Sieben und Vierzigstes Stück. 57t Dienstags den ri. LTlovember 177s. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstadrischer gnädigster Erlaubniß. Anekd-ten von dem Röm'ge Carl M. in Schweden. ^5\et Muth und die unbiegsame Standhaftigkeit machten den Grund L ) vsn dem Charakter di. fes Monarchen aus. Schon in ferner zar- testen Kindheit gab er Beweise von beydeN. Als ereinsmalS in feinem siebenden Jahre mit der Königinn seiner Mutter speisete, unv einem großen Hunde, dem er sehr gewogen war, einen Bißen Bwdt geben wollte, so lchnapte dieses hungrige Thier zu begierig nach dcm Stücke, und biß ihn auf eine erschreckliche Art in die Hand. Die Wunde blutete zwar sehr stark; aber dieser junge Held, anstatt zu weinen, oder sich riesen Zufall merken zu lassen, bemüheti sich vielmehr, ihn zu verbergen, damit man seinen Hund nicht schlagen möchte, und wickelte die blutige Hand in die Serviette. Die Königinn, welche sah, daß er nicht aß, fragte ihn um die Ursache davon. Er antwortete aber blos, daß er für das Eßen dankte, weil er nicht hungrig wäre. Man glaubte, er würde krank werden, und nothigte ihn daher immer mehr; aber alles war vergeblich, obgleich daS arme Kmd, wegen des vielen verlornen Blutes ganz'blaß wurde. Endlich wurde es noch ein -Officier gewahr, der bey der Tafel die Aufwartung hatte; sonst würde Carl eher gestorben seyn, aiS seinen Hund verrohen haben. Aa a 3u Z7L Wochenblatt. Zu einer andern Zeit, da er an den Blattern gefährlich krank lag, und an einem Tage in feinem Bette sehr unruhig war, bekam ein Herr von Hofe, der bey ihm wachte, und ihn zudeckcn wollte, eine derbe -Ohr» feige von ihm. Und als er einige Stunde nachher bemerkte, daß der Prinz ruhig war, so fragte er ihn, womit er diesen Schlag verdienet hatte. „Einen Schlag! antwortete Carl: ich weis nichts davon ; so viel erinnere ich mich wohl, daß ich glaubte in der Schlacht bey- ?J,sbelo für den König E-ariuszu fechten, so daß ich dem Alexander einen'Schlag gab, worauf er zu Boden fiel." Was man von den Reisen dieses Königs erzählt, ist nicht weniger erstaunenswürdig. Er ist bisweilen vier und zwanzig Stunden nach em# ander zu Pferds gewesen, und ist auf diese Weise einen großen Thcil des Königreichs durchreiset. Zuletzt war keiner von seinen Öfficieren mchr im Stande ihn zu folgen; so-baß er ohne auszuruhen, oder etwas anders als einen Bissen Brodt zu essen, meistentheils allein reiten mußte. Nun hatte er einsmals auf einer so schnellen Reise das Unglück, daß ihm sein Pferd todt nieder fiel. Dieses hatte vielleicht einen jeden andern in Verlegenheit setzen können: aber Carl war hierüber ganz unbekümmert. Er wußte wohl, daß er bald ein ander Pferd finden könnte, aber er zweifelte sehr, ob er einen so guten Sattel und Pistolen antreffen möchte. Er schnallte daher seinen Sattel und Zaum ab, und nahm das ganze Geschirr auf den Rücken, und gierig damit in das nächste Wirthehaus, welches zu allem Glück nicht weit entfernt war. So bald er in den Stall kam, so fand er daselbst ein Pferd, welches recht nach feinem Sinne war. Er legre sogleich ohne weitere Umstande seinen Sattel darauf, und war eben im Begriffe aufzusteigen, als der Herr, dem das Pferd gehörte, davon Nachricht bekam, daß ihm ein Fremder sein Pferd nehmen wollte. Er fragte den König, den er nicht kannte, was er mit seinem Pferde zu thun hatte? Carl antwortete ihm ganz kaltblütig , daß er das Pferd genommen hatte, weil er eines brauchte; „denn ihr sehet wohl, fuhr er fort, wenn ich keines habe, so muß ich den Sattel selbst tragen." Diese Antwort that dem Herrn kein Genügen, und er zog hierauf den Degen. Der König zog auch sogleich seinen Degen, und nun wollten sie eben aufeinander losgehen, als die Wache heraufgeritten kam, und erstaunte, da sie in der Hand eines Unterthanen ein Gewehr wider seinen König erblickte. Der Herr wunderte sich sodann nicht weniger. Jedoch der König vertrieb W-chenblaer. Z7r ihn bald sein Erstaunen, indem er ibn bey der Hand nahmund ihn ver- sicherte, daß er ein braver Mann wäre, mid daß er selbst für seine Beförderung sorgen wollte. Dieses Versprechen wurde auchhernach erfüllt; und der König machte ihn zum Hauptmann. " t : tteW die Attstehmlrchkerten des Würeers. Die Dichter des Alterthums haben zwar unter andern auch zu der Glückseligkeit des aownen Zeitalters eine unveränderliche Zahreszeit, einen beständigen Frühling gerechnet ; allein sie haben bet) dieser eingebildeten Glückseligkeit nicht für das unersättliche Bestreben nach der Veränderung gesorget, welches der Natur des Menschen aus eine so unterscheidende Art besonders eigen zu seyn scheinet. Unser Gefühl des Vergnügens besteht großentheils in einer Vergleichung, und entsteht sowohl aus den gegenwärtigen Empfindungen, als aus denjenigen, deren" wir uns wieder lebhaft erinnern. Aus diese Weise werden wir auf eine angenehme Art ergötzet, wenn der Körper, der durch dH,Kalte ganz erstarret war, nach und dach seine natürliche Wärme wieder erlangt; aber diese Freude höret auf, so bald wir die Kälte vergessen, und gewahr werden, daß dieser anfänglich so angenehme Zustand sortdauret. Es ist daher die Abwechslung der Jahreszeiten vielmehr eine unserer Natur angemessene Wohlthat, und die Mannichfaltigkeit der natürlichen Scenen verursachet eben dadurch ein größeres Vergnügen, weii dabev die Einförmigkeit, die unserer Natur fo sehr zuwider ist, gänzlich wegfällt. Eine jede JahreSzeit hat ihre eigenen Annehmlichkeiten , wovon ter rauhe Winter selbst auf mehr als eine Weise einen Ueberfluß hat, und pch vor andern besonders ausgezeichnet. Der Frühling ist die Zeit der Munterkeitund Freude, die der Mensch vornehmlich bey dem Anblicke der aufblühenden Natur empfindet. Als- Vann treibt ihn die Sehnsucht nach neuen Bildern an, die mannichfalti- gen Reize der schönen Natur in den Gärten und Feldern mit einem entzückenden Vergnügen zu betrachten. Er wandert von einem angenehmen Gegenstände zum andern mit einem forschenden Blicke fort, und entferne sich von dem Geräusche des gesMastlichen Lebens, üm nunmehr m der A a a r Stille Wochenblatt. ' »74 Stille und ungestört das ganze Vergnügen zu genießen, welches ihm die Natur in so reichem Maaße darbietet. Der Winker hingegen ist di- schicklichste Zeit zur häuslichen Lust und Frölichkeit. Wir werden selten gereizek, das Vergnügen außerhalb unfern Wohnungen zu suchen, und wir freuen uns vielmehr, wenn wir bey stürmenden Winden , bey strenger , f?? und bey fallenden Schnee und Hagel in einem warmen Zimmer den Sesellschastlichen Umgang unserer liebsten Freunde geniessen können. . Der Winter erreget in uns aufs neue die natürliche Neigung zur Gesellschaft, die uns wieder um soviel angenehmer wird, je länger wir dieselbe in den vergangenen Jahreszeiten haben entbehien müssen. Ja die strenge Kälte des Winkers briqgk vielmahlS diejenigen wieder zusammen, die sich entwe- der aus entgegenstehenden Neigungen von einander gekrennet hatten, oder rhrer verschiedenen Geschäfte wegen keinen geselligen Umgang haben konnten, bder als Unbekannke und Fremde zusammen geführet werden , und Mf" Michten Bekanntlchasi die wärmste und aufrichtigste Freund« 1 Der Winker hat außerdem noch für den Gelehrten, und alle an- dere, die ihre gelt mit Nachdenken und in stillen Betrachtungen zubringen wollen, solche Reize, die in diesen Personen vorzüglich angenehm machen. D>e Dunkelheit und Stille, die im Winter herrscht, setzen das Gemüth jn Ruhe, und der Mangel an äußerlichen Vergnügen verursachet natürlicher Weise eine Bemühung, sein-Unterhaltung in sich selbst zu suchen. Dieses ist die edle Zelt, worinnen diejenigen, welche die Wissenschaften in Ven Stand setzen, Belustigungen für sich selbst zu finden, von ihrer -ige. pen Glückseligkeit mehr als zu anderer Zeit überzeugt seyn können. Wenn sie durch alle Elemente zur Einsamkeit eingeschränkt, und solcher Belusti. guiigen beraubt sind, Vie man gemeiniglich zum Zeitvertreibe zu Hülfe rufet. 1» haben sie die beste Gelegenheit, neue Gegenstände der Untersuchung zu finden,, und sich vor der langen Weile zu bewahren , die bey mäßigen Menschen und leeren Köpfen die gröste Beschwerlichkeit verursacht. Man wird auö diesen wenigen Bkksierkungen schon deutlich abnehmen können , wie groß die eigenthünilichen Annehmlichkeiten des Winters stnd. und wie wenig die Menschen Ursache hüben, sich über die dem äußerlichen Wch" nach lorauhemW UiiangenchmG Jahreszeit zu beslagenpizdoch Wochenbett. S75 zur Veränderung und Vervielfältigung unsers Vergnügens und zur Beförderung unserer Glückseligkeit bestimmt ist. Wie thöricht handeln daher alle diejenigen, welche die wahren Annehmlichkeiten deö Winters verkennen, und anstatt derselben durch solche geringe oder unanständige Velustt- gungen die Zeit zu verkürzen suchen , deren traurige Folgen sie oft bereuen müssen, oder wenigstens bey der Erinnerung derselben kein dauerhaftes Vergnügen empfinden können. Ein Brief von dem berühmten verstorbenen Gellert so unter feinen Pap- pieren gefunden, und von hoher Hand mitgetheilet, wollen wir dem Publico nicht verborgen lasten. Liebster Herr Baratt/ Wenn ich recht kleinmüthig, recht unzufrieden mit mir selbst bin, und gar nichts gutes an mir finden kann: so stelle ich mir vor, daß gleichwohl die rechtschaffensten, die geistreichsten Männer meine Freunde sind; daß mich die Gartner, die Kramer, die Schlegel , die Kronecke lieben, und ich finde in diesen Namen nicht allein eine sanfte Beruhigung, sondern ich werde auch oft eben so stolz, als kleinmüthig ich vorher gewesen war. Ja doch, spreche ick zu mir selbst, mache dir keine Sorge, tu must gewiß mehr Geschmack und Verstand haben, alsdu denkst; du must gewiß ein gutes Herz destzen; würden dich diese Leute sonst wohl lieben können? Alle zusammen können sich wohl unmöglich betrügen I und wenn sie sich auck irrten, so gehört eß zu deinem Glücke; daß du diesen Jrrthum nicht cinsehen solst. So tackte ich ohngefahr auch, mein lieber Baron, als ich ihren lczten freundschaftsvollen Brief in einer sehr misvergnügten Stunde erhielt, und ich fühlte, daß sich mein Unmuth verminderte. Wie sehr würde ich Ihnen für diesen Dienst danken, wenn es nicht liesse, als ob ich mir dadurch die Versickerung Ihrer Liebe, ihrer ausnehmenden Liebe, in allen ihren Briefen auf immer verp-änden, und Ihren Beifall an mich fts- seln wolte! Auf das Vergnügen Ihres Briefes folgte bald ein anderes. Ich fand etliche Tage darauf in der Samlung vermischter Schriften Ihre Dde an mich eir,geruh. Ich las sie, als ob ick sie noch nicht gelesen hätte. Alles war mir nem, alles schön, und ick wünschte mir Glück', mich auf eine solche Art öffentlich gelobt zu sehn. Meine Eitelkeit gieng noch md; Aa g z ter ?7^ rvschenblatt. ter. Ich las in d-r nächsten Stunde, weil ich gleich Don den Schönbek, ten der Ode handelte, Ihre Ove vor. Ich bat um Vergebung, daß ich Herj genug hatte, meine eigenen Lobsprüche herzulesen, und versicherte sie, (»wie schlug mir das Herz,) daß ich nicht das Lob, sondern das geistreiche Loh wate, das mir Ihr Gedicht schchdar machte. Ich las und hotte Ihren Namen noch mehr genannt. Nun war ich fertig , und sähe um mich herum, und sähe mehr als hundert heitere Gesichter. Wer der Ver« faffer ist , fieng ich an, werdet Poet ist, wollen sie wissen, meine Herren ? Ich antwortete Ihnen aus dem Quintilian in der Dunkelheit mit der er von einem der Setibenten spricht: VirSecuIorum memoria dicmus, qui ohm nommabitur, nunc intelligitur. Doch nein , fuhr ich'sort, Kb rann Ihnen seinen Namen nicht verschweigen, es ist der Herr Baron von Kronek, der mir im vorigen Jahre noch die Ehre erwiesen lat, mein Zuhörer zu sein; aber nicht meinen Regeln, seinem Genie ist er seine Poesie schuldig. 81 piaecepta darcnt eloqucntiam, quis eßet non eloquens. 3“!,.'ch wiederholt es Ihnen, Ihre Ode hat mir äusserst, deutlich gefallen, und ich danke Ihnen dafür, als ob ich noch nicht ge- 7‘7 *^r Kleveland, und wo bleiben Ihre übrigen 9berle? Soll '»warten bis Sie Siz und Stimme im Hofrath lieb’, men ? - Ich weiß Ihnen nichts mehr zu sagen, als was ich Ihnen noch oft sagen werde, daß ich mich nach Ihnen sehne, und recht von Herten Ihr Freund bin und es Zeitlebens fein werdet $ 5 Gellere. Die Es war einmal vor Jahren Ein Mädchen, jung und scheu, Stolz, thörigt, doch erfahren In Putz und Tändelei); Sie blüht' im Flügelkleide Schön, wie ein Röschen schön, Und ihre größte Freude War die, sich fdbfi zu sehn. Puppe. Sobald vom Ost der Morgen Ihr Lager nur beschien Da riefen ihre Sorgen Sie schon zum Spiegel hin. So nahm mit jedem Tage Ihr junger Reiz mehr ein, Doch ihre ganze Sprache Blich immer ja und nem. Einst > LVschendlE. 977 Emst als fn einem Kreist Sie von Gespielen saß, Und stumm nach ihrer Weist Ihr Ja und Nein ermaaß; Auf Putz und süße Miene» Und neue Bänder sann, Da Hub also von ihnen Die schlauste lächelnd an: „Nein, in vollkommnern Grade War nie ein schön Gesicht! Sprecht Schwestern, istö nicht schade Daß dieses Bild nicht spricht? Und alle Mädchen lachten, Benickten, was sie sprach. Und giengcn heim und machten | Ihr gleich die Puppe nach. Ung- AvertifFemenr. Die erste Ziehung der von Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht des regierenden Herrn Landgrafen zu Hessen Darmstadt gnädigst privilegrrtcn und mit fünfzig kaufen Gulden garantirten neuen Zahlen Lotterie bleibt ohnverruckc auf den 15. Decembr. künftigen Monats festgesetzt, diejenige Personen welche sich mit Einsätzen zu intereßiren belieben, können sich an alle authorisirken Herrn Collecteurö wenden, besonders aber an das Haupt Comroir in Gießen bey Simon Levy alwo denenselben mit aller Aufrichtigkeit und promten Bedienung wird an Händen gegangen werden. General Dr'rectl'oir der Hochfürstlich Hessen Darmstadtischen gnädigst privilegikten und garantirten neuen ZahlenLotterie. Neue Bücher so eben in der Kriegerischen Buchhandlung angekommen. Sivers (H Jacob) merkwürdiges Stück aus der Geschichte König Gu- • stav des Ersten, 8. Lübeck 24 kr. Häseler (3* * Fr.) Analytische Betrachtungen über die Theorie der Sphärischen gläsernen Spiegel, 8. Münster x$ kr. Themas Lobrede auf Marc Aurel aus dem Französischen, Lv. Carls- • ruhe is kr. - 1 Abhand- 578 kvschmblatt- Abhandiungm praktisch« und chirurgischen Inhalts aus denen Philosoph,, schm Transaktionen und «saml. I744. otti I7J0 überse-c -k-r Tk il mit Kupfern gr. 8. kübcck r fl. etfW8USra’nrffSr 1 Perflng x r Brascm x 1 Echleyen / Butler - Pfund. fl. io Rindsfett I /oHamelsf. 1 1 Lichter -