Dm) und Vierzigstes Stück- wöchentlich C /• T Dienstags den zjteit (Dctobr. 1*764» Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstadtischer gnädigsten Erlaubnis. Gedanken von der wahren Freundschaft. will mich heute mit meinen Lesern von der wahren Freundschafe unterhalten, und ihnen den Begriff mittheilen, den ich mir bisher von derselben gemacht habe. Diß soll aber weder in der Form einer vollständigen Abhandlung, noch mit dem erhabnen Schwung eines Lobredners geschehn. Ich will nur aus meinem Begriff die vornehmsten Kennzeichen herleiten, die derjenige an sich haben muß, den ich für- meinen wahren Freund halten soll. Vielleicht habe ich das Glücke, durch meine Gedanken die unrichtigen Vorstellungen zu zerstreuen, die sich viele von der wahren Freundschaft machen. ,> Ich nenne denjenigen meinen wahren Freund/ der sein Herz durch Vernunft und Religion gebessert hat, und mich bey jeder Gelegenheit voll- kommner zu machen sucht. Ich sehe also hier nicht auf äusere Vorzüge, nicht auf Reichthum, nicht auf eine hochgebohrne Familie, nicht auf eine schöne Bildung des Körpers. Ich sehe blos auf seine edle und rechkschasne Gesinnungen. Derjenige wird demnach mein Freund nicht werden können, der die Ausübung der Tugend für ein Vorurtheil der Erziehung ansieht/ und die Liebe zur Uu Re!i- ZZ6 Sie fische wöchentlich ♦ gemeittnötziJe Anzeigen Religion gsnz aus seinem Herren verbannt hat. Denn wie kan ich von demjenigen erwarten, daß er mich vollkommner machen wird, der nicht einmal weiß, ja der alles dasjenige haßt, worin die Vollkommenheit und die einzige Zierde des Menschen besttht? Muß ich nicht vielmehr von ihm befurchten, daß er mich zum unglückseeligsten Geschöpfe macht, daß er mir nach und nach seine Jrrthümer einflößt, mich immer gleichgültiger gegen die Religion und Tugend macht, und mir die unendliche Hofnungen raubt, die ich in der Ewigkeit gewis erfüllt sehen werde? Nein! einen solchen, und wenn er auch den größten menschlichen Verstand hätte, wenn er auch der artigste und gefälligste Mensch im Umgang wäre; einen solchen werde ich immer, wie eine glänzende Schlange fliehen. Eben so wenig werde ich mich um die Freundschaft des reichen und vornehmen Amzors bewerben. Es ist wahr, ich könte verschiedene Vor-- ther'le von seiner Freundschaft haben. Ich könte durch ibn in kurzer Zeit ein ansthnliches Amt bekommen, und von einer Stuft der Ehre zur andern empor gehoben werden. Aber für dieses Glück soll er auch mein Freund seyn. Dieser Tausch gefällt mir nicht. Rmzsr ist der niederträchtigste Mensch. Er verlangt von mir, baß ich ihm nicht nur die Dienste eines Sklaven thun, sondern auch alle edle und grosmüthige Gesinnungen ablegen soll. Nein! Herr mag sehen, wo er Freunde um diesen Preiß bekommt. Ich will lieber mein Leben in meiner Hütte unbemerkt zubringen, als mir durch seinen Umgang die hohe Gunst seiner Familie erbetteln. Aber könte denn nicht Herr Aleiderlreb mein Freund werden ? Ja, wenn er mir verspräche, daß er seine übertriebene Neigung zur Eitelkeit, zum Hochmuth und zur Verschwendung ablegen und statt der vielen mmö- thigen Röcke sich zu weilen das Gebat eines Nothleidenden für seine Glück- seeligkeit erkaufen wollte; dann wollte ich ihm wohl einen Platz unter meinen Freunden anweisen. Aber so lange er noch statt seiner Seele seinen Körper schmückt, und mehr auf die Majestät in seinem Gang und auf die Pracht seiner Westen, als auf die Erhabenheit eines tugendhaften Herzens steht; so lange wird Herr B.lerderKeb mein wahrer Freund nicht werden können: Noch vielweniger werden Herr Mcnsckenfemd und Herr Lüder- lrch meine wahren Freunde werden können. Sie verlassen mich zwar nie, wenn ich in der Gefahr meines Lebens bin. Aber für diesen Bestand muß ich mir auch gefallen lassen, an allen ihren Ausschweifungen und Thorhei- ttn mrd X7Uäycicn Christen in der Einsamkeit. S. 86 # 87. zzs GLesische wocheMich-- gemsr'nnötzlge AnzeiZm muth oder zur Verschwendung. Er verführt mich nicht zu einer viehischen Lebensart, noch sucht er mich auf eine unmenschliche Art zu ermorden. Sein ganzes Bestreben geht vielmehr dahin, meine wahre Glückseeligkeit zu befördern, mir edle und einem unsterblichen Geiste würdige Gesinnungen einzupflanzen, mich für den sträflichen Freuden und für allen Ausschweifungen und Thorheiten der Welt zu verwahren, und Menschenliebe und Mit- t eiben gegen den Elenden in mir zu erwecken. Er lehrt mich im Glücke weise und dankbar gegen die Vorsicht, im Unglücke zufrieden und stand- / haft, klug und bescheiden im Umgänge und ausrichtig und verschwiegen in der Freundschaft zu seyn. Er nimmt an allen meinen Zufallen Theil,freuet sich, wenn es mir wohl geht, sucht bey jedem Unfall meinen Kummer zu stillen, verwahrt meine Geheimnisse in feinem Herzen, ist mein Rathg^oer, und entdeckt mir, ohne meiner Eigenliebe zu schmeicheln, freymüthig alle meine Fehler, kurz: er sucht mein Herz zu bessern und mich zu einem Christen und wahren Menschenfreunde zu machen. Diese Eigenschaften muß derjenige besitzen, der mein wahrer Freund seyn will, oder er muß sich wenigstens auf das sorgfältigste bestreben, sich dieselben zu erwerben. -O wenn ich doch anitzt meine Absicht erhalten hätte! Wenn doch anitzt mancher von meinen L.sern über die eigentliche Beschaffenheit eines wahren Freundes weiter, als es mir hier erlaubt war, nachdächte. Ich weis gewiß, er würde sich mit unwiderstehlicher Macht aus den Armen desjenigen reissen, den er bisher für seinen besten Freund hielte, er würde den tiefen Abgrund des Verderbens und die entsetzlichen Gefahren, in welche ihn derselbe mit sich fortschleppt, schon vor sich sehen, er würde sich für ihm entsetzen und ihn wie einen Giftbecher mit unüberwindlichem Abscheu von sich stoffen. Aber ich muß noch zwo Fragen beantworten, die mir derjenige vorlegen wird, der die Freundschaft noch nicht auf dieser prächtigen Seite kennet, aus welcher ich sie hier beschrieben habe, und auf welcher sie nur allein würdig ist, von Engel erfunden zu seyn. Ja, wird er sagen, ein solcher Freund ist freylich etwas vortrefiiches und unschätzbares; aber ist er vielleicht nur blos eine Geburt der Einbildung? Es ist wahr, ein solcher Freund ist das seltenste Geschöpfe auf der ganzen Welt, obgleich nichts allgemeiner seyn sollte, als treue und brüderliche Freunde. Allein so lange es doch möglich ist, daß ein Mensch durch Vernunft und Religion sein Herz bessern, die niedrigen Freuden der Welt verachten und einen Geschmack an höheren und ewigem Vergnügungen finden kan; so lange wird auch ein ' solcher miö Nacbrrchtttt. §39 solcher Freund möglich bleiben. - Aber wo soll ich ihn dann finden? Diese Frage ist in meinen Augen ncht viel schwerer zu beantworten/ als die erste. Gewöhne dich/ deine Religion zu studieren und ihre Lehren suszuü-« den/ lerne überhaupt ein Christ und ein Menschenfreund seyn/ und mache es dir zu einer heiligen Pflicht/ allen deren/ mit welchen du umgehst/ die Gesinnungen eines Christen beyzubringcn und ihr Herz zum Heiliglhum der Religion zu machen : !0 wird es dir nie an wahren und rechtschaffnen Freunden fehlen. Ich weis zwar wohl , daß diese Antwort deiner Denkungsart nicht gefallt/ und daß dir die Ausführung meines Raths unendlich schwer vorkommen wird. Aber ich muß dir auch sagen/ daß ein solcher Freund alle die Bemühungen verdient, die du dir um ibn Hiebest/ daß du in ihm das höchste Gut der Erde besitzest/ und daß der Verlust einer ganzen Welt um einen solchen Freund noch Gewinnst ist. Bemühe dich einmal, ihn auf diese Art zu suchen/ du wirst ihn gewiß finden, und dexeinst in seinem Besitze entzückrmZsvoll mit mir ausrufen : O Freundschaft! bestes Geschenk/ das den Bewohnern der Erde Der Vorsicht sorgende Hande gereicht; Du bist der Sterblichen Glück! Selbst aus den Thalern des Jammers Lockt dein Tritt Blumen der Freude hervor! Ach! daß es Seelen noch giebt, die deine Reize verkennen; Die nie die göttliche Triebe gefühlt, Die ein aufrichtiger Kuß, von feurigen Lippen gedrücket, In sympathetischen Seelen erweckt! neue Bücher. Strubens (David Georg) Abhandlung von den Visitationen des Kayseri. ReichsCammergerichts, 4t- if kr. v. Ludolf (Georg Melchior) Expedite Referendarius, Wetzlar 1765 Svo 30 kr. Rambach Johann Jacob) Betrachtungen über auserlesene heilsame Worte des Herrn JEsu 8. Magdeburg 176z. 2 fi. 1$ kr. Brands (Ferd. Wilhelm) rechtliches Bedencken über die allgemeine Befreiung aller Cammergerichts Personen in Ansehung der Nachsteuer oder des Zehenten Pfennings wenn denselben Erbschaften im Reich zufatten, Wetzlar 1764. 8 kr. j;; Uü Z Gb 34© Gresische wöchentlich / gemeinnStzige Anzeigen Gii Elifi poerria per la Gloriofidima Coronazione di Sua Maefta Gia- feppe d’Außria Re de Romana, Gießen 17^4 8 kr. Avertifl’ement. Nicht wenige von unfern Lesern werden über folgende Nachricht sehr zufrieden seyn, welche wir auf Verlangen des Herrn Lerche mit dem grösten Vergnügen hier einrücken. Nachdem endlich der schon langst gewünschte und mit vieler Sehnsucht begleitete ZeitPunct vorhanden, in welchem der vierte und lenee LheLl von der fürtrefiichen und weltberühmten Theologin Dogmanca des Herrn Drrector Carpovs zu Weimar durch den Druck öffentlich soll bekannt werden: so hat sich der Buchdrucker, August wrihelnr Lerche in Rudolstadt, um dem Verlangen derer Herren Liebhaber eine Genüge zu leisten, dieses so kostbare Welk zu drucken und zu verlegen, entschlossen , in der ungezweifelten Hofnung, daß Dieselben auf sein Ersuchen sich werden willig und bereit finden lassen, ihm als Verleger zur Förderung dieser heilsamen Absicht mit einigem Vorschuß an die Hand zu qe« hen. Dieser Vorschuß soll, wenn das Werk in oder mit "dem sechsten Alphabet, wie es scheinet, zu Ende gehet, ohne weiter etwas nachzuzahlen , bestehen in z Thaler Conventionsmasigen Sorten, den Louisd or zu $ Thaler gerechnet. Sollte hingegen das Buch wieder Vermuthen im Drucke starker werden, und das sechste Alphabeth durch die Anzahl dec Bogen übersteigen: so werden die Herren Interessenten, nach Proportion einen billigen Nachschuß zur Vergütung zu thun, sich nicht entaeaen W lassen. 9 J Äusser der Pränumeration wird das Werk in dem erstern Falle, wenn es das leckste Alphabet nicht übersteiget, nicht anders als ; Thaler 16 Groschen, und in dem zweytcn Falle, nach Proportion der überstiegenen Vogen, nicht unter 4 Thaler u. s. w. können verabfolgst werden. Die Zeit der Pränumeration dauert von jetzo an bis Weyhnachten des jetzt laßenden rasten Jahres. Wer auf ir Exemplaria sammlet und ein- schicket, bekommt das izde; und auf sechse, die Helfte des 7den ohnent- geldlich» Das wenige für das Porto werden die Herren Liebhabrr selber Hftb LTsgchrichtM. $41 Lu tt-gerr sich gütigst gefallen lassen. Das Manusm'pt ist vollkommen in denen Händen des Verlegers, und der Druck bereits angefangen: das Werk aber selbst wird nicht eher, alsG-G. auf künftige-Ostermesse des 176^ sten Jahres in completem Stande erscheinen und geliefert werden. Man wird allen FleiS anwentzen, daß das Buch auf gutes weises Druckpapier correct und sauber gedruckt werde: Der Herr Directdr Carpdv lselbst besorget die Correctur. Wegen des innerlichen Werthes, furtrefiichen Nutzens und herrlichen Eigenschaften bedarf es keiner weitern Empfehlung, noch Lobeserhebung. Es lieget solches alles in denen bereits ans Licht ge- stelleten z ersten Theilen vor jedermanns Augen, und ist keinesweges zu zweifeln, daß auch dieser vierte und letzte Theil/ so wie die erstem, mit gleichen Beyfall und Achtung wird ausgenommen werden ; zumal da derselbe sich von denen vorhergehenden Theilen unterscheidet, daß (t die Lehre von der Gnadenhaushaltung des neuen Bundes in sich fasset, und also eine ganz besondere Abhandlung ausmachck; mithin auch schon denen- zen-gen Liebhabern , welche die vorigen Theile noch nicht besitzen, sehr brauchbar und nützlich seyn kan. Rudolstadt, den 30. Julii, 1764. Bekanntmachung. Anna Catharina Steinbachin, eine gebohme Landmännin, auS Ktrchharn rm HessenCaffelischm, laßt ihren EheMann Adam Steinbach, aus besagtem Kirchhain, welcher sie vor Sechs und einem halben Jahr bößiich verlassen, echftahter citiren, und stehet der ErscheinungsTerivin auf den istcn Januar. -76/. Gegeben Marburg den ersten -OctobriS 1764» . ' von Gehren R. Secretarius. Em und auspafsirende vdm 1 zten Oetdbr. bis den i9ten Octdbr. 1764. wallchdr den 16. Oct. Ein ObristLieutenant von den Preussen Hm von Düring, log. im Einhorn. Eod. 4L Grefische wöchentlich - gMer'Uttötzlge Anzeigen Eodem Herr OberEinnchmer und Capitam Wißker von Marburg/ paßirt durch. Eodem Der Hm HofRath Röder von Elbach paßirt herein, logirt im Posth. wallthor den i6. Ein Kaufmann von Cassel, Herr Boderum, paßirt durch. wallrhor den 17. Ein Lieutenant von den Hollander. Herr Monden vom Regiment Waldeck, paß. durch. wattehsr den 18. Auf dem Casselischen Postw. drey Kaufleut, eine FrauensPerson und ein Jud, paß. durch. Selzerchor den 19. Ein Obrist Herr Heuster von den Franzosen, pas- sirt durch. Gebohrerr und getauft. Am 11. Oct. Margaretha Elisabeths Carolina, Herr Christian Gottfried Friederich Dietsch, Kayser!. Notarius, Töchter!. Am 17. Anna Christina, Aßmus Ferbers, Burgers und Weißgerbers, Töchterlein. Eod. Johannes Christian, Johann Balthasar Noll, Fuhrmanns allhier, Söhnlein. Am 18. Christoph Moritz, Herrn Johann Moritz Höpfners , Burgers und ZuckerBeckers allhier, Söhnlein. Verstorbene. Am 14. Octobr. Johann Clausen, Burgers und Schumachers allhier, Söhnlein. Am iß. Hr.Friedrich Conrad Becker, Gand. Theol. von Bischoffsheim. Eod. Verghoffer, Sergeant beym Löbl. Prinz Georgischen Regiment. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger, UniversitätsBnchhandlern hieselbst, an die Herrn fiebbaber gegen ' Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 Fr. ansgege- den. Man wird auch den.Herrn Pränumeranten mit denen schon hcrausgekonnne- nen Stücken dienen,