wöchentlich- C /» / i Drcy und zwanzigstes Stück. Dienstags den ftcn Juuü 1764, Mit Hochfürstl. Hcssm-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis. Abhandlung von dem XX?ertb der alten Gesthtchee der vdrrgen Zeiten/ in der teutfcbcn Gesellschaft zu Giestn bev der Aufnahme eines neuen Mitgliedes vdrgelefen. AA^ie meisten Wissenschaften, die den Verstand des feinem Theits der Welt beschäftigen, sind seit ihrem ersten Ursprung durch die man^ nigfalügen Erfindungen einsichtsvoller Männer so sehr ausgebreitet worden, daß sie itzt der eingeschränkte Geist des Menschen nicht mehr mit einem Blick auf einmal übersehen kam Man hat deswegen, um unserer Schwäche zu Hülfe zu kommen, nicht nur in dem ganzen Reich der Wahrheiten, sondern auch in einer jeden besonder» Provinz derselben, viele un- verschiedene Theilungen veranstalten müssen, durch welche der Freund der Wissenschaften in den Stand gesetzt wird , sich vermittelst seiner Betrachtungen über einzelne Stücke nach und nach eine Erkenntnis von dem Gan- )en einer jeden Disciplin zu erwerben. Dich Eintheilungen waren in solchen Wissenschaften schon unentbehrlich, die in ganzen Jahrhunderten ost tzlM mit wenigen Erfindungen bereichert werden. Wie viel unentbehrlicher 3 muß- *76 Gresisthe wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen mußten sie nicht in der Geschichte seyn, die nicht etwa in Jahrhunderten, Andern täglich ihre Grenzen erweitert sieht. Das glücklichste Genie, das sich m das unübersehbare Feld der Historie wagt, kan ein ganzes Menschen Alter hindurch nicht müssig seyn, wann es in demselben tiur die fruchtbarsten Gegenden völlig durchwandern, und in den noch unbebauten G HlDen nur die merkwürdigsten Blumen brechen will. Aus dieser Unmöglichkeit, die Geschichte in ihrem ganzen Umfang zu durchforschen, entstunden in dcm Vortrag derselben ungemein viele Eintheilunaen, die jederman bekannt find. Ob man zu viele, zu wenige; ob man die natürlichsten, die richtigsten Abtheilungen gemacht hat, darüber will ich itzt nicht urtheilen Ich will Mich nur einigermasen über die Frage erklären, ob man den Werth eines jeden Tbeils der Geschichte gehörig bestimmt, oder gewisse Theilevon ihr zum Nachtheil der übrigen mit übertriebenen Lobsprüchen erhoben habe. Ern gewisser verdorbener Geschmack, der in unfern Zeiten sehr gemein wird, überzeugt mich, daß das letztere nur allzuoft geschehe. Man bemühet sich um die Wette, die Geschichte der neuern Zeiten auszubreiten, und ihre vorzügliche Brauchbarkeit aus vielen Gründen anzupreisen. Man setzt sie ungemein weit über die ältere Geschichte hinaus. Man behauptet bisweilen gar die völlige Entbehrlichkeit der letztem, oder man bildet sich doch wenigstens ein, daß für alle Gattungen von Gelehrten die seichteste und eingeschränkteste Kenknis derselben schon hinreichend sey. Diese Vormtheile gründen sich entweder auf eine gänzliche Unwissenbeit in der Geschichte der vorigen Zeiten; oder auf eine gewisse Art von gelehrter Trägheit, die sich vor dem schwereren Unterricht todter und fremder Lehrer fürchtet; oder vicl- si'icht auch auf eine unvernünftige Neubegierde, die eine edlere Befrsi diaunq in der Erforschung vornehmer GeburtsTäge zu finden glaubt, als in der Betrachtung der nachahmungswürdigsten Cbaractere, die uns die Meister, Hände der Griechen und Römer von den grösten Männern des AlterthumS gezeichnet haben. Ich will eben nicht behaupten, daß die ältere Geschichte einen Vorzug vor der neuern verdiene. 'Vielleicht kan man, wenigstens m einer gewissen LebensArt, dm pragmatischen Nutzen der Historie leichter «ns dieser als aus jener ziehen. Aber wann nud) dieses ganz allgemein wahr wäre: so würde man doch der ältem Geschichte dön groseN Werth mM absprechen können, den ihr das vernünftige Urchril der zuverlässigsten Ken- stek ettheilt. Man muß nur bey dieser Untersuchung den gegründeten Un- tttschiev mchr vergessen, den Mn zwischen der ältern Geschichte der sori- gen und Nachrichten- 177 Zen 'Zeiten , und zwischen der altern Geschichte der noch itzt / blühenden Reiche und Staaten macht. Die altere Geschichte von Schweden z.E. von Pohlen, Rußland u. s. w. ist freilich für die meisten Gelehrten nicht erheblich und brauchbar genug. Man we-ß hiervon genug, wenn man nur so viel gelernt hat, daß man daraus die ncuereBegebenheiten und die itzige Verfassung dieser Staaten verstehen kan. Aber wird man dieses auch von der altern UntverfaWston'e mit Grunde behaupten können? Wird man ebenfals die Zulänglichkeit einer so geringen Bekanntschafft Mit der Gejchichte des Volkes Gottes, mit der Geschichte Griechenlands, Roms und des Christenthums zn erweisen im Stande seyn? Wenn man nur bedenkt, daß der Werth einer Geschichte besonders von dem Betrachtungswürdigen der Dinge abbangt, die sie zum Gegenstand hat: so wird man gewiß nicht an der Vortrchchkeit der alten WeltHstorie zweifeln wollen. Dann was kan die Betrachtungen eines nachdcnkendcn Geistes mehr verdienen, was kan sie würdiger unterhalten, als die Schicksale des israelirischett Volks, und die Begebenheiten der Christen, diese Begebenheiten, welche mit den herrlichsten Thaten des Allmächtigen durchfiochten sind? Welch eine erstaunende Menge der glorreichsten Unternehmungen; welche erhabene Verspiele eines wahrhaften und nicht blos von dem täuschenden Rufe erhobenen Heldenmuths, was für kluge und weise Veranstaltungen der tiefsinnigsten Staatskunst, was für reizende Gemälpe der Gerechtigkeit, der Mässigung, der Menschenliebe, der Standhaftigkeit, der patriotischen Treue, kurz aller Arten von Tugenden enthält nicht die Geschichte der Griechen und Römer? Wie erfüllt ist nicht die Historie aller verblühten Reiche des Al- terthums mit den wichtigsten Staatsveränderungen, und beinahe unglaublichen Revolutionen, die so fruchtbar an Grundsätzen für den Staatsmann find, der sie mit Aufmerksamkeit untersucht? Äusser diesem Betrachtungswürdigen der alten Geschichte spricht noch für ihren grosen Werth hauptsächlich die Würde der berühmten Männer, welche uns diese Begebenheiten geschildert haben. Man begreift leicht, daß die Erzählung merkwürdiger Staatsveränderungen und heldenmüthiger Thaten weit vortreflicher seyn müsse, wenn sie uns von Personen geliefert wird, die selbst StaatsMänner und Helden waren, als wenn sie von der Feder akademischer Lehrer entworfen wird. Diese Männer können brauchbare und vevehrungswürdige Einsichten besitzen. Sie können sich richtige Begriffe von der Politick erworben, und rhre Grundsätze oft und fleisig durchgedacht haben. Und dennoch Z 2 werde« 178 Gl'esisch« wöchentlich < gemeittnAyrg« Anzeigen werden sie »ft i» i>w Beurtheilung der Anschläge, der Ausführungen, der Erfolge wicht^gek »Handlungen irren, weil es ihnen an einer vrackischen Staatskunst fehlt, weil sie den Mangel einer auf tausend Erfahrungen ge- -ründ-ken Krreg««lugheit fühlen, di- oft aus den geringsten' Lagen der Dmge die surkrcfiichsten Stratageme erfindet. Wenn ich also die alte Ke. schichte aus diesem G-schichkSpuncte betrachte: so behauptet st- nicht nur «men sehr grosen Werth, sondern auch einen ganz ausnehmenden Vorzug r»r den meisten neueren Geschichten. Vielleicht ist Friedrich ein gröserer Held und auch ein gröscrcr Geschichtschreiber, als Cäsar war. Aber wann Deutschland in vielen Jahrhunderten vielleicht nur -inen Büiiau, Frank, "ich nur einen Sossvct/ nur einen Fleury, Rußland nur cinenLayer, und die Niederlande nur einen Grotius aulzeigcn, und sich rühmen können, daß ihr- Gefchichtichreiber zugleich StaatsMänner waren: so kan man auf der andern S-it-sagen , daß Griechenland und Rom fast immer eben so viel G-fchchtschr-iber als Helden und SkaatsMänner zählt. Känie eö auf genauere Vergleichungen an; welcher heutige Geschichtschreiber würde mcht s-,ne Schwache gestehen, wenn man ihn einem Thucydides, Xeno. phon, Ctesias, Polybius, Hirkius, Dionysius, Sallustius, NepoS, Livius, Tacitus oder Suetonius an die Seite setzen wollte» Jederman weis die gegründeten kobsprüche, welche die grösten Gelehrten den verewigten Meisterstücken dieser verehrunswürdigen Männer zu allen Zeiten crtheilk haben. Polybius ist der keibAutor des Weltweiscn von SansSouci, der -rielleicht allein genug ist, ihn zu übertreffen, oder ihm wenigstens gleich zu «erden Und Vie besten Kenner der Geschicht« haben die Jahrbücher des Tacitus vor die lehrreichsten Systeme der Moral und Politick, und vo, die richtigsten Abbildungen des menschlichen Herzens erklärt. lL Blos durch diese Vorzüge würde sich die alt- Geschicht- i-dem weisen Liebhaber der Wissenschaften auf das beste empfehlen, wenn sie auch kein weiteres Verdienst hätte. Aber sie verdient noch um vieler andrer Ursachen willen die Hochachtung des Gelehrten. Ich will davon nicht reden, daß der moralische Redner und Dichter durch die erhabnen Beispiele, die er aus ihr hcrnimmt, seinen Arbeiten den prächtigsten Schmuck anlegen ka». Ich will daran Nicht gedenken, daß ohne die Kentnis der altern Geschichte di« bewundernswürdigsten Meiste: stücke der Mahlcrey und Bildhauerkunst gar nicht berstanden werden können, und daß man ohne die Vekantschast mit ihr rmd V7achrichtett. -7- ihr das unauOrechliche Vergnügen entbehren muß, das uns die Poesie überhaupt, und besonders die Tragödie gewähren kan. Ich will sie nue noch von ihrer würdigsten Seite zeigen/ auf der Seite/ auf welchen sie der christlichen Religion einen unbeschreiblichen Nutzen leistet. Wann man die StreitTheologie nur von weitem kennt, so muß man wissen/ daß die wichtigsten und stärksten Einwürfe der Deisten nur aus der alten Geschichte gehoben werden können. Wenn Toland, Lorlms, parvisch und andere Spötter Widersprüche in den Wahrheiten der Offenbarung und Vernunft zu entdecken glauben: so sind ihreTraumereyen meistentheils auf so wankende Gründe gebauet, daß sie jeder ohne Mühe zu Boden stürzen kan, der die Grundsätze der Weltweisen nur einigermasen durchgedacht hat. Aber wann Toland Vergleichungen der biblischen und ProfanGeschichte anstellt; wann er in den historischen Büchern der Heil Schrift allenthalben Unrichtigkeiten , allenthalben Widersprüche mit den Erzählungen der griechischem und römischen Geschichtschreiber anmerkt: dann Hilst alle unsre Philosophie nichts; dann muß der Theolog aus veralten Geschichte, womit er bestritten wird/ die Waffen hernehmen, wenn er siegen will» oder er muß Toi kandeu erlauben, daß er über ihn und über die ganze Religion triump'yiret. Ich weiß wohl, daß es Leute gegeben hat, die eben daraus den Schaden der alten Geschichte herleiten wollten, weil sie eine so ungeheure Menge von Einwürfen gegen die göttliche Offenbarung veranlasset hätte. Aber diese Leute haben gewiß nicht bedacht, daß eben diese alte Geschichte auch die Widerlegungen dieser Einwürfe enthält, welche der verwirrte Schrift- Spötter aus ihr herzunehmen glaubte; daßprrdeaux,Shukford/ Mlos- heün/ Baumgarten und andre Verfechter der geoffenbarten Wahrheiten die herrlichen Siege über die Feinde der Religion nimmermehr erfochten haben würden, wann sie sich nicht mit einer gründlichen und weitläuftigen Erkentnis der alten Historie wider sie hätten rüsten können, rc. rc. Für die BlumeriLr'ebhaber. Aus denen Langensatzer Sammlungen öconomischer Anmerkungen, so Anno herausgekomnren/ wollen wir denen BlumenLiebhabem 3 3 in i*8® Giefifche w-cheutlich -- gemetnrrützige Anzeigen zu gefallen, ein Mittel wider die Würmerchen, welche aus alten verweßtem Miste zum Vorschein kommen, und der Blumen Flor sehr schädlich sind, mittheilen. Ein Freund war begierig eine schöne Balsammen * Flor zu hoben, t)em me nohm er aus einen alten verfallenen Stalle, wo vor mehr als w 3ahren Rind- und SchaafVieh gestanden, einen grossen Therl verweßter MistErde, diese vermengte er mit einen Theil schwarzer GartenErde und (Land, worein er denn die jungen Wanzen setzte, welche auch eine Zeitlang nach Wunsch wuchsen. Auf einmal aber fingen sie an von untenherauf gelb zu werden, und zu verwelken. Dieses eiwcckte bei) Begierde die wahre Ursache dieses Unfalls zu entdecken, und fand, als er die Erde in den ersten Topf eröfnete, eine erstaunende Menge lebender Wurmerchen von mehr als einen Geschlecht. Sie waren nicht grösser denn etwan z neben einander gesetzte Stecknadel Köpfe, einige mit vielen Beinen, ewige dem Ansehen nach mit gar keinen, einige ganz weis, einige grau, und emrge hellröchlich. Dagegen er denn nachfolgendes Mittel gebraucht: . Ach nahm einen guten Theil alten Ruß aus dem Camin, that ; gute Handevoll klerngeschnittenenWermuth hinzu,und ließ solches eineWeile un- teremander vermenget in einem grossen Kestel, der nach Proportion derer Specierum mit hinlänglichen Bachwasser angesiillet war, kochen, bis ich ' bitfern und salzigten Theile des Ruses und Wer- muths hinlänglich ausgezogen waren. Mit dieser Brühe begoß ich, nach peni sie ganzlich erkaltet, meine Stöcke des Morgens und Abends, den Mittag darzwischen aber ließ ich solche jedesmal mit reinen Bachwaffer wie. der abspuhlen, und wurde, da id; solches nur zwcymal angetrieben, ein Tvdschlager mlex tausend lebendiger Einwohner der Eiden, indem ich den nachmahger Eröfnung meiner BlunienScherben, nicht das qcrinalre, so einem Wurme gleich gewesen, antreffen konte. Dieses Gusses Habelch mich g?mW&‘,S«nTW’' f° U"6 ben ^^mTüßfen schädlich Neue und V7achrichtes4. rri neue Bücher. Müller (Joh.Din.) die wahre Glückseligkeit ein Lehrgedicht, in vier Gesängen , 8. Giessen 1764, 16 kr. Dittelmair (Joh. Aug.) vermischte Abhandlungen aus allen Theilen der Theologie, 3 Samml. 8. Nürnb 17^7. 42 kr. Hoffer (Joh. Beruh. Beyträge zum Policeyrecht der Teutfchen, gros r. Leipzig 176^. 48 kr. Spörl (Volckmar Dan.) vollständige Pastoral «Theologie, gros r. Nürnberg 176/. 1 fl. 20 fr. die Kunst der Gedult aus dem Englichen 8. ibid. 17^4. 24 kr. Niederer (Joh.Barthol.) Nachrichten zur Kirchen- Gelehrten-und Bücher- Gesch-chte, 3 Stücke, 8. Altdorf 1764. 48 kr. Eiri und auspasfirende t>om itttn bis den itett Inntt 1764. Gelzerehov den i<. May, ein Französischer Capitain vom CavallerieReä giment Conde, Mr. Castinier, paffirt herein, logirt int Posthaus. wallehor den 27. in der Sperr herein, ein Caffelicher CammerJunker, Herr von Molk, log. im Posthaus. - ♦ den 28. ein Dänischer Lieutenant, Herr v. Muck, paff, durch, WO ein Caffeli scher Hofrath, Herr Blum, paff herein, log. im Posth. Selzerehor den 28. ein Königl. Preussischer Lieutenant, Herr Scheuerer, paffirt von W'tzlar hierdurch. « den 2^. ein Darmstädtischer HusarenLieutenM, Herr Schönwald, logirt im Einhorn. p)aUrhor den 30. Herr R. Rath Panzerbieter, von Darmstadt, und Herr CWMttRach Musculüö, log. im Posthaus. Wall- D>ese wöchentliche An,eigen werden von dem Serieller ^odann atfiilm» <■- ?».t """"kAntsBuchhLndlern hicselbst, an die Herrn'kiedh-bcr awen , Mk r halbiahrige Pranumera-ion geliefert. Einjelne Dogrn toerben für 4 S/i äu6a<«« be“^rrrn PrSnuMmnten mit denen schon H««ü0gei°m,ne- i) Verehlichte. Situ r r May, Johann Moritz Decher, Schäfer aklhier, Andreas Dechers Schäfers aWer/cheleibricher Sohn, und Anna Maria Schäferin, Johann Philipp Schäfers, Gemeinsmanns in W-sseck, eheleibliche : ^VVy»Vr» 122 Siestsche wöchentliche gemeinnützige Anzeigen Mallthdr den zo. auf dem Caffelischcn Postwagen/ ein Lieutenant vom Regiment Diesbach, HerrSchabolle, und z. Studenten/ passiren durch. f H Gelzerehor den zv. ein Kayserlicher Lieutenant, Hm Attinger/ kommt von Fnedberg/ logirt im Einhorn. r) Gebohrne und getaufte. AM 27. May, Johmmes/ Johann Melchior Nolls/ Bürgers und Fuhrmanns allhrer / Söhnlein. 211,1 'st^s'aichA" Schnl-?n/ 5DanM S3wt'5Sürfl