Wteflsche wöchentlich- MttMWgc Mnzeigen mö Mchrtchtcn. Sieben und Zwanzigstes Stück. Dienstags den 2ten Jultt 1765. Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Beitrag zu der geheimen Geschichte. ff ft ff ff if tf ff ff ff ff ff ff ft tf ff tf ff „ Meine Herrn! „ Frankfurt den 1 Zun. 1765. haben mich zum Beobachter der hiesigen merkwürdigen Perso- nen erwählt, und mich ersucht. Ihnen die Charaktere derselben jUV Erwelterung ihrer angefangenen geheimen Geschichte zu übersenden. Ich will heute den Anfang damit machen, und Ihnen die be- daurenswürdige Umstände beichreiberr, worin sich einer von meinen hiesigen Bekannten befindet. Sie kennen den Herrn L, von dein ich Jh- nen so oft gesagt habe, daß er von Jugend auf ein sehr empfindliches Herz gegen das schöne Geschlecht gehabt habe. Dieser Mensch ist seit seinem fünfzehnten Jahre bis zum Erstaunen verliebt gewesen. Sie hätten ihn nur einmal in einer Gesellschaft von Frauenzimmern sehen sollen, wie er seine Rolle als Choridsn spielte. Wenn ihn eine Schöne nur ein wenig freundlich ansah; so bildete er sich schon ein, sie wäre bis zum Tode in ihn verliebt. Er machte ihr so gleich die artigsten Complimente, druckte und küßte ihr die Hand als der zärtlichste Liebhaber, fieng an zu seufzen und gab ihr ziemlich deutlich zu verstehen, daß er nicht ungeneigt wäre, sie bis an seinen letzten Athemzug anzubeten. Dieser Herr L. hatte vor zwey Jahren am rasten May zwischen vier und fünf Uhr D d Nach- rrs Gieflsthe wZchetttll'ch -- gemenmütztze Anzeigen „ Nachmittags, wie er in seinem Calender bemerkt hatte, das Glück, in „ einer grafen Versammlung neben dem schönsten Frauenzimmer zu sitzen, r, das ihm einige Artigkeiten sagte. Er war dadurch ganz auserordentlich „ entzückt, und weil er ihr nicht gleich sein empfindungs-volles Herz er- r, öfnen konnte, so unruhig, daß er den Stuhl, worauf er saß, durch die f, öftere unruhige Bewegungen zerbrach. Ais die Gesellschaft aus einan- „ der gieng, begleitete er seine eroberte Schöne nach Hauß: Und bey n dieser Gelegenheit gestund er ihr in den schmachtendsten Ausdrücken, daß ff er sie für einen Engel, und wer weis, wohl gar für eine Göttin ansä. „ he. Das Frauenzimmer, das vermuthlich zu viel Verstand hatte, als „ daß es einen solchen verliebten Gecken nicht noch verliebter machen sollte, ii stellte sich nicht allzu grausam gegen ihn, und machte ihm täglich mehr „ Hvfnungen von ihrer Gunst. Allein ein gewisser Herr, Namens -0. „ wurde vier Wochen hernach sein Nebenbuhler, und diesem gelang es, ff meinem Herrn L. den Braten aus dem Munde zu reissen. Man kann fi sich leicht vorstellen, daß dies der entsetzlichste Streich fenn mußte, der ff der dem verliebten L. konnte gespielt werden. Er hatte auch eine solche n betrübte Wirkung bey ihm, daß er mich noch dauert, wenn ich ihn „ ansehe. Der arme Mensch ! Er geht jetzt wie ein verscheuchtes Huhn „ in der Stadt herum, ganz zerstreuet, und manchmal ohne zu wissen, ob ,, er auf der Welt ist. Wenn er jetzt in Gesellschaften kommt, so seufzt „ er beständig und macht sich dadurch eben so unausstehlich, als ersieh ff ehedem durch seine Geschwätzigkeit machte. Er sitzt beständig in Gedan- ii ken, sieht immer vor sich hin auf einen Fleck, wie ein Mathematikus, f, der den abstraktesten Sätzen nachdenkt; und in diesen Gedanken begeht ff er manchmal die lächerlichste Dinge. Man weiß, daß er sich alle Knöpfe 9f vom Rock abgeschnitten und große Löcher in die Hosen gerissen hat. Den if CaffeeTischen und CaffeeTassen ist er seit einiger Zeit auch sehr gefährlich. „ Die letztere läßt er aus den Händen fallen und die ersteren wirft er um, ft oder beschneidet sie mit seinem FederMesser. Ich war noch neulich mit „ ihm in einer Gesellschaft von Frauenzimmern, wo er seine Jungfer Nach- ii darin auf einmal in seine Arme schloß mit den entsetzlichen Worten: ff iftf will ich sie todt küssen. Es fehlte nicht viel, so wären alle Frauen- „ zrmlwr, die zugegen waren, vor Schrecken in Ohnmacht gesunken. Und ff es war auch in der That fürchterlich anzusehen, wie er das gute Frauen- •i t.immer so unvermuthet anpackte. Eine von meinen Baasen ist würklich ff über ihn krank geworden. Weil er in ihres Vatters Hause wohnt und h er an ihrem Zimmer vorbey gehen mußte, wenn er in dasSeim'ge wette; und Nachrichten. rik 11 n II U n n n n n ff te; so öfnete er das Zimmer meiner Baase, die zu allem Unglück „ nicht zu Hause war, und legte sich in ihr Bette, weil er es für das Sei- nige hielte- Als meine Baase zurück kam, sich ausgekleioet und dar Licht ausgelöscht hatte und nun in das Bette steigen wollte, ward sie m demselben einen Menschen gewahr, der in einem sehr festen Schlafe lag. Sie schrie aus vollem Halse um Hülfe, und als man ein Lcht herbey brachte; so fände man den Herrn L. im Bette in dem nämlichen Putz, worinn er den Tag über gewesen war. Jüngsthin spielte er mit einigen von feinen Freunden auf der Carte. Mitten im Spiele reichte ihm der Bediente nebst einem Glas Wein ein Stück Bretzel. Er tranck den Wein und anstatt daß er die Bretzel essen sollte, biß er in die Carten ,, und er hatte schon beynahe die Helfte von der einen hinunter geschluckt, „ als man es gewahr wurde. Die Suppe ißt er sehr oft mit der Gabel „ und das Fleisch nicht selten mit dem Löffel und wenn einem bey Tisch „ ein Stück Brod, ein Messer oder eine Gabel fehlt, so kann man eS „ ganz gewiß bey seinem Teller finden. ,, Sehen Sie, meine Herrn, so betrübt ist der Zustand des Herrn L. „ So wert kann einen die unvernünftige Liebe zu dem schönen Geschlecht „ bringen. Wenn es in ihrer Gegend Junglinge geben sollte, die bey dem „ ersten Anblick eines schönen Frauenznnmers so gleich entzückt sind und „ nicht wissen, in welche Ecke sie vor Liebe gehen sollen; so warnen Sie „ sie durch dieses Exempel. Sie sind in der That einer solchen Verwir- „ rung und Zerstreuung naher, als sie glauben. Leben sie wohl. Ich bin Ihr ergebenster Diener r. I K. VTeue Vorschläge zur Gtrassenbesserung. Es finden sich niedrige Gegenden, woselbst es am kiesigten und andern zum Straßenbau haltbaren und festen Erdboden gänzlich ermangelt. Es ist dahero in Vorschlag gekommen, ob nicht die Straßenbefferungerr durch Lehm, der nach gleicher Art derer Ziegeln gebrannt wurde, zu bewerkstelligen seyn möchte. Von der Dauer gut gebrannter Ziegelsteine wird man dadurch überzeugt, weilen sich bey denen Grenzmaalen auch auf sumpfigten Ziegelsticken, die als sogenannte Zeugen, vor fo und mehr Zähren dahin mit eingelegt worden sind, unaufgelößt finden lassen. Man erste» het auch an vielen Orten, wo von abgebrannten oder abgetragenen Mau» m dergleichen Ziegelschutt, wann gleich kein Kalck. darunter befindlich Dd» gewe- an Giesifch-wöchentlich gemeinnützige Anzeigen gewesen auf die Straßen ausgefahren worden, solcher viele Jahre hindurch sehr haltbare Flecke zuwege gebracht habe.. Ordentliche zugerichtete Ziegel zu dergleichen Besserungen zu gebrauchen, würde des Ankaufens halber n.,n ^s^ung der Zufuhr von theils sehr abgelegenen Ziegelhutten alzu kostbar fallen. Dahingegen wann vor erst der Gebrauch zerschlagener Ziegelstucken zum Straßenbau von Leuten die in solchen Baue gründlich erfahren sind, untrüglich nutzbar geachtet werden sollte, desmch- rern dahin zu sehen seyn dürfte: 1 v i) Ob in der Gegend sumpfigter und tiefliegender Straßen gmerund sattsam er Lehm ohn entlegen anzutreffen? und 2- das Holz solcher Gegend in keinem gar zu hohen Preiß wäre? Unter solcherley vorhandenen Bedürfnissen wäre ich der Meinung: 2) daß man zu einer Probe an denen Straßen kleine ZiegelOfen von Lehm oder sogenannten Wetterwänden, 0^r au^ ^ur Erdöfen, wo man dergleichen ausgraben könnte, erbauen: d) Kugeln von Lehm in der Formmästger runder Pflastersteine (maßen solche chrer Rundung halber, da sie hohl liegen von den Feuer mehr durchdrungen werden können) nur mit denen Händen fertigen, und zum abtrocknen über Haufen setzen, alsdann die Oefen von beiden Serken damit anfullen; c) Nur mit schlechten Klippel-Ast- und Reißholzheitzen, und damit so Ort zuOrt" x^tW Our* brannt, fortfahren; auch von Z) Mehrere solche Oefen (maßen solche ohne grossen Aufwand von Ta- gelöhnern anzurrchten waren) wo guter Lehm vorhanden, an den Straßen erbauen ließe. ' Da es aber hierbey vornemlich darauf ankommt, daß Leute, welche derer StraßenBau vollkommen kundig, diese Gedanken in reifliche Ueberleauna nehmen; als erbittet man sich deshalben von andern der Sache erfahrnen Personen hierdurch vollständigere Nachricht aus. Dieses ist aus dem Leipziger JntelligenzBkatt 170?. Nro. 1$. r v ' »crt Pferde/ welches der ChurCöllm'sche