wöchentlich- gMiNNUßW KiMWll mb Wchrichke«. Eüftts Stiick. - Dienstags den izden März 1764. Mit Hochfürstl. Hessen--Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Auszug aus des ehemaligen Bürgermeisters Blankenheim, zu Marburg, hinterlassenen Handbuch. «nno 1159* auff den Sontag Exaudi ist das Teutsche Hauß zu Marpurgk (rz. Jahr vorher die Pfarkirchen) reformiret, vnd die Meß abgeschaffet worden, darbey zwey Tauffent achtt Personen gemeßen, Ihre Durchlaucht Landgraf Philips, die Ritterschafft, DoctoreS, vnd andere von der Academia, Rath vnd gemein der Stadt; nach gehatt- teuer Predig hadt der Landtgraf dem LandtCommeytur die Sacristey auff- zuschliessen bevolen, darauff allsobaldt hienein gangen tmh den Sarck Elisabethen auffzuschlieffen befohlen, Allß aber niemandt den Schlüsse« hadt gestehen wollen, hadt man den Goldtfchmieden befohlen den Sarck aufzubrechen,welche dielLiedtnagel abgezwenckt, hierin seindt St. Elisabethen Gebein in roht Dammast gewickelt befunden worden; aber nicht das Haupt, hadt derohalben der Fürst den LandtCommentur gefragt, wo das Haupt sey, darauff er geantworttet in dem Schranck: den Schlüssel aber darzu hadt er nicht wissen wollen, weiü nun der Landtgraf gewust vnd gesagt, daß L er So Giesische vaöchemüch-- gemeümutzige Anzeigen eS vor wenig Tagen sey aufgeschlossen ^gemeßen, hadt er befohlen den Schranck auffzubrechen, hadt der LandCommenthur den Schlüssel alsobaldt langen lassen, darauf ist das Haupt heralwgclangct, auf welchem ist gewe- ßen eine güldene Kron vber vier hundert vnd funfftzig gold fl. wehrt, welche St. Elisabethen von Henrico dem Römischen Keyser (Ain von Frideri- co 2->) verehrt worden. Solches alleß hadt der Fürst mit sich auff das Schloß genommen, aber baldt hernacher allen Gesckmuck sampt dcr Kronen wiederumb herabgeschickt vnd dem LandtCommentur zustcllen lassen, die Gebein aber heimblich daß niemandt außerhalb zwcper Persohnen gewußt zu Verhütung fernerer Superüition begraben lassen rc. Satire an einen Freund, der den Dichter aufforderte Satiren zu schreiben, von einem Mitglied der teutschen Gesellschaft. * * * * Difficile eft fatiram non fcribere* SWEN. Umsonst versuchst du mich. Zu schadenden Satiren - Wird auch dein feinstes Lob nie meinen Stolz verführen. Des Lasters Bogen wird durch kein Gelächter schlaff; Der Pfeil trifft immer noch, der Juvenalen traff. Der lachende Horaz blieb von Gefahren steyer; Doch war auch ein August der SchutzGott seiner Leyer. Mich aber schützt kein Fürst, mich locket kein Mäcen Auf Spuren einer Bahn, die selten rückwärts gehn. Die Thoren zählst du nicht, die unsre Welt bewohnen. Ach viele tragen gar statt NarrenKappen Kronen, Und manche, die so kühn des Weisen Thaten schmähn, Sind nur vom Tollhaus frey, weil sie in Silber gehn. Wollt ich aus Ehrfurcht dann nach niedren Gecken zielen: So könnte meinen Streich ein Narr von Adel fühlen; So möchte heut mein Witz der Thorheit Geissel seyn, Und morgen müßt ich ihn vielleicht am Rad bereun. Nein, Freund, laß mich vergnügt, laß Thoren Thoren bleiben! Mrull mag immerhin vor KaufmannöBuden schreiben, EtpM und NachnchtM. 8L Elpin mag immerhin im Zorn auf Wuchrer schreyn Und insgeheim der Dieb verlaßner Waisen seyn; Der niedrige Tartüff, der Freund von milden Schwestern, Mag immer öffentlich auf keusche Küsse lästern; ' Pamphil mag Stundenlang vor seinem Spiegel stehn Und Stundenlang in ihm den schönsten Affen sehn; Der bleichgespielte Phax mag stets den Musen fluchen Und die Gelehrsamkeit im Hypochonder suchen: Gern raum ich jedem Thor das Recht der Tummheit ein? Ihm nützt mein Tadel nicht, mir kann er schädlich seyn. Zwar kann ich meinem Zorn kaum siegend widerstehen, Wann kühne Spötter stolz der Vorsicht Wege schmähen. Ich jittre, wann ein Wurm, der sich im Staub verirrt, Sein Nichts verrucht vergißt, und GOttes Richter wird; Wann hier ein Edelmann, von seinem Wahn geblendet, Auf die Versöhnung schimpft, und GOttes Wunder schändet; Wann dort ein Morgan tobt, der Tugend Rechte krankt, Erhaben von sich selbst, und klein vom Himmel denkt. Hier möcht ich ost ergrimmt des Satyrs Peitsche nehmen, Der Vorsicht Retter seyn, und diese Tieger zähmen: Allein mir lispelt dann mein Engel in das Ohr: „ Bezähme deine Wat, und werde selbst kein Thor. „ Laß immer diese Brut ihr Herz mit Unsinn fchwellen; „ Erblaßt des Mondes Glanz, wann Hunde giftig bellen? „ Der Wrensch muß seinen Geist dem Dienst der Gottheit weihst, „ Und weil sie selbst sich rächt, nur ihr Verehrer seyn, „ Du kannst durch deinen Spott nicht ihren Trotz bezwingen; „ Er tobt noch, wenn sie schon auf Sterbebetten ringen, „ Und mancher Julian spritzt sein erkaltend Blut - „ Noch zu dem Himmel hin, nnd schimpft und stirbt mit Wuk. „ Wer für die Gottheit kämpft, muß ernstre Waffen führen, „ Nicht lächerlichen Scherz, nicht ärgernde Satiren. „ Der weise David schlug mit dem Vertrau» auf GOtt „ Des stolzen Riesen Hohn und nicht mit Gegenspott. Ich folge diesem Wink: Tobt nur, verwegne Rotten, Giganten fahrt nur fort Yen Christen zu verspotten, L - \ Genug, 82 Gr'esische wöchentlich -- gemeittttötzige Anzeigen Genug, die Hofnungen, die mir in Himmeln blühn, Soll mir kein Shaftsbury, soll mir kein Lhub entziehn; Kein tückgcher Voltaire soll meinen Glauben stören/ Den GOtt, den er verlacht / will ich mit Zittern ehren. Mit minder kühnem Schritt könnt ich auf Pindus Höhn Mt Geiseln m der Hand/ nut Hohn im Herzen gehn, Wenn mich am Fuß des Bergs nicht giftige Jnsecten Zahllos / wie Xerxes Heer, mit ihren Stacheln schrektem Der Bave matte Zunft, die ewig Reime sucht, In Reimen Gottsched lobt, in Reimen Bodmern flucht? Die aus bezahlter Pflicht bey jeder Hochzeit lärmet, Und M), vom Hunger blaß, bet; allen Gräbern härmet? Das Volk, das niemals küßt, das nichts als Wasser trinkt. Und doch nut wilder Lust von Wein und Liebe ftngf, Verliert hier nach dem Tod der Menschheit dunkle Souren Und schwärmet um den Berg in gräßlichen Figuren, ' Weh dem, der ungefähr auf diese Hummeln tritt s Mit Schmerzen und mit Blut bezahlt er jeden Schritt. Verlangst du, daß ich hier die scharfe Geissel schwinge Und mich aus TadelSucht vielleicht ums Leben bringe? Auf! auf! die Glocke ruft zum philosophschen Streik Von Zeit und Raum-und Wer zürnt nicht, wenn Alphone des weisen Schöpfers Wett Mit kühnem ^adel schnupft, weil sie nicht ihm gefällt? Wer kann den tollen Ton von Solöcismen hören In dem der SchulWitz spricht, und seinem Eckel wehren, Wer schlaft mcht ein, wann Thrax mit vielem Stolz beweißk, Daß ohne Widerspruch ein Enkel Cirkel heißt? f Wie lang soll unbesorgt um richtige Gedanken Brr Scott dunkles Volk m lme Töne zanttnk Soll und Nachrichte»-. Soll bann schon der , der von Präbicamenten schreyn Und Sdlüffe stammeln kan, ein Stagirite seyn ? Umsonst! kein Juvenal kann langer ruhig bleiben, Er muß / mehr als in Rom, muß er Satiren schreiben - Wo ist die Peitsche, wo? - doch ach! wie fürchterlich Wird alles um mich her! o Muse, rette mich! Ach Heere wafnen sich mit Subdivisi'onen! Fort! hier ist mehr Gefahr, als bey den Pakagonen. Mein Körper zittert nur, wann mir ein Caffer drohtr Ein wilder Weiser zankt gar meinen Geist zu Tod. Verdammt sey bann der Wunsch nach spottenden Satiren! Soll mich kein Lydien, kein ödes Tomos rühren? Eh wird der feige Matz voll Muth zu Felde ziehn, Eh wird der faule Grill des Ofens Freundschaft fiiehn, Der feuchte Oenophil wird eh den Rheinwein Haffen, Eh wird der Pietist das Lästern unterlassen; Xantippen werden eh den Mannern freundlich seyn, Eh wird sich Zoilus bey meinem Glücke freun, Eh wird der Moralist die Thoren weise machen, Eh etwas mich verführt, die Narren zu verlachen. Wann der Satiren Geiss in meiner Brust erwacht; So fey mein eigner Wahn der Thor, den er verlacht. Warum soll ich zuerst mit fremden Mängeln kämpfe'n? Ach hier, hier in mir selbst sind Feinde gnug zu dämpfen. Hier herrschet ein Tirann, der mich durch mich zerstört, Bald wider Welten mich, bald wider GOtt empört, Bald mich despotisch kränkt, bald selavisch vor mir knyet, ' Und mir mit Martern lohnt, wann ihm mein Weihrauch glühet. Könnt ich von dieser Noch durch Spotten mich befreyn, O Freund, so wollt ich nichts, als nur em Spötter seyn Folgendo Nachricht iß auf verlanget- emgerückc worden. Personen so sich finden lassen. , Auf die in dem reen Stück der Giesifthen wöchentk. gemeinnützigen Mergen, mthqlttlie Nachricht, unter der Rubm Personen die'ge- r s sucht M Gr'efrstbe wöchentlich - AemerWützige Anzeigen sucht werde»: haben vier Mannsbilder, in unsrer Nachbarschaft wohnhaft, zu Ehren des heiligen Ehstands, und zum Trost bekümmerter Frauenzimmer, eine Societät errichtet, um auf die nemliche Artin Gemeinschaft zu heurathen, wie sie bereits in der Gemeinschaft ihrer Güter stehen. Die Gesellschaft bestehet natürlicher Dingen, auch nur aus vier Personen ; aus einem abgeschiedenen Ehemann, aus einem raschen Wrtlwer, aus einem 60jährigen Kindskopf, und aus einem hageren'Junggesellen, welcher vor 2,4. Monarchen seinen 4vsten GeburtsTag m geheiligter Stille gefeyert hat. Ihre eigene Vorzüge sind so beschaffen, haß sie , ohne ungerecht zu seyn, über die in - und äuserliche Eigeiischasten ihrer Schönen wenig Scrupel haben können. Die verzweifelte Liebe, welche sich seit Dem ziten Januar, dieses Jahrs ihrer Herzen bemeistert hat, wird alles gut machen; inzwischen kan man versichern, daß ihre Leibesgestalten so wenig einen ausserordentlichen Eckel erwecken, daß sie bereit sind, sich von einem Weißbinder mahlen und ihre Bildnisse von Kopf bis zu Fuß iii seinen Holzschnitten abdrucken zu lassen. Nur der Wittwer bittet sich aus, wegen seiner gebogenen Beinen, mit dem Vrustbud zu frieden zu leyn, weilen sein Hals, der Höchstens 1 Schuh und 5. Zoll im Durchschnitt hat, an andern Orten aber kaum zwey Drittel diefts Maases beträgt, im Ernst zu sagen, zu seinem dicken rochen Kopf trestich passet. Hingegen die Schönheiten ihrer Seelen - - Genug, sie sind alle leier schon so vernünftig, daß sie wohl wissen welche eine Thorheit sie begehen würden, bcy Vermählungen auf solche nichtswürdige Kleinigkeiten zu sehen. Zu verkaufe». Ein vierradericher Rüstwagen noch wohl conditiomrt, ist um billigen Preiß zu verkaufen, wer solchen verlangt kan bep dem Verleger diests mch- rerm Bescheid erhalten. Auch sind bey dieser heil. PassonsZeit folgende erbauliche Bücher zu verkaufen: Mambach (Joh. Jac.) Wunder der bis zum Tod des Creutzes erniedrigten L-ebe, mit Kupf. 8. 30 fr. ' Grammeiich (Joh. Andr.) 40 Betrachtungen von Christi Leiden und Todt, s. Srudg. 45 kr. Hirsch und Vlachrichveit. Ts HiM (Joh.Gottfr.) PaffonsReden über die 7. Worte JEsu am Creutz, Bautzen, 24 fr. ~ ~ Burg (Joh Fr.) das eröfnete Herz des leidenden JEsu, in Passions- Andachten, Breßlau 40 fr. Marperger (Beruh.Walther) grosses Sühn- und Sündopfer des großen VersühnTags, 8. Nürnb. 1 st. 20 fr. Lütken (Franz Jul.) 4° erbauliche PaffionsPred., Gardelegen, 1 fl.zokr. Langhanß (Christi.) 40 PaffionsBetrachtungen, 8. und 1 r. Leipzig 16 fr. Arnd (Joh.) geistreiche und erbauliche Paffions- und OsterPredigten, 4. Nördlingen 2 st. Laffenii (Joh.) PaffionsAndachten, 12. Breßlau 24 fr. Busch (Petr.) edle Früchte des leidens JEsu, in 14 PaffionsReden, 4« Hanov. 4f Fr. Palm (Joh. Ge.) Betrachtungen über die 7 Worte JEsu am Creutz, 8. Hamb. 24 fr. - 5 (Henr. Wern.) JEsus Weisheit in Offenbarung seiner Auferstehung , 8. Hanov. '20 fr. Schuster, der leidende und sterbende JEsus in 7 Predigt, ausgeführt, 8. 16 fr. Ulber (Christi. Eman.) das erwürgte Lamm Gottes auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, 8. 24 fr. Em und auspassirende vom ;tcn MärziblS den 9ten März 1764. WaUtbor den zten Mrz, ein Baron, Herr von Litzow, und ein Sächsischer Commissarius, Herr Böhm, paff. von^Marburg hierdurch. SelzerThor den4ten, eine -Obristin, Frau ^Lchmidtin, kommt von Frankfurt, paff, hierdurch. wallehor den zten, Herr Major von Buseck, vom LandBataillon, paff, herein, logirk im Einhorn. - - Eodem auf dem Caff. Postwagen, ein Französischer Tanzmeister, ein Kaufmann und 2 Juden, paff, durch. Selzerrhor den ften, ein Kayserlicher Lieutenant, Herr von Flett, logirt im Einhorn. - - Eod. den 8ten, auf dem Franks. Postwagen, ein Braunschweigischer Lieutenant, Here von Löwen, und 2 Feldscheer, paff durch, Herr Capitain Sonnemann von Darmst. paff herein, log. im Einhorn. Wall- sS Mesische wöchentlich # gemeinnützige Anzeigen wall Th^r dm ?ken März, ^eit Graf von Zinkenstem, paff, hierdurch nach Frankfurt. * H ' W7 n«»wege aud) H^rn PrWtMeranttn nut denen schon hEisa^ommk- mrr ötton orenen«