Wteslsche wöchentlich- gemeimüßigt Knzcigen ML Mchrtchteli. Vierzehmdes Stuck. Dienstags den 3. April 1764. Mit Hochfürstl. Hessen - Darmstälnschrr gnadigstrn Erlaubnis. was ich kann und was ich nicht kann. I^ein Vetter will, ich soll studieren, dst) Ein Lebeil wie ein Weiser führen, ,e>v Und mit der Tugend Glanz mich zieren: Wie gern geh ich das ein! Doch ewig an dem Pulte sitzen, Nur bey den toden Büchern schwitzen, Und nie bey meiner Doris sitzen? Das, Vetter, kann nicht seyn. Entfernt von der Verschwender Schaaren Soll ich mit aller Sorgfalt sparen, Nie ohne Noth spazieren fahren: Wie gern geh ich das ein! o Doch io4 GLestsche wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen Doch wenn die Brüder Schlitten sichren, Sollt ich allein, ich Armer, sparen, Sollt ich nicht auch mein Mädchen fahren? Das Vetter kann nicht seyn. Wie Gift soll ich die Spiele hassen. Die Eingeweide meiner Caffen Nie bey Taroc und Lember lassen: Wie gern-geh ich das ein! Doch wie ein Drach, mein Geld bewachen, Mein Zimmer mir zur Wüste machen, Nie bey Musik und Weine lachen? Das, Vetter, kann nicht seyn. Die Vorgesetzte soll ich ehren, Wenn sie mich warnen, sott ich hören, Und willig thun, was sie mich lehren. Wie gern geh ich das ein! Allein auch dann noch zuzuhören, Wenn sie verjährte Possen lehren, Und mir des Denkens Freyheit wehren.? Das, Vetter, kan nicht seyn. Ich soll mich vor den Schlagereyen, Ja vor den kleinsten Zänkereyen Wie vor dem Teufel selber scheuen: Wie gern geh ich das ein! Doch wenn mich kühne Thoren schmähen, Wie eine Memme da zu stehen, Und wie ein Haase durchzugehen? Das, Vetter, kann nicht seyn. Durch rmd Nachrichten. 105 Durch niederträchtige PasquWn, Sol! ich nie meine Rachsucht stillen, Soll mich in meine Tugend hüllen; Wie gern geh ich das ein! Doch wenn die Narren triumphircn, Sie nicht in bessernden Satiren Zum Schrecken andrer aufzuführen? Das, Vetter / kann nicht seyn. Ich soll stets nach der Klugheit streben Und ihm von meinem ganzen Leben Oft unverfälschte Nachricht geben: Wie gern geh ich das ein! Doch jetzt will ich mein Mädchen küssen. Muß dieß denn auch mein Vetter wissen? So thörigt wird er ja nicht schliessen. Das kann durchaus nicht seyn. Wir haben endlich die Antwort des Herrn AnchropophLls auf den Brief der Frau Modestine erhalten. Wir befürchtete^ gleich anfänglich , daß die Errettung ihres Mannes unmöglich seyn würde. Und unsere Furcht war nicht ungegründet. Die arme Modestine! Sie verdient aus einem doppelten Gründe unser Mitleiden. Herr A. spricht ihr nicht nur alle Hofnung ab, sondern ausert sogar ein Mißtrauen wider ihre Aufrichtigkeit. Hier ist ein Auszug aus seinem Briefe: "Erwarten Sie kein Recept vor den Mann der Modestine. Ich "erschrack über das entsetzliche Bild/ das diese Frau von ihm mach- ’’ te. Das sind nicht Züge eines verdorbenen Menschen: Das sind "Züge eines Ungeheuers. Eher hatte ich es übernehmen wollen, "denPhylax in der Fabel zu heilen, als diesen abscheulichen Scla- ' O2 - ven io6 Giesische wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen. "vcn des Geitzcs. Wenn er existirt: so mag nur Modestine das ”conclamatum eft über ihn rufen. Zuchthäuser werden ihr Le- "ben vor ihm sichern ; aber keine Knust wird diesen Unmenschlichen "menschlich machen können. Ich habe gesagt, wann er existirt. "Diesen Zweifel giebt mir meine Hochachtung gegen das mensch- "liche Geschlecht ein. Ich glaube nicht, daß eine solche Staffel "in der Leiter der menschlichen Thorheit ist, auf welche Mode- "stine ihren Mann gesetzt hat. Vielleicht hat die gute Frau "im Affecte geschrieben, und im Affect, weiß malt wohl, ist "nichts geschäftiger als die Einbildung^- und Dichtungskraft. "Vielleicht ist auch die ganze Schilderung eine Satire, in welcher " die besondere Züge einiger Originale in ein einziges Gemählde zu- " sammengeflossen sind. In beiden Fallen ist der Kranke von der "Phantasie hervorgebracht worden, und vor dergleichen Patienten "erfindet auch die Phantasie Reeepte, aber nicht die Vernunft. "Die Menge meiner Geschäfte erlaubet mir nicht, Ihnen auf "jede besondere Nachricht von den Umstanden eines Thoren so- "gleich besonders zu antworten. Wenn Sie noch ein Vertrauen "auf das setzen, was ich von mir gesagt habe : so lassen Sie nur die "Umstände Ihrer Patienten nach und nach in ihren Anzeigen er- "scheinen. Ich werde auf ihre Errettung sorgfältig bedacht seyn, "und wann eine gewisse Anzahl derselben erschienen ist: so werde "ich Ihnen auf einmahl ein ganzes Register von Recepten für diese "Hüsssbedürftige übersenden. Nur müssen es noch menschliche "Narren seyn. Dann wider die unmenschliche, und wider den Tod ------ non eft medicamen in hortis. IJ. s. w. Würden wir uns nicht übereilen, wenn wir den Herrn A. wegen dieser sehlgeschlagenen Cur verurtheilen wollten, da er für die Unmöglichkeit derselben so gute Gründe angegeben hat? Eingeschickte Anmerkungen. In dem 6. Stück der Giesischen Anzeigen ist auf der 45sten Seite folgende Aufgabe zu finden; Wo und Nachrichten. 107 Wo steht in corpore iuris romani das Pater d?ofter?Jch antwortete auf diese Frage in einer gewissen Gesellschafft: nirgends- Einige junge Juristen rächten über mich, und schlugen mir, um mich auf der Stelle zu widerlegen, in den Pandecten und anderswo verschiedene Gesetze auf, deren Anfang Pater nofter heißt. Nicht doch, erwiederte ich, man will ja in der Aufgabe nicht wijfin, wo im corpore iuris die Worte Pater nofter, sondern wo das Pater nofter, das Gebät der Christen, stunde. Suchen sie mir dieses, wann sie können? Die jungen Juristen schwiegen hierzu still, und hörten auf zu lachen, sollten folgende Aufgaben keinen Platz in ihren Anzeigen verdienen? 1) Warum hört ein Frauenzimmer, das Schönheit und Verstand besitzt, lieber den Lobspruch der Schönheit als des Verstandes? 2) Sollten nicht die Manns - Personen selber Schuld haben, wann sich das andere Geschlecht so wenig mit der Gelehrsamkeit ab- giebt ? 3) Wenn die Zuneigung zweyer Personen von verschiedenem Geschlecht eine blose Freundschaft bleiben soll, was für Eigenschaften müssen diese Personen haben? 4) Wer ist glücklicher, ein Hagestolz, der aber männliche Freunde hat, oder ein andrer, der keinen einzigen männlichen Freund besttzk, aber dabey von vielen Frauenzimmern um gewisser äusserlicher Umstande willen geliebt wird? 5) Warum unterstes Commodus, der doch unter den römischen Kaisern das schrecklichste Beispiel einer unmenschlichen Grausamkeit war, die Verfolgung, die sein Vatter, Antonin der Philosoph, über die Christen hatte ergehen lassen, ob er gleich sonst ein wahrer Menschen- srcund war? 6) Ist die Verordnung, die der weise König von Preusen in Ansehung der Proteste gemacht hat, Durchgängig und allgemein practi- cable? , 7) Sind die Gründe für oder wider den Gebrauch der Folter die stärksten? O 3 8) Wor- io8 Giesische wöchentlich - geuremnützige Anzeigen. 8) Worauf muß man bei dem Unterricht der Jugend in niedern Schulen die meiste Sorgfalt wenden/ auf-die Bildung ihres Herzens/ oder ihres Verstandes? 9) Sind die Stutzer von Profession um der Schneider willen/ oder sind die Schneider um der Stutzer willen vorhanden? Ronymus Branda. Sollten nicht einige unter unfern Lesern eine angenehme und fruchtbare Beschäftigung in der Auflösung dieser Aufgaben suchen? Wir wurden uns ein Vergnügen daraus machen, wohlgerathene Entwickelungen dieser Puncte in unfern Anzeigen mit den Lobsprüchen zu begleiten, die sie verdienen. Zu Gelehrte Nachricht. Um auf unsrer Academie philosophische Vorlesungen halten zu dürfen, erschien Herr M. Johann Henrich Weisman, am 29. Marz auf dem philosophischen Catheder, und verteidigte ohne Vorsitz eine Streitschrift de fäpientia miraculorum non convincennum. Er redet besonders von deri sogenannten auserlichen Wundern, welche in der Absicht von GOttgethan wurden, die Welt von der Göttlichkeit der christlichen Religion zu überzeugen. Jedermann weiß den Streit, den Anton Collins Uiid andere Naturalisten über diese Materie erregt haben. Der Gegenstand der Dissertation war also interessant genug. Nur Schade, daß es die Absichten des Herrn Magisters nicht erlaubten/ihn umständlich abzuhandeln. Er hat blos die Einwürfe der Gegner H 3 4 5. 6. aus Lelands bekannten Abriß der deistischen Schriften berührt, mid mit gleicher Kurtze in einigen folgenden Paragraphen die Quellen schöpfen hat^ mqU Widerlegungen dieser Einwürfe zu und Nachrichten. 109 Zu verkauften. Gebundene Bücher. Fritfchii (Ahasv.) Confilia, foL Frf. 1629. item Argeli, de legiti- ma contradi&ione, Col. 1662. 2. fl. Bartholi, Commentarii & Confilia, 6. vol. fol. Lugduni 1547. edi- tio nitida fub figno Leonis. 9. fl. Pauli Cafirenfis Commentarius ad J. Civilc, 5. vol. Lugd. 1576. 4. fl. 30. kr. Hagelganß, Naßauisches Geschlechts - Register des Walramischen Stammes, fol. Frf. 175z. i.fl- Farinacius Profp. de Teftibus, fol. Frf. 1606. 2. fl. ’ z Gebauer, Grundriß der vornehmsten Reiche und Staaten, 4to Leipzig 1738. 1. fl.20.fr. Bekanntmachung. Es sollen künftigen Donnerstag den 5ten Aprill, in der Frau Hofrarh Müllerin Behausung in denen Neuen - Bäuen, verschiedene brauchbare Bücher, mathematische Instrumenten, einige Kleidung und Weiszeug, eine Jagd-Flinte nebst zwey Jagd-Taschen und mehr dergleichen Hausrath öffentlich verkaufet und an den meistbietenden überlassen werden. Diejenige nun, so zu solchen Dingen Lüsten bezeigen, können sich alsdann, Nachmittags um i.Uhr, allda einfinden. Ein und auopafstrende vom 24cm Marz biß deu zoten. wallrhor den 24(6« Marz Herr von Dupont, Lieut. von den Wür- tenbergischen gehet sogleich durch. - - - Ihre Durchs Prinz von Waldeck, Obrist-Wachtmeister vom Zweybrückischen Regiment, pass, durch. ♦ - Eod. Ein Major von den Hessen vom Regiment Wutgenau, p p. von Cassel durch und Herr v. Bühnau. i io Giesische wöchentlich - gememnütz r'ge Anzeigen Selzerrhor, den 2Sten 2.Kaufieuthe auf dem Franckfurther Postwagen hierdurch. Wallchor den 26ten auf dem Casselischen Postwagen 2. Studenten paff, hierdurch. - - den 27ten ein Baron Herr v. Wetzel, komt p. pofta von Arhol- tzen hierdurch. ♦ - Eod. ein Rittmeister von den Würtenberger Herr v. Walöleben, p. p. von Hannover hierdurch. Selzerthor den 27km ein Obnst-Wachtmeister von den Kaiserl. Herr von Zerbst, komt von Philippsburg hierdurch. wallthor den 28ten ein Fandrich von den Hessen, Herr Braun, paff, hierdurch. wallrhor den 29ten ein Preußischer Capitam von der Suite > von Biberiing, komt von Marburg hierdurch. - - Eod. der junge Herr von Busch, pass, von Cassel nach Franckfurt hierdurch. wallrhor den zoten ein Hofrath von Paderborn Herr Aschoff, pass, hierdurch. - - Eod. auf dem Castelischen Postwagen z. Studenten und 2. Juden paff, hierdurch. - - Eod. ein Schwedischer Cavalier Herr von Endorn, komt von Hamburg, und gehet sogleich durch. - - Eod. ein Commando von Mendorff an dec Lomda, bringen einen Arrestanten an Hochfürstl- Negierung hierein. Verstorbene. Am 29ten Marz° weil. Herr Stappen, gewesenen Leib - Chirurg bey Jhro Hochfürstl. Durch!, dem Herrn Erbprinzen zu Hessen-Darmstadt , ein Töchterlein. Am zoten März des Beckermeisters Ebels, hinterlassene Wittib. , Diese wöchentliche Anzeigen werben von dem Verleger Johann Philipp Krieger/ Umversuats-Buchhändlern hieselbst/ an die Herrn Liebhaber gegen 1. Rthlr. hald- lährrge Pränumeration geliefert Einzelne Vogen werden für 4. fr. ausgegeben. Man wrrd auch den Herrn Pranumeranten mit denen schon herausgefommenen