WWN Siebentes Stuck Dienstage den r4ten Februar- L764. Mit Hochfürstl. Hessens Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. WL^in allgemeiner Beifall ist ein Loos, das keinen Schriftsteller jemals zu Theil worden ist. Wenn auch ein Leibnitz darauf Anspruch ma- chen wollte: so müste er entweder die unendliche Verschiedenheit des Geschmacks, der DenkungsArt/ der Neigungen der Welt gar nicht kennen/oder seine Eigenliebe müste so verblendend seyn/daß er das Unvernünftige in seinen Wünschen gar nicht gewahr werden könte. Sollte ein Autor eines Wochenblatts so stolz seyn/ daß er sich mit einer so eitlen Hofnung tauschte? Der Autor eines Wochenblatts? Ein Schriftsteller / der nicht dlos den Bcurtheilungen der Gelehrten ausgesetzt ist/ der auch die Censur der CoffeeTische/ der SpielTische/ die Critlck der Stutzer/ der Stutzerin- nen/ der Betbrüder und Betschwestern/ des reichen stolzen Bürgers/ deS müden Handwerksmanns und oft auch die Beurtheilung der GesindStu- ben aushalten muß? Sollte vereinen allgemeinen Beifall hoffen? verdiente er nicht um einer solchen Hofnung willen die nächste Exspectanz in Swifts Hosprtal ? Wir wissen/ daß wir niemals daran gedacht haben. Wir freuten Zrns oft/ wenn wir unbekannter weise in Gesellschaften zugegen waren/ wo die PapageyenZunge einer leeren Chloe sich bald über die unrecht Lage r . - G eines lest sch e wöchentlich- c /> r 48 Gresrsche wöchentlich» gemeinnützige Anzeigen eines Schönpflästergens auf den reitzenden Wangen ihrer Gespielinnen, bald über unser WochenBlättgen lustig machte. Wir lachten heimlich über die jungen Petitmaitres, wenn sie sich über den Mangel ter Anzeigen von den neuesten Moden in unserm Blatt beklagten, und daraus den geringen Werth unsrer Arbeiten beweisen wollten. Uiberall hörten wir Tadler, nirgends Vorschläge, wie wir unsre Sache besser machen sollten. Wir machten uns das Gegründete in diesen Censuren zu Nutze. Wir lackten über das Unbillige in denselben, und nahmen uns vor, uns niemals merken zu lassen, daß uns diese ungleichen Urtheile bekannt waren. Allein ein Brief, der uns gestern zugeschickt wurde, änderte unfern Entschluß. __ Wir finden es aus vielen Gründen für nöthig die Vorwürfe des Herrn Ego zu beantworten. Hier ist fein Brief: " Meine Herrn. gefiel mir ganz gut, als ich neulich hsrte, daß Sie oas Gie- ' fische WochenBlatt wieder anfangen wollten In meinen " StudentenJahren nahm es seinen ersten Anfang. Damals las ich " es schon lieber, als meine Metaphysick. Und das that jeder Stu- " dent. Dann das Wochenblatt schilderte uns manchmal den Reitz " des andern Geschlechts, die Freuden der Liebe und das Süsse in " den Küssen mit so reitzenden Zügen, daß wir natürlicherweise der " Metaphysick gram werden musten, die uns unsre Mädchen in lau- " ter Monaden, und unsre Küsse in lauter Betriigereyen, in Schein, " in Phänomene und wer weiß in was noch mehr verwandeln wollte. " Ich mögte nur wissen, was die Philosophen mit diesen Grillen " wollen. Doch was gehn sie mich mit allen ihren Monaden an. " Kurz, ich war recht froh darüber, daß das Wochenblatt wieder, " wie ein Phönix aus seiner Asche, aufiebte, nnd entschloß mich, mit " Freuden meine drey Gulden dran zu wagen. Nun kan ich eben " nicht sagen, daß mich mein Entschluß reuefc. Aber weil ich mich " gern über die ganze Welt aufhalte, so halte ich mich auch (verzei- " den Sie mir meine Unhöflichkeit) über ihr Wochenblättgen auf. " Misten Sie was? es ist mir zu gemeinnützig. Was liegt mir an " den Disputationen, die zu Giesen gehalten'worden sind, und die " jedermann schon wieder vergessen hatte? Was nützt mir die Nach- " richt von Gebohmen und Gestorbenen, von durchgegangenen Tau- " den und Nachrichten. 4- " den, von verlohrnen Schnupftüchern und dergleichen? Was soll ich " mit den Recepten wider die ViehSeuche, mit den Erzehlungm " der Veränderungen unter den Bedienten und mit noch vielen andern " Sachm, die mich nicht angehen, anfangen? Thäten Sie nicht " besser, wann Sie öfter Ihren Poeten, der mir ganz gut gefällt, " arbeiten liefe»? Der könte doch, dünkt mich, in jeder Woche ein " ModeLiedchen jum Vergnügen derJefer machen. Was ich aber " am meisten vermisse, das sind die Satiren. Sie wissen ja wohl, u es giebt überall Narren. Und die muß man peitschen, peitschen " bis das Blut von ihnen (ließt, wann sie nicht besser werden wol- u len. Auf einer Academie besonders giebt es viele Windma- h cher, viele Pedanten, viele Stutzer, viele Taugenichtse, vie- " le Corydons und auch viele Galatheen! Welch eine unerschöpfli* // che Quelle zu Satiren! Wenn Sie mir nur darinn folgten: fi> u wäre ich vollkommen mit Ihren Bemühungen zufrieden. Fordern " Sie doch Ihren Poeten dazu auf! Er hat Anlage zur Satire. " Das hat er zu meinem Vergnügen in allen seinen Erscheinungen " schon gezeigt. " Nehmen Sie mir nicht übel, daß ich mit sowenig Complimettten " rede. Ich halte viel auf die Freymüthigkeit. Thun Sie übrigens, " was Sie wollen. So viel versichere ich Sie, daß ich Sie ungleich " höher schätzen würde, wann Sie nur einige von meinen Vorschlag " gen billigten. Ich bin itzt noch mit einer unbestimmten Achtung A.*** den zo. Jenner ergebenster Diener i 7 6 4* Hanns Ego. Wenn sich unser Herr Censor auch nicht selbst Ego genennet hätte: so würden wir ihm doch diesen Nahmen gegeben haben. Sein ganzer Brief redet die Sprache eines übertriebenen Egoisten. Unsere Anzeigen sind ihm zu gemeinnützig? Aber sie würden ja widersprechend seyn, wann sie eS nicht wären. Sie würden ihren Titel so wenig behaupten können, als ein Prediger den (einigen, der seine Reden von Mosheim und Cramern borgt. Herr Ego ärgert sich über die Anzeige der hier gehaltenen Disputationen. Er mag sich ärgern. Wir haben vernünftige Männer auf unserer Seite, die sie billigen. Er kan die Nachfrage nach verlohrnen Sachen Nicht leiden. G r Am- ~ Gr'esisthe wöchentlich-- gcmemnütztze Anzetzett Andre Leute,, die uns nach unserm Endzweck beurtheileu, würden uns mie Recht tadeln, wenn- wir dergleichen Nachfragen keinen Platz in unserm Blatt erlaubten. Er will die Nachrichten von den gebohrnen und verstorbenen in unserer Stadt, von den Veränderungen in einheimischen und auswärtigen Bedienungen nicht leiden. Aber wir würden die Helftt unsrer Leser verlieren, wann wir diese Nachrichten aus unsern Anzeigen verbannten. Kan er uns dieses zumuthen? Schreiben wir dann blos für ihn? Er will moralische Abhandlungen, er will Gedichte, er will Satiren lesen. Welche Forderung! Er gestehet selbst, daß er sie gelesen hat. Was wist er dann mehr? Er will die Narren gezüchtigt haben. Und wir haben sie schon hin und wieder in unsern Gedichte!', ge-züchtigt.. Wir geben ihm zu,- daß es überall Narren giebt. Vielleicht- hat er arrch den Beweis dieses- Satzes mehr aus einem innerlichen Gefühl, als auö tüchtigen Gründen gezogen. Wr halten es- auch für unsere Pflicht, die Thoren durch Satiren zu-bessern Die Folge der Zeit sost entscheiden, ob wir dieser Pflicht ein kluges Genüge gethan haben. Unsre Leser werden uns diese Eontrovers vergeben. Wir sind- gewiß, dass jeder unpartheyische Beurtheiler die Unbilligkeit 'in den Vorwürfen des- Herrn Ego erkennen, und uns das Zeugnis geben wird , daß unsre bisherige Arbeiten nicht mit unsim Absichten streiten. - - Zur Nachricht (die wöchig ist) Die Ausgabe Nro. 2. im sechsten Stücke der Giesischen Anzeigen r Wie sind die von der Französischen Uiberschwemmung verdorbene Gieser Wiesen dermalen zu bearbeiten, damit sie nächstkünftigen Sommer wieder wohl benutzet werden können? läßt sich schon auflösin, wann erst einmal die Wleseck und alle alte Graben auf und an den Wiesen, durch welche das übei fluffige Wasser von diesin vormals so gut abzog, die aber ietzo rheils verschlämmet, tIM sogar mit Erde angefüllet sind, tüchtig geraumst und in den vorigen (Ltand mit Fleis gesetzt worden.: Denn eher ist wohl nichts mit Bestand vorzunehmen, und wie könnte man Wiesen, woraus das Wasser stehen bleibet, bearbeiten nnd recht bennW5 Verord- rmd Nachrichten. 0 Verordnung. Die bis Wv viele Unordnung, Dieberey imb verübte Einbrüche-' haben eine löbliche Policey veranlasset, folgenden Befehl ergehen zu lass.-nr daß sich niemand ohne Laterne oder Licht nach den Zapfenstreich auf der Strasse finden lassen solle. Wie dann die öfters herumgehende Patrouillen: die Verbrecher in Arrest ziehen und diese bestraft werden sollen. Air verkmrfett. Corpus iuris canonici edi. Freiesieben, Carpzouii Practica criminaHs. Gailii Obferuationes. GrafH Collationes iuris ciuilis cum Receflibus imperii, Bep dem Verleger bekommt man Nachricht. §u kauferr wird verlangt. Theodor. Hoeppings Tradtarus de iure ligillorum Sc infignium, van der Hoogc,. Biblia. Hebraica cum verfione laiina Schmiß dii, 4to.. Bekanntmachung. Nachdeme des klierenden Fürsten zu Stottberg Gedern rr. Hochv- fürstl. Durchlt., zum besten der Armen, in die Errichtung der Fünften Ge-- drrischen Lotterie gnadigst consentiret, und solche besonders vortheilhaft für die Herren Einleger einrichten lassen, und zwar so, daß ein Loos mit der geringen Einlage von 48 kr. in glücklichem Fall zoroo st. davon tragen' kan; Als wird hiermit bekannt gemacht, daß derer Loosen so wohl ganzew- halbe , als auch viertel- bey Herrn Notar. Dietzsch dahier zu haben sind. k^lachrichtett. Der ungemein heftige Sturmwind, welcher den 28. Jan. 1764. mit Platzregen und einigem Blitz und Donner vermischt, wütete, und an den- GebaMn, SchomstMn wib Baumen vielfaltM Schaden- verursacht G 5 Wp xr Gw fische wöchentlich - gemeittttützige Anzeigen hat, gibt uns Gelegenheit unfern Lesern, diese alte Nachrichten, die ihnen vielleicht nicht mißfallen werden, vorzulegen. In einem alten Hausbüchlein nemlich, wsrinn Adam Fick, ein hiesiger Bürger, gebohren i fS8, die merkwürdigen Begebenheiten seit seinem Leben, verzeichnet hat, finden wir folgende Umstände angemerkt, welche zu der bishmgen ganz aussii ordentlich sonderbaren Witterung ähnliche Beyspiele liefern. Anno Christi 1606. den 17. Märtii wardt ein solcher sturmwindt daß man meynete Himmel und erden würde über einem Haussen fallen thet an dä- chern vndt in Gärten vnndt Wäldern grossen schaden an bäumen warf auch etlichen Heufirn vnnd scheuwern vmb. Anno 1611 den 1 gfeii Decembris ist ein solcher grosser windt gewesen daß er an beuwen vnndt dächern grossen schaden gethan hat auch in garten vnndt Wälder an bäumen grossen Schaden warff etliche mitt den rvurtzeln auß der Erden daß man allein in dem gleiberger Waldt vier taufende ganze bäum gefunden hat ohne die in mitten entzwey vnd sonst gescha- diget waren wurff auch einen Fuhrmann in der Langenstehn seinen wagen vff dem gleichen vmb. Vielleicht vergnügen wir manchen Liebhaber der Giesischen Alterthü- mer, wann wir in den folgenden Blättern noch einige andere Nachrichten aus diesem alten Tagbuche einschalten. Rächst!. Ein Geschöpf, das sich die grösteMühe giebt, das zu heissen, waS es ost ist, oft nicht ist, und zugleich mit der gröstcn Sehnsucht wünscht, das nicht zu scyn, wa- es ist; ein Geschöpf, das andere mit dem heisesien Verlangen suchen, und wann sie es gefunden haben, mit der grösten Wollust zernichten; ein Geschöpf, aus dessen Untergang andre Geschöpfe entstehen , dessen Würklichkeit von denjenigen am meisten gezweifelt wird, die ihm sein Daseyn geraubt haben; ein Geschöpf, das durch den Verlust seines Nahmens oft glücklich, oft unglücklich wird; ein Geschöpf, das immer ohne Zeugen und oft in einer dunklen Stille hingerichtet wird; ein Geschöpf, das oft seinen Nahmen noch behält, und behauptet, wenn es gleich jein Wesen verlohren hat, und von diesem Verlust selbst überzeugt ist; ein Geschöpf, das in den ersten Puncten seiner Existenz nicht bemerket, in ent- fermem Momenten gesucht wW mit tausend Gefahren umringt, alsdann . aber und Nachrichten, 5Z aber verachtet wird, wann es eine gewisse Stufe in feiner Existenz überschritten hat; ein Geschöpf, das ohne Schmerzen stirbt, und nach seiner Ermordung noch gestraft, und härter gestrast wird, als sein Mördek. Was mag das wohl seyn? Ein und atwpasilrende vorn 4ten Februar bis den uten Februar 1764. XVoiltbor den 4ten Febr. Auf dem Caffelischen Postwagen 4 Kaufleuthe, passiren durch. SclzerThor den zten, Herr Baron von Edingshauß, paff, durch. ♦ ♦ Eod. Corpora! Trigophorus, von Sr. Durchlt. Prinz Georgen Regiment, nebst 2 Mann, bringen einen Arrestanten von Wetzlar in hiesiges Stockhaus ein. wallThor den ztem in der Sperr pass, von Caffel herein/ ein Chur-Pfälzischer geheimder Rath, Herr von Beckers / logirt im Posthaus. • ♦ den 6ten / ein Hanöverischer Gesandschfats- und ein Canditercy- Wagen, nebst einem -OberBereiter, Herr Collin, 19 Bediente und 42 Pferde/ log. im goldnen Hirsch. SclzerThor den 6ten/ auf dem Franks. Postwagen ein KauffmannsBe- dienter, pass, durch. wall Thor den ?ten, Jhro Durchlt. Fürst von Waldeck/ pass, durch. Herr Pfarrer schreiner von Echzel/ pass, in der Sperr herein, logirt auf dem Selzersweg beym Herr Magnus. Gclzerthor den 7ten, ein Kayserlicher Obrist, Herr Ofianiean, logirt un Posthaus. walithor den 8ten, Frau Gräfin von Schulenburg, paff, von Marburg hierdurch nach Franckfurt. - ♦ Eod. ein Durlachischer Capitain, Herr von Buseck, paj- sirt herein. Wallthor den sten, ein ChurMaynzischer Courrier, pass, durch. - - Eod. in der Sperr herein, em Heffrscher Obrist, Hm Mo- rarms, logirt im Posthauö. Wall- f4 Giesische wöchmtliche gemeinttAtzrge Anzeigen Melchor den 9ten Febr. Hm KriegsZahlmeister Schmidt, logirt im Posthaus,. Srlzerrhor den 9ten, Hm Döp, HüttenVerwalter vor: Biedenkopf, pass, durch. Malithor den loten, fünf Hanövrische Gefandtschafts Wagen, passrm durch. r) Gebohme und getaufte. Am roten Febmar, Herrn Johann Jacob Kohlermann, RathsSchöf- fen allhier, ein Söhnlein. Am uten Febr. Johann Henrich Kümmerer, Bürger und Beckermei- ster allhier, ein Söhnlem. r) Verstorbene. Am 8tm Febr. Anna Elisabetha / Joh. Conrad Müllers, Bürgers und Fuhrmanns allhier, eheliche Hausfrau. Eoctem Peter Wagner, Leinweber allhier, ein Söhnlein. Am Mn, Ludwig August Magnus, Herrn Johann Philipp Magnus, des Sechzehner Raths allhier, Mitglied, ein Sohn. z) Vcrchlrchre. Am ften Febr. Johann Daniel Balser, Bürger und Musicus allhier, und Christina Maria Borbeckin, Johann Conrad Vordecks, Bürgers und CramerS allhier eheleibliche Tochter. Seite 44. Zeile 3. lies anstatt Cölln Mapnz. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Iöharrn Philipp Krie- Zer, UnivcrsttatsBZlchhändlern hieselbst, an die Herrn Liebhaber gegen 1 Rthlr. halbjährige Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4 Fr. ausgeger btn. Man wird auch den Herrn Pranumeranttn mst denen schon her-ansgekvnuue, tun Stucken dieuen.