Giesser Wochenblatt. Sechzehentes Stück. Dienstags den i6. April 1776. Mit Hochfürstl. Hessen Laemstavuscher gnädigster Grianbniß. Mittel zur präservation und Luraeion der bisherigen Horn 4 Vieh - Seuche. LV^ey der bishero hin und wieder unter dem Horn. Vieh sich geaußerten- 2*) und fast allgemein werden wollenden Kranckheit, welche nach vor, gängiger hinlänglicher Untersuchung theils vor ein mit Entzündungen begleitetes bösartiges Faulfieber, theils vor eine bloseLungen-Entzündung mit einem Inflammations-Fieber erkannt worden, hat man von Seiten dahiesig Fürstlicher Regierung auf vorher eingczogenen Rakb derer Sach« verständigen, zum besten des Public,, nachstehende Praservations- und Curations-Mittel, benebst denen Kennzeichen der Kranckheit bekannt zu machen, vor nöthig gesundem Erstlich. Kennzeichen der Rranckhcie. Außer der bey jeder Kranckheit gewöhnlichen Traurigkeit und Abneigung zum Fressen und Sausten, knirscht das Vieb öfters mit den Zahnen, und hört endlich auf wicderzukäuen; daoey last es ein fi derhaft-.s Schau» dern über den ganzen Leib verspüren, wovey Die Haare ausrecht stehen, und liehet duf Den Hinterfüßen nicht auf Die gewöhnliche Weise, sondern nur auf Denen Spitzen Der Klauen, stehet auch juroeilen Die ganze Kranck- heil durch ohne sich niederzulegen. Die Hinterfüße und die Gegend um die Nieren scheinen außerordentlich empfinDlich zu seyn , wenn man Die Hand Daran düngt D'e Hörner unD Ohren verliehren ihre natürliche Wärme, jedoch offtmah! abwechselnd, |o daß ost ein Horn oder Ohr warm und vas andere kalt ist. 6e w-chenblaee. Der Harn ist gewöhnlicher Weise stärcker ass natürlich gefärbt und bleibt Die ganze Kranckheit Durch Helle. Jedoch unterbleibt das Harnen dey Dem mebrsten krancken Vieh gantzlich. Gemeiniglich find Die Äugen entzündet, woraus eine Feuchtigkeit dvmget, welche zuersi flützig ist, nach etlichen Tagen aoer eiterhast und klebend wird. Kurtz nach dem Anfall der Kranckheit fließt aus der Nase und dem Maul em dünner Schleim der aber nach einigen Tagen zähe und in der Nase einem Eiter ähnlich wird, und oft wie Blut-Schaum abfließt. Thesen Schleim last Vas Rindvieh fließen, ohne ihn wie sonst gewöhnlich ab- zulecken. Der Abgang des Mistes ist anfänglich natürlich, bisweilen verfärbt sich solcher und riecht nach Bisam, bisweilen ist er dick, bisweilen wieder, um ganz dünne, bisweilen mercket man selbst eine siarcke Verstopffung bei) wm Vieh, meistentheils aber stellet sich am 4. f. 6. Tag der Kranckheit ein Durchfall ein, wobey das Vieh Den äusserst Übelriechenden und ganz flüggen Koth ziemlich weit von sich spritzet, welcher bisweilen auch mit 25lut oder Eiter vermischet ist Vey andern bemereft man von diesem Durchlauf nichts, sondern er bleibt im Mastdarm, der seine natürliche Stärcke verliert und osten stehet dis das Thier stirbet. Die Kühe verlieren anfänglich die Milch in den Eutern, sie wird dick Und verdürbt gänzlich Nicht lange nach dem ersten Anfall der Kranckheit ftW das Lieh an zu Husten, und dieser Husten nimmt sehr zu, und das Oormholen wird sehr b schwerlich; Die mit dieser Kranckheit verknüpfte große Schwäche des Körpers aber kann machen, daß der Husten endlich aar aufhüret, woher es d-nn auch kommt, daß der fieberhafft und ge- schwmdschlagende Puls so schwach gehet, daß er zuletzt gar nicht mehr zu hemercken ist. Dasjenige Vieh so beym Anfang der Kranckheit übel aus dem Halse riechet, pflegt nach einigen Tagen zu verrecken. Wo sich aber Der G stank sogleich nicht ei.'fbDet lebet es aufs längste 1 bis 8. Tage. Allezeit ist derselbe wabrzunedmen, und sollte es auch nur eimge Tage vor D.m Tod f(l)n, welcher sich mit Zucken der Mußkckn über den ganzen Leib, insbesondre vey der Brust und den Schullern einstellet. rtAC A4 Wochenblatt- 6z Zweitens, Prästrvations-Mittel wider diese Rranckherk. Hierzu sind solche Mittel anzuwenden, welche die Entzündung und die in denen Gafften zu besorgendeFäulniß abwenden, alS hauptsächlich a) das Reinhaltcn der Stalle durch öfteres Misten, auch öftere und hinlängliche Streue der Zugang frischer Lufft in die Ställe. b) DaS öftere und vorsichtige Austauchern der Ställe mit hartzigten und sauren Mitteln, $. E- Theer, Eßig rc. und kann auch statt dem Theer GeigemHartz oder Colophonium gebraucht werden. c) Das KüchemSaltz beym Futter oder Getränck. d) Beym vollblütigen Vieh die Aderlaß am Halß, von anderthalb bis r Schoppen Blut; welche aber bey magerem Vieh überslußig, bey schon sehr kranckem Vieh aber vergeblich , ja gar schädlich ist. e) Wann dem Vieh daS Sauffen gegeben wird, muß solches am Halß und Rucken auch wohl am gantzen Leib mit einem Stroh »Wisch gerieben werden. f) Lau warmes Getränck, bestehend in einem halben Pfund geschro- tener Gerste, welche etliche Stunden in zwey Maaß Master erweichet wird, worunter Sauerteig und Leinkuchen gemengek wird, jedoch kann man sich auch statt deS ersteren fo bis 60 Tropffen Vitriol Spiritus bedienen. Allenfalls kann der Spiritus Virrioli mit einem Pfund reinen Brunnen «Wasser vermischt dem Vieh eingeschüttet. und es darauf geträncket werden. In Ermangelung des Vitriol Spiritus können jedem Stück Vieh täglich z b,s z Theeköpffgen voll recht guter Eßig auf die nemliche Art gegeben werden. (Die Fortsetzung folgt künftig.) Die i s4te Ziehung der Hochfurfti. Wirzburqischen Zablenlottrrieifl den 2ten April mit aller Accuratesse ünv gewöhnlichen Formalitäten vollzogen worden; die gezogene Nummern sind folgende: II. 27- 64. 35. 82. Die ifste Ziehung bleibt auf den 26km April vestgchtzt, und die folgenden von z. zu z. Wochen« Dir 64 Wochenblatt. Die i2ofe Ziehung der Churfürsil. Mainzischen Zahlenlotteric ist ten iten Marz mit aller Accuratesse und gewöhnlichen Zormalitattn voll- roaen worden, die gezogene Nummern sind folgende: 4' 88. ff. 54* *7. , Die irrte Ziehung bleibt auf den gten May vestgesetzt, und die folgende von j. zu ;. Wochen. Diejenigen Personen welche sich mttEm, sätzen zu diesen Lotterien zu mtereßieren belieben , können sich bey Endes gesetzten allhier in Gießen melden, alwo denenselben mit aller Ausrichtichkeit und promten Bedienung wird an Händen gegangen werden. Simon Levi. Ein- und auspaßirende vom 6. bis den 13 Äpril 1776. groecn H-rrn Lieutenants von Lutzaw, in Herzog!. Würtembergischm Diensten, log. im Hirsch. Herr Hoftenthmeister Folenius, von Darmstadt, logrrt bey Herrn Amts- keller Berchelmann. Herr von Gielsa, bedient nichts, log. im Hirsch. Frucht - und andere Preißc am Marttag den 13. April. 1776. Gießer Maas. Pf. alb. alb. Pf- ib pf» 3 1 Achtel Korn 1 4 2 6 I 1 I X l 4 $ alb. 1 Pf. mnländische Seife Decker-Preiß. 1 1 6 4 Karpfen Hecht # Dorsch ; Drascm « Schleyen Butter • r r st- 4 14 '4 2 o 6 5 6 6 1 3 5 alb. 5 Gerste - * Pfund klein geschälte Gerste Achtel Gerste- Achtel Weitzen Achtel Hafer 1 Meste Erbsen- Meste Linsen, Pfund Hirse 1 Pfund geschälte alb. pf< '5 '5 7 2 Pfund. st. io Rmdsfett 1 isHamelsf. i 1 Lichter i 8 Eyer 1 Maast Frucht Prandew. 12 alb. 6 alb. 1 Mrste Saltz 10 alb. Ochsenfleisch t Kühfieisch f Rindfleisch » Kalbfleisch # Schweinefleisch Hammelfleisch Schaffleisch « Dockfleisch ♦ Wurst f t Kalbsgelüng Kalbs-Leber 1 Pf. Bratwurst 16. < 1 lkoth. 18 I 4 Qu.j l lalb. Drob. # ». Butter Bretzel! , Pf. 4 4 tz. Lokh. J 9 13 Qu. 2 r Weck ♦ t Taigscher # alb. Ipf. 1 4 « ! 4