Klestsche wöchentlich- gelUlnnüWe Knzelgen mb Vüchrichten. . Ein und Dreysigffes Stück. Dienstags den nun IM 17$4. Mit Hochfürstl. Hessen - Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Ch'mene und Alcand-r eine moralische Erzählung. ein Mann von dem größten Ansehen, der bey einer bewun- dernswürdigen Gelehrsamkeit und einem ungemein grosem Ver- mögen, ein wahrer Menschenfreund war, lebte mit Cawlirreii kn der vergnügtesten und glücklichsten Ehe. Sie liebten sich beyde unaussprechlich und wußten es aus eigner Erfahrung, daß die Ehe die Menschen nur alsdann zu den glücklichsten mache, und nur alsdann der höchste Grad der Freundschaft könne genennet werden, wenn sie auf Religion und Tugend gegründet ist. Unter diesen Empfindungen ihres Glücks sahen sie in jene künftigen Jahre hinaus, die sie mit eben der Zufriedenheit beschliefen als anfangen würden. Sie weinten oft für Freuden, wen» sie an ihre Kinder dachten, die sie zur Religionund zu edlen Gesinnungen erziehen wollten. Doch die Vorsicht läßt oft den frömmsten Wunsch unerfüllt und pfianzt da Labyrinthe hin, wo Sterbliche nur Gefilde des Vergnügens und der Freude sehen. Ihre helle Aussicht wurde nur allzufrüh in eine dunkle Nacht verwandelt. Carolinen überfiel eine tö-tliche Krankheit. Hh Man *4® Gresrsthe * wöchmtü'chZcmcmttützitte Anzergen Man sagte ihr, daß sie sie nicht überstehen werde. Sie hörte die Ankündigung ihres Todes unerschrocken an. Ach sagte sie, als sie ihr Ende nicht wert mehr entfernet sah, ach ich soll dich schon verlassen, mein theu- erster ptfoit, dich, den ich über alles irrdische liebte, und unsre beyden unerwachlenen Kinder, die wir nach unserm Muster bilden wollten, euch ihr Geliebte», soll ich schon verlassen ! O du unbegreiflicher. GL)tt I wie unerforjchlich sind deine Wege. Doch ich demüthige mich in tiefem Staube vor dir, und gebe dir willig die Güter wieder Mücke, womit du bis- hieher mein Leben gesegnet hast. Ich verlasse sie mit Freuden, diese Welt, die mir nur um meines pifottß willen so theuer war. Aber o verzeih es dem Staube, ich würde sie noch mit gröserer Freudigkeit verlassen , wenn ich gewiß versichert wäre, ob auch meine Kinder die Wege zur Glückssiigkeit betretten würden, die ich bisber mit so unaussprechlichem Vergnügen gewandelt habe. Hierauf warf sie noch einen Blick auf Pison, druckte ihre Kinder noch einmal an ihre sterbende Brust und verschied. Pison hatte bey dem Tod seiner Gemahlin alle seine Stürcke und die ganze Gröse seines Geistes nöthig, um nicht unter der Last der Schmerzen zu versincken. Wo würde ich einst Linderung meiner Schmerzen finden können, wenn ich nicht, o du Religion meine«; GOttes, zu dir meine Zuflucht nehmen tönte. Ich murre nicht, weil ich mit keinem Rechte einen Anbruch auf irgend ein Gut machen kann. Ich habe ja alles aus Den gütigen Händen des Allmächtigen empfangen, warum sollte ich unzufrieden seyn, wenn er mir auch mein liebstes auf der Welt wieder nimmt, und nicht einmal auf ewig, sondern nur auf eine kurze Seit wieder nimmt Denn dort wird er sie mir zum ewigen Besitze wieder geben. So besprach sich Pison oft mit seinen Kindern um ihnen von Jugend auf grose und erhabene und der Religion und Tugend würdige Gesinnungen einzupflanzen. Er erreichte zu seiner größten Freude diesen vortrefllichen Endzweck. Theodor sein Sohn , der sich schon seit dreyzehn Jahren die Weisheitsvollen Lehrenseiner Mutter.ingeprügt hatte, sähe bald ein, daß Religion und Rechtschaffenheit die einzigen Wegezur wahren Glückseligkeit seyen. Deswegen wühlte er sie in allen Stücken zu seinen Führerinnen und machte es zugleich zu seinem liebsten Geschäfte, seme Schwester Clrmene bep jeder Gelegenheit middiesen göttlichen Freundinnen bekannter zu machen. Sei- ttttd Plachnchrerr. 14 ne Bemühungen blieben nicht fruchtlos. Er bildete mit Hülfe seines schr geschickten Hofmeisters das vortreflrchste Frauenzimmer aus ihr. Ihr Vatter sähe nie ohne das innigste Vergnügen, wie seine beyden Hofnungs-vollen Kinder von Tag zu Tag an jeder Vollkommenheit Zunahmen. Theodor hatte kaum das sechzchende Jahr erreicht, so schickte er ihn schon unter der Aufsicht seines eben so gelehrten als rechtschaffenen Hofmeisters auf Universitäten; indeß daß Llünene, deren Geist noch über ihre ausnehmende Schönheit erhoben war, die Bewunderung aller Menschen wurde. Die Trennung von ihrem geliebtem Bruder und von ihrem treuen Lehrer verursachten Clrmene die empfindlichsten Schmerzen. Dis Geschäfte ihres Vatters waren zu nothwendig, als daß er ihr in diesem Stu. cke den Verlust dieser beyden Führer auf dem Pfade der Tugend völlig hatte ersetzen können. Die zwo Stunden, die sie nur des Tages in seiner Gesellschaft seyn durfte, waren für ihr gesellschaftliches Herze zu wenig; und dieses einsame Leben wurde ihr nur allzufrüh unausstehlich. Sie suchte sich Gesellschaft; allein sie gieng aus einem Lustgarten in ein Labyrinth, das sie unvermerkt zu ihrem Unglücke führte. O hätte doch Clt* mene ihr Leben in der Einsamkeit dieser treuen Beschützerin der Tugend, nur noch so lange zugebracht, bis sie fähiger gewesen wäre, sich selbst zu führen. Die Jugend ist beynahe in keinem Stücke leichtsinniger, als in der Wahl ihrer Gesellschaft. Und in keinem sollte sie doch vorsichtiger seyn, weil diejenige, mit denen wir umgehen, ganz gewiß entweder unser Glück oder Unglück befördern helfen. So lange Clrmene noch mit ihrem tugendhaften Bruder und ihrem rechtschaffenen Lehrer umgieng, war sie die glücklichste. Allein zu ihrer ewigen Reue mußte sie auch den andern Theil dieser Erfahrung bestättigen, daß nehmlich unser Umgang einen sehr groß» fta Einfluß in unser wahres Unglück habe. Climene wählte Blandmen, die Frau eines vornehmen Mannes, der einen sehr grosen Theil seines Glückes ihrem Vatter zu verdanken hatte,, zu ihrer täglichen Gesellschaft. Blandme war am Hofe erzogen worden, und hatte Witz unfc Lebhaftigkeit genug, ein junges Frauenzimmer durch ihren angenehmen Umgang zu gewinnen. Llrmene war in kurzem so sehr Hh r von I *4i Giesische wSchmüich, gemcinnAyige Anzeigen eingenommen , dH sie jeden Augenblick zählte, bis sie in die Gesellschaft der Blaidme kam. Nichts erwirbt man sich seltner Key Hofe als tugendhafte und erhabene G-sinnuMN. Und ist es dann nicht beynahe unmöglich , bcy unterbrochenen Belustigungen der Pinnen wirklich tugendhaft zu werden? Llandrne besaß bey dem vorkreflichsten Verstände ein niederträchtiges und ungebessertes Herz. Pracht und Eitelkeit und die unruhigen Bemühungen lunger Cavaliere um ihre Gunst, schienen ihr ein weit gröserer Ruhm in fen, als alle Triumphe der Tugend. Sie empfände immer das größte Vergnügen, wenn sie einen hofnungsvollen Jüngling in ihr Netze rieben und unglücklich machen konnte. Wenn ein Verliebter Hosnung hat, er« f)ött ju werdeii, so ist er im Stande, einem einzigen günstigen Blicke seiner Gebieterm fern halbes Vermögen zum Opfer zu bringen. Dies war eme Haupteigenschaft, die derjenige besitzen mußte, welchem Blondine einen Zutntt erlauben sollte. Allein mit diesem Opfer war sie oft nicht einmal zu frieden. Indem sie einen jeden ihrer Anbeter in seiner Hosnung zu erhalten wußte, wußte sie zugleich dadurch die größte Eifersucht unter ihnen zu erwecken. Dies zog die abscheulichste Handlung nach sich. Arin-- dns, der schon die größten Summen ihrentwegen verschwendet hatte, sähe seinen besten Freund als feinen Nebenbuhler an. Wie sehr steuete sich Blondine , als sie dieses gewahr wurde.' Sie beschloß den Freund des Arindos in jeder Gesellschast zu loben, um diesen in seinem Argwohn zu bcstarcken. Dies war dem niederträchtigen Arindos Ursache genug, seinem besten Freunde den Tod zu drohen und ihn bald darauf auf eine meuchelmörderische Art um das Leben zu bringen. Man denke nicht, daß Blondine durch diese entsetzliche Begebenheit wäre bewogen worden, ihren kriechenden Liebhaber nicht länger mehr in der Ungewisheit zu lassen und sich über ihr Unglück nicht mehr zu er. freuen. Im Gegentheil! die Stelle des Arindos, der um des Morde« willen hatte entfliehen müssen, blieb gar nicht lange unbesetzt, so, daß sie in ihrem dreysigsten Jahre eine ansehnliche Menge unglücklich gewordener und verarmter Liebhaber zählen konnte. Hier faßte Blondine zum erstenmale den Argwohn, sie möchte sich durch ihre allzugroie Gleichgültigkeit gegen ihre Liebhaber der Gefahr aussetzen, zuletzt ganz verschmäht zu werden. ES glückte ihr aber doch und Nachrichten. M) doch noch, in ihrem zwey und dreysigsten Jahre einem gelehrten Ritter von nimor zu gefallen. Dieser war hochmüthig genug/ eine Person zu benrathen, die ihm mit einem grosen Vermögen , zugleich eine ansehnliche Bedienung verschaffte; er war aber auch niederträchtig genug/ um diesen Pxejß ein Sclave der Blandino zu werden , und den beständigen Vorwurf anzuhören, daß sie ibn glücklich gemacht hatte. Dieser Ritter erwarbe sich bald durch seine Gelehrsamkeit dieAchtung seines Fürsten und insbesondere die Freundschafft seines ersten Ministers, des Vatters der Climette. Pison suchte sich um diesen Ritter recht verdient zu machen und erhob ihn, wo er nur konnte. Die Fortsetzung folgt. 2lcademische Nachricht. Den 28. Julii betrat Herr Johann Georg Fester aus Franck- furt am Mayn, unter dem Vorsiz Herrn ViceCanzlers v. Kortholt/UM die DoctorWürde zu erlangen, den Juristischen Catheder. Die wohlausgear- beitete Dissertation handelt: de Jure Salarn Advocatorum in Concuriu Creditorum. 6. Bogen starck. 3u verstreichen. Den sttN Auguft. dieses, sollen in Herrn Brigadier von Spiznafs Behausung folgende Effetien und Haußrath an den meistbietenden abgegeben werden : i) Kleider und Weißzeug, Schrancke theils von harten Holz gemacht. 2) Ein Contoir, allerhand Nußbüumerne Schrancke, kleinere Schmncke von allerhand Sorten, auch Glaser Schrancke. 3) allerhand Sessel und Stühle. 4) ein Canape. 5) allerhand Sorten Tische, SpielTische und Gueridons. 6) Bettladen. 7) eine grose eiserne GeldKüste. 8) Zinn, Kupfer und Eisenwerck. 9) Bettwerck für Domeftiquen. xo) allerhand Sorten Glaser, n) auch Bücher, nebst allerhand Haußrath, so man nicht alle bemercken kann. 3u verkaufen. Greo-orii Nazianzeni Opera Graeca & Latina ex interpretat. Morel- Colon. U90. 2. Tom. in Frantz Bande. 5. Hh 3 Theo- Gesiohlne Sndjctt. Es soll vor einiger Zeit ein groses Stück aus den Predigten des Herrn Saurins diebischer Welse entwendet, und unter einem fremden Nahmen öffentlich «siMragen worden seyn; wer den Thäter weiß, beliebe lo chen gegen em gutes Reeompens anzuzeigen. Verlohrne Sachen. Dm r-. Julii.st zwischen Butzbach und.Giessen eine neue Silberne DackUhr mit einer Stählernen Kette einem sichern Freund verlohren ae, gangen, wer solche gefunden, soll ein gut Reeompens erhalten, und kau» «an sich bey Ausgebern dieses melden. Bedlemmg juchend. Cin junger Mensch, von honetten Eltern, r 6. Jahr alt, sucht Ge- legenhelt bcy einen Herrn zu kommen, schreibt eine feine Hand, spielt dar Ciavier» versteht einen Lateinischen Terminum, kann etwas rechnen • bei» Ausgebern dieses kann man weitern Bescheid erhalten. u * * Mesische wöchentlich - Ismsr'nnätziZe Anzeigen Theodor. Zwinger Theatrum Vitae human ae, BafiL 17©» fa , HomBanden. in Folio. 4. fl. 1 7* * Jul. lütten Leich, und Miscellan Predigten, in 4to. leim 1730. z. ff. in Ruck und Eckcnband. ’ Joannis Ciaubergi Opera Phyfica acced. Metaphyfica de ente. Am* ftelod, edit. EJzevir. 1664. in 410. 1. ff. in Pergament. Andere Beknnnkmnchung. Ei» Autor ist willens ein grundgelehrtes Merck, in Quart Aivb starck von den Frisuren der asten Römer und Griecheil herauszuaeben Er sucht einen Meeanaken , und weil er in Cer Wahl nicht mit sich eiiiia werden kann : |o will er diese Ehre an den Meistbietenden überlassen. Siebhaber werden also ersucht sich anzuzeigen. Er erbietet sich auch abgetragene Ho.en und allerlei Lebens Mittel an Bezahlung zu nehmen. Em r'. rmd rTlachrLcheett. Z4f Ein Poet, welcher gereimte und ungereimte Verse macht/ offerirt ebenfalls seine Dienste, bey GebuttsTagen , Hochzeiten, Trauerfallen, und bey andern Gelegenheiten, wo man ihn etwa brauchen möchte. Ein und auspafftrende vom nun Julü bis den ziun Julü 1764. Wallbor den n. Jmii Ein GeheimderRath aus Dannemark, Herr von Eiben, logirt im Posthaus. Walther den 22. Auf dem Caffelischen Postwagen z Kaufleut und ein Baron Herr von Daüwig, paßirt durch. Walchor den r?. Der Herr Graf von Laubach, pastirt durch. Eodem Ein Rittmeister von der Hessischen Gensdarmerie Herr Schalladenski •Eodem Ein Lieutenannt von den Danen Herr Feuchten, vom Regl» ment Seelandt paffrt durch. Neuwegerchor den 2 3. Herr R. Rath Hofmann von Grünberg paß. herein XVaitbor den 24. Herr AmtSchultheis von Qbernohmen Herr Riegel- mann, logirt bey Hrn. ViceKanzlar Kortholt. Walchor den 25. Auf dem Caffelischen Postwagen 2. Kaufieut und eine Weibsperson, passiren durch. Selzerehor den 25. Ein Capitain von den Danen, Herr von Leyenstein kommt von Frankfurt, paffrt durch. ~ Walchor den 26. Ein General von den Hessen, Herr von Pappenheim paffrt von Marburg nach Franckfurt hierdurch. Walchor den 27. Auf dem Caffelischen Postwagen ein Kaufmann und eine WeibsPerson paffren durch. Gelzerrhor den 27. Der Herr Graf von Laubach paffiren herein. Eodem Ein Präsident von Hannover, kommt von Wezlar paß. durch 2) Gebohrue und getaufte. Am 16. Jul. Maria Jokannetta Sophia, Herr Johann Melchior Stohr, Burgers und Tuchmachers, wie auch des XVI. Raths Mitgliedes allhier, Töchterlein. Am 22. Jul. Catharina Margarttha, Joh. Adam Linnenstruth, BurgttS und Fuhrmanns allhier, Töchterlein. 1 - Am 44« Gicsische w§chc»r!ich - gemeinttStzlge Anzeige» Am 2$. Jul. Johann Christian Carl, -Herrn Johann Christian Gottlieb Jan, Hochfurstl. HeffenDarmstkidt,sehen RegierungS-und Conststo- rialRaths allyrer/ Söhnlein. Eodem Mtt'ia Elifchetha Johannetta, Herrn Johannes Sch, Buraers nnd^BeckermeisterS, wie auch des xvl. Raths Mitgliedes allhier. Am 24. Jul. Anna Christina, Johann Melchior Plock, Bumers und Beckermeisters allhier, Töchterlein. y uno Verstorbene. A'N bing-nn, weiland Herrn CanceW Finger« Frucht-und andere Pmste am Markttag den zs Julii 1764. Gieser Maas. Fl- i Achtel Kom - 5 i Achtel Gerste ♦ z Alb. Pf. 1 ft. -Ochse« Fleisch fliidS >• Alb. 4 i Achtel Waitzen 6 i5 1 ft. Kuh Fleisch 4 > 4 such 5 - 7 i Achtel Hafer - r i w. gescheite Hirsche - x it. geschelte Gerste - i H« klein gescheite Gerste i Mesie Erbsen - x Meste Linsen - f L r 2 16 16 4 ■ ft. Rind Fleisch 1 ft. KalbFleisch 1 tt. SchweineFlcisch - ft. HammrlFleisch r ft. KalbsLeber 1 KalbSKopff • 1 frische Butter 7 3 3 4 3 3 7 6 1 4 r 4 «Ey-r 2 4 x? Loth i Quint Brod ♦ 7 Loth Weck ♦ - Becker Breis. ,Pf. » ) Loch 4 Quint BukterBrctzel 4 P, 12 Evth i Quint Teitscher 4 9«, aKÄffiÄ« Philipp jmm halbjas>riHe Pränumeration geliefert Einrelne i Rthlr. ben. Man wird auch den Herrn Mnumerdntfn Ver^ 4 « r. ausgege- «en Stücken dienen, "beranken nut denen schon herausgelomme-