Mteßsche wöchentlich- t p » » C(^R\ Neun und zwanzigstes Stück. Dienstags den vjttn Inlü 17$4» Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Gedanken über die Wahl der Zreunde. Moralisten sagen uns viel von der Wahl unsrer Freunde. Sie ÖlJ zeigen uns, wie nothwenvig diese Wahl sey, indem sie den grosen Ansiuß entdecken, den Freundschaften auf unsre Glückseligkeit und Unglückseligkeit haben. Sie geben auch wohl einige allgemeine Regeln, welche man zu beobachten hat, wenn man einen Freund wählen will; aber sie lassen sich nicht auf die besondere Stande und Arten der Menschen ein; sie zeigen nicht, wie die Freunde einer jeden Person beschaffen seyn müssen. Daher sind ihre Vorschriften oft so beschaffen, daß derjenige, der sie anwenden wollte eben den Endzweck verfehlen würde, um dessen willen er sich einen Freund aufsucht. Sie geben uns ungefähr überhaupt diesen Begriff, daß ein Freund ein ehrlicher Mann, tugendhaft, zärtlich, verständig, und so weiter seyn solle. Man kommt gut an, wenn man ihrem Rath folgt! Ein Politicus versuche es einmal und wähle sich einen solchen Freund. Keine acht Tage werden sie zusammen gut thun. Wir wagen es daher, und setzen auseinander, worauf jede Art von Menschen eigentlich zu sehen hat, wenn sie sich einen Freund wählt. Erschöpfen werden F f wir X2.4 Gieflsche wöchentlich -- gemeinnützige Anzeigen wir zwar unsre Materie nicht > allein wie läßt sich auch in dem geringen Raum, in den wir eingeschränkt sind, dieses thun? Ein Poet muß einen Freund haben, auf dessen Nahmen sich gut reimen läßt: sonst kann er seinen Freund unmöglich verewigen, und es fällt ihm schwehr seinen Nahmen in den Reim zu bringen, eine Plage für den Poet, die sich besser empfinden als beschreiben läßt. Ein ganz besonderes Glück wäre es für ihn, einen Freund zu bekommen, dessen Nähme auf önig, uhsen oder ugend ausgienge, so würde er auf die Worte: wem»/ Musen und Jugend etwas anders, als Lönig/ Busen und Tugend reimen können. Ein Freund, der dem Dichter bisweilen in der Hungers- noth zustatten kommt, ist schon kein Freund mehr; der verdienet schon den prächtigen Titel: Gepriesner Mecänat! Ein Stutzer kann verschiedene Arten der Freunde haben; drey Arten aber hat er hauptsächlich nöthig. Einen der ihm Geld borgt > einen der eine hübsche Tochter hat, und einen, der ihn mit gutem Wein bewirtbet Auf diese drey Arten muß er sehen, sonst versieht er sein Handwerk nichts Da er dem Schneider und Peruckenmacher seine grösten Verdienste zu dan« ken hat: so thäte man vielleicht nicht unrecht, wenn man auch diese unter seine Freunde rechnete. Einem Verliebten, besonders wann er in dem Herz seiner Schönen noch nicht festen Besitz genommen hat, thut ein Freund nöthig, welcher ihm Nachrichten von seiner Galathee bringt, und zuweilen einen Zutritt bey ihr verschafft; einen andern, der ihm Poesien und Romanen leiht, wo. mit er sich die Zeit vertreibt, wenn er sein Mädchen nicht sehen kann , und ein Poet, der ihm ein seufzendes Lied macht, das seinen brennenden Liebes. Gram stillen, oder welches er seiner Göttin bey dem Clav,re vorsingen kann. Ein schlechter Schrifftsteller, er mag in Prose oder in Versen schlecht schreiben, hat auch dreyerley Freunde vonnöthen : einen der Bekanntschasst genug hat, um sein Lob in alle Zeitungen und Calender setzen zu lassen; einen zweyken, der unverschämter ist, als wenn er drey Jahr auf den Galeeren gedient hätte und schimpfen kann, wie ein Bootsknecht; und endlich einen dritten, der fast der vornehmste ist, und dieses ist ein gutherziger Verleger. Ein Mann, der listig ist, und in der Welt sein Glück machen will, muß erstlich einen Freund haben, der ihm alles zuträgt, was andere Leute heimlich halten wollen; dann einen der sehr hitzig ist, den er aber lencken kann, I und Nachricht«». lli Aki- Ff r kann, tvie er will, und den er, wenn er etwas gefährliches «or hat, den Versuch kann thun taffen, um ihn hernach ausMpfern, wann der Versuch unglüMch ^E^»er muß eine Freundin haben, welche eine gute Sun» qe bat, um die ganze Strafe durch ein andächtiges Geschieh von^ihrer Het- ugtdt Überzeugen ju können; die eine genaue Kenntniß aller Stad nemg- leiten besitzt; die endlich in Vereinen Minute aus Frömmigkeit enthusiaMe Verzuckungen bekommen und in der folgenden das Verhalten ihrer L>e- kannten recht unbarmherzig durchziehen kann. ... . Ein Advocat, welcher der traurigen Nothwendigkeii verhun» gern zu müssen, nicht gern ausgesetzet styn möchte, muß immer em dutzend Freunde haben, die nie des Zankens müde werden, und m mit ihren Nachbarn friedlich leben können; dabey einige von der Art, die ge schickt fremde Hände nachmalen und in dem Norhfall fm Geld und gute Worte ein Zeugniß ablegen, oder der Wahrheit zu Steuer einen Ehd schwören können. „ , , r„ „M, Simpli-ms hat lange keinen Freund bekommen können, so wohlfeil sie sonst zu haben sind endlich hat er einen gefunden. Gedultige Cheman- ner mögen ihn fragen, von welcher Gemuchsart fern Freund ist. Er wird zwar nicht wissen, was sie unter dem, Wort Gemuthsart verstehen » aber er wird sie versichern, daß sein Freünd ein hübscher Mensch !st, smier Krauen besonders wohlgefallt und alle Abend mrr rhm tiinft, bis öet Simvlicius berauscht zu Bette getragen wird; da sein Freund unterdessen bey der Frau bleibt ihr die Abendstunden zu vertreiben. Hatte Herr Srm- plicius einen bessern Freünd finden können? Haben dre gedultrgen ^.tan» ner nicht Recht, sich nach seinem Beyspiel zu richten? Wer die Ehre haben will ein Bekannter von dem Herrn * tu ftyn , muß wenigstens zwey tausend Gulden im Vermögen Huben; zu einer genauem Bekanntschaft sind schon vier Tausend nöthig; Wer zehen Tausend hat ist sein Freund und ein hübscher Mensch; Wer funfzehen Tausend hat ist allerliebst, artig und sein besonderer Freund. Wenn man es endlich bis auf zwanzig tausend Thaler bringt, alsdenn ist man gar lern vertrauter Freund, sein Bruder, sein Vetter, alles was man will. Das emzige Verdienst des Herrn * * ist sein Vermögen, und also rst es kein Wunder, wenn er von andern dre nehmlichen Verdienste verlangt, die ihn selbst von dem Pöbel unterscheiden. tz6 Giestsche wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen H-rrRartenstich macht nicht soviel Umstände: wenn sein freund die gute Eigenschaft hat gerne zu spielen, und die zweyte gute Eigenschaft, unglücklich ju spielen, alSdenn darf er seiner Freundschaft versichert seyn. Herr Allermann ist der billigste. Er findet an jedermann gute Eigenschaften , und also >st ikdermann sein Freund. Eine löbliche Gemütks- art i Er hat Nicht den geringsten Hochmuth. Erst neulich hat er mit dem Juden Ephraim Bruderschaft getrunken. Er kann es nicht begreifen, wenn man sagt, daß eine Wahl in der Freundschaft seyn müsse. Jedermann gilt ihm gleich ; wenn er nur ein paar Stunden in seiner Gesellschaft zu- bringen kann: so bekümmert er sich nicht darum, ob sein Freund ein ekr- licher Mann oder ein Strasenräuber ist. ö 0 Wir könnten ein ganzes Lehrgebäude von Freundschaften schreiben, wenn wir so fortfuhren - - Und ein Wochenschriststeller! was braucht der für «inen Freund ? Wir werden eben gewahr, daß er einen Freund nöthig hat, der ihm bisweilen mit kleinen Aufsätzen aushilft, um den Bogen gar zu füllen, wenn er des Schreibens müde ist. 1 Gedanken von dem Verstaub des Worts: Mos-owir. Herr Büsching in seiner Erdbeschreibung, im ersten Theil, im Kapitel vom Russischen Ravserthun,, §. z. schreibet folgendermassen - ’> Es ist ein grober Fehler, wenn das Russische Reich von vielen da« ,, Moscswitische gcnennet wird; denn es ist eben so ungereimt, dieses „ Reich, ja die ganze Nation, von der einen Haupt, und Residenzstadt „ Moscau zu benennen, als wenn man es, von der anderen, wolte das ,, Percroburgische Reich, oder Frankreich, von der HauptStadt „ Paris, das parisische Reich heissen. „ Vor kurzem lasen wir in einer gelehrten Zeitung, worinncn ein, zur Dänischen Historie gebö, riges Buch des Herrn Vice Canzlers Ponroppidan, zu Loppcnha- gen, angezeiget war, daß diesem grosen Manne ebenfalS als ein R(hin »orgerücket wurde, baß er die Russen habe Moscowice» genennet. Meines Ermessens Kätten beide, der Herr Büsching und der gelehrte Rccenftnr ganz recht, wenn nur einer oder der andere das Mort Moscowir in einem s» uneigentlichen Verstand nehmen wolle. Diejeni- r-7 und Nachrichten. fle haben also einen Fehler begangen, die zuerst angefangen Haben, die Kuffen tnofcowiten zu nennen. Da aber diese Benennung, seit ekk- chen Jahrhunderten, dermassen gebräuchlich geworden, daß, ausserhalb Rußland, beide Benennungen vor ganz gleichgeltend gehalten werden : so schläqec hier die Regel ein ; verba valent ficut nummi. 9benn man ji Ländern die von Rußland entfernet sind, heutiges Tages saget, dle moi'coiviten:fo verstehet niemand bloS die Einwohner der Stad Moscau darunter, sondern die Russen überhaupt. Und selbst der Kahme Moscs« xwten ist niemahlS in die Stadt Mloftau eingeschloffen gewesen. Der Berstand der Wörter muß aus dem Gebrauch derselben erklahrtt werden. Wenn ein Wort durch den öffteren Gebrauch, nach und nach, einen anderen Verstand bekommen hat, als es ursprünglich gehabt hat: so begehe ich keinen Fehler, wenn ich es in dem gewöhnlichen Gebrauch ebenMS brauche In fernen Landen verstehet man z. E. unter einem Darmstadter, nicht ein Darmstädter Stadt-Kind, sondern einen Unterthan des Herrn Landarafens von Hessen - Darmstadt, oder einen, der aus Höchstdero- selben Landen gebürtig ist. Wir hier zu Land, verstehen unter den Hannoveranern nicht die Stadt-Kinder aus Hannover, sondern die Unter« thanen des Churfürstens von Hannover. Selbst die Benennung: Lhurfürst von Hannover, ist uneigentlich, (wie denn auch ehemahls hSr aefcbmdblet worden ist,) aber weil der Chmsurstin Hannover residirete^ so ist sie entstanden, und ist jetzo, selbst in Staats- Schnfften, aebrduchlid). Man saget öffter: das Lhurfükstenkhum Hannover, . s>ner der 05rdffcbnfft SdVrt* unfcbtveict-.jLuneburg. Die Einwohner der GraffchafftSapn« Aleenkircken verstehet man, im weitläustigen Verstand, auch unter den Anspach^n. Dergleichen Benennungen sind, sonderlich zu Kriegs Zei- wn, sehr gebräuchlich. Bey der aUiirten Armee machten die tymtt«w raner und di- Braunschweiger einen überaus beträchtlichen Thest aus, obgleich die allerwenigsten aus Hannover und aus Braunschweig gebürtig gewesen. Unter den Preussen wurden alle Soldaten, die dem König von Preussen zugehSreten, verstanden. Das Herzogthum wmcem- berrr bat seinen Nahmen von dem Schloß wurtemberg bekonuuen, welche« bis in das i4te Jahrhundert die Residenz der Grasen von wur« tembetg gewesen. Nunmehro wird ein jeder Einwohner des Herzog khums, ein Würkemberger genennet. Eben so verhalt es sch mit bem Ursvrung der Namen, nicht aller, aber doch der mehresten, ^urftentljumer und Grasschafften des Leurschen Reichs. Die Angeln waren vim de- rrz Giestsche wöchentliche gememnötzige Anzeige« nenjenigen Völkern, die im zten und nächstfolgenden Jahrhunderten, Britannien bewohneten, nur ein schwacher Theil. Und gleichwohl ist von ihnen das ganze Reich hernach England genennet woioen; und der LTlahme Britannien ist, in seinem^ alten Verstand, nicht-mehr gebräuchlich. Derjenige würde allerdings zu tadeln seyn, der Frankreich das Königreich Paris nennen wolte. Wenn aber diese Benennung von mehreren nachgeahmet und endlich ganz gemein würde, so müßte man wiederum sagen müssen: vcrba valent ücutnumnr. In unseren Tagen ist, t usevt halb Rußland / zwischen einem Russen und Miolcowr'ten kein Ui ter- schied. Und den, der in der Stadt Mloscau gebohren ist, nennet man einen Moscauer. Vr. Bekanntmachung- Bey den Verleger dieses wird em Plan von einer sehr vortheilhaften Lotterie ausgegeben, von der unter der Garantie Ihr. N. Hochgrafl. Gnaden des regierenden Herrn Grafen Johann Friedrich Alexander zu Wid Runkel, den i4ten Novembr. 1764. die erste Claffe soll gezogen werden, und nach den Plan die übrigen Claffen. Es bestehet die Lotterie aus 4. Elasten, in die erste wird i fl. 10. Kreutzer, in die zweyte 2 fl. 20 kr. in die zte zfl. 30 kr. und mdie 4te 4 st» eingelegt, daß also alle 4 Claffen n fl. Einlage kommen. Die Einrichtung davon ist so vortheilhafftig, daß zos.mehr ' Treffer als Fehler darinn sind. Und kan man in der erstenClaffe icoo fl. in der 2ten 2000 fl. in der zten ;coo. und in der 4ten 12000 fl. gewinnen. Die in der ersten Claffe mit Gewinn herauskommen, können durch alle Claffen wieder mitspielen. Man kan bey Ausgebern dieses Plans und auch Bülets bekommen. Bey allhiesigen Kramer Johann Philip Nie. Krach, sind ebenfalls Plans und Loose von dieser favorablen Lotterie zu haben, und er vermeldet zugleich, daß bey ihm rentable neue Holländische Heringe angekommen, das Stück a iz und auch iof Kreutzer. Desgleichen ftische Sardellen das Pfund 48 Kr. Heue «ttd Nachn'chtttt. 4 *9 Neue Bücher. Staudners < Johann L-onhard Rettung desKanzleystil» wider die Anfälle der Verehrer des guten Geschmacks, 9?umb. ijO. r^.kr tzladt (Mil. Will). Ludw.) Anleitung zur Regiftratur Wlssenschasst unö von Regiftratoribus deren Amt und Pfiichten, Frankfurt jDie Geschichte eines jungen Herrn von ihm selbst ausgezeichnet, aus dem PlittEJoh^Jac.) Theologffche Untersuchungen iten Bande» rtes Stücke Herren^und^Wilsonr^Betrachtungen über ein« reihe Eiecttischer Sau?3c°b7R-r-nIkber die Geschichte von dem'Leiden unser» Herrn ö JEsu.Christi/ » Theile Leipzig I7sl. -- st- 8- kr. Eii» und auspasilttnde vom ?tett Jnlü bis den 13 tert Julir 1764« ^Valchor den 8. Julii die Gräfin von (Waiiua,) kommt von Marburg, Seherchor dm^?. pafsirten herein von Frankfurt in hiesiges Zeughauß wÄÄÄ von Molck au» Leipzig kommt von w-lchsr^den E'Ein Domherr von Fulda Herr von Disport und Herr von Denfeld und Herr von Vilmar, paffiren durch. Gelzerkhor den n. Herr Hofrath Besserer und Herr Hosrath Srppmann von Wetzlar paffiren herein. , . , Eodem Herr Hofrath Aschoff von Paderborn / paffirt durch. Eodem Derr von Donop -Obrister unter den Hessin, paffirt durch, walthor den 12. die Frau von Esch paffirt von Cassel, nach Francksmt Selzerthor^den n. auf dem Franckfurttr Postwagen rin Student und 5 einBürger aus Frankfurt und ein Bedienter paffiren durch. Gelzer- L-o Gr'estsche wöchentlich<-gememnützige Anzeigen Selzerebor den 15. f. Canonen und r. Mörser sind von Frankfurt in hiesiges Zeughaus herein pastirt. 1) Verchlichte. Am rO. Jul. Balthasar Heibertshausen, Christoph Heibertshausen, Gt- meinsmann zu Stauffenberg Sohn, und Margaretha Leibin, Johannes Leib, Einwohners zu Cleiberg, Tochter. r) Gebohme und getaufte. AM 9. Jul. Herrn RegierungsAdvocat Zühl, ein Söhnlein. Am 11. Jul. Herrn RegierungsRath Klippstein, ein Söhnlein. Eodemt Margaretha Johanneta Louysa, Herrn Philipp Jacob Leichtleins, Burgers und Crahmers allhier, Töchterlein. Am i r. Jnl. Johann Theodor, Herrn Johann Christoph Bieters, Di- reäons Mulices allhier, Söhnlein r) Verstorbene. Am zo. Jun. Maria Christina, Jeremias Conrad Rübsaamens, Bürgers und Sattlers allhier, Töchterlein. 1 ' ^wr Am 6 Jul. Fritz Marx, Bürger und Fuhrmann allhier. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Kr-ie- ger, UmversitatsBuchhandlern hteselbst, an die Herrn Liebhaber acaen 1 Rrhlr halbrahrrge Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 fr. ausaeae^ mStTÄ °