Giesser Woch tllb MM Fünf llnd Dreissigstes Stück. Drenstags den August i77f» Mit Hochfürsti. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubniß. Lieber die Güte des Herzens. O du bist durch und durch zärtlich, sanft und liebreich, wie die sympa- lhifirende Natur. r Otway. b?'" Mensch ist vollkommen tugendhaft, oder vollkommen lasterhaft. 31 Derjenige, der in fiinen Handlungen größtentheils der Tugend folgd, ob er gleich bisweilen von dem rechten Wege abweichet, wird ein tugendbaftcr Mann genannt und so umgekehrt. Eden so ist es in Ansehung der Güte und Bosheit des Herzens. Der, bey dem die erste größten- theils die Triebfeder oder der Bewegungsgrund seiner Handlungen ist, heißt ein gütiger Mann. Daß es aber in der menschlichen Seele einen solchen Grundlrieb giebt, zeigt sich auf mancherley Art. Zum Bcyspiel, wann wir durch das Mitleid über das Elend und den Kummer unserer Neben, Menschen zur Freygebigkeit erweckt werden, ohne Rücksicht auf einen möglichen Vortheil für uns selbst: dergleichen ist die Neigung die wir fühlen, selbst leidenden Thieren beyzustehen, ob sie uns gleich nicht die Woblthat vergelten oder eine Empfindung der Dankbarkeit aussern können : ferner die Zärtlichkeit für Kinder, nicht allein in Aeltern, sondern auch in Fremden: und ob man gleich die erstere durch den Ausdruck Instinkt oder Naturtrieb ' Mm zu *74 Wochenblatt- zu unterscheiden pflegt, so beweist doch eben dieß, daß er natürlich und uns von dem Gott der Natur als ein Grundtrieb ms Herz gepflanzt ist. Daher kömmt der Schmerz, den wir bev der Erzählung der andern fühlen, mit denen wir in keiner Verbindung stehen, die uns so gar unbekannt sind, in entfernten Zeiten, in entfernten Landen: und die heißen Wünsche, helfen zu können, selbst wo es nicht in unferm Vermögen steht: die Verabscheuung der Grausamkeit, die wir eigentlich Unmenschlichkeit nennen, und der Beyfall, den wir liebreichen und wohlthatigen Handlungen geben. Es giebtzwar Menschen, die behaupten, „daß dieß alles in Rücksicht auf und selbst geschähe und daß wir der Mittelpunkt von allen diesen Empfindungen wären : daß wir also, wann wir den Unglücklichen beystünden, bloß unserer eignen persönlichen Unbehaglichkeit abzuhelfcn suchten: oder, wenn wir es wünschen thun zu können, wir es bloß wünschten, oder wenn wir'an- Dere glücklich machten, wir bloß unsere Gemüthsruhe zur Absicht hätten." Aber dem sey also: dieß ist ja, was wir wollen : und der wahre Unterschied zwischen einem wohlwollenden und übelwollenden Wesen besteht eben darinnen, daß das erste nicht glücklich feyn kann, wann es andere um sich her elend sieht, und mithin ihnen beysteht und hilft, wenn es kann: und kann es nicht, es doch zu thun wünschet und aus Sympathie mit den Leidenden leidet: da hingegen die Glückseligkeit des letztern (wenn es anders eine solche giebt) sich bloß auf sich allein einschrankt , ohne Rücksicht auf andere, rohne bey ihrem Elende Unruhe zu fühlen und sich . über ihr Glück zu freuen: denn dieß ist eigentlich Selbstliebe im schlimm- fien Verstände. Ganz gewiß sind diese zween Charaktere sehr verschieden. Denn obgleich keine von beiden vollkommen ist , so giebt doch augenscheinlich daS Mehr oder Weniger und die herrschende Neigung den Charakteren den Namen, so wie ich von dem tugendhaften und lasterhaften überhaupt gesaget habe- Eine vollkommne Güte schließt auch nothwendig eben nicht das Selbst aus, wenn man diesen Ausdruck in einem Verstände gebraucht, der seinen unendlichen Vollkommenheiten nichts benimmt. Denn sagt man picht von einem gütigen Manne, daß er sich freuet Gutes zu thun und die Glückseligkeit auch andern mitzutheilen? Und wenn er ( wie man gemeiniglich annimmt) vollkommrn frey ist, so könnte er eben so leicht Elend als Glückseligkeit mittheilen, sobald er wollte; zu sagen, er konnte nicht, das heißt Wochenblatt. heißt eben so viel gesagt, als, er ist nicht frey : wollte er aber nicht, so hat man es seiner Güte oder seinem Wohlwollen zu danken. Wenn diese geringe Vorstellung, so weit sie reicht, die Sache nicht deutlich macht, was für verschiedene Eigenschaften sind dann der wahren Güte wesentlich? und besonders, kann man es wohl für eine wesentliche halten, daß die Seele weder Freude noch Schmerz in Ansehung des Glücks oder des Elends anderer fühlen soll? Eine solche Fühllosigkeit scheint selbst nicht mit der Beschreibung jenes Uebelwollens oder der Bosheit bestehen zu können, die einige der menschlichen Natur zuschreiben; denn das wäre so viel gesagt, die Menschen finden ein Vergnügen in den Schmerzen anderer. Muß daraus nicht nothwendig folgen, daß das Gegentheil Güte ist? daß wenn derjenige, der seine Freude in Quaalm anderer findet, boshaft ist, derjenige gütig feyn müste, der sich freuet andere glücklich zu machen ? Und so wie der Boshafte desto haffenswürdiger und teuflerischer ist, je mehr er Vergnügen in dem Elende anderer findet: so muß der Gütige desto liebenswürdiger und göttlicher seyn, jemehr er Vergnügen in der Glückseligkeit anderer findet. Doch darf man diese auch nicht so weit treiben, daß man seine eigne Glückseligkeit darüber vergißt: denn ob es gleich viele von gleicher wohltätigen Gesinnung giebt, so könnte uns doch leicht das Schicksal treffen, daß wir dergleichen nicht fänden, sondern uns durch die Hülfe, die wir anDern leisteten, zu Grunde richteten. Das folgende ist ein Beyspiel, wiewohl eS nicht viel von dieser Art giebt. Asam hat seine Jugend unter den Menschen zugebracht, an ihren Ergötzungen TKeil genommen und sichs zur Pflicht gemacht, seine Nebenmenschen mit der größten Innbrunst zu lieben: aber über fein zu zärtliches Herz erschöpfte er sein ganzes Vermögen dadurch, daß er dem Mangel der Unglücklichen, wo er sie nur fand, abhelfen wollte. Keiner der ihn um etwas bat, bat vergebens: der ermüdete Wanderer gieng vor seiner Thür niemals unerquickc vorüber und er hörte nicht eher auf, Gutes zu thun, als bis er nicht mehr konnte. Er erwartete nun von seiner verschwenderischen Güte eine dankbare Erwiederung von denjenigen, die er vormals dem Elende entriffen und er sprach sie also mit dem sichern Zutrauen auf ihre Erkänntlichkeit an : die undankbare Welt aber wurde bald seiner dringenden Bitten überdrüßig; Mmr denn 276 Wochenblatt. denn das Mitleid ist eine kurz dauernde Leidenschaft. Nunmehr fieng er die Menschen an aus einem ganz andern Gesichtspunkte anzusehen, als vorher geschehen war. Er entdeckte tausend Fehler, die er zuvor nicht.einmal geargwöhnet hatte. Wo er hinsah, trug Undank , Verstellung und Verratherey das ihrige bey, seinen Abscheu gegen sie zu vermehren. Er beschloß also eine Welt zu fliehen, die er haßte, und die seinen Haß mit Verachtung belohnte; er begab sich aufs Land, um in der Einsamkeit über seinen Unwillen zu brüten, und mit dem einzigen rechtschaffenen Herzen umzugehen , das er kannte, nämlich mit seinem eignen. Die verliebte Bäuerin. Ich weiß fürwahr, mir ist nicht recht; Ich werde matt und blaß Ich esse nicht, ich schlafe schlecht, Und sinn ohn Unterlaß. Ja denk ich an den Kirmes - Tanz So wallt mein ganzes Blut; Dann denk ich an des Nachbars Hans, Und glaub, ich sey ihm - gut. Die Mutter fragt mich ost darum, Mein Kind, was fehlet dir? Die gute Frau, ich bin nicht dumm, Und drum verheel ichs ihr. Des Pfarrers Hannchen macht es so, Die doch weit klüger ist. Sie spricht: man küßt noch eins so froh, Wenn man verschwiegen küßt. Die Mutter scharst mir so genug Dre strenge Keuschheit ein. Stets heißt es: Kind, du bist zu Jung, Ja, gar zu jung zum greyn. - • - ®it Wochenblatt 277 Die Manner, glaub es sicherlich, Verderben Zucht und Schaam; Doch war sie kaum so alt. als ich, Wie sie den Vatter nahm. Ja, Hans ist dach der schönste Knecht In unftrm ganzen Dorf. Die großen Augen funkeln recht Und sind so schwarz, als Torf. Wie fliegt sein lockigt Haar so stey! Wie hochroth blüht sein Mund! Und was kommt seinen Waden bey Sind die nicht felt und rund? Wie vielmal kommt er nicht zu mir? Jüngst gab er mir diß Band, Und auf dem letzten Kindeibier Drückt er mir sanft die Hand. Wenn er im Kirchstul vor mir steht, Stößt er mich ost ans Bein; Und wenn er aus der Kirche geht, So grüßt er mich allein. Ich weiß es noch verwichneS Jahr, Als ich zum Weinberg schlich, Ward mich der lose Schalk gewahr Kam nach und herzte mich. Da hab ich erst der Liebe Macht Im feuchten Kuß gefühlt Und froh mit ihm die ganze Nacht Gescherzt, getanzt, gespielt. Als hier im Jahrmarkt der Polack Auf der Trompete blies, Wozu er auf dem Dudelsack Mein Leibstück machen lies. Mw z Fürwahr, »78 Wochenblatt. Fürwahr, da freut mich unser Hans! Zwey Ellen spraig er hoch, Wenn er nut mir im schwäbschen Tanz Durch Heu und Stoppeln fiog. Des Schützens Sohn ist jung und reich Und erbt des Vatters Ehr. Bey meiner Treu, ich nahm ihn gleich, Doch nur, wenn Hans nicht war. Mich lieben, Veit, der Organist, j Und Hartwig, der Soldat, Die Hanns, so bald er mich geküßt, Gleich ausgestochen hat. Dem Priester hat er schon gesagt Daß er mich haben will; Ich stimme, wenn der Vater fragt, Die Mutter in der Still, Und die vollzieht nach alten Brauch Den frohen Heiraths» Schluß. Denn was sie will, das will er auch, Und will er nicht, er muß. Hans hat bei) Meister Adrian Mir neue Schuh bestellt. Die müssen aus der Hochzeit dran, So lang die Sohle halt. Mit Tanzen wird der Tag vollbracht, Euch, Gäste, lad ich ein; Bleibt froh bey uns bis in die Nachtr Dann lasset uns allein. Avertiflement. Auf Ostern 1776. soll der Commentarius über mein Handbuch der Pferdewissenschast welches zu Lemgo in der Mayerschen Buchhandlung verlegt Wochenblatt. / »7- legt ist/ in 4t herausgegeben werden. Die Kostbarkeit dieses Werk-, wegen der zur Erklärung habet) nöthigen Anzahl Kupfer/ welche sich wenigstens auf 50 Stück belauft/ und in Zeichnungen aller zu Wagen Geschirren/ Süttken, Beschlagen und Zaumungen u. s. w. nöthiger Stucker bestehen/ verbindet mich es auf Subscription und Pränumeration drucken zu kaffen. Die Einrichtung dieses Commentarius kann das Publikum nach dem Handbuche beurthci'lcn und ohngeführ daraus schließen/ was man zu hoffen hat. Meine Absicht ist/ die sich davon gemachte Hofnung nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen. Die bey jeden §. vorkommende verschiedene Meinungen der bewertheften Autoren habe ich gesamlet/ und eingerückr über welche ich durch Gründe ein entscheidendes Unheil fülle, wodurch der Liebhaber dieser Wissenschaft, nicht nur die verschiedenen davon geschriebenen Werke/ welche theils viel Kosten verursachen / theils im geringsten nicht die Erwartung erfüllen anzuschaffen entstbriget seyn kann, sondern er wird auch in den Stand gesetzet/ die Richtigkeit/ dieser oder jener Meinung/ eines oder des andern Autors zu beurtheilen. Die Einrichtung der Marstülle und Gestüte habe ich auf die vorzüglichste Ordnung gegründet / und von den habet) nothwendtgen Rapports und Registern sind tabellarische Modelle beygesuget. Wegen der geneigten Aufnahme meiner bereits geschriebenen kleinen Abhandlungen/ schmeichle id) mir / daß die Liebhaber der Reukerey das Werk durch ihre Subskriptionen und Pränumerationen besörden werden. Bey der Subscription wird | Louisd'or bezahlet/ und bey Auslieferung ist her Nachschuß 1 Louisd'or. Die Herrn Subscriben- ten werden gehorsamst ersuchet ihre Nahmen und Charackere deutlich zu bemerken / damit selbige richtig vor haS Werk gedruckt werden können. Nicht minder soll aud) vor hem Werke ein Catalogus von Denen in dieses Bud) einschlagender Bücher so vollständig zu finden seyn / wie man ihn noch nicht hat. Der Vortheil welcher aus der Subscription vor die Herrn Subscribenten erwüchset, bestehet darin / daß sie die ersten Abdrücke der Kupfer erhalten, utih daß ihre Exemplare auf Schreibpapier gedruckt werden. In der Kriegerischen Buchhandlung in Gießen kann die Pränumeration abgegeben werden. 3. H. pnzelms Hauptmann und Stallmeister. Detmold den rten August »775. Hellfeld 2-8o Wochenblatt. Hellfeld repertorium iuris privati IV partes in 4to wird von dato an lnß zur Mitte des folgenden Monaths Sept-mbr. für 9fi. offerirt, da, der) nur die Vergütung des wenigen Porto ausgehalten wird. Liebhaber belieben sich an uns zu wenden. Gießen den 26. August 1775. Rrregerrsthe Buchhandlung. Ein -- und auspaßirende x>om 'August bis den r6. August I77s. Herr von Hcydwolf, Lieutenant in Preufischen Diensten, paßiretdurch. Herr Regrerungörath Gartner, und Herr Regierungsrach Meyer von Marburg, paff, durch. Herr Hofrach Smtz von Weilburg, logirt im Einhorn. Herr Graf von Srollberg, paßiret durch. Herr Hofrakh Sültzer # Herr Legations - Secrctarius Ienichen von Gotha , paßrren durch. Herr Major von Schluffen, und Herr Lieutenant von Werner, in Königlich Preu fischen Dtensten, past durch. Herr Steuerrath Lorentz von Hessen Cassel, log. im PosihauS. Frau -Odrifllreutenantin von Lmgelsheim, paßiret durch. Frucht -und andere Preifie am Marktag den 26. August (775. Gießer V 1 Achtel Korn / ist. alb. pf. fö. alb. pf. L. a 189 Pf. 4 10 1 Ochsenfleisch - 3 i Karpfen l Achtel Gerste - ; r Kühfleisch -241 Hcchr - 1 Achtel Weitzen 6 15 i Rindfleisch #221 Per sing t 1 Achtel Hafer , 2 1 Kalbfleisch t 3 1 Bras»m , 1 Meste Erbsen, 16 , Schweinefleisch 3 i Schienen x Meste Linsen , 16 i Hammelfleisch 2 1 Butter # ?aa£ alb. 5 6 6 1 3 6 Pf. 4 4 1 PfundHnse - » 1 iLchaffleisch 1 4 Pfund h x Pfund geschälte 1 Bockfleisch - 1 4 loRrnd^ett 1 Gerste - - 14 1 Wurst - - ; ,o Hamelsf. 1 1 Pfund klein ge, 1 Kalbsgelüng 3 j , Lichter - schalte Gerste - 4 1 Kalbe - Leber 3 1 7 Eyer 1 MaaßFruchtBrandew.i2 alb. iPf. Bratwurst;alb. 1 PfnuländischeSeri 1 Meste Saltz 20 alb. alb. 15 15 2 e 6 c pf. üb. alb.; pf. ttz. l Lokh.iQu. Brod. , 4 Z Butter Bretzelj - I4 t <8 3 Weck - f Taigschcr, alb.!pf. » 4 f 4 Becker-Pceiß. Korn zu 5 fl. izalb. Weitzen zu 7 fl. i;a!b. Loch. Qu. alb.1 pf. K.! Lokh.iQu.