Fünf und Vierzigstes Stück. Dienstags den seen Novembr. 1764. Mlt Hochfürstl. Hessen -Darmstadt! scher gnädigsten Erlaubnis. Beschluß der Abhandlung von dem Nutzen der Dichtkunst in der Religion. enn der Poet von der Liebe zu GOtt und von dem Verlangen nach seiner Gnade redet, mit welchen Empfindungen druckt er sich alsdann nicht aus: 1 Aus ganzem Herzen lieb ich dich! Nach Gnade, Vatter, dürstet mich, * , - Die meine Seele labe! ,, Die ganze Welt erfreut mich nicht! Nach Erd und Himmel frag ich^ nicht; *•- ' - Wenn ich, mein GOtt, dich habe! . Und wenn mein Herz im Tode bricht; Bist du doch meine Zuversicht, . ' Mein Trost, mein Heil, der mich erlößt! ~ Der mich im Tode nicht verstößt! Ach JEsu Christ! - : - Mein HErrl und GOtt? Mein HErr! und GOttl * ' Ein Schlummer sey mir einst der Tod! N- Und I fL Greflsihe wocheu-lrch -gemeittttZtztze Attzergett Und wer sollte sich nicht bemühen, unstrG'ch vor dem Allwissenden zu wandeln, um am Rande des Grabes noch voll Freuden und voll Entzücken ausruffen zu können: «Wie wird mir dann, o dann, mir seyn, Wenn ich, mich ganz des HErrn zu steun Z Qn ihm entschlafen werbe! 4 v ' Von keiner Sünde mehr entweiht Entladen von der Sterblichkeit! Nicht mehr der Mensch von Erde J Freu dich, Seele! Störcke, tröste Dich/ Erlöste, Mit dem Leben, Das dir dann dein GOtt wird geben! Verachte denn des Todes Graun, Mein Geist! Er ist ein Weg zum Schaust .Der Weg im finstern Thale! Er sey dtr nicht mehr fürchterlich! Ins allerheiligste führt dich Der Weg im finstern Thals! .. . GOttes । Ruh ist ; i v..: Unvergänglich! ,,1 ... ... . ; . .. Ueberschwenglich! Die E> lösten Wird sie unaussprechlich trösten. Kan man sich etwas empfindüngs vollers sind den ^)öfmWen emes Christen gemasers denken, als vieles? Jede Me benimmt mw-bte Schrecken des Toves, wenn wir sie als Christen lesen. - Und in Mich Erstaunen setzt er uns nicht wenn er. uns die Macht ttttd Vorsehung GOrstsschitVert; Wenn-er singt: G-O't ist mein Lied! . r ■ Er ist der G-Ork der Starke; * Ü!; ; Herr ist.MNM, und'grss! find seine Werke, . ' Und alle Himmel sein Gebiets . - - :) Er urck r7achrrchtm- 311 Er will und fprichts; So sind und leben Welten. Und er ge^ufvfo fallen durch sem Schelten Die H-mmel wieder in ihr nichts. Licht ist fein Kleid, Und seine Wahl das beste; Er herrscht als GOtt, und feinet Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit: Vey diesen wenigen Beyspielen könte ich es anißt bewenden lassen. Allein ich muß Sie bitten, daß Sie mir nur noch ein einziges anzufuhren erlauben Es ist ein Meisterstück des Genies und stellt uns nicht nur di- Liebe des GQttversöhners gegen die Menschen, sondern auch den Eid vor, womit er seinen himmlischen Vatter nochmals die Erlösung der Menschen auf das feyerlichste versichert. Der Erlöser redet zu seinem Vatter: Göttlicher Vatter, die Tage des Heils und des ewigen Bundes Nahen sich mir, die Tage, zu grösem Werken erlesen, Als die Schöpfung, die du mit deinem Sohne vollbrachtest. - Sie verklaren sich mir so schön und herrlich, als damals, Da wir die Reihe der Zeiten durchschauten, die Tage der Zukunft, Durch mein göttliches Scharm, bezeichnet, und glänzender sahn. Dir nur ist es bekannt, mit was für Einmuth wir damals, Du, mein Vatter, und ich, und der Geist die Erlösung beschlossen. der Stille der Ewigkeit, einsam, und ohne Geschöpfe, Waren wir bey einander. Voll unsrer göttlichen Liebe, Sahen wir auf Menschen, die noch nicht warm, herunter. Edens fertige Kinder! ach, unsre Geschöpfe, wie elend Waren sie, sonst unsterblich, nun Staub, und entst llt von der Sunde! Vatter, ich sah ihr Elend, du meine Tbränen. Da sprachst du: Laßt das Bild der Gottheit im Menschen von neuen uns schaffen! Also beschlossen wir unser Geheimnis, das Blut der Verhöhnung, Und die Schöpfung der Menschen verneuct zum ewigen Bilde! Hier erfahr ich mich selbst, das göttliche Werk zu vollenden. Ewiger Vatter, das weißt du , das wissen die Himmel, wie brünstig Mich seit diesem Entschl.ß nach meiner Erm'edung verlangte! Erde, wie ott warst du, in deiner niedrigen Ferne, Mein erwähltes, geliebtem Augemnerk. Und du, o Canan, Y y r Heili- 3 54 Meflsche Utmeittttützuge AttzeiZett Heiliges Land, wie oft hieng mein sanftthränendes Auge An dem Hügel, den ich von des Bundes Blute schon voll sah. Und, o wie bebt mir mein Herz,von süssen wallenden Freuden? Daß ich so lange schon Mensch bin, daß schon so viele Gerechte Sich mir sammlen, und nun bald alle Geschlechte der Menschen Mir sich heiligen werden.' Hier lieg ich, göttlicher Vatter, Noch von deinem Bilde geschmückt mit den Zügen der Menschheit, Betend vor dir: bald aber, ach, bald wird dein tödenv Gericht mich Blutig entstellen, und unter den Staub der Todten begraben. Schon hör ich dich, du Rechter der Welten, allein und von ferne, Kommen, und unerbittlich in deinen Himmeln daher gehn. Schon durchdringt mich ein Schauer, dem ganzm Geistergeschlechte Unempfindbar, und, wenn du sie auch im grimmigen Zorne Tödtetesi, unempfindbar! Schon seh ich den nächtlichen Garten vor mir lreaen, schon sink ich vor dir in niedrigen Staub hin, Lieg, und bat, und winde mich, Vatter, im Toves-chweiffe. Siehe, hier bin ich, mein Varer. Ich will dem allmächtiges Zürnen, Deine Gerichte will ich mit tiefem Gehör sam ertragen. Du bist ewig! ein endlicher Geist hat das Zürnen der Gottheit Und den Unendlichen furchtbar und tödtend, gedacht und empfunden. GOtt nur konnte die Gottheit ertragen. Hier bin ich, mein Vatter, Tödte mich, nimm mein ewiges Opfer zu deiner Versöhnung. Noch bin ich ftey, noch kan ich dich bitten , so thut sich der Himmel Mit Myriaden von Seraphim auf, und führet mich jauchzend, Vatter, zu deinem unsterblichen Thron im Triumphe zurücke. Aber ich will leiden, was keine Seraphim fassen Was kein denkender Cberub in tieftn Betrachtungen einsieht; Ich will leiden, den furchtbarsten Tod will ich, Ewiger, leiden! Weiter sagt er und sprach: Ich hebe gen Himmel mein Haupt auf, Meine Hand in die Wolken, und schwöre dir bey mir selber, Der ich GOtt bin, wie du ; Ich will die Menschen erlösen! Welcher Mensch, und wenn er auch ganz ohne Gefühl wäre, kan bey dieser Stelle ungerührt bleiben? Wie göttlich wird nicht der Unendliche in seiner Liebe geschildert! Wie gewaltig wird dadurch jede Emrfin- dung unftrs Herzens getroffen! Wie voll Majestät, wie voll erbarmenden Ernstes ist nicht diese Rede des Erlösers! - Doch ich will hier dem Rath des Herrn Klopstocks folgen. Die und Nachrichten. SfS Die Kritik, fa4t er: sollte sich fast nicht einlaffen, die Ursachen dieser so schnellen und so mächtigen Wirkunzengaufzusuchen. Sie sind von so verschiedenen Feinheiten, und diese haben ein so,chanmgsMig^ Ä-rhattm« unter einander/ daß <5 unendlich rst/ (i< ülle mit rXlchtrgkert zu entlD'@ö' stark sind die Empfindungen, welche die Dichtkunst m uns erwecken kann , wenn sie u»S Wahrheiten der RKion vortragt! David wußte die Vortheile, die er durch lerne erhabene Dichtkunst m der Seelen eines jeden au'mercksamen Lesers wirken wurde. Und wer hat sie gelesen, ohne diese Wirkungen emp unden zu haben ? „ SiUetii so grob auch die e Vorkheile sind, rie der Dichter n. der Re- lizson stiften kann, und so sehr es auch die Off-iibarung billigt und von ihr b-soklen wird, in derselben zu dichten; so unmerkbar geringe ist doch die Anzahl derer, die ihr Genie den gütlichen Lchren »nd Empfindungen der R-ligior widmen Denn den wenigsten ist eb -ine heilige Pfiicht, die vorkrefiichen Wchrbeitea derselben ausjudreiten und andem deutlichere Begriffe davon beyzubringen, als sie gemeinigstch haben ! Man beki achte nur einmal die Gegenstände der grösten Dichter. Smd sie liicht meistentheils ihrer erhabnen Vorstellungen und entrückenden Begeisterungen unwürdig? ntnia erheben sie einen Monarchen der bcy allen feinen Grausamkeiten bey- uahe weniger als ein Mensch ist, ju einem GOtt. Bald nwblen 6e bet: sntsezlichsten und unmenschlichsten Tyrannen -IS den gr-n-niuthigsten und meistchlistreundlichsten .friden. Bald fiieien sie in Dankbarkeit zuiamnren, »Inn sie ihren reichen Gönner schildern, der dock ost weiter nichts vorziiz- S an sich hak" al« daß er jeden Lobipruch »euer bezahlt, Bald lieget: sie entrückt vor einer Geliebten, deren Reize unter ihrem Singen verblühen. Bald loben sie die Wollust als das höchste irrdische Gluck. Bald rasen ste mm Preise des Bacchus. Welche unwürdige Gegenstände eines gross» Geistes, der so geschickt wäre, die Thaten seines Schöpfers zu verkündigen und dis Menschen zu dankvaren Empfindungen gegen denselben anzuseuien. er d; will anijk nicht die Ursache untersuchen. warum sich die Poesie so sehr weit von ihrem ersten Ursprung zu ihrer grösten Schande entfern: hak. Al- lein dieses ist doch gewi«, daß man es zu den Zeiten Davids nicht wie heut ^a8, für fanatisch hielte, wenn man nur von hmmlischm und ewigen Geaeiistanden dichtete. Die Dichtkunst war dazumal blos den göttlichen Wahrheiten und dem Lobe des Uiiendlichen geheiligt. Und sind wir dann weniger verbunden, «IW jur Ausbreitung unftsr Religion anzuwenden, al« ty y ♦ 5s6 Gl'efiscke wöchemlich-Mmer'uußtzise Attzeigtit Ravitz Haben wir Dann izt den Schöpfer nicht mehr, dessen Allmacht -Men David in Erstaunen setzen konnte? Haben wir Dann anijt keinen (5Ot mehr, der voll Gnad'e^md Erbarmung ist, der uns, die Rebellen seines Rercks, durch seinen eignen Tod erlößt hat; und darf dann dieser niM unser Lobgesang seyn. Und dürfen wir ihn Dann nicht mit entzückcn- deu Empfindungen anbeten ? Und dürfen wir Dann nicht alle unsre Kräfte L wir ihm doch nur allem zu verdanken haben, seinem schuldigen Dienste w'vden? Oder ist es nicht vielmehr unsere erste Pflicht, die Wunder seiner Liebe au erzählen? Warlich ein Mensch, der Die Ausübung dieser Pst.cht für Schande hält, ein Mensch, Dem es gleichgültig ist, ob seine Brüder würdige oder unwürdige Begriffe von GOtt haben, ein Mensch, der nicht ferne eigene Glückseligkeit in Den Uebungen seiner Religion sucht, ein sol- chtt Mmsch ist nicht werth, eine unsterbliche Seele zu Haden. XXV Rächst!. Ein Etwas das nicht viel jünger ist als die Schöpfung; eines erhabenen Ursprunges, das sich mit Dem menschlichen Geschlecht immer ausge- breitet und vermehret hat. Das Wohl der Gesellschaft verlangt es, und feie meisten vernünftigen Geschöpft suchen es; und doch, eben so klein die Anzahl deren ist, die es verachten, so gering ist die Menge Derer, die ihm au/ edlen Absichten nachtrachten. Merkrnürdig ist es, daß eine Person allein es nicht erlangen Fann. In seiner Kindheit hat es tausend fache Reize, Die oft schon in feiner Jugend verblühen und selten sein Alter noch schmücken. Wir setzen uns Den grösten Gefahren aus , wir übertrerten nicht feiten die göttliche und menschliche Gesetze, wir achten keine Mühe, nicht die härtesten Arbeiten, um uns seiner zu bemächtigen; aber kaum sind wir in seinem Besitze , wir lernen seine geheimen Mängel kennen, Die wir in der ferne nicht wahrnahmen, Die Geschöpfe, welche in seinem Gefolge sind, werden uns zur Last: so wünschen wir befreyt zu seyn; wir seufzen, wir klagen, vergebens! Denn mit Diamantnen Fesseln ist es an uns geschmie- bet, und Die Klagen würden nie verstummen wenn sie nicht zuweilen Die Hany eines Höheren, oder oft Der hülsreiche Tod abtrocknete. Zu verkaufen. David Mevii Commcntarius ad J. Lubecenfe, foL ; Chrifti. »Hb VU&xifottit« Ul Chrifti. Wildvogdii Confilia, Jen« 1717* Wurmferi & ab Epping Obfervationes pra&icae, £ol Bafil. iffr Chr. Phil. Richteri Declfiones, Er5. 1689 . . , - Vehtationes Academic«, Jen« 1667. .2,) Joh. Antonel Tr. de tempore legal! „ Jen« 1670 Cafp. Klockii de aerario c. n. Pe-Ueri, Norib. 1^71 Ahasv. Fritfchii Opufcula varia 11. Tomi, Norib. 1751 । - naärn&t. »4 biete# r foö bic ttfk btv hiffb-’n kotten'/gezogen werden • wer Belieben tragt sich dieser fävorablm S;"S«Äb^ A.sgeoem dich« unö r-l. b.» »um eftwembr. «IM». Dir HmiaAe jur «-ste» Gasse ist > fl. tr. Ein und «uspafslttttde vom zTftttt GctSdr. bis den rttn N^ptzmbr. 1.764. ximw-Serchsr den 17. Octobr. Herr Fandrich vsn Wieg-r, von Jh- kv Durchl. Prinz Georgen Regime pass, herein. Walltbor den zg. die Frau von Mglsdurg passrtn von Marburg nach Franks, durch. : v»AxuLt den Auf dem CaMchm Postw. Herr B-ron von Bon- : . j0;r, «in Tammerdieuer ton Ihrs Durch!- ErbPrmz von Cassl, und , Frauenspersonen, paff--durch. WaAX L den 30. 1 Sfficur Hrn. von ©ficfM-, der eine von Preu^ sen ^und der andere von -NsseEWlischen Trouppen, kommen von sTDdrbUTCl / -püssi durch. .' "Eod ein Hessscher Lieutenant, Herr von Buseck, paff, herein. ' Eod. zfr Giesische wöchemlich- Zrmeümutzige Attzer'-e« Eod. ein Feldschcer, Herr Neuling von Jhro Durchl. Derrn ErbPrinzm von Darmstadt LeibGrensdierGarde, paff herein. Selzcrchor den zc> Oct. euf dem Franks. Postw. ein Hannövrischer Lieutenant, Derr Villone, und em Hessischer Lieutenant Herr Greder, nebst 7 Kgufieuthen, paff, durch. Wattchor den z r. ein HeffenCaffelischer CammerJunker, Herr von Lin- denbruck, paff, durch. Vleustädterchor den zi. Herr ObristLieutenant von Düring, paffirt durch. Selzerchor den i. Nov. eine Prinzess, von Waldeck, paffirt herein und sogleich durch. wattrhorden i. ein Kayserkicher ReichsFiscal, Herr von Heklerm, pas- sirt von Wien herein, und sogleich durch. Selzerchor den i ten, Herr Nimmich, OberCammerR-th von Wetzlar, paffrt durch. Gebohren und getauft. Am rz. Octobr. Iohannetta Elisabctha, Johann Dieterich Pausch, Müllers in der neuen Mühl allhier, Töchterlein. Am zo. Oct. Maria Elisabetha, Johannes Planck, Bürgers und Weißgerbers allhier, Töchterlein. Am i. Novembr. Johann Adolph, Ludwig Henrich Lony, Bürgers und Metzgers allhier, Söhnlein. Verstorbene. Am 24. Octobr. Margaretha Elisabetha Cgrolina Philippina, Herrn Christian Gottfried Dietschen, Notarii Caefarei allhier, Töchter!. Am z. Novembr. Wiühelmine Louyse Helene, Herrn Ludwig Gottfried Mögen, ProfefToris Hiftor. publ. ordin. und HofNaths allhier, Töchterlein. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger, Univci‘frtatsBuchHändlern hieselbst, an die Herrn Liebhaber gegen i Rthlr. halbsahrrge Pränumeration geliefert. Einzelne Dogen werden für 4 Fr. auögege- ben. Man wird arrch den Herrn Pranumeranten mit denen schon helausaekomme- nen stucken dienen. .