I wöchentlich- MMMe Kltztlgcn W Uachrichtttz. Drittes Stück. DrettstaAs bett i7tctt Ianctar. 1764» ^ll Ht>chfü»lU. Hessen - Darmstädtifcher gnädigsten Erlaubnis Lbhanblüttg von der V-rereflichkeit ber Gittetrlchre. Itt öer Teukschm Gesellschaft vorgclesen bett l2tett VTovemb. 1765. Quid verum atque dccem eure & rogo, o.pzV zzz hoc [um. horat. kichen ie Wissenschaften und Künste, die der menschliche Verstand er<- funden und bearbeitet hak, sind so mannigfaltig und von einem so weiten umsanqe, daß zu einer vollkommnen Kentniß aller und ^^ ^^^chilcher Geist, zur Erlernung aber auch nur der n iC^!?en ^ni^e llNd. Niemand, als wer in den Wl's- "Ast unS in ihrer Geschichte qänzlich unwissenv ist, wird hieran Md dn Carrestus, keibnitz, Locke, M-iuper. ku.s, ^dhtzerm und UJ3olf/ diese erhabene Geister, die die Ehre des mensch» $8 Gresische wZchemlrch-- zemeittnützlge Anzergett lichen Verstandes sind, waren nicht in allen Arten der Erkentnisse Aleich gros, und gleich bewundernswürdig Em jeder muß sich daher nach den verschiedenen Talenten, die ihm die Vorsehung zugetheilt hat, aus dieser Menge von Wissenschaften nur einige wenige, die er seinen Fähigkeiten und äusseren Verhältnissen am gemässesten befindet, zu erwerben ttachten. Indessen giebt es verschiedene Wissenschaften, die vor den übrigen einett so vorzüglichen Werth behaupten, daß sie allen Menschen nicht nur nützlich, sondern auch zu ihrer Glückseligkeit nothwendig sind. Man kan unter dieselben mit höchsteORecht die Sittenlehre rechnen. Diese Wissenschaft, die rin Theil von dem weiten Gebiete der Weltweisheit ist, ist von einem so ausgebreiteten Nutzen für alle Stande und Arten der Menschen, ja sie ist allen von dem Throne an, bis in die niedrige Hütte des Sclavm herab, so unentbehrlich, daß die Unwissenheit derselben nichts als die unglücklichsten Folgen für die allgemeine und besondere Wohlfarth des menschlichen Ge^ schlechts herfürbringen kan. Sie ist die ehrwürdigste unter ihren Schwestern ; dann sie ist die Lehrerin der Tugend, die Feindin der Laster, die einzige sichere Wegweiserin zur Glückseligkeit, die Beschäftigung des Weisen, die Hauptwissenschaft des Lebens. Ich hoffe, daß eine weitere Betrachtung«dieser Gedanken dem Endzweck unserer Gesellschaft gemäß, und der Aufmerksamkeit ihrer Mitglieder, die alle Verehrer der Sittenlehre sind, würdig seyn wird. Wofern man den Werth und die Vortreflichkeit einer Wissenschaft aus ihrem Endzwecke beurtheilen kan, dergestalt, daß je edler und erhabener dieser ist, desto erhabener und verehrungswerther die Wissenschaft selbst seyn muß: so ist kein Zweifel, daß man bey dieser Beurtheilung der Sittenlehre einen Vorzug l ich m Rang, und eine von den ersten Stellen wird einräumeu müssen. Denn was ist der grose Endzweck derselben? Lehret sie etwa ihre Schüler den Besitz vergänglicher Reichthümer erwerben? Will sie ihnen Würden, und den Glanz der Ehre, der so viele blendet, -Ur ein wollüstiges Vergnügen der Sinnen verschaffen? Nein I Ihr £n&* i zweck und Nachrichten. r- zweck jst viel höher, unserer göttlichen Bestimmung weit würdiger; sie gewährt uns bessere und edlere Vortheile, das Gut, das alle suchen, und wenige finden, die Glücklelchkew. Wann dieses Gut alle andere menschliche Güter übertrifft, ja wann kein wahres Gut ohne dasselbe möglich ist, so muß die Sittenlehre vor allen denen Wissenschaften den Vorzug bebanptett, welche andere geringere Güter, entweder blos die Gesundheit des CörperS, oder die Erwerbung zeitliches Vermögens zum Zweck haben, oder sich auch wohl mit blosen Soeculationtn, deren Einfluß auf die menschliche Wohlfarth oft sehr unmerklich ist, beschäftigen. ' Die Tugend ist ihrer Natur nach und um ihrer selbst willen höchst -liebenswürdig, das Laster aber mit seinen unseligen Folßen heßlich und abscheulich. Eine bekannte und zugleich unbekannte Wahrheit! bekannt, wenn man auf ihre Erkenntniß, unbekannt, wenn man auf ihre Ausübung stehet. Die Tugend kan uns allein glücklich machen, sie ist die wahre Würde unserer Seele. Was ist unser Leben, wann sie es nicht merkwürdig nrachk, wann wir nicht seine Bahn bcy jedem Schritt mit edlen und grosen Handlungen bezeichnen, und uns der Ewigkeit würdig machen? Was ist der gröste Gelehrte ohne sie? Ein groser Mann, ein erhabener Geist, der in der Ferne schätzbar und in der Nähe verächtlich ist, der durch die Wirkungen seines Verstandes die Welt in Bewunderung setzt, und durch die Unordnungen seines Herzens ärgert. Wie verächtlich müssen nicht einem jeden Rechtschaffenen die Nahmen eines Politians, Baudius, Machiaveüs, Pafferani, Boulainvi'lliers, Willmots seyn; Diese Nahmen, welche die Tugend auf ewig aus dem Verzeichnis ihrer Verehrer ausschließt. Die Sittenlehre lehret uns die Tugend, dies ist ihre einzige Beschäftigung, und dahin gehen alle ihre Gebotte und Unterweisungen. Sie wird auch eben darum mit dem ihr eigenen Nahmen die Tugendlehre benennt. Wem muß sie aus diesem Gesichtspunkt nicht höchst vortreflich und groS Vorkommen ? Die Zerrüttung unserer Natur und das Verderben unseres Herzens jst so gros, daß uns die natürliche Schönheit der Tugend nur ein schwacher ohnmächtiger Reiz zu ihrer Ausübung ist. Wir wissen das Gesetz, das C r Reli. 36 Gresische wochmtkich- gemeiiwötztge Anzetzett Religion, Rechtschaffenheit und die Erfüllung unserer Pflichten von uns fordert, wir erkennen mit dem Verstand die Billigkeit seiner Forderung, und die mnere Verbindlichkeit ihin zu gehorchen. Wir können von unser« Gewissen lernen, daß gewisse Handlungen von Zufriedenheit und EK- unzertrennlichen Gefährtinnen begstitet, andere hingegen durch natürliche schlimme Folgen, durch Unruhe und Schande bestraft werden; 3^^^. lmd SchuldigkttW, diese aber verbotten sind. Dieses alles erkennen wir, und dennoch weigert sich unser Heu, das sich von der Sinnlichkeit dahm reisten laßt, diesen Wahrheiten zu folgen, uni) das, was der Verstand emyehet, anzunehmen und zu billigen: Man muß uns daher nicht blos die Ge'etze, die Gehorsam von uns verlangen, lehren, man muß uns auch durch starke und dringende Beweggründe 'zu ihrer Er- sullung antreiben. Man muß uns in der Moral die Folgen der Tugend und des Lasters nebeneinander zeigen, und die fastganz verloschene Ernvstn- dung von dem was rn unfern Handlungen edel und schön ist, zu erneuern juchen. Man muß uns die Hindernisse, roJcbe uns auf dem Weg der Tugend ausstoffen, überwinden, und dre Lockstimmen des Lasters, die und auf ihre Abwege rufen, verachten lehren. Man muß in uns die Erkentnisi myerer Verbindlichkeiten lebendig und wirksam machen, und d.r Wahrheit die verschlossene Zugänge zum Herz durch sichere unD angenehme Mittel zu erofnen suchen. D-e Moral hüllt dah.rihre Lehren bald in das Kleid der Geschichte em, und sucht durch Beyspiele zur Tilgend zu ermuntern, die gememiglicl), weil sie naher an die Empfindung gränzen, mehr als alle abstratte Demonstrationen auf die Seele wirken; sie nimmt solche er tweder aus der wahren Geschichte, oder sie erdichtet sie, nnd giebt ihnen die Mai ke Md den äusseren Schein der Wahrheit. 9 dft nicht sie die tiefwirkende Reize der Dichtkunst zu Hüffe, und macht die Seele weich und empfindungsvoll, daß sie d?'n Gndruck der ernsthaften Lehren desto leichter annimmt. Sie sitzt unsentw ederdurch L Pracht des Lehrgedichts ins Feuer, oder wirkt in uns durch die Majestät der Gesinnungen. Zuweilen wählt sie die furchtbare- Gegel her Satire, und züchtigt dre Thoren, die durch ernstliche Betrach- rungen nicht zu gewnmen sind. Eben so braucht sie die Comödie, das Tltguerspiel, dre Wbsl, dze nmalische Charaktere, und andere Arten des Vor- ttrrd VUcbnd)t;m, ti Vertrags, als mancherlcy G.'stalttn, in denen sie dr'ö Wahrheit zeigt, um sie in einer oder der andern angenehm zu machen. Habt ihr die Schönheit der Tugend gchhen, die die Moral auszubreiten bemühet ist, so betrachtet auch Die häßliche Gestalt des Lasters, dessen Ausrottung ihr Endzweck ist Es ist Der gefährlichste Feind der Mm- schen; feine Lüste sind ein tödliches Gift für unsere Seele. Es zerstöret das Wohl des ganzen menschlichen Geschlechts, und jedes einzelnen Menschen, der sich ihm überläßt. Welche Heere von Elend und Unglück breitet der Ehrgeiz, die Ungerechtigkeit, Grausamkeit, die MenschenfeindschafL und der Geiz über den Erdboden aus. Entspringen nicht daraus die meiste Plagen? die das menschliche Leben verbittern und unglückselig machen? Und die Laster der Wollust, der UnmGgkeit und Verschwendung, welche Quellen von Uibel sind sie nicht? Kinder die in Armuth und Hunger schmachten; Junglmge die in ihrer Blüte dahin sterben, oder von dem Folgen ihrer Laster aus das Lager gefesselt sind; Männer die von den Ausschweifungen Dee Jugend entk ä tet ihr elendes Leben verwünschen, sind ein unglücklicher Beweis von der entsetzlichen Natur dieser Laster. Welche Unruhen foltern nicht die Seele des Lasterhcmen, wenn er aus dem Taumel der Sinnlichkeit zu sich selbst kommt Der innere Richter, Den er mit aller Mühe nicht ganz unterdrücken kan, wacht doch endlich einmal auf, und st.llt ihm das Bild seiner Verbrechen in seiner ganzen abscheulichen Gröse vor. Sind diese Betrachtungen richtig, und wer kau ihre Wahrheit m Zweifel ziehen? so ist die Sittenlehre, auch als eine Feindin des Lasters ol# ter innerer Hochachtung roürcig. Aber wir wollen jede Pflicht, zu deren Ausübung sie uns amreibt und aufmunlert, stückweise betrachten. , . Sie kehrt uns unsere Verhältnisse und Verbindlichkeiten gegen das HSchste 2vescn. feie fuhrt uns durch die Betrachtungen seiner'Macht, Güte und Wnshen, die sie von ihren Schwestern der natürlichen Theologie und der Raturlehre entlehnt, zu der klebe und Ehrfurcht, die wir diesem Unendlichen ichuldig sind. Sie erweckt unser Vertrauen auf seine über «lies wachende Vorsehung, die feurigste Dankbarkeit für seine WohitlMn, C s «nd rr Greflsche wöchentliche gemeinnützige Anzeigen und eine Zufriedenheit mit den unwandelbaren Gesetzen seiner Regierung, welche keine Wiederwattigkeiten zu stöhren vermögend sind. Schon habe ich die Würde der Sittenlehre in einem hell n Lichte gezeigt, aber ich will mich bemühen sie vollends in ihrem ganzen göttlichen Glanz darzustellen. Eintt von ihren vorzüglichsten Vortheilen bestehet darinn, daß sie uns von der Sclaverey unserer unordentlichen Leidenschaften und Begierden be# sreyet. Wer empfunden hat, welche Zerrüttung diese tyrannische Beherrscher in unserer Seele anrichten können, mit welch.n Plagen sie die Ruhr des Menschen stöhren, der sich ihnen überlaßt, der wird die Freyheit und Unabhängigkeit von denselben für ein höchst unschätzbares Gut erkennen müssen. Wie oft hat der ^tolz, der Geiz oder die Wollust, nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Nationen, in den gänzlichen Untergang gestürzt. Was waren die unglücklichen Ursachen die jenes majestätische Rom von seiner Höhe herabstürzten als eben diese unbändige Leidenschaften, Stolz, Geiz, Wollust und Uneinigkeit der Grosen? Wie gros wird also der Nutzen, den uns die Sittenlehre verschafft seyn müssen, werm sie uns dem Joche der tobenden Begierden entreißt, und die -Hitze der Leidenschaften dampfen lehrt! Betrachtet nur den grosen Mann den ihre Lehren gebildet haben Er hält die Wollüste, die den Menschen so weit zu den Thieren hinabstossen , der Ehre seines Wesens und dem Adel seiner Natur zu unwürdig, als daß er sich ihnen zum dienstbaren Sclaven überlassen sollte. Er genießt höhere und reinere Freuden als die nichtige und oft theuer erkaufte Freuden des Lasterhaften sind. Wann dem Wollüstling für seinen gewohnten Ergötzlichkeiten cckelt, wann er den Uiberdruß mit aller angewandten Mühe nicht vermeiden kan: So ist die Seele desWeiscn voll von einer sanften und stillen Freude, die ihn niemals verläßt. Seine Vergnügungen sind so rein und dauerhaft, daß er ihrer nie überdrüssig wird, daß er sie vielmehr immer desto lebhafter empfindet, je langer er ihrer gewohnt wird. (Die Fortsetzung folgt künftig) . wa- ünd Nachrichten. LZ was verlange wirb. Eins hohe StandsPerfon verlangt einen Informator für ihre jung« Herrschaft, einen jungen Herrn von etwa >o. Jahren und zwey Fräulein. Er mag EvMgelischLutherischer oder Reformirter Religion seyn, ein Theo- kog oder Jurist, ersteres doch am liebsten. Man verlangt daß er von einer wohlgesitteten Aufführung, und mit guten Zeugnissen versehen sey. Er ganesi alles frey, nebst einem Bedienten zur Aufwartung und gutem Gehalt av.Geld.- Wer Lüsten dazu bezeigt, kan bey Ausgebern dieses mehreren Bescheid erhalten. Es wird ein Obst- und Gemüßgarten, der nicht weit von der Stadt, am liebsten vor dem Wallthor gelegen ist, zu lehnen verlangt. Wer einen solchen zu-verlehnen hat, kan sich ebenfalls bey dem Verleger melden. Ein und arrspafflrende vom 7ten bis den W; Januar 1764. wallthor den 7ten. Auf dem Cassel. Postwagen 2 Kaufleute und f Studenten, passrcn durch. Gelzerehor. Ein Braunschweigischer Capitam Herr von Biberlürg pass, durch. Jhro Durcl^l. der Fürst von Braunfelß pass durch. Wallthor den Sten. Ein Commando von 12.. Mann und r. Un- terofficier vom LandBataillon bringen z. Arrestanten von Battenberg an die Hochfürstl. Regierung. Wallthor den r>ten. Herr von Pachelbel, gcheimder Rath von Zweybrücken, komrnt von Marburg, paff, durch. Frau Obrist Udamin paff, von Marburg herein. Wallthor den roten. Auf dem Cassel. Postw. r. Studenten, ein Bedienter und r Weibspersonen, von Marburg nach Frankfurth. Jhro Durchlt. der Fürst von Braunfelß pass, von Marburg hierdurch. Gelzer Chor Herr Cammerrath Frensdorf von Arhotsen, paff, von Frankfurth herein, logirt im Einhorn. Wallthor den neen. Herr Fuchs, Capitain von der Hess Leib Garde, pass, durch. Em Regier. Procurator von Mrburg, Herr Günsel, logirt im Einhorn- Seb 14 befische wöchmelich-- gcnrer'ttttützige Attzeigett SclzerEhoe den i2tm. Auf dem Franks. Bgstmasen - Leute von Cassel, und 2. Weibspersonen paffrren durch. ' ' Sru*( und andere Preiffe am Markttag den 14. Jan. 1764. Gieser Maas. Fl.' Alb. j Pf. r Achtel Korn 6 s I 4 4 S S r x 1 r s L »6 r6 15 10 s If r 2 auch - auch - Achtel Gerste Achtel Waitzen Achtel Hafer 6 j 6 3 8 2 ft. geschelte Hirsche - ft. gescheite Gerste - tt. klein gescheite Gerste Meste Erbsen Meste Linsen 1 ft. Ochsen Fleisch cnrch ' - r ft. Kuh Fleisch 1 ft. 9iind Fleisch 1 ft. KalbFirisch 1 U. EcbwcincFleisch 1 ft. HammelFieilch ; 1 ft. KalbsLeber x KalböKopff 1 ft. frische Butter f Eper - Alb. jPf. 4 4 r r 4 r 4 4 3 4 10 8 2 । r f Loth Brod # L Lotl) Quint Weck Becker Preis. 4 Pf. ) Loch r Quint ButterBretzel 4 Pf 4 4 Loch Quint Teitscher 4 dasselbe bis auf die folgende Woche aüfzuhchem & fiinöt!’l3t lM „ Sie'c toid)entfid)e Anzeigen werden von dem V-rieaer cv.kn«. mcr. üpz) Ärieger, biniverilrais^Auchböndlern bieieidg an n,> r-x,.. '6 S-n Rchlr. halbjährige Pränumera^n a / r? kn^ebhaberge- L£mf$ina$SmS 1