wöchentlich- gcincllMßW WWW unö Kchrichtcn. Vier und Vierzigstes Stl'lck. Dienstags dm roten Oceobr. 1*764» Mit Hocbfürstl. Hessen - Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Abhandlung x»ow dem Nutzen der Dichtkunst rn der Religidtt. Von einem Mlitgliede der teutschen Geselllchaft. G^bgleich die göttlichen Wahrheiten unsrer allecheiligsten Religion kei- ngn Schmuck und keine Auszierungen der Schreibart nöthlg ha- ben/ um einen jeden zum Beyfalle zu bringen, dec im Stande ist, aeböria darüber nachzudenke» : so ist es doch gewiß, daß sie ohne diese Äusserungen den grosen Eindruck bey den meisten Menschen Nicht'machen, den r?, können, wenn sie in eiiiem glanzenden unö gelchmückten Sd?Ä Ä » »" liest m.dem tiefen Verdecken der Menschen. Denn bald ist ihr Verstand zu schläfrig, als daß sie sich leben« xtrt hiMAn übeneiKieti ließen; bald ist ihrÄbille zu trage, ihren vortrestichen ^WTLTL. si! nicht mit der ganzen Stärcke derselben ül«i"uat und bewegt. Es muffen alsd die Bemühungen der>emg«n von einem grosen und mannigfaltigen Nutzen seyn, welche alle sdre Fahigkeite n und Talente anwenden, die Wahrheiten unirer Religion m ihrer eigenen himmlischen Schönheit zu zeigen, um ^o est Aiuabl von Menschen zu überwinden. Wer aber ist gejchickter, les wichtige Geschäfte zu übernehmen, M der Dichter? Denn unte llen -44 Giefische wöcheEch-- NemeittttZyrge Attzergen Sprachen hat keine so viele Gewalt über die Seele des Menschen, als die Sprache der Dichtkunst. Sie muß also besonders in der Religion von den größten Nutzen seyn. Es ist beynahe unnöthig, daß ich mich zuvor in eine umständliche Betrachtung über die wichtigen Vortheile einlaffe, welche die Dichtkunst überhaupt hat. Wer kennt ihre grosen Absichten nicht? Und wer hat dis Wirkungen noch nicht erfahren, die sie durch ihre Macht in unsrer Seels hervorbringt? Ihre Wirkungen fliesen ganz natürlich aus ihren Absichten. Denn sie sucht immer das angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Sie will nicht nur den sinnlichen, sondern auch den denkenden Menschen beschäftigen. Daher schmückt sie ihre Lehren mit unwiederstehlichen Reizungen aus. Sie trägt sie leichte und faßlich vor. Sie zeigt uns die erhabensten Wahrheiten in den schönsten Gemählden und setzt unsre Einbildungskraft in eine solche Lebhaftigkeit, daß wir uns auch die entferntesten Dings beynahe als gegenwärtig vorstellen können. Den Verstand ergötzt sie nicht nut durch das angenehme und mannigfaltige, sondern auch durch das prächtige und majestätische in ihren Ausdrücken. Bald setzt sie ihn in Bewunderung und Erstaunen, bald reicht sie ihm Stoff zu den tiefsten Betrachtungen. .Und wie gros ist ihre Macht nicht über das Herz! von aller Trockenheit entfernt ist ihre Sprache voll Leben und Feuer, um den Willen ganz in Bewegung und Flamme zu sezzen. Deswegen machen ihre Wahrheiten einen so grosen Eindruck auf uns. Deswegen ist ihre Erkenntnis so wirksam und thatig. Und wo ist eine Empfindung, die sie nicht zu erwecken vermag? Ist sie nicht eben so geschickt, die Empfindungen der Freude und der Liebe, als die Empfindungen der Traurigkeit des Mitleidens und des Schmerzens in uns rege zu machen? Welche Saite der Seele, wenn ich so reden darf, laßt sie unberührt, und welche trift sie nicht ganz? kurz, sie vergnügt den Sinnlichen durch ihre Bilder ; sie setzt den Tiefsinnigen in Erstaunen und reißt den Beweglichen mit ihrer mächtigen Kraft hin. Gewiß so gros die Gewalt ist , die die Dichtkunst überhaupt über unser Herz hat, eben sogros muß der Nutzen seyn, den sie in der Religion stiften kan. Denn die Wahrheiten derselben müssen nicht nur auf eine angenehme, überzeugende, sondern auch auf eine erhabene und majestätische; nicht nur auf eine rührende und bewegende, sondern auch auf eine faßliche und oft sinnliche Weife vorgetragen werden. Ich will mich bemühen, jede von dielen Forderungen weiter auseinander zu setzen. * * Wen» mch Nachnchrm. w WENN die allernützlichsten und vortrefiichsten Wahrheiten in einer ab- stracken, in einer trotten und leeren Schreibart vorgetragen werden, so wird der größts Theil der Menschen nie so stark davon eingenommen und überzeugt werden, als es möglich ist, wenn man sie ihnen auf eine angenehme und deutliche Weise vortragt. Die Wahrheiten unsrer göttlichen Religion sind nicht einmal davon ausgenommen. Sie sind die allerunentbehrlichsten. Ihr Werth ist unschäzbar und wenn ihre Lehren auch ganz ohne Pracht und in der unwürdigsten Gestalt erschienen, so sollten sie doch immer unfern Verstand beschäftigen und alle Kräfte unsrer Seele erfüllen, weil ihr lezter Endzweck unsre Glückseeligkeit ist. Allein wer kennt die Finsternis im Verstände des Menschen nicht, wenn es auf die Erkenntnis seines Heils ankommt? Wie verdrossen ist er nicht, wenn er diesen himmlischen Wahrheiten nachdencken soll! Wie selten suchen wir uns eine deutliche und lebendige Uiberzeugung davon zu erwerben ! Und ist es nicht bey denen, die einen reinen und verbesserten Geschmack behaupten wollen, zu» allgemeinen Mode geworden, ihnen alle Ehrerbietung zu versagen, wenn sie sie in einer ungeschmückten und unzierlichen Schreibart erblicken ? Soll also diese Finsternis zerstreuet, soll diese Schläfrigkeit in Aufmerksamkeit verwandelt, sollen die Vorurtheile der Menschen niedergeriffen und soll ch- nen ein Geschmack an den Wahrheiten der Religion beygebracht werden, und wie nothwmdig ist dieses nicht? so müssen sie uns in einem reizenden und entzückenden Schmucke dargestellt werden. Sie müssen uns nicht nur belustigen und ergötzen, sondern auch zum Nachdenken bewegen. Und ist nicht die Dichtkunst am fähigsten, diese Forderungen zu erfüllen und diesen heiligen Wahrheiten den würdigsten Glanz mitzutheilen. Kann sie nicht ihren Leser bald durch das mannigfaltige, bald durch das nachdrückliche ihrer Sprache vergnügen? Und wie angenehm unterhalt sie ihn nicht mit ihren reichen und fruchtbaren Gedanken! Kurz, wenn sie unterrichtet, so sucht sie nicht nur zu überzeugen , sondern auch auf eine einnehmende und lebendige Art zu überzeugen und uns den Beyfall gleichsam abzunöthigen. Allein wenn uns die Wahrheiten des ChristenthumS wahrhaftig Slückseelig machen sollen, so müssen wir es nicht blos bey der Erkenntnis derselben bewenden lassen, sie müssen auch unser ganzes Herz bilden. Sie müssen nicht nur geglaubt, sondern auch ausgeübt und empfunden werden. O wenn doch dieses die Menschen immer erwägten ! Wenn sie doch nicht leibst so viele Hindernisse feiten, welche diesen himmlischen Lehren allen Zu- Xr * gang z 4 6 Gr'estsibö wZcheMl'ch - WMer'trMtzl'ge Mzer'gm ganz zu ihrem öden Herzen verwehren! Denn wie trage sind sie nicht, wenn sie die Tugend ausüben, und wie verdrossen, twn.il sie die stetigen Pflichten erfüllen sollen, die die Religion so sehr von ihnen fordert! Wie wenigen sind die unausbleiblichen Strafen eine Warnung für vem Laster! Wie viele hingegen bleiben bei) den ewigen Belohnungen der Tugend ungerührt! Wer empfindet das Mitleids eines Christen bey den Thränen des Armen? Wo sind die Geduldigen im Leyden! Was ist gröstr und edler, als die Liebe gegen die Feinde, und welche Pflicht wird weniger ausgeübt, als sie? Was macht uns steliger als der Gehorsam gegen GOtt, und was ist seltner als er? Es ist wahr, man hn aufdas stqrckste von der Verbindlichkeit überzeugt styn, allen diesen Pflichten ein Genüge zu thun, und man kan doch nicht darnach leben und alle seine Handlungen darnach einrrch- ten wollen. Was hilft es uns aber, wenn unser Verstand von den Wahrheiten unsrer Religion überzeugt M, und unser Herz bleibt ungebessert? Soll dieses verbessert werden, so müssen die größten Veränderungen darinne vorgehen. Alle seine Leidenschaften müssen hier rege gemacht werden. Es müssen nicht nur traurige und schreckliche, sondern auch angenehme, frohe, grose und edle Empfindungen in ihm erweckt werden. Das Laster muß ihm in aller feiner Abscheulichkeit, und die Tugend in ihrer eignen Liebenswürdigkeit geschildert werden. Man muß ihm den erzürnten Allmächtigen mit allen seinen Donnern, womit er den Gottlosen zerschmettert, man muß den verMnten Unendlichen zeigen, der mit allen Schätzen seines Himmels die Tugend belohnt. Kan aber wohl jemand diesem Geschälte ein vollkommneres Genüge leisten, als der Poet. Niemand kan das Herz in stärkere Bewegung nnd Flammen setzen, als er. Denn ist nicht die Erkentnis, die er uns bevbringt, die thätigste? Wirkt sie nicht am mächtigsten auf unser Herz? Wer kan in unö eine grösere Liebe zur Tugend und einen unsterblichen Haß gegen das Laster erwecken ? Wer kann uns den Allmächtigen im Grimme furchtbarer und den unaussprechlich Gütigen, vät- terlicher und liebenswürdiger vorstellcn? Der Dichter kann auch durch seine nachdenckliche und rührende Vorstellungen unsere Ehrfurcht gegen den Allerhöchsten vergrösern und unfern Glauben an ihn lebendiger und stärker machen. Penn wie erhaben und, majestätisch kann er uns nicht den.Ewigen auf seinem Throne, schildern. Und wenn er uns jene entfernte Secligkeiten beschreibt, in welche Lebhastigkeit, in welches Feuer setzt er. da nicht unsre EinbildungsKrast Mit kcken glänzenden und entzückenden Bildern weiß er da nicht unsre Hof- nungen Vnö 347 ttuttacn zu nähren! Welche Empfindungen der Freude und des Dancks weis er nicht in uns zuerwecken , wenn er uns den Gotiversöhner, das kämm , das für uns erwürgt ward, in der Gestalt GOttes vorstellt, noch mit den Wunden von unsrer MMHat bezeichnet, die ihm in den Himmel 9Cf01®ianDurtl)(ile nunmehro selbst, von den grosen und mannigfaltigen Vorkheilen, welche man sich in der Religion von der Dichtkunst will nur noch dieses hinzufügen. Es gibt verschiedene Gattungen von Gedichten, deren sich der Poet vorzüglich bedient, um in derRe- fiaion nützlich zu seyn. Bald stellt er uns tm H.ldenGedcht, das Edle, das Nachahmungswürdige, das Grose Und Göttliche des christlichen Glaubens vor "Bald wählt er das Lehrgedicht, um uns von der Abscheulichkeit des Lasters und von den seligen Folgen der Tugend zu überzeugen. Und wie anständig sind nicht die Begriffe, die er uns in der Sde von der Religion benbringk. In welche Lebhaftigkeit, in welches Feuer setzt er unzer ganzes Herz nicht! Welch- nachdrücklich- und starke Ausdrücke schöpft er nicht aus dieser unerschöpflichen Quelle der erhabensten Gedanken! Allem unter allen Gattungen von Gedichten sind doch keine so geschickt, unser pierr zu bewegen und keine von einem ausgebreitetern Nutzen als die geist- licheii fieser. Denn sie vermehren nicht nur das Rührende durch den Gesang und durch ihre Melodien; sondern sie sind auch um des willen vielnüz- ickcr, weil eine allgemeine Deutlichkeit und eine Stärke des Ausdruck« darinne herrscht, di- nicht so wohl di- Pracht und der Schmuck der Poesie, als Die Sprache der Empfindung und die gewöhnliche Sprache de« denkenden Verstandes ist. * . . Wir werden noch mehr von der Richtigkeit t>ic|er Betrachtungen überzeugt werden, wenn wir auf Die Art und Weise, wie uns der Dichter di- Lehren der Religion vorstellk, sehen. Ich will, ohne mich nn eine gewisse ttidmwg zu hinten nur einige Beyspiele anführen, meinen Satz zu un- tU,1U'unierc Religion ist nur allein im Stande, uns die wahre? Ruhe de« Gewissno zu verschaffen, und ihr Endzweck bringt Die Pflicht mit sich, uns nach nichts zo eifrig zu bestreben, ahi nach derselben. 2öenn un^dw «■ S. Gelleres Dor rede zu f. grifft. Aedmi. p. 14. 348 Gresisthe w§chstttlrch - gemsiemS^Lge Anzeigen Dichter dazu ermuntern will, so thut er es durch die Vorstellung des Glücks, und durch die Empfindungen der Freude, die wir bey einem reinen Gewissen haben. Wie standhaft kan er nicht bey allen Vorfällen lei- - nes Lebens sagen : Was kan im Glück Den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz versüßt im Wohlergehen Dir jeden frohen Augenblick. Was kan im Schmerz Den Schmerz der Leiden stillen; Im schwersten Kreuz mit Freuden dich erfüllen? Ein in dem HErrn zufriednes Herz. Was gibt dir Muth, Die Güter zu verachten, Wonach mit Angst die nieder» Seelen schmachten? Ein ruhig Herz, dies größre Gut. Was ist der Spott, D'n ein Gerechter leidet? Sein wahrer RuhmDenn wer das Böse meidet, Das Gute thut, hat Ruhm bey GOtt. Im Herzen rein, Hinauf gen Himmel schauen, Und sagen: GOtt, du GL)tt, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kan gröser seyn. Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen. Was wird alsdenn dir deinen Tod versüssen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. Heil dir, o Christ, Der diese Ruh empfindet, Und der sein Glück auf das Bewußtseyn gründet, Daß nichts verdammlichs an ihm ist l Laß »Md Nachrichten. 349 Laß Erd und Welt, So kan der Fromme sprechen, Laß unter mir den Bau der Erde brechen, GOtt ist es, dessen Hand mich halt. Wen sollten diese Verstellungen, diese unschätzbaren Vortheile nicht bewegen, alles »u vermeiden, was sein Gewissen beflecken kan. Der Beschluß folgt künftig. Em und nrrspafflrende Oersbr. bis den 2.6teil Octobr. 1764» walkhor den 20 Octobr. Herr Hofrath Werner von Wetzlar, pas- sirt durch. - - Eodem ein Hessischer -Obrist, Herr Krug, paff, herein, logirt im Einhorn. Gelzerchor den 25. auf dem Frankfurter Postwag. 2 Kaufleuthe und r. Juden, paff, durch. wallrhor den 24. ein Sächsischer Gesandter, Herr Rehorn, pass, von Cassel herein, logirt im Posthaus. Selzerrhor den 24. der regierende Herr Graf von Laubach, paff, durch. wallrhor den 25. cm Würtembergischer Lieuten. paff, herein, und ein Holländischer ObristLreutenant, Herr v. Cloffen, log. im Posth. Wallchor den 26. ein ChurPfälzischer Obrist, Herr Stiegneüe, passrt herein und durch. * - Eodem Herr R. Rath von Breidenbach, paff, von Darmstadt herein, log. im Posthaus. 1) Verehllchte. Am *7. Octobr. Johann Balthasar Noll, Bürger allhier, weit. Johann Melchior Nollen, Bürgers und Beckers allhier ehelicher Sohn, und Johannetta Margaretha, weil. Georg Moritz Kohlermanns, Bürgers und Cramers allhier, hinterlassene eheleibliche Tochter. Am 25. Octobr. Johann Michael Dcttler, Bürger und Schneider alk- hier, und MrZaretha Magdalena Kelten». Getauft- 3 5« Giestsche wLchemlrch ♦ g-meittuStzise Attzeigm Gebohren und getauft. Am 9 Ocfobr. Johann Walther / August Anton Anck/ Bürgers und CamrnFegers aühier, Söhnlein. » Verstorbene. Am 9. Oct. Christoph Daniel, Herrn Eulers ailhier, Söhnlein. Am Ls. Octobr. Frau Maria Eiisadetha Hastin, weil. Herr Joh. Will- Helm Hast, J V. Doctoris, SXegietUHg