten auf dem Casselischen Postwagen, zween Kaufleuthe paßiren durch.. - ♦ Eodem ein Hannövrischer Obrifl, Herr Otto, paßirt herein, lo- gitt im Hirsch. walkhsr den r7ten, em Dänischer Lieutenant, Herr Welding, pas- sirt durch. - - Wallthor den r8ten, auf dem Casselischen Postw. ein Münsieriscber Ca- pitain von her Militz, ein Hessischer Lieutenant, Herr Saul, vom Regiment Grafendorf, und drey Kaufleute, paß. durch. v . ,1 Gebühren und getauft. Am i9 Novembr. Johann Christoph, Georg Ernst Schotten, Bürgers und Schneidermeisters allhier, Söhnlein. Verstorbne. Am ir Nov. Maria Catharina, Henrich Wentzels, Bürger und Fuhrmanns allhier, Töchterlein. Am iz Novembr. Johann Conrad Kröcker, Bürger und Metzgermei- ' fier, weiland Johann Balthasar Kröckers, Bürgers und Metzgermeisters, hinterlassener Sohn. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krie- ger, UniversitätsBuchhandlern hieselbsi, an die Herrn Liebhaber gegen i Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 Fr. ausgegeben. Man wird auch' den Herrn Pranumerantm mit denen schon herausgekomme, neu Stücken dienen.