Uieffsche wöchentlich- MWW WkW unö Nachrichten. Acht und Vierzigstes Stück. Dienstags den &7ten ZTl-vembr. 1764* Mit Hochfürstl. Hessen-Darmsiädtischer gnädigsten Erlaubnis. Beschluß der LobRede auf Hm. Prof. Baumgarten. r» s^aumgarten sollte nicht blos der Lehrer angehender Gelehrten, er sollte auch der Lehrer der Welt seyn, und selbst die Enkel sollten noch durch seinen Unterricht weiser werden. Diese Bestimmung zu erfüllen, muste er in öffentlichen Schriften den grosen Geist entdecken, der ihn beseelt«. Ich fürchte Sie zu beleidigen, H. H. wenn ich Ihnen diese ewi- «e Monumente seines Ruhms nur nennen wollte, weil diese Fruchte de« Baumgartischen Tiefsinns keinem Liebhaber der Philosophie unbekannt fron sonnen. Sie selbst wissen, wie sehr sich dieser Mann übenden gemeinen Haufen der elenden Scribenden hinausgeschwungen hat. Er bearbeitete niemals einen Gegenstand, ohne entweder seinen Umfang zu erweitern, oder seine Erkenntnis vollkommner zu machen. Er war viel zu gros, al« daß er die Welk mit solchen Zeugnissen leines FleiseS hätte belustigen solle«, welche die Warheiten, die schon andre Männer unverbesserlich vorgekragen bakten, nur in einer veränderten Gestalt darsteüte. Die Anzahl stiner Schriften ist gering. Aber ihr Gewicht ist desto gröser. ©eine Werke sind msgesammt Meisterstücke des menschlichen Verstandes, und tragen das Gepräge eines Genies an sich, das lieber gänzlich schweigen, al« gar keine neue Warheiten der Prüfung per Welt vorlezen will. Bl>b Baum- 37< Gltsischo wöchewtkch^ ZemernnStzig« Aiizelgerr Baumgarten war ein hochachtungswürdiger Geist , man mag ihn als einen Philosophen, oder als einen Lehrer, oder als einen Schriftsteller betrachten. Aber wann ich mir ihn als einen rechtschaffenen Mann, als einen christlichen Weisen denke: so wird meine Hochachtung, Ehrfurcht unß meine Bewundruug Erstaunen. Niemand ist im Stande, die Noch. Wendigkeit einer Offenbarung mit einer unüberwindlicher,i Gewißheit zu erkennen ; niemand ist geneigter ihren Lehren Beifa« zu geben, sobald er die Kennzeichen der Glaubwürdigkeit an ihr wahrgenommen hat, als nur der, der das Unzulängliche in den philosophischen Mitteln zur Glückseligkeit mit Ueberzeugung einten kann, der wahre Weltweise. Wann auch Die Erfahrung aller Zeiten nicht für die Richtigkeit dieses Satzes spiache : so würde ihm allein das Betragen Baumgartens zu einem unumstößlichen Beweise dienen, Dieser grose Mann streute nicht nur in seine Schriften die herrlichsten Spuren seiner tiefsten Ehrfurcht gegen Die christliche Religion, sondern sem ganze« Leben war auch eine treue ununterbrochene Ausübung ihrer göttlichen Lehren. Durch lie erleuchtet war er ein demüthiger Anbeter der Gottheit, em treuer, weiser, liebreicher Vatter, ein zärtlicher, ein «gemeiner Menschenfreund, und Der strengste Beobachter aller seiner Pfiichken. Erschrecken Sie, M. H. über die Gröse der Leiden, durch welche eine zwölfjährige Krankheit Die Heiterkeit feiner Tage verdunkeln *><“• Aber erstaunen Sie auch über Die Gröse seiner Standhaftigkeit, amt welcher er Dusts jammervolle Schicksal ertrug. Niemals venobr er di- heilere Ruhe feiner tugcndvollen Seele, niemals vergaß er feine Abhan- Wkeit von dem Unendlichen, niemals äustrte er Die geringste Unzufrieden. >>eit auf Diesem traurigen Pfade, auf Den ihm Der Wink Der Vorsicht tu wandeln gebet Immer segnete er die Hand, Die ihn schlug, und dankte Der ewigen Weisheit, Die feine Tugend prüfte. Seine Philosophie, fo gros, |o tiefsinnig, so ausgebreitet sie auch war, enthielt Trostgründe, die aber noch lange nicht stark genug waren, ibn unter den mannigfaltigen Leiden seines Lebens auszurichten. Die Religion, Die Religion allein war ftme Leuchte in diesen Nachten des Jammers , feine Starke in feiner Schwache, fern Trost in feinem Kummer. Die H. Schrift, Die er vor fern teuerstes Gut, vor seinen köstlichsten Schatz hielte, linderte seine unglaubliche Schmerzen durch Die grwen Hornungen, zu welchen sie feinen unsterblichenMesti erhob. Er weihte ihr täglich viele Stunden, und zeichnete einige Bande von Betrachtungen auf, zu welchen er durch ihre Lehren geleitet wurde.. Er »ergaß feine Leiden, wann er die trostbollen Reben de« " . : . Erlösecg imb Nachn'chtött. §77 Erlösers erwog. „ In diesen göttlichen Aussprüchen, sprach er oft selbst/ finde ich ein tägliches Wohlleben, ein Wohlleben, das die Empfindung Aller meiner Marter schwächt. Die Religion, die ihn im Leben tu einem Helden in der christlichen Tugend gemacht hatte, fiößte ihm auch in der Stunde seines Todes den unerschrockensten Heldenmuth ein. Er übereilte ihn in dem 48sten Jahre seines Alters, zu früh , acht viel zu früh für die ® einigen, zu früh für die Welt, zu früh für die Philosophie, die mit ihm ihrer stärksten Stütze beraubt wurde. Er zitterte so wenig über seinen Anblick, daß er die Seinigen noch mit dem freudigsten Muthe tröstete, und noch in den letzten Minuten seines Daseyns mit den witzigsten Einfallen über die Eitelkeit des menschlichen Lebens scherzte. Er war kein Socrates, der seinen Mund zum Lächeln verzog, und vor der Macht des Zitterns den Giftbecher kaum halten konte, den er mit einer erzwungenen Grosmuth trank. Baumgarten war ein Christ. Der Glaube setzte ihn über alle Furcht vor einer schrecklichen Zukunft weit hinaus. Er verbannte von seinem Sterbebette alle Philosophie, und redete nur von den Thaten feines Erlösers. Schon von der Erschütterung des Todes ergriffen / rief er yoch aus: . ; ?, Serenitas anirni eft demonftratio demonftradonum. Die hat „ der Christ allein, die Vernunft weiß nichts davon, Hier hilft nicht „ der Philosoph, nicht der Theolog, der Glaube allein. Mein alter „ Glaube, auf den sterbe ich, ist demonftratio demonftrationum. Welch eine LobRede auf dem göttlichen Werth der christlichen Religion / wenn einer der weisesten Männer, dessen ganzes Leben von keinen LssKrn geschändet wurde, sie mit hölliger Verachtung aller seiner Philosophie zu seinem einzigen Anker erwählt, auf den er sich in der letzten Stunde zu lehnen hoft! Baumgarten starb mit einer lächelnden Mine und mit den hel- denmüthigsten Gebärden. Er verschied unter den Erstaunungen seiner Freunde gleich der Sonne, die denn das erstaunlichste Schauspiel ist, wenn sie unvermerkt hinter dem Horizont des bewundernden Zuschauers hinab- sinkt. Frankfurts Musen beklagen noch bei seinem Grabe ihren unersetzliche» Verlust. Seine Schüler, die mit derl Empfindungen verwaißter Söhne hinter seinem Sarge trauerten, fühlen noch die Wunden, die ihnen der Tod dieses unverbesserlichen Lehrers schlug. Selbst unter den freudige» Jubeln, mit welchen sie jüngst dem kommenden Daries entgegen jauchzten/ stoffen noch Thränen der Sehnsucht von ihren Wangen / die ihnen die Er- Wbbr mnerung 378 Greflsche wechemli ch ♦ Zemritittützlge Anzeigen tett«un« fl« den verewigten Baumgarten auspreßte. Teutschland billigt alle dre?e Klagen durch feinen eignen Gram über einen Mann, mit welchem es m unfern für Die Weltweisheit so unglücklichen Zeiten allein noch pran- Senkonnte^ WieAlucklich^ist es, daß es noch die Denkmale seiner Gröse DOrfrse^e Werke, durch die er noch bei der entferntesten Nachwelt leben und bewundert werden wird. Z. Folgender zur Hessischen Historie gehöriger Artikel ist von unserem Herrn D. Mögen eingeschicket worden. ^Oer dritte Band von des Herrn Superintendens D. Schelhonrs zu Memmingen, Ergötzbchkelten aus der ^rrchenHifkorre und ^-l^eratur/ der kürzlich die Presse verlassen hat, ist mir zwar noch nicht zu Gejicht gekommen. Ich habe aber schon in dreien gelehrten Zeitungen die AnzeM davon gelesen. In den Götemaisch>cn Anzeigen von ge- I18e Stück/ wird unter andern erzählet/ Herr L. <. Am Ende besitze von Sleidans Geschichte/ zwei Exemplaren/ bei welchen geschriebene Nachrichten befindlich seien. Das eine dem ehemahligen KurSachsischen Kanzler/ Erasmus von sonderlich vom Jahr 1542. an/ in den wichtigsten ^taarögestyasten gebraucht worden/ zugestanden. In diesem Exemplar ^^^lckung/ // der Churfürst von Brandenburg und Churfürst ff müssen vorher gewußt haben, daß KaiserRarl den Landgrafen h PYlupp in Verhaft behalten würde,/ sehr wichtig/ obgleich nicht zu- derlassg/ da Minkwiz selbst sie nur vor Muthmasung ausgabe. Da ich schon 1750. in meiner epiftola ad viro« do&os, fiftente hiftoriam contra verfiae an & quomodo Imperator Carolus V. Philip» pum, Hafliae Landgravium, ambigua voce eluferit, versprochen habe, die Historie der Gefangenschaft Philipps des Großmüthrgen aus- |uarbeiten / so kann und wird man von mir fodern , daß ich mir alle bisher bekannt gewordene Umstande, die zu dieser Begebenheit gehören/ bekannt gemacht haben müsse, bevorab da ich ein Hessischer Geschichtslehrer bin. Meine Phicht erfordert es demnach, mich/ wegen des obgedachte« Umstands, zu ausern. Die Minkwizische Muthmasung ist ganz falsch. Dieses will ich mit den selbsteigenen Worten , der oberwehnten beiden Chmfürstm, besonders des M-pitzeiis, erweisen. In demjenigen Schrei- undrTlachrichten. -7- Schreiben, das beide an den Philippum Magnanimum, vor der Ge- fangennehmung, durch den Christoph von Ebeleben , geschickt haben, liefet man folgende Worte: - - - es wolle sich auch Ew. Stieb# den der ZKayferltdxii Majestät, auf Gnad und Ungnade förderlich einstellen: denn wir versprechen Ew. Liebden hiermit, die- selbe dadurch, über die Arrickel, weder an Leib und Gut/ mit Gefangniß, Bestrickung , oder Schmälerung ihres Lan- des, nicht sollen besthweret werden, a) Und in derjenigen Schrift, die die beyde Kurfürsten an die ReichsStande haben ergehen lassen, sind folgende Worte enthalten: - - - Gleichwohl sind in diesen Sachen allerhand Bey- und VZebenHändel fürgefallen, anfänglich mitt Leserlicher Majestät, # - und folgends mit Kayseri. Majest. Räthen, welche ganz geheim und enge geschehen, und könte sich hierinnen noch wohl -»getragen haben/ daß in Mangel und Unverstand der Sprachen - - allerhand Mißverstand erfolgt feyn mögte. - - - derwegen auch Ihre Lhursirrstl- Gnaden den Landgrafen dahin vermöcht daß derselbig aufIH« Lhurfürstl.Treuwen/Glauben und Versicherung/ dieweil Ihre Lhurfürstl. Gnaden die Dinge auf keine Gefahr verstanden, zu Halle in Sachsen ankommen, b) Hiermit stimmet dasjenige überein, was der Kurfürst Moritz von Sachsen, seinen kandstanden zu Torgau folgender massen vertrüge - * Darbey haben wir klärlich/ in derselben neuen Handlung vermeldet und geredt/ daß der Landgraf/ über die obgemelde Lapitularion / weder an Seiner Lieb- den Gütern/ nod) mit einigem Gefangnüß, beschweret weder solre Wir haben auch den Handel anderer Gestalt nicht vermerckt noch verstanden / auch selbst anders nicht gemeiner/ denn so bald der Landgraf die unrerthänigste Erzeigunge und Abbitte gegen der Leserlichen Majestät gethan haben würden,? daß Seine Liebden alsobald frey und unbeschwehret wieder in ihr Land und gewarsam verreiten mochterr - -- - wir haben auch über das S. Liebden unser schrifftlich Geleit zugeschickt/ der beyder wir keines gethan haben würden^ da uns mit dem wenigsten wäre angezeiget worden, oder da wir vermercket hatten, daß S. Liebden mit einigem •• Vbb z Gefäng- 3to Gieflsche wöchentlich - gemefitni^ige Anzeigen Gefänsuüß feite befchwehrek und in LustoSien «eroae» rverden. c) 3 a a) Horbledcr von Urfacbe» btt tcutfdxn »rüg«, im jweyte« Theil, im »ritten Buch, im i^tin Cnpitel S. 9ie. b) Ebenderselbe, p. 924. c) Ebenderselbe / Tom, 2. Libro f. cap. r.. pag. 1280. fqq. Ich könte noch mehreres anführen. Ich lasse es aber bey diesen klaren und unwidersprechilchen Zeugnüffen bewenden. Die ganze Begebenheit wird alsdmn klar werden, wenn meine, unter dem Titel : Hiito- ria capt.vitacis Philippi Magnanimi, Hailiae Landgravii, maxime ex Sleidano. Thuano, aflis- publicis ab Horrledero edidis, & anecdoto diario belli Smalcaldici Günderrodiano , tefiibus coaevis fideque dignis* fimis, eruta, qua dolus, in capiendo Landgravio commiflus, haite- nus inter eiudicos difputatus, per monimentum cocevum, coaevosque teftes, 8c argumenta firmiflima, fpeciatim demonftratut, lum 5)ruct K?n langst fettig liegend- Abhandlung, wirklich gebracht werden wird. ®K