¥88S>u Stelle einer Vorrede soll ein Brief einnehmen, den wir auf keine andre als auf diese Art unfern Lesern mtttheilen können, weil er uns gestern erst ist zuge- schickt worden. Wir müssen es gestehen, er war uns eben so unerwartet, als angenehm, ob er gleich einen gegründeten Tadel gegen unsre Blätter von diesem Jahr enthält. Allein würden wir nicht wider unsre eigne Grundsätze handeln, wenn wir über einen gerechten Vorwurf, den man uns macht, zornig werden wollten, und insbesondere, wenn er uns von einem Frauenzimmer gemacht wird, das die schönsten und liebenswürdigsten Eigenschaften an sich haben imifj. Wir bekamen es gar sehr, daß sic uns nicht eher an unsre Pflicht erinnert hat. Die Befriedigung ihrer Wünsche hätte gewis unsre vornchniste Sorge seyn sollen. Inzwischen schätzen wir uns ungemein glücklich, daß sie uns bisher ihres Bcyfalls gewürdigt hat, und daß wir ihr noch künftiges Jahr unsre Dankbarkeit dafür durch die Erfüllung ihrer Befehle bezeugen können. Hier ist ihr Brief. Welch einen vor« treflichen Charakter muß seine Verfasserin haben! O wenn doch alle unsre Leser und Leserinnen so begierig wären, sich zu bessern! )( i Hoch- Vorrede. Hochzuehreir-e Herrn! <>ch und Doris haben ihr Blatt bisher mit sehr grosem Vergnügen gewiesen. Ls will uns aber doch noch nicht so ganz gefallen: Wissen Sie warum? Uns deucht, Sie hätten sich etwas mehr mit unferm Geschlecht abgeben und die Fehler und Thorheiten desselben eben so gut, wie die Feh. ler und Thorheiten des Ihrigen zeigen sollen. Gehören wir dann nicht eben so gut zu der menschlichen Gescllschast und kragen wir nicht, wenn wir tugendhaft und gesittet sind, eben so viel zur Glückfeeligkeit derselben bey, als die Mannspersonen? Sollten wir also weniger Recht haben zu fordern, daß Sie sich mit eben der Sorgfalt um die Verbesserung un- sers Geschlechts bekümmern, mit welcher Sie sich bisher um die Verbesserung des Ihrigen befümmert haben? Wir gestehen es Ihnen aufrichtig, daß wir Ihr Blakt noch einmal so gerne würden gelesen haben, wenn Sie uns nur mehr Gelegenheit gegeben hätten, über unsre Aufführung nachzudenken , und uns und nufer Geschlecht besser kennen zu lernen Wir haben immer von einer Woche zur andern gehofft, Sie würden endlich einmal anfangen, auch für uns lehrreich zu seyn, und uns in den Regeln der Klugheit und Sittsamkeit zu unterrichten, die unter uns leider' sehr selten zu werden scheinen. Allein alle«, was Sie bisher gutes sagten, gieng Ihr Geschlecht beinahe allein an, und es hat uns manchmal sehr viele Mühe gekostet, bis wir etwas auf uns anwenden konnten. Wir hoffen es zu Ihrer Gütigkeit, daß Sie uns diese freve Erinnerung vergeben und sich bey der Fortsetzung Ihrer Schrift die Auspolirung der Sitten und die Verbesserung der Fehler unsers Geschlechts mehr werden angelegen seyn lassen. In dieser angenehmen Hofnung verbleiben wir auch fünf tig noch Ihre Am 28ten Decembr. 1765« fieisigstc und gehorsamste Leserinnen Caroline und Doris.